Resident Evil: Revelations
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 07.02.2012
Die Rückkehr zum Survival-Horror und damit zu den Wurzeln der „Resident Evil“-Serie – nichts weniger hat Capcom seit der Ankündigung von „Revelations“ versprochen. Und es stimmt: An Bord eines verlassenes Kreuzfahrtschiffes hat Jill Valentine endlich wieder mit dem Grauen zu kämpfen, das die Reihe ursprünglich auszeichnete. Vollkommen erfüllen kann dieser Horrortrip die hohen Erwartungen dennoch nicht.
Kreuzfahrtschiff mit Herrenhaus-Atmosphäre
Kaum hat die Reise mit dem Kreuzfahrtschiff „Queen Zenobia“ begonnen, riecht es bereits nach Herrenhaus. Wenn Jill Valentine sich in engen Gängen vorantastet, bedrohliche Schatten vorbeiziehen und ganz in der Nähe ein Poltern zu hören ist, werden Erinnerungen an Raccoon City wach. Fast meint man, irgendwo das Stöhnen eines Zombies zu hören – doch die schlurfenden Untoten haben hier keinen Auftritt. Stattdessen machen uns ganz andere Mutanten das Leben zur Hölle: Tentakelwesen nehmen uns in den Klammergriff, Wölfe reißen uns zu Boden und selbst die bekannten Hunter trachten wieder nach unserem Leben – wobei sich diese nun sogar kurzzeitig unsichtbar machen können. Mit so viel Leben hatten wir auf dem verlassenen Schiff gar nicht gerechnet, sodass wir viel zu wenig Munition eingepackt haben. Abseits des leichten Schwierigkeitsgrades ist also wie in guten alten Zeiten Sparsamkeit angesagt. Fürs Überleben ist es oft klüger, die direkte Konfrontation zu umgehen. Dabei hilft ein intuitives Ausweich-System, das mit dem richtigen Timing lebensrettend sein kann.
Ganz ohne Waffengewalt geht es aber dennoch nicht. Dabei lösen sich die Entwickler von einem alten Grundsatz: Die Protagonisten können sich nun beim Schießen weiterhin bewegen. Zielen lässt sich dabei sowohl aus der Schulteransicht, als auch aus der Ego-Perspektive, wobei letzteres präziser funktioniert. So können wir leichter Mutanten-Köpfe ins Visier nehmen, die nicht ganz so viele Kugel fressen wie andere Körperteile. Hartnäckige Gegner und vor allem die imposanten inszenierten Bosse kann aber selbst ein Meisterschütze mit einer normalen Pistole kaum kleinbekommen. Zum Glück wandert nach und nach das typische Waffenarsenal in den Besitz von Frau Valentine: von der Shotgun über die Magnum bis hin zum Scharfschützengewehr. Da wir nur drei Ballermänner gleichzeitig mitschleppen können, müssen wir alle anderen in Waffenkisten deponieren. Auch diese erinnern an frühere Serienableger, handelt es sich doch um Truhen, die auf zauberhafte Weise alle miteinander verbunden sind. Hier deponieren wir aber wirklich nur Waffen, während wir Schlüsselobjekte und Heilkräuter stets bei uns tragen – eine Rückkehr zu nervigen Inventarproblemen müssen Fans nicht befürchten.
Unser Arsenal dürfen wir an den Waffenkisten sogar aufrüsten. Dabei haben sich die Entwickler für ein neues System entschieden. So finden wir immer wieder Zubehörteile, die sich Waffen zuordnen lassen und so deren Feuerkraft erhöhen oder die Munitionskapazität steigern. Diese Modifikationen lassen sich mit einigen Einschränkungen zwischen den Waffen austauschen, was Taktik ins Spiel bringt. So können wir nämlich immer wieder überlegen, welche Erweiterung bei welcher Waffe gerade sinnvoll wäre und uns so auf unser weiteres Vorgehen vorbereiten. Schließlich ist Überleben bei „Resident Evil: Revelations“ keine leichte Angelegenheit. Die Gegner werden immer fieser, die Ereignisse immer dramatischer und manchmal müssen wir sogar Unterwasser-Passagen überstehen, in denen wir uns unseren Gegnern hilflos ausgeliefert fühlen. Jills Partner Parker Luciani ist dabei zumeist keine besonders große Hilfe. Er schießt zwar auf die Gegner, arbeitet dabei aber nicht besonders effektiv. Zumindest müssen wir ihn aber auch nie retten und uns auch kein Inventar mit ihm teilen. Ehrlichgesagt würde es nicht besonders auffallen, wenn er nicht dabei wäre – was bei einem Einzelspieler-Abenteuer und in Hinblick auf den fünften Serienableger nicht negativ zu werten ist.
Und doch wieder Action
Die Geschichte rund um den globalen Bioterrorismus beschränkt sich bei Weitem nicht nur auf die „Queen Zenobia“. Die Story springt im Episoden-Format immer wieder zu verschiedenen Orten und verläuft auch zeitlich nicht gradlinig. Das Ganze hat etwas von einer Fernseh-Serie, zumal am Anfang jeder Episode die Ereignisse der vorangegangenen noch einmal in einem kurzen Rückblick zusammengefasst werden. Diese Struktur hat den Vorteil, dass sie Spannung aufbaut – zumal es am Ende jeder Episode einen Cliffhanger gibt. Außerdem ist das Episoden-Format für ein Handheld-Spiel gut geeignet, da sich so geschlossene Sessions von 20 bis 30 Minuten ergeben. Speichern lässt sich nur an Kontrollpunkten und am Ende jeder Episode – was aufgrund der Kürze der Episoden kein Ärgernis darstellt.
Sauer stößt aber auf, dass die Abschnitte abseits des Kreuzfahrtschiffs mit Survival-Horror nicht mehr viel zu tun haben und viel zu oft in durchschnittliche Action abdriften. Dabei übernehmen wir die Rolle von anderen Agenten der Organisation BSAA, die sich dem Kampf gegen Biowaffen verschrieben hat. Veteran Chris Redfield und seine neue Partnerin Jessica Sherawat sowie die beiden nerdigen Newcomer Quinth und Keith treiben sich unter anderem in schneebedeckten Berggegenden herum. Während sich Jill und Parker auf der Queen Zenobia frei bewegen und umschauen dürfen, handelt es sich bei den anderen Abschnitten um Levelschläuche, in denen die Waffen sprechen. Manchmal kommen ganze Horden an Gegner auf uns zugestürmt, die wir dann minutenlang abwehren. Dankbar sind wir da für jede Handgranate und vor allem für die neuen Fallen, die Mutanten erst durch einen Ton anlocken und dann in kleine Stücke sprengen. Das Ganze wird immer wieder durch spannende Situationen aufgelockert, beispielsweise wenn Chris einen Abhang hinunterstürzt und sich im Liegen ein ganzes Rudel von mutierten Wölfen vom Leib halten muss. Unterm Strich wird hier aber nicht die hohe Qualität der Horror-Kreuzfahrt gehalten. Die meisten Fans wären wohl glücklicher gewesen, wenn Capcom auf die Action-Ausflüge verzichtet und sich voll und ganz auf den Survival-Horror konzentriert hätte.
Die Action-Abschnitte bieten keine großen Besonderheiten, spielen sich dank einer ordentlichen Steuerung aber wenigstens vernünftig. Sehr ans Herz zu legen ist dabei das Schiebepad Pro, das dem 3DS einen zweiten Analog-Stick spendiert und auch im Bundle mit dem Spiel erhältlich ist. Mit diesem Zubehör geht das Zielen wesentlich leichter von der Hand. Ohne Peripherie ist das Anvisieren manchmal etwas hakelig, doch auch so werdet ihr keine tausend Tode aufgrund von Bedienungsproblemen sterben. Angenehm ist, dass sich über das Steuerkreuz leicht zwischen den Waffen wechseln lässt. Alternativ ist das auf dem Touchscreen möglich, der auch für ein paar Rätsel genutzt wird. Wer auf Knobelaufgaben oder Schieberätsel gehofft hat, wird aber enttäuscht sein. Rätsel sind rar gesät und beschränken sich meistens auf das Knacken von Türschlössern. An vielen anderen Stellen reicht es, einfach nur Schlüssel zu finden. Das lässt auf der Queen Zenobia Oldschool-Stimmung aufkommen - vor allem wenn Jill mal wieder vor einer verschlossenen Tür mit eingraviertem Symbol steht.
Wenn die BSAA-Agenten nicht gerade Mutanten in kleine Stücke schießen oder Türschlösser knacken, untersuchen sie oft die Umgebung mit dem Genesis-Scanner. Dieses neue Zubehör spürt zuverlässig Gegenstände auf, die sich mit bloßem Auge nicht erkennen lassen. Wer sich zusätzliche Heilkräuter, Zubehörteile für die Waffen und mehr Munition nicht entgehen lassen möchte, sollte sich damit regelmäßig umschauen. Außerdem erhalten wir kleine Boni, wenn wir alle Gegner in einer Umgebung scannen – tot oder lebendig. Es klingt vielleicht ein bisschen nervig, ständig den Scanner auspacken zu müssen. Aber in der Praxis lässt sich mit einem einzigen Knopfdruck so schnell zwischen Waffe und Scanner wechseln, dass sie Nerven dadurch nicht belastet werden. Diese werden eher dann angegriffen, wenn ein Mutant seine Tentakel in unseren Körper schlägt und Bluttropfen auf dem Bildschirm unseren baldigen Tod prophezeien.
Filmreifer Horrortrip
„Resident Evil: Revelation“ muss sich in Sachen Umfang nicht vor den Hauptteilen der Serie verstecken. Rund zwölf Stunden dauert der Horrortrip, was für ein Handheld-Spiel recht ordentlich ist. Weniger wäre hier sogar mehr gewesen, ist doch immer wieder Backtracking angesagt. Vor allem gegen Ende des Spiels hetzen wir von einer Seite des Schiffes zur anderen, was das Abenteuer nur künstlich in die Länge zieht. Das wäre doch gar nicht nötig gewesen, zumal die Entwickler mit dem Raubzug-Modus einen viel besseren Weg gefunden haben, Spieler an den 3DS zu fesseln. Hier müssen kleine Aufgaben an Schauplätzen aus dem Hauptspiel gelöst werden. Dafür lässt sich sowohl lokal als auch online ein Mitspieler als Unterstützer anheuern. Aber auch Einzelspieler kommen hier auf ihre Kosten. Immerhin motiviert im Raubzug-Modus ein separates Level-System, durch das die Charaktere aufsteigen und die Waffen immer schlagkräftiger werden. Motivierender als der Mercenaries-Modus anderer Serienableger ist das allemal. Und wer hier auch alles gesehen hat, kann sich ja einfach noch einmal ins Hauptspiel stürzen. Da sich Gegenstände und Waffen übernehmen lassen, ist Wiederspielwert definitiv gegeben.
Capcom liefert mit „Resident Evil: Revelations“ nicht nur ein sehr gutes Gameplay ab, sondern auch eine überragende Technik. Was die Entwickler hier mit der hauseigenen MT Framework-Engine auf den Bildschirm zaubern, ist einfach nur beeindruckend und allen anderen 3DS-Titeln weit voraus. Das Spiel mit Licht und Schatten, die vielen Details und die scharfen Texturen – die Kulissen des Abenteuers sehen fantastisch aus. Dazu kommen butterweiche Animationen und ein 3D-Effekt, der den Horrortrip weiter intensiviert. Diese optische Tiefe kommt vor allem bei den vorgerenderten Zwischensequenzen gut zur Geltung, die mit ihrer filmreifen Qualität das optische Gesamtpacket abrunden. Lediglich das Aussehen einiger Charaktere wird nicht jedermanns Geschmack sein, während die Gegner auf eine gute Weise richtig schön fies aussehen – und auch fies klingen. Für Gänsehaut sorgt auch der Soundtrack, der teilweise orchestral eingespielt ist. Die deutsche Sprachausgabe überzeugt derweil weniger, da viele Sprecher einfach zu unmotiviert klingen – aber diese lässt sich im Hauptmenü leicht gegen die deutlich bessere englische Version austauschen.
Sascha Geldermann meint...
Die Horror-Kreuzfahrt mit der „Queen Zenobia“ hat mir als Serien-Fan Angstschweiß auf die Stirn und Freudentränen in die Augen getrieben. Schließlich muss Jill Valentine hier in engen Schiffskorridoren wie in guten alten Zeiten mit viel zu wenig Munition ums Überleben kämpfen. Schockmomente gibt es genug, die auch noch durch eine Pracht-Grafik exzellent in Szene gesetzt werden. Leider kann „Resident Evil: Revelations“ diese hohe Qualität nicht durchgängig halten. Immer wenn das Geschehen im Episodenformat an andere Orte springt, muss der Survival-Horror stumpfsinnigen Action-Passagen weichen. Wer eine konsequente Rückkehr zu den Serien-Wurzeln erwartet hat, könnte ein bisschen enttäuscht sein – verpassen dürfen Fans diesen Handheld-Horror aber auf keinen Fall!
Die Horror-Kreuzfahrt mit der „Queen Zenobia“ hat mir als Serien-Fan Angstschweiß auf die Stirn und Freudentränen in die Augen getrieben. Schließlich muss Jill Valentine hier in engen Schiffskorridoren wie in guten alten Zeiten mit viel zu wenig Munition ums Überleben kämpfen. Schockmomente gibt es genug, die auch noch durch eine Pracht-Grafik exzellent in Szene gesetzt werden. Leider kann „Resident Evil: Revelations“ diese hohe Qualität nicht durchgängig halten. Immer wenn das Geschehen im Episodenformat an andere Orte springt, muss der Survival-Horror stumpfsinnigen Action-Passagen weichen. Wer eine konsequente Rückkehr zu den Serien-Wurzeln erwartet hat, könnte ein bisschen enttäuscht sein – verpassen dürfen Fans diesen Handheld-Horror aber auf keinen Fall!

GRAFIK
Capcom holt alles aus dem 3DS heraus, um die schaurigen Kulissen beeindruckend in Szene zu setzen.
Capcom holt alles aus dem 3DS heraus, um die schaurigen Kulissen beeindruckend in Szene zu setzen.

SOUND
Der orchestrale Soundtrack unterstreicht die Grusel-Atmosphäre gekonnt. Die deutsche Sprachausgabe sollte im Menü aber gegen die englische ausgetauscht werden.
Der orchestrale Soundtrack unterstreicht die Grusel-Atmosphäre gekonnt. Die deutsche Sprachausgabe sollte im Menü aber gegen die englische ausgetauscht werden.

BEDIENUNG
Ohne das Schiebepad Pro ist die Steuerung etwas hakelig, mit diesem Zubehör geht sie derweil sehr leicht von der Hand.
Ohne das Schiebepad Pro ist die Steuerung etwas hakelig, mit diesem Zubehör geht sie derweil sehr leicht von der Hand.

UMFANG
Zwölf Stunden benötigt die Wahrheit, um ans Licht zu kommen – was allerdings auch durch Backtracking erkauft wird. Zusätzlich motiviert der Raubzug-Modus.
Zwölf Stunden benötigt die Wahrheit, um ans Licht zu kommen – was allerdings auch durch Backtracking erkauft wird. Zusätzlich motiviert der Raubzug-Modus.
SPIELSPASS
Dieses packend inszenierte Resident Evil findet zu alten Horror-Stärken zurück, ist dabei aber zu inkonsequent.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dieses packend inszenierte Resident Evil findet zu alten Horror-Stärken zurück, ist dabei aber zu inkonsequent.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action
Entwickler
Capcom
Publisher
Capcom
Releasedatum
27.01.2012
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action
Entwickler
Capcom
Publisher
Capcom
Releasedatum
27.01.2012
USK-Freigabe

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