Mahjong 3D: Die Krieger des Kaisers
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 19.02.2012
Mahjong ist ein alter Hut: Wie oft das chinesische Spiel nun schon virtuell umgesetzt wurde, lässt sich gar nicht mehr zählen. „Die Krieger des Kaisers“ begnügt sich daher auch nicht mit einer einfachen Umsetzung, sondern versucht das Spielprinzip mit einer Geschichte und Power-Ups aufzupeppen. Ob das gelingt?
Umständliche Ziegelzerstörung
China im Jahr 235 vor Christus: Der Herrscher des Staates Qi ist tot. Nun übernimmt dessen Sohn Ying Zheng die Macht, der ein großes Ziel hat: Er will alle sieben kriegsführenden Staaten des Landes zu einem Großreich vereinen. Und so zieht er los, um Schlachten zu schlagen, Feldherrn herauszufordern und in eroberten Gebieten Gebäude zu errichten. Doch es fließt weder Blut bei den Kämpfen noch Schweiß beim Bauen: Denn all diese Herausforderungen meistert Ying Zheng mit Mahjong-Partien. Die Geschichte bildet schließlich nur einen Rahmen für 160 solche Herausforderungen. Diese Einrahmung ist an sich löblich, allerdings sind die lieblos präsentierten Dialoge zwischen den einzelnen Herausforderungen völlig uninteressant. Spannung darf nicht erwartet werden – was im Vordergrund steht, sind die Mahjong-Partien.
Das Spielprinzip kennen die meisten: Wir bekommen einen Stapel von Steinen vor die Füße geschüttet und müssen zusehen, wie wir diesen nach und nach abtragen. Entscheidend sind dabei die Symbole auf diesen sogenannten Ziegeln. Wählen wir zwei Steine mit denselben Symbolen aus, verschiedenen sie – vorausgesetzt sie liegen ganz oben auf dem Stapel und sind nicht von anderen Steinen eingeschlossen. Und so klicken wir uns voran, bis der ganze Stapel weg ist. Es kann aber auch dazu kommen, dass einfach kein Zug mehr möglich ist, was das Spiel freundlicherweise mitteilt. Dann haben wir zwei Optionen: Zum einen können wir aufgeben und das Level noch einmal starten. Wenn wir uns vorher durch gutes Spielen Power-Ups verdient haben, könnten diese die Situation aber noch retten. „Mahjong 3D“ lockert das klassische Prinzip unter anderem mit einer Bombe auf. Lassen wir diese auf den Stapel fallen, sprengt sie nicht nur alle Ziegel in der Nähe weg, sondern auch noch deren Gegenstücke an anderen Stellen. Außerdem pusten Wirbelwinde freie Paare vom Spielfeld, während ein anderes Power-Up kurzzeitig erlaub, auch eingerahmte Steine zu entfernen.
Eigentlich ist das Spielprinzip grundsolide, vereint es doch ein bewährtes Konzept mit einigen neuen Impulsen. Allerdings bietet „Mahjong 3D“ kaum mehr als andere Versionen, die auf anderen Systemen bereits für ein paar Euro zu haben sind. Was aber viel schlimmer ist: Das Spiel steuert sich katastrophal. Das gesamte Spielgeschehen läuft nämlich auf dem oberen Bildschirm ab, während der dortige Cursor mit dem Stylus auf dem Touchscreen bewegt wird. Die Bedienung läuft also wie bei einer Computer-Maus ab, nur dass sich das auf dem 3DS nicht besonders intuitiv anfühlt. Allein schon im Menü ist das umständlich, da wir uns durch dieses alternativ nicht mit Tasten klicken dürfen. Bei den eigentlichen Mahjong-Partien wird es noch viel nerviger. Wollen wir einen Ziegel auswählen, müssen wir den Cursor auf die beschriebene Art über diesen Stein bewegen und dann kurz den Stylus vom Touchscreen heben. Dasselbe machen wir dann noch einmal beim dazugehörigen Ziegel, um beide aufzulösen. Das ist unnötig umständlich, nervig und dauert vor allem zu lange. Schließlich gibt es bei diesem Spiel auch Zeitlimits und für das zweier Paare innerhalb von zwei Sekunden Bonuspunkte. Eine intuitive und schnelle Steuerung hätte hier eigentlich gewährleistet werden müssen. Zumindest wäre es wichtig gewesen, die Partien auch auf den Touchscreen verlegen zu können, um die Ziegel dort durch direktes Anklicken auswählen zu können. Dass diese Möglichkeit fehlt, ist ein Fauxpas.
Selber stapeln
Wieso laufen die Partien eigentlich auf dem oberen Bildschirm ab? Das liegt natürlich am 3D-Effekt, auf den die Entwickler wohl einfach nicht verzichten wollten. So richtig nachvollziehen lässt sich diese Entscheidung nicht, bereichert die dritte Dimension das Spielprinzip doch kaum. „Mahjong 3D“ wäre ein deutlich besseres Spiel, wenn die Entwickler den 3D-Effekt für eine gute Steuerung geopfert hätten – und nicht umgekehrt. Auch die Zwischensequenzen werden durch die dritte Dimension nicht bereichert. Die Präsentation ist eh nur zweckmäßig, sodass hier Standbilder mit polygonarmen Figuren und tristen Hintergründen gezeigt werden. Die Gestaltung der Mahjong-Spielbretter wäre so wohl auch auf dem guten alten Nintendo DS möglich gewesen. Bei der Technik herrscht sichtbar Zweckmäßigkeit, was nicht nur für die Optik, sondern auch für den Dudel-Soundtrack gilt.
In Sachen Umfang gibt sich „Mahjong 3D“ solide. 160 Herausforderungen muss der junge Herrscher im Story-Modus überstehen, um die sieben Staaten zu einem Großreich zu vereinen. Im freien Spiel warten noch einmal weitere 96, sodass einige Stunde mit dem Entfernen von Ziegeln gefüllt werden können. Allerdings ist das für ein Vollpreis-Spiel etwas wenig, bieten doch auch viele deutlich günstigere Versionen solch einen Umfang. Mehrspieler-Varianten gibt es leider keine, dafür aber einen gelungenen Editor. Mit diesem lassen sich ganz einfach eigene Stapel zusammenzimmern, wobei sich auch festlegen lässt, welches Vorgehen Power-Ups einbringt. Diese Eigenkreationen lassen sich dann genauso wie Punktestände über die StreetPass-Funktion mit anderen Spielern tauschen. Eine Online-Plattform für diesen Austausch wäre zwar ergiebiger gewesen, dennoch verdienen die Entwickler nach all der Kritik für Editor und StreetPass-Unterstützung Lob.
Sascha Geldermann meint...
„Mahjong 3D“ verbindet ein bewährtes Spielprinzip mit einigen frischen Elementen und serviert damit eigentlich ein interessantes Konzept. Trotz geringen Umfangs, uninteressanter Geschichte und trister Präsentation wäre das immer noch ganz unterhaltsam gewesen. Doch leider haben die Entwickler so sehr auf einen 3D-Effekt bestanden, dass sie dafür eine vernünftige Steuerung über Bord warfen. Ich habe noch nie eine Mahjong-Umsetzung gespielt, die sich so umständlich gesteuert hat – und möchte es auch nie wieder.
„Mahjong 3D“ verbindet ein bewährtes Spielprinzip mit einigen frischen Elementen und serviert damit eigentlich ein interessantes Konzept. Trotz geringen Umfangs, uninteressanter Geschichte und trister Präsentation wäre das immer noch ganz unterhaltsam gewesen. Doch leider haben die Entwickler so sehr auf einen 3D-Effekt bestanden, dass sie dafür eine vernünftige Steuerung über Bord warfen. Ich habe noch nie eine Mahjong-Umsetzung gespielt, die sich so umständlich gesteuert hat – und möchte es auch nie wieder.

GRAFIK
Sowohl die Story-Standbilder als auch die eigentlichen Partien präsentieren sich zweckmäßig.
Sowohl die Story-Standbilder als auch die eigentlichen Partien präsentieren sich zweckmäßig.

SOUND
Passende aber recht eintönige Melodien dudeln im Hintergrund vor sich hin.
Passende aber recht eintönige Melodien dudeln im Hintergrund vor sich hin.

BEDIENUNG
Die umständliche und nervige Steuerung zerstört den Spielspaß. Wieso wurde hier nicht zumindest eine Alternative angeboten?
Die umständliche und nervige Steuerung zerstört den Spielspaß. Wieso wurde hier nicht zumindest eine Alternative angeboten?

UMFANG
Der Umfang ist für ein Vollpreis-Spiel zu gering, Level-Editor und StreetPass-Funktion können die Beschäftigung aber verlängern.
Der Umfang ist für ein Vollpreis-Spiel zu gering, Level-Editor und StreetPass-Funktion können die Beschäftigung aber verlängern.
SPIELSPASS
Bei diesem Mahjong-Spiel wurde die Spielbarkeit für den 3D-Effekt geopfert.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Bei diesem Mahjong-Spiel wurde die Spielbarkeit für den 3D-Effekt geopfert.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Geschicklichkeit
Entwickler
Engine Software
Publisher
dtp young entertainment
Releasedatum
30.11.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Geschicklichkeit
Entwickler
Engine Software
Publisher
dtp young entertainment
Releasedatum
30.11.2011
USK-Freigabe

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