Straßen des Glücks
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 14.02.2012
Der Kapitalismus hat es in das Pilzkönigreich geschafft: Münzen liegen nun nicht mehr einfach in der Gegend herum, sondern müssen mit klugen Investitionen und weitsichtigem Aktienhandel verdient werden. Während in Europa Krisenstimmung herrscht, kommt bei diesen Brettspiel-Finanzgeschäften durchaus Spielspaß auf.
Unterhaltsamer Finanzmarkt
„Straßen des Glücks“ serviert keinesfalls ein neues Spielprinzip. Schließlich handelt sich nur um den neusten Ableger der „Itadaki Street“-Serie, die in Japan bereits im Jahr 1991 ihr Debüt feierte. Nun schafft es diese Reihe erstmals in den Westen, wobei hiesigen Spielern sofort die Ähnlichkeit zu Monopoly auffällt. Mit Charakteren aus dem „Super Mario“- und dem „Dragon Quest“-Universum ziehen wir über Spielbretter, wobei der Würfel per Knopfdruck oder mit einer Handbewegung fällt. Landen wir auf einem Feld mit einem herrenlosen Laden, können wir unser bescheidenes Startkapital dazu verwenden, diesen zu kaufen. Immer wenn ein anderer Spieler nun auf diesem Geschäft strandet, muss er uns ein bisschen von seinem Geld überlassen. Während wir anfangs noch recht bescheidene Preise verlangen, treiben wir diese mit der Zeit immer mehr in die Höhe. Das erreichen wir zum einen dadurch, dass wir mehrere Läden in einem Bezirk kaufen, was automatisch zu einer Aufwertung führt. Wir können den Wert eines Shops aber auch erhöhen, indem wir Geld in ihn pumpen. Hier gibt es aber ein Maximum, sodass wir nicht nach Belieben investieren dürfen. Es ist sehr wichtig, so den Marktwert der eigenen Läden zu erhöhen. Zum einen steigen dadurch die Preise, zum anderen erschwert das aber auch feindliche Übernahmen. Wer den fünffachen Marktwert einer Immobilie auf den Tisch legt, kann einen Mitspieler nämlich einfach zum Verkauf zwingen. So kann es schon einmal passieren, dass Yoshi durch „Dragon Quest“-Schleim enteignet wird.
Ausgangspunkt jeder Partie ist die Bank. Immer wenn die Spieler bei ihren Runden hier vorbeikommen, dürfen sie sich ein nettes Gehalt einstreichen. Dieses steigt mit der Zeit dank Beförderungen, die wir uns durch das Einsammeln von auf den Brettern verteilten Spielkarten-Symbolen verdienen. Da diese Beförderungen wichtig für die schnelle Gewinnanhäufung sind, sollten die Routen so geplant werden, dass sie an diesen Symbolen vorbeiführen. Auf allen der 18 Bretter haben wir schließlich immer wieder die Wahl zwischen verschiedenen Abzweigungen. Unser Weg führt uns auch über jede Menge besondere Felder. Manche davon sind unerfreulich. Besonders das Ruhefeld ist ärgerlich, da dadurch alle eigenen Läden eine Runde lang schließen und keinen Gewinn mehr abwerfen. Um einiges erfreulicher ist das Glücksfeld, dank dem in der nächsten Runde von den Profiten unserer Mitspieler immer eine kleine Provision für uns abfällt. Außerdem gibt es noch einige unbedeutende Minispiele und Fortuna-Felder, die gute und böse Überraschungen bereithalten. Insgesamt ist also auch abseits des reinen Investierens einiges los auf den Spielfeldern.
Das Spielprinzip lebt von Regeln, die einfach und schnell zu erlernen sind, aber so einige taktische Vorgehensweisen eröffnen. Dabei bietet Nintendo zwei Varianten an: Die einfachen Regeln richten sich an junge Spieler und Anfänger, denn hier geht es einzig allein um das Kaufen und Vergrößern von Läden. Die komplexere Variante ist auf Dauer aber um einiges interessanter, denn hier spielen zusätzlich auch Aktien noch eine wichtige Rolle. Aktiengeschäfte klingen zwar erst einmal kompliziert, dieses Spiel bietet aber in allen Bereichen solch eine erstaunlich intuitive Bedienung, dass das Handeln an der Börse leicht von der Hand geht. Im Grunde müssen wir abschätzen, welche Bezirke des Spielfelds sich am meisten entwickeln werden. In diesen kaufen wir dann Aktien, deren Wert steigt, wenn die Läden in diesen Bezirken durch Investitionen an Wert gewinnen. Daneben beeinflussen noch einige andere Faktoren den Kurs – unter anderem sinkt er, wenn ein Spieler mehr als zehn Aktien verkauft. Das kann natürlich auch eingesetzt werden, um Kontrahenten gezielt zu schaden.
Insolvenz oder der große Reibach?
Jeder Spieler besitzt einen Bargeld-Vorrat und ein Gesamtvermögen, das sich aus Bargeld, Immobilienwerten und Aktien zusammensetzt. Ziel jeder Partie ist es, ein bestimmtes Gesamtvermögen sich erwirtschaften. Sobald dies ein Spieler schafft, muss er zur Bank zurückeilen und sich dort den Sieg sichern. Wer bankrottgeht, ist natürlich direkt aus dem Spiel. Das Ganze wird im Einzelspieler-Modus immer anspruchsvoller. Während sich eines der 18 Bretter nach dem anderen freischaltet, verhalten sich die KI-Gegner immer gerissener. Das Ganze macht durchaus Spaß, gestaltet sich bisweilen aber auch ein bisschen zäh. Eine Stunde reicht vielleicht für die eingängige Tutorial-Partie aus, später müssen aber eher zwei oder drei Stunden eingerechnet werden. Aber keine Sorge: Dank Speicherfunktion muss hier nicht am Stück gewirtschaftet werden. Dennoch hätten sich Einzelspieler über ein paar Motivationsanreize gefreut – neue Klamotten für Mii-Charaktere reichen einfach nicht aus.
Richtig punkten kann „Straßen des Glücks“ im Mehrspieler-Modus. Wenn sich vier Immobilien-Haie zu einem virtuellen Brettspiel-Abend vor dem Fernseher versammeln, kommt richtig Freude auf. Anfänger lernen die Regeln schnell und fangen schon bald mit dem Taktieren an: Wie kann ich meine Mitspieler zermürben? Welcher Aktienkauf macht Sinn? Sollte ich einen Konkurrenten zum Verkauf zwingen oder das Geld lieber anders anlegen? So geht ein Abend schnell vorbei. Schade ist allerdings, dass es bei diesen Mehrspieler-Partien keine Speicherfunktion gibt – diese wäre bei den mehrstündigen Sessions sehr sinnvoll gewesen. Wer seine lokalen Freunde nicht für den Finanzmarkt begeistern kann, darf übrigens auch im Internet auf die Suche nach Mitspielern gehen. Über die Wi-Fi Connection wählt ihr entweder Spieler aus eurer Freundesliste aus oder ihr fordert unbekannte Konkurrenten aus der ganzen Welt heraus –Globalisierung ist doch etwas Feines.
Dank der „Super Mario“- und der „Dragon Quest“-Lizenz tummeln sich nicht nur Figuren aus diesen Reihen auf den Spielbrettern, auch die Hintergründe und Musikstücke sind aus den Serien entnommen. Besonders liebevoll haben die Entwickler die Lizenzen aber nicht eingebunden. Die Bretter an sich haben nichts mit den Marken zu tun, nur im Hintergrund ist mal eine „Dragon Quest“-Weltkarte, mal die Insel Isla Delfino aus „Super Mario Sunshine“ zu sehen. Das ist genauso austauschbar wie die Figuren. Die KI-Charaktere kommentieren zwar jeden ihrer Züge, geben dabei aber meistens nur Unsinn von sich, der nur selten zu ihnen passt. Diese Kommentare ziehen die Züge nur sinnlos in die Länge und sollten gleich deaktiviert werden. Zumindest die Musikstücke überzeugen aber, die Fans beider Reihen zufriedenstellen sollten. Und auch die Charaktergestaltung ist ganz nett, wobei die ganze Präsentation aber sehr simpel und zweckmäßig gehalten ist. Hier waren die Entwickler selbst wohl nicht investitionsfreudig genug, um ausreichend Zeit und Mühe in die Optik zu stecken.
Sascha Geldermann meint...
Ladenkauf und Aktienhandel – das klang in meinen Ohren nie besonders unterhaltsam. Doch „Straßen des Glücks“ hat mich eines Besseren belehrt. Die durchdachten Regeln sorgen für Spaß, da sie zum einen leicht zu lernen sind, zum anderen aber Raffinessen bereithalten und jede Menge Möglichkeiten eröffnen. Zäh sind die Partien manchmal schon, aber wer sich mit langsamen und komplexen Spielen anfreunden kann, wird sich vor allem im Mehrspieler-Modus so einige Abende von Finanzgeschäften fesseln lassen.
Ladenkauf und Aktienhandel – das klang in meinen Ohren nie besonders unterhaltsam. Doch „Straßen des Glücks“ hat mich eines Besseren belehrt. Die durchdachten Regeln sorgen für Spaß, da sie zum einen leicht zu lernen sind, zum anderen aber Raffinessen bereithalten und jede Menge Möglichkeiten eröffnen. Zäh sind die Partien manchmal schon, aber wer sich mit langsamen und komplexen Spielen anfreunden kann, wird sich vor allem im Mehrspieler-Modus so einige Abende von Finanzgeschäften fesseln lassen.

GRAFIK
Trotz vieler Farben – die Grafik sieht nur zweckmäßig aus.
Trotz vieler Farben – die Grafik sieht nur zweckmäßig aus.

SOUND
Die Musikstücke machen sowohl „Super Mario“- als auch „Dragon Quest“-Fans glücklich.
Die Musikstücke machen sowohl „Super Mario“- als auch „Dragon Quest“-Fans glücklich.

BEDIENUNG
Lob an die Entwickler: Komplexe Finanzgeschäfte gehen hier locker von der Hand.
Lob an die Entwickler: Komplexe Finanzgeschäfte gehen hier locker von der Hand.

UMFANG
Für Mehrspieler-Abende ist dieser Titel immer wieder gut, Einzelspieler bekommen derweil zu wenig Motivationsanreize vor die Nase gesetzt.
Für Mehrspieler-Abende ist dieser Titel immer wieder gut, Einzelspieler bekommen derweil zu wenig Motivationsanreize vor die Nase gesetzt.
SPIELSPASS
Clevere Spielregeln machen den Finanzmarkt tatsächlich unterhaltsam – die Partien können für Solo-Investoren bisweilen aber auch zäh sein.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Clevere Spielregeln machen den Finanzmarkt tatsächlich unterhaltsam – die Partien können für Solo-Investoren bisweilen aber auch zäh sein.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Geschicklichkeit
Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Releasedatum
23.12.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Geschicklichkeit
Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Releasedatum
23.12.2011
USK-Freigabe

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