LEGO Harry Potter: Die Jahre 5 - 7
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 15.01.2012
Die LEGO-Spielevarianten erfreuen sich immer noch größter Beliebtheit. Jedes größere Filmepos wird mittlerweile konsequent in Klötzchengrafik umgewandelt und bekommt den ganz eigenen LEGO-Touch spendiert. Nach den ersten vier Jahren der Harry Potter Romane müssen natürlich noch die wenigen verbleibenden Abenteuer, die Jahre 5-7 Abgehandelt werden. Wieder einmal nur das selbe Spiel mit einem anderen Hintergrund, oder können wir uns diesmal auf eine fast schon magische Überraschung freuen?
Zurück nach Klotzwarts
Zugegeben, das Wortspiel war etwas schlecht, aber lassen wir es einfach mal stehen. Damit zumindest eine Sache in diesem Artikel originell wirkt.LEGO – bzw. der Hersteller Traveller's Tales (Tt Games) – haben ihr Konzept mehr als verinnerlicht. Lange ist's her, dass das Spielprinzip mit LEGO Star Wars einen unerwarteten Erfolgshit landete. Danach ging, im wahrsten Sinne des Wortes, der Sturm los, denn neben diversen Star Wars Umsetzungen kamen auch Batman, Indiana Jones, Fluch der Karibik und nicht zuletzt die Harry Potter Spiele in den Genuss einer eigenen LEGO-Versoftung. Warum ich das hier schreibe, obwohl Ihr das bestimmt alle schon wisst?
Nun, ganz einfach: des Platzes wegen. Eigentlich könnte man diesen Review einfach folgendermaßen schreiben: „Man nehme sich irgend einen anderen Test eines LEGO-Spieles aus unserer Datenbank, und ersetze den jeweiligen Titel durch „Harry Potter“ und passe die Namen an.“ Das ganze mag jetzt wohl etwas sarkastisch, vielleicht sogar zynisch klingen, aber so ist es nun mal: aus den LEGO-Spielen geht langsam aber sicher der Saft raus. Wo der Fluch der Karibik-Ableger noch durchaus überzeugen konnte, stellt sich bei Harry Potter sehr schnell Monotonie ein. Von einem Level ins nächste, dabei in groben (diesmal sogar zu groben) Zügen die Geschichte der einzelnen Filme nacherzählen und ggf. noch etwas humorvolles dazudichten. Hier und da ein paar kleine Rätsel, und dabei immer schön die Klötzchen einsammeln, die wir aus den Massen von zerstörbaren Objekten innerhalb der Spielwelt erhalten.
Allerdings darf man auch nicht zu hart mit der Geschichte um den berühmtesten Zauberlehrling der Welt sein. Auch diese LEGO-Umsetzung bleibt dem alten Grundsatz treu, bekanntes noch einmal neu und durchaus humorvoll zu präsentieren. Kleine Abweichungen von der Hauptstory und winzige Unterschiede im Gameplay machen das Spiel dann trotzdem wieder zu etwas eigenem, auch wenn man spätestens nach der 4. oder 5. Stunde alles, was neu war, schon wieder übersieht und nur noch das alte Grundgerüst eines LEGO-Spieles vor sich hat.
Wie immer hat sich Tt Games große Mühe mit der Gestaltung der Spielwelt gegeben. Authentische und sehr detailreich gestaltete Level warten auf den Harry Potter Fan, der die Winkelgasse, den Flug über die Themse und die Dächer Londons oder die Wälder rund um Hogwarts sehr schnell wiedererkennen wird. Die Geschichte hält sich dabei natürlich an die Vorbilder aus Buch und Film.
Wie auch in den anderen Umsetzungen der LEGO-Spiele ist aber nicht alles damit getan, massenhaft Inventar aus den einzelnen Leveln zu zerlegen und hier und da mal ein paar Puzzles zu lösen. Die zur Verfügung stehenden Charaktere müssen mit ihren Eigenschaften und Fähigkeiten kombiniert werden, um weiter zu kommen. So müssen wir in der ersten Szene des Spiels (der Beginn des Buches „Der Orden des Phönix“) mehrfach zwischen Dudley und Harry wechseln, da Harry mit seinen magischen Fähigkeiten zwar Gegenstände hochheben und durch die Luft schweben lassen kann, aber zu schwach ist, einen großen Klotz an die Seite zu räumen, der den Weg versperrt.
Apropos Zaubern, dieser „Aspekt“ im Spiel fällt etwas negativ auf. Denn bei Harry Potter zaubert ein Großteil der Charaktere – was bedeutet, dass wir Ziele und zerstörbare Dinge immer aus der Distanz heraus erwischen müssen. Wir haben zwar die Möglichkeit, mit gedrückter B-Taste mehrere Ziele gleichzeitig zu markieren, die unser Zauberscherge dann nach einander abschießt, aber mit (Laser)Schwert einfach auf das Ziel loszurennen und es mit ein paar beherzten Schlägen in seine Einzelteile zu zerlegen macht bei weitem mehr Spaß, als still in der Gegend herum zu stehen und zu hoffen, dass die etwas dürftige Auto-Ziel-Automatik mal einen guten Moment hat und auch das gewollte Ziel trifft – anstatt unseres Mitläufers.
Geister, Gören und Gestörte
Wer die Bücher kennt, darf von der Geschichte hinter dem Spiel keine besonderen Überraschungen erwarten. Wer die Bücher (oder Filme) allerdings nicht kennt, wird sich an mancher Stelle, berechtigterweise, einmal Fragen: „Äh... wie jetzt?“ - denn das Spiel erzählt, wie schon erwähnt, die Geschichten der 3 Bücher nur sehr dürftig und lückenhaft. Das hat auch seine Vorteile, warum sollte ein 30 Minuten dauerndes Gespräch der Charaktere auch detailliert im Spiel umgesetzt werden?Allerdings kommt zu dieser lückenhaften Erzählweise auch noch ein sehr einfacher und für die LEGO-Reihe typischer Schwierigkeitsgrad hinzu. Wie schon in anderen Teilen der Serie ist Harry Potter – die Jahre 5-7 praktisch Gewaltfrei. Blut ist natürlich Mangelware, Sterben können wir auch nicht – und allerhöchstens zerfallen unsere Gegner, wenn es sie denn einmal gibt, in einzelne LEGO-Steine. Auch die Rätsel im Spiel sind ein Klacks und werden höchstens einmal dadurch erschwert, dass das benötigte Teil einfach „irgendwo“ im Level versteckt ist und wir erst einmal eine ganze Weile nach besagtem Gegenstand suchen müssen. Nicht schwierig – eher nervig.
Wer nicht in den typischen Sammelwahn verfällt und sich nur auf das beenden der Hauptgeschichte konzentriert, wird dementsprechend sehr schnell mit dem Spiel fertig sein. Zwar sind, wie in allen anderen Spielen zuvor auch, alle Level mit einzelnen Teilen bestückt, die wir erst später im freien Spiel mit anderen Charakteren lösen können, doch der Kern der Geschichte ist viel zu einfach und simpel gestrickt.
Der spielerische Kern des Titels hält sich also praktisch genau so wie die Vorgänger, auch wenn sich Harry Potter etwas schwer tut, mit dem Tempo und Witz der anderen Geschichten mitzuhalten. Generell wirkt das Spiel sehr viel ernster und auch düsterer als die recht heiteren Vorgänger, und beinhaltet leider auch mal den ein oder anderen ermüdenden Hänger in der Geschichte. Dadurch zünden auch einige Gags in den Zwischensequenzen nicht wirklich – oder sie sind gar nicht erst vorhanden.
Auf technischem Niveau hat sich im Vergleich zu anderen Spielen der LEGO-Reihe nichts getan. Die Präsentation der Spielwelten ist immer noch gelungen und wunderbar detailreich, die Steuerung hat sich praktisch nicht verändert und der Sound orientiert sich wieder einmal an der filmischen Vorlage, wobei die Charaktere nur durch (teilweise sehr nervige) Laute miteinander kommunizieren. Dass das Charakterdesign in diesem Teil nicht das beste ist, liegt an der filmischen Vorlage und kann den Designern nicht vorgehalten werden – in Fluch der Karibik gibt es einfach wesentlich mehr Unterschiede zwischen den einzelnen Charakteren als in den Hallen und Höfen von Hogwarts – Stichwort „Uniform“. Wie viele Jump 'n' Runs hat aber auch Harry Potter mit einigen Kameraproblemen zu kämpfen, die besonders bei Sprung-Passagen immer wieder zu kleinen Frustmomenten führen können. Zudem wiederholen sich einige Aufgaben sehr oft.
Aljoscha Reuther meint...
Meine Kollegen könnten zwar anderer Meinung sein, doch für mich sind die Harry Potter Spiele die schwarzen Schafe der LEGO-Reihe. Keiner der Titel mit dem Zauberlehrling konnte bei mir wirklich zünden, was vor allem daran liegt, dass der typische Humor der Macher scheinbar nicht so ganz ins Universum der Hexen und Zauberer passt. Was aber passt ist die gelungene Präsentation der Spielwelt und die Verknüpfung mit den LEGO-Steinen, auch wenn eines wohl spätestens seit diesem Spiel klar ist: LEGO und Tt Games müssen sich so langsam mal etwas neues überlegen, denn aus dem alten Prinzip ist so Langsam die Luft raus. Dennoch geht auch Harry Potter's zweite Reise durch das LEGO Universum recht gut aus und macht letztendlich Spaß – auch wenn Fluch der Karibik und Star Wars dem Zauberlehrling in Sachen Spielspaß davonfliegen.
Meine Kollegen könnten zwar anderer Meinung sein, doch für mich sind die Harry Potter Spiele die schwarzen Schafe der LEGO-Reihe. Keiner der Titel mit dem Zauberlehrling konnte bei mir wirklich zünden, was vor allem daran liegt, dass der typische Humor der Macher scheinbar nicht so ganz ins Universum der Hexen und Zauberer passt. Was aber passt ist die gelungene Präsentation der Spielwelt und die Verknüpfung mit den LEGO-Steinen, auch wenn eines wohl spätestens seit diesem Spiel klar ist: LEGO und Tt Games müssen sich so langsam mal etwas neues überlegen, denn aus dem alten Prinzip ist so Langsam die Luft raus. Dennoch geht auch Harry Potter's zweite Reise durch das LEGO Universum recht gut aus und macht letztendlich Spaß – auch wenn Fluch der Karibik und Star Wars dem Zauberlehrling in Sachen Spielspaß davonfliegen.

GRAFIK
Wie immer ist die Grafik absolut in Ordnung, viele Details und viele Farben machen die Spielwelt aus. Allerdings fehlt es den Charakteren oftmals an Unterscheidungsmerkmalen.
Wie immer ist die Grafik absolut in Ordnung, viele Details und viele Farben machen die Spielwelt aus. Allerdings fehlt es den Charakteren oftmals an Unterscheidungsmerkmalen.

SOUND
Die Musik stammt praktisch direkt aus den Filmen und wirkt etwas zu düster für das Spiel. Die Brabbelstimmen der Figuren nerven nach einiger Zeit merklich.
Die Musik stammt praktisch direkt aus den Filmen und wirkt etwas zu düster für das Spiel. Die Brabbelstimmen der Figuren nerven nach einiger Zeit merklich.

BEDIENUNG
Kameraprobleme und ein schlechtes Zielen für's Zaubern drücken die an sonsten sehr gut ausgefallene Steuerung.
Kameraprobleme und ein schlechtes Zielen für's Zaubern drücken die an sonsten sehr gut ausgefallene Steuerung.

UMFANG
Im Vergleich zu anderen LEGO-Spielen fehlt es Harry Potter an Umfang, zudem gibt es oft Wiederholungen von Rätseln und oftmals langweilige Rätsel. Zudem ist das Spiel etwas zu einfach ausgefallen.
Im Vergleich zu anderen LEGO-Spielen fehlt es Harry Potter an Umfang, zudem gibt es oft Wiederholungen von Rätseln und oftmals langweilige Rätsel. Zudem ist das Spiel etwas zu einfach ausgefallen.
SPIELSPASS
Guter LEGO-Ableger, doch das Spielprinzip wird langweilig.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Guter LEGO-Ableger, doch das Spielprinzip wird langweilig.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action-Adventure
Entwickler
TT Games
Publisher
Warner Bros.
Releasedatum
15.11.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action-Adventure
Entwickler
TT Games
Publisher
Warner Bros.
Releasedatum
15.11.2011
USK-Freigabe

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