The Conduit
Artikel verfasst von Heiko Ellinger am 30.04.2009
Videospiele unterscheiden sich durch ihr jeweiliges Genre auf vielfältige Art und Weise. So sind Sportspiele und Rollenspiele vor allem eines: von Grund auf verschieden. Wii-Spiele haben allerdings häufig Genre-übergreifend eine Gemeinsamkeit, allerdings eine der Sorte, die man lieber nicht hören will: unterdurchschnittliche Grafik. Matschige Texturen, schlechte Animationen und dazu noch ruckelndes Geschehen anstatt eine flüssige Bildrate – willkommen in der Welt eines Wii-Spielers. Aus der Masse herausstechen konnten bisher nur wenige Titel, unter anderem als Paradebeispiel Nintendos Super Mario Galxy. „The Conduit“, der Egoshooter aus dem Hause High Voltage Software mit Publisher Sega schickt sich an, in diesen kleinen Kreis einzudringen. Wir waren zu Besuch bei Sega und haben „The Conduit“ im Online-Modus angespielt. Was kann die Hoffnung aller Wii-Coregamer wirklich?
Action-Fest oder Grafik-Blender?
Seit der Ankündigung von „The Conduit“ beherrschten vor allem Meldungen über die grafische Qualität des Titels die Newssektion aller Magazine. Die Entwickler von High Voltage Software lehnten sich bereits zu Beginn sehr weit aus dem Fenster und wollten mit „The Conduit“ nicht weniger als den grafisch besten Titel auf die Wii zaubern – Balsam für die Seelen aller gebeutelter Core-Gamer. An einen spielerisch guten Titel glaubten zunächst wenige, vor allem im Anbetracht der bisherigen Arbeiten des Entwicklers (mehr dazu im Extrakasten zum Studio). Mit Sega wurde dann allerdings ein Publisher gefunden, der Planungssicherheit bedeutete und die Hoffnungen auf einen guten Titel nährte.
Im schönen, aber leider an diesem Tag verregneten München konnten wir uns nun selbst ein Bild von dem Titel machen, sahen den Storypart in Aktion (mehr dazu im Extrakasten zum Einzelspieler-Modus) und durften selbst mehrere Stunden im Onlinemodus gegen andere Redakteure antreten. Das Gesehene und Gespielte macht zum einen Lust auf mehr und zum anderen sind wir sicher: „The Conduit“ wird einer der überzeugendsten Wii-Titel überhaupt werden und der hübscheste auf jeden Fall. Bevor wir nun aber auf das Dauerthema Grafik eingehen, widmen wir uns zunächst den gespielten Eindrücken. Mit fünf anderen Redakteuren stürzten wir uns in das Action-Geschehen, insgesamt werden im fertigen Spiel aber zwölf Spieler gemeinsam online spielen können. Einen LAN-Modus gibt es nicht, denn auf Nintendos System ist dieser Modus nicht vorgesehen. Eigenen Aussagen zu Folge waren die Entwickler bemüht, eine Lösung mit Nintendo zu finden, doch so müssen wir auf einen LAN-Modus leider verzichten. Die Mehrspieler-Modi werden unterteilt in Einzel- und Teammodi. In der gezeigten Version waren viele Optionseinstellungen für die Matches noch nicht verfügbar, hier können also keine verlässlichen Aussagen getroffen werden, wie man später beispielsweise Teams auswählen kann oder ob sich Siegbedingungen verändern lassen.
Wir spielten zunächst im Modus „Jeder gegen Jeden“: Vor einer Runde kann jeder Spieler seine Stimme abgeben, wonach dann das Waffenset (insgesamt gibt es acht davon), die nächste Karte und der Spielmodus ausgewählt wird. Im Folgenden möchten wir einige Modi genauer erläutern, anschließend aber auch auf bisher bestätigte Features eingehen, die den Titel auf den Mehrspieler-Thron heben sollen.
Explosives Vergnügen – die Spielmodi
Etwa vier Stunden verbrachten wir im Mehrspieler-Modus von „The Conduit“ und konnten so einige Spielmodi ausführlich anspielen. Dies sind aber nicht alle, denn insgesamt wird es dreizehn Modi für Mehrspieler-Freunde geben. Marathon: Im Marathon-Modus haben die Spieler zwanzig Minuten Zeit, um so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Es handelt sich hierbei um klassisches Deathmatch, bei dem wir aber noch nicht wissen, ob sich die Zeit noch anpassen lässt. Bei gleichwertigen Spielern gehen diese Duelle häufig sehr eng zu, vor allem, wenn man das Spiel auf einer passenden Karte austrägt. Diese sind nämlich immer auf bestimmte Spielerzahlen ausgerichtet und so gibt es Karten für die Einteilungen 2-6 Spieler, 8-10 Spieler und 8-12 Spieler.
ASA-Rugby: Ein wichtiges Objekt im Einzelspieler-Part von „The Conduit“ ist das allsehende Auge (ASA). Die vermeintliche Alien-Technologie erlaubt es nämlich, versteckte Räume zu finden oder Systeme zu hacken. Im Mehrspieler-Modus ASA-Rugby müssen die Spieler die Kugel erobern und dann vor den anderen Spielern flüchten. Dabei sind sie langsamer als die Widersacher und können neben Nahkampfangriffen nur Granaten zur Verteidigung nutzen. Wer am Ende der Spielzeit die meisten Sekunden im „Augen-Besitz“ war, ist schließlich der Sieger.
Kopfgeldjäger: In diesem Modus dürft ihr nicht auf alles schießen, was sich bewegt, sondern bekommt immer ein festes Ziel vorgegeben. Eliminiert ihr dann andere Gegner, hagelt es Minuspunkte. Dieser Modus ist sehr herausfordernd, aber auch gelungen, denn die Ungewissheit, wessen Ziel man im jeweiligen Moment ist, macht einen großen Reiz aus. Dazu ist es wirklich knifflig, aus einem Rudel an Gegnern per Raketenwerfer das richtige Ziel herauszufiltern.
Bis zum letzten Mann: Jeder Spieler hat in diesem Modus zehn Leben. Am Ende gewinnt der Spieler mit den meisten übrigen Leben, außer natürlich, alle anderen Spieler haben schon vor Zeitende das Zeitliche gesegnet. Hält man sich in diesem Modus aus dem Gröbsten heraus, kann man mit defensivem Vorgehen erfolgreich sein.
Team – Gemeinsame Reserve: Im Teamspiel gibt es ebenfalls einige Spielmodi. Bei Gemeinsame Reserve haben beide Teams fünfzig Punkte auf dem Konto. Durch jeden Kill wird diese Zahl allerdings verringert, bis ein Team kein Leben mehr zur Verfügung hat.
Mit dem Raketenwerfer im Krankenhaus – die Karten und Waffen
Sieben Karten stehen im Mehrspieler-Part von „The Conduit“ zur Verfügung. Eine geringe Zahl, die aber durch den Abwechslungsreichtum aufgefangen wird. Unter anderem bringt uns das Spiel ins Pentagon oder in ein Krankenhaus, in einem Bunker laufen wir durch verwinkelte Gänge oder messen uns in Straßenschluchten mit unseren Gegnern. Die Karten sind vom Einzelspieler-Modus lediglich das Setting betreffend inspiriert, ansonsten aber extra für den Mehrspieler-Teil konzipiert.
Bei den Waffen gibt es eine Mischung aus Altbekanntem und Alientechnologie. Die wählbaren Waffensets umfassen immer eine Riege zueinander passender Waffen. Wählt man beispielsweise das Waffenset „Explosiv“, wird der Raketenwerfer fester Bestandteil der kommenden Karte. Viele Waffen haben eine integrierte Zoomfunktion, um das Zielen zu erleichtern. Teilweise lässt sich zusätzlich ein alternativer Feuermodus durch das Aufladen der jeweiligen Waffe auslösen. Mit einer Alienwaffe beispielsweise verschießen wir eigentlich einfache orangene Geschosse, aufgeladen wird daraus aber ein tödlicher Strahl, mit dem man aber erstmal treffen muss. Im Nahkampf können wir zusätzlich mit der Waffe nach dem Gegner schlagen und ihn so vielleicht doch noch niederstrecken. Zusätzlich zu den Feuerwaffen gibt es verschiedene Granatentypen. Die Blendgranate sorgt dafür, dass der Bildschirm kurze Zeit weiß ist und man erst langsam wieder die Spielumgebung erkennen kann. Die normale Handgranate löst eine größere Explosion aus, während die Haftgranate, wenn richtig geworfen, am Gegner kleben bleibt und ihm dadurch länger Schaden zufügt.
Von WiiSpeak und Erfahrungspunkten – weitere Features
Abschließend wollen wir einen Überblick verschaffen, welche Funktionen den Mehrspieler-Part nun im Endeffekt ausmachen werden. Wie bereits erwähnt, können maximal 12 Spieler an einer Online-Partie teilnehmen. Da die Nintendo Wi-Fi Connection für das Spiel genutzt wird, kommt es natürlich nicht ohne die ungebeliebten Freundescodes aus, immerhin aber können Freunde von Freunden direkt über das Spiel in die eigene Freundesliste aufgenommen werden. WiiSpeak wird vom Titel unterstützt und im Modus „Jeder gegen Jeden“ auf eine völlig neue Art eingesetzt. Hier hört ihr nämlich nur die Gegner, die sich in eurer Nähe befinden, alle anderen nicht. Damit wird erstmals den räumlichen Verhältnissen Rechnung getragen. Im Teamspiel dagegen könnt ihr euch im gesamten Team verständigen, zu den Gegnern ist aber kein Kontakt möglich. Alle WiiSpeak-Aktivitäten beschränken sich auf Spiele mit Freunden. Diese Beschränkungen liegen aber nicht an Publisher Sega oder gar den Entwicklern selbst, sondern am strengen System von Nintendo. Möchte man die anderen Spieler dann doch mal nicht hören, kann man sie problemlos stumm schalten.
Fünf Charaktere stehen im Mehrspieler-Modus zur Auswahl. Diese können durch weitere Einstellungen noch angepasst werden, so dass sich die Spieler auch genügend unterscheiden. Ein Erfahrungspunkte-System lässt euch außerdem verschiedene Ränge, insgesamt 25, erreichen. Diese haben keine direkten Auswirkungen auf das Spiel, helfen aber bei der Einteilung der Gegner, so dass man nicht durchgehend auf übermächtige Widersacher trifft.
Der Erfolg von „The Conduit“ wird auch davon abhängen, wie der Multiplayer-Part am Ende genutzt wird und ob der Titel so über eine lange Lebensdauer verfügt. Bei unserem Anspieltermin hatten wir eine Menge Spaß. Die Spielmodi sind abwechslungsreich und jedes Match voller Action. Natürlich hätten wir uns noch mehr Karten gewünscht, doch weitaus wichtiger wären vielfältige Einstellmöglichkeiten für die Matches. Hier bleibt abzuwarten, ob die finale Version noch mehr bietet. Auf jeden Fall hat „The Conduit“ das Zeug dazu, den Genre-Thron der Egoshooter zu besteigen. EINSCHÄTZUNG MEHRSPIELER: SEHR GUT
Heiko Ellinger meint...
Ich war anfangs skeptisch. Vollmundige Ankündigungen von Entwicklern gab es schon viele Male, doch selten kam wirklich zählbares dabei heraus. High Voltage Software hat aber Wort gehalten und für mich ist der Titel der grafisch beste auf der Wii neben Super Marios Abenteuer. Und schon dafür sollte man den Entwicklern danken, denn vom Matsch-Einheitsbrei vieler anderer Titel habe ich dann doch genug. Die Zeit beim Anspielen verging wie im Fluge, denn das Spiel ist unkompliziert und actionreich. Der Singleplayer trifft meinen persönlichen Geschmack zwar nicht voll, wird aber ebenfalls ordentliche Unterhaltung bieten. Ende Juni werde ich auf jeden Fall versuchen, den Drudge das Handwerk zu legen - und nebenbei online Prügel verteilen. Ich freu mich drauf!
Ich war anfangs skeptisch. Vollmundige Ankündigungen von Entwicklern gab es schon viele Male, doch selten kam wirklich zählbares dabei heraus. High Voltage Software hat aber Wort gehalten und für mich ist der Titel der grafisch beste auf der Wii neben Super Marios Abenteuer. Und schon dafür sollte man den Entwicklern danken, denn vom Matsch-Einheitsbrei vieler anderer Titel habe ich dann doch genug. Die Zeit beim Anspielen verging wie im Fluge, denn das Spiel ist unkompliziert und actionreich. Der Singleplayer trifft meinen persönlichen Geschmack zwar nicht voll, wird aber ebenfalls ordentliche Unterhaltung bieten. Ende Juni werde ich auf jeden Fall versuchen, den Drudge das Handwerk zu legen - und nebenbei online Prügel verteilen. Ich freu mich drauf!
Informationen zum Spiel