Sherlock Holmes - Das Geheimnis des silbernen Ohrrings
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 11.01.2012
Sherlock Holmes erfreut sich zurzeit so großer Beliebtheit wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Das liegt nicht zuletzt an den Filmen mit Robert Downey Jr., in denen der Meisterdetektiv auch als Actionheld zu sehen ist. „Das Geheimnis des silbernen Ohrrings“ hat damit aber nichts zu tun, ist dieses Click&Point-Adventure doch schon 2004 für den PC erschienen. Überzeugt das Klassiker auch heute noch?
Point&Click mit Sherlock Holmes
England, Mai 1897: Holmes und Dr. Watson besuchen einen Empfang des Wirtschaftsriesen Melvyn Bromsby, den dieser zu Ehren seiner Tochter Lavinia gibt. Sherlock ist hauptsächlich gekommen, um als großer Musikliebhaber die angekündigte Sängerin Gallia zu sehen. Doch der Abend ist schon nach den ersten paar Worten des Gastgebers vorbei: Ein gezielter Schuss bringt diesen für immer zum Schweigen. Holmes zögert keine Sekunde und nimmt sich sofort dieses Mordfalls an. Seine Ermittlungen treiben ihn dabei in fünf Kapiteln quer durch das viktorianische London des späten 19. Jahrhunderts. Viele Schauplätze wollen untersucht, jede Menge Beweise gesichert und zahlreiche Zeugen befragt werden, bevor die Wahrheit ans Licht kommt.
„Das Geheimnis des silbernen Ohrrings“ ist ein Point&Click-Adventure, was steuerungstechnisch auf Wii schon einmal gut funktioniert. Das Geschehen wird meistens von schräg oben gezeigt, während wir den Detektiv oder in manchen Abschnitten auch Watson mit gezielten Klicks zu den gewünschten Stellen schicken. Sehr komfortabel: Ein Doppelklick und wir müssen uns nicht den nervig langsamen Marsch der Figur anschauen, sondern springen direkt zum gewünschten Ort. Auch alles andere lässt sich bequem mit einem Klick erledigen, ob wir nun Gegenstände unter die Lupe oder Leute ins Verhör nehmen. In den Gesprächen selbst gibt es immer eine Reihe von Auswahlmöglichkeiten, mit denen wir an interessante Informationen kommen. Manchmal hilft es auch, den Gesprächspartner mit einem Beweisstück zu konfrontieren, um ihn gesprächiger zu machen. So erfahren wir schnell, dass die Bediensteten ihren Herren Bromsby fürchteten und dass auch dessen Tochter nicht die beste Beziehung zu ihm hatte. Die Dialoge sind dabei meistens ganz interessant, haben stellenweise aber auch ihre Längen. Manche Figuren spielen nämlich einfach keine große Rolle und haben nicht viel Nützliches zu berichten – was sich erst nach den Gesprächen herausstellt.
Wie bei den meisten Point&Click-Adventures spielt auch das Sammeln von Objekten eine wichtige Rolle. Bei unseren Ermittlungen wandern immer mehr Gegenstände ins Inventar, die sich kombinieren und im Labor in der Bakers Street noch genauer untersuchen lassen. Viele Rätsel basieren darauf, das richtige Objekt an der passenden Stelle zu verwenden oder der passenden Person unter die Nase zu halten. Daneben warten aber auch noch Knobelaufgaben auf den berühmten Detektiv, wobei wir uns unter anderem mit mechanischen Maschinen auseinandersetzen müssen. Das Ganze hat also nur oberflächlich Ermittlungscharakter, letztendlich werden hier die Elemente serviert, die auch andere Vertreter dieses Genre ausmachen. Das Konzept ist dabei aber durchaus stimmig und wird gelungen mit der charismatischen wenn auch etwas eingebildeten Figur Sherlock Holmes und dem atmosphärischen London des späten 19. Jahrhunderts verbunden.
Aufgewärmter Mordfall
Das PC-Original bekam Ende 2004 sehr gute Wertungen, doch seitdem ist das Genre natürlich nicht stehengeblieben. Es ist dem Spiel durchaus anzumerken, dass es schon ein bisschen älter ist. Die Perspektiven wirken etwas altmodisch und auch die Aufmachung ist angestaubt. In Sachen Rätsel haben neuere Point&Click-Adventures natürlich ein durchdachteres Design zu bieten, doch „Das Geheimnis des silbernen Ohrrings“ schlägt sich hier noch erstaunlich gut. Der Zeit hat nicht allzu sehr an diesem Abenteuer genagt, das dank Abwechslung und interessanten Schauplätzen auch heute noch begeistern kann. Und schließlich möchte man auch wissen, wie sich die ganze Geschichte am Ende auflöst. Wii-Besitzer bekommen hier also ein gutes Spiels serviert – aber auch eine minimalistische Umsetzung, mit der offensichtlich ohne großen Aufwand Geld gemacht werden soll. Inhaltlich überarbeitet wurde das Adventure nämlich kein bisschen. Es handelt sich immer noch exakt um den Mordfall, den PC-Spieler bereits vor mehr als sieben Jahren aufklären durften.
Es ist enttäuschend, dass es keine neuen Schauplätze in das Spiel geschafft haben und auch keine frischen Gameplayelemente eingeführt wurden. Allerdings ist dieser Titel auch ohne Erweiterungen recht umfangreich. Die Ermittlungen haben uns rund 20 Stunden beschäftigt, die von häufigen Schauplatzwechseln und der einen oder anderen Storywendung bestimmt waren. Am Ende jedes der fünf Kapitel muss auch noch ein kleines Quiz überstanden werden. Da ist es praktisch, dass sich alle Notizen und jedes Gespräch immer nachlesen lassen. Hängengeblieben sind wir eh an keiner Stelle. Das Adventure ist zwar durchaus knifflig, im Menü lässt sich aber auch jederzeit eine Komplettlösung aufrufen, die einen wieder auf die richtige Fährte führt. Genreveteranen werden das sicherlich links liegenlassen, für alle anderen ist das aber eine komfortable Hilfestellung.
Am deutlichsten wird die Lieblosigkeit der Umsetzung bei der Grafik. Die Wii-Version sieht nämlich sogar ein bisschen schwächer aus als das PC-Original aus dem Jahre 2004. Die Nintendo-Konsole ist bekanntermaßen schwach auf der Brust, aber so unscharfe Texturen und so klobige Figuren hat man selbst hier selten gesehen. Auch die Animationen fallen negativ ins Auge, die sowohl in den Zwischensequenzen als auch im laufenden Spiel sehr hölzern aussehen. Zwar sind die Schauplätze durchaus atmosphärisch und bieten viele Details, so lieblos darf eine Umsetzung aber nicht sein – zumal sogar die Framerate manchmal in die Knie geht. Wenn schon inhaltlich an Überarbeitung gespart wird, hätte wenigstens die Technik richtig umgesetzt werden können. Auch bei der Synchronisation fällt das Alter des Spiels ein bisschen auf, da die Soundqualität nicht die beste ist. Dafür machen die meisten Sprecher aber einen ausgezeichneten Job. Die komplett vertonten deutschen Dialoge sind definitiv ein großer Bonus für die Atmosphäre. Das gilt auch für den Soundtrack, denn hier wird passenderweise klassische Musik von Größen wie Mendelsohn serviert – und die hat natürlich auch in den vergangenen sieben Jahren nichts von ihrem Reiz eingebüßt.
Sascha Geldermann meint...
Es ist offensichtlich, dass hier ohne viel Aufwand Geld mit einem alten Spiel gemacht werden soll. Der inhaltliche Stillstand seit 2004 ist enttäuschend, der technische Rückschritt sogar eine Frechheit. Und dennoch ist dieses Point&Click-Adventure auch auf Wii einen Blick wert. Die spannende Geschichte, die fordernden Rätsel, die vielfältigen Schauplätze und die interessante Person Sherlock Holmes verbinden sich nämlich nach wie vor zu einem fesselnden Gesamtpaket.
Es ist offensichtlich, dass hier ohne viel Aufwand Geld mit einem alten Spiel gemacht werden soll. Der inhaltliche Stillstand seit 2004 ist enttäuschend, der technische Rückschritt sogar eine Frechheit. Und dennoch ist dieses Point&Click-Adventure auch auf Wii einen Blick wert. Die spannende Geschichte, die fordernden Rätsel, die vielfältigen Schauplätze und die interessante Person Sherlock Holmes verbinden sich nämlich nach wie vor zu einem fesselnden Gesamtpaket.

GRAFIK
Diese Umsetzung sieht schlechter aus als das PC-Original von 2004.
Diese Umsetzung sieht schlechter aus als das PC-Original von 2004.

SOUND
Klassische Musik und gute Sprecher sorgen für die richtige Atmosphäre. Die Soundqualität könnte aber besser sein.
Klassische Musik und gute Sprecher sorgen für die richtige Atmosphäre. Die Soundqualität könnte aber besser sein.

BEDIENUNG
Sehr komfortable Steuerung über die Wii-Remote.
Sehr komfortable Steuerung über die Wii-Remote.

UMFANG
Der Umfang ist mit rund 20 Stunden Spielzeit mehr als ordentlich. Inhaltliche Erneuerungen im Vergleich zum Original gibt es aber nicht.
Der Umfang ist mit rund 20 Stunden Spielzeit mehr als ordentlich. Inhaltliche Erneuerungen im Vergleich zum Original gibt es aber nicht.
SPIELSPASS
Es handelt sich zwar nur um eine lieblose Umsetzung des PC-Klassikers, dieses umfangreiche Point&Click-Adventure fesselt aber auch heute noch.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Es handelt sich zwar nur um eine lieblose Umsetzung des PC-Klassikers, dieses umfangreiche Point&Click-Adventure fesselt aber auch heute noch.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Adventure
Entwickler
Frogwares
Publisher
dtp
Releasedatum
02.12.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Adventure
Entwickler
Frogwares
Publisher
dtp
Releasedatum
02.12.2011
USK-Freigabe

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