Mario Kart 7
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 12.12.2011
Qualmende Reifen, unterhaltsame Items und jede Menge Schadenfreude – „Mario Kart“ rast mit bekannten Zutaten in die dritte Dimension. Doch auch ein bisschen frischer Wind weht über die Pisten, sodass Bower, Yoshi oder Peach im siebten Teil der Funracer-Serie nun auch die Lüfte und das Wasser erobern – und sich mit einigen neuen Items zum Ziel vorkämpfen.
Schildkrötenpanzer und Schadenfreude
Nintendo bleibt auch beim siebten Teil konservativ: Und so erwarten uns wie gewohnt 16 neue und 16 alte Strecken, die immer zu viert in einem Cup gebündelt sind. Wenn wir einen Cup meistern, schaltet sich der nächste frei – auch das kennen wir aus den Vorgängern. Löblich ist, dass von Anfang an der 150cc-Schwierigkeitsgrad angegangen werden darf. Erfahrene Spieler können die langsameren und einfacheren Grade also einfach überspringen. Das Design der Strecken ist dabei exzellent und abwechslungsreich. So geht es durch idyllische Hügellandschaften, durch verwinkelte Basar-Gassen und am Ende wartet natürlich auch wieder eine Regenbogen-Bahn auf die Fahrer. Wer die Augen offen hält, entdeckt garantiert eine Menge Abkürzungen und viele nette Details. Die Straßen, Eisflächen und Schlammpisten lassen sich allerdings nur mit Karts unsicher machen - die Motorräder der Wii-Version wurden wieder aus der Rennordnung gestrichen. Und auch Stunts sind nun wieder verboten. Vielleicht war das Ganze doch etwas zu wild für das Pilzkönigreich.
Die anfängliche Fahrerriege überrascht wenig, umfasst sie doch die üblichen Verdächtigen angefangen von Mario über Yoshi bis hin zu Bowser. Diese dürftige Auswahl von gerade einmal acht Fahrern wird Fans nicht täuschen können. Sie wissen dass sich noch eine Menge weitere freischalten werden. Und so stürzen sich unter anderem auch noch Wario, eurer Mii-Abbild und sogar die Honigkönigin aus „Mario Kart Galaxy“ in die Rennen. Diese Kontrahenten schenken sich beim Kampf um den ersten Platz nichts. Dabei treten wir ordentlich aufs Gaspedal, weichen Hindernissen aus und driften um die Kurven, wobei sich ganz automatisch auch noch ein Turbo auflädt. Das Steuerkreuz muss dabei nicht mehr nach links oder rechts bewegt werden, was das Ganze ein bisschen anspruchsloser macht, aber auch das in Online-Partien gefürchtete Snaking verhindert. So spielen sich Online-Rennen gleich fairer. Mehr Gerechtigkeit gibt es insgesamt auch durch eine bessere Balance. Konnten unfähige Spieler in den vergangenen „Mario Karts“ ihre schlechten Fahrkünste noch durch gute Items ausgleichen, zählt dieses Mal das reine Können mehr – auch wenn Schildkrötenpanzer, Bananenschalen und Turbo-Pilze immer noch eine entscheidende Rolle spielen.
Mit dabei sind auch wieder der Tintenfisch, Blitze, Sterne, Bomben und der Kugelwilli, der zurückgeschlagene Fahrer wieder ein gutes Stück nach vorne befördert. Andere Items wie die falsche Item-Box sind dieses Mal nicht dabei. Sie haben Platz für neue Gegenstände gemacht. Gelungen ist dabei besonders der Tanuki-Schweif, das gerade erst bei „Super Mario 3D Land“ eine entscheidende Rolle spielte. Mit diesem lassen sich für kurze Zeit Gegenstände und Fahrer einfach aus dem Weg schlagen. Noch viel praktischer ist aber die Glückssieben, die sich nur selten ergattern lässt und wie ein Sechser im Lotto ist. Damit erhalten wir nämlich ganze sieben Items auf einmal, die um unseren Kart kreisen und sich nach und nach einsetzen lassen. Zu viel Selbstsicherheit ist in solchen Momenten aber nicht angebracht. Es ist nur ein feindlicher Treffer nötig, damit sich unsere schönen Items auf der Strecke verteilen und ganz einfach von unseren Kontrahenten eingesammelt werden können – die dann in den Genuss der Schadenfreude kommen.
Rasen, fliegen, tauchen
Frischen Wind bringen nicht nur die neuen Items ins Spiel, sondern auch das Segel, das nun jeder Kart besitzt. Fahren wir über eine Rampe, klappt sich dieses ganz automatisch aus, sodass wir eine zeitlang durch die Luft gleiten. Dabei haben wir auch selbst Einfluss darauf, wie lange wir in der Luft bleiben. So können wir entscheiden, ob wir schwierige Abschnitte in der Luft umgehen oder doch lieber auf dem Boden Vollgas geben. Das Gleiten fügt sich einwandfrei in das Spiel ein und ist eine nette Bereicherung. Auch die Unterwasser-Passagen sind nett, bei denen es dank einer Schiffsschraube am Kart an Fischen und riesigen Muscheln vorbei über den Meeresgrund geht. Das Ganze fühlt sich aber kaum anders an als an Land – spielt sich aber ein bisschen langsamer. Daher wird wohl auch nicht jeder Spieler ein Fan dieser Passagen werden.
Sowohl die Gleit- als auch die Unterwasser-Einlagen bereichern übrigens auch die 16 Retro-Strecken, für die sich passenderweise hauptsächlich die Retro Studios verantwortlich zeigen. Hier eröffnen kurze Flüge neue Wege und vor allem der Koopa-Strand gewinnt durch den Ausflug auf dem Meeresgrund ganz neue Perspektiven. Aber auch abseits davon haben die altbekannten Strecken der vergangenen sechs Teile einige Erneuerungen erfahren. Manche Wege wurden verändert, neue Abkürzungen geschaffen und vor allem der Detailreichtum hat im Vergleich zu den Originalerlebnissen stark zugenommen.
Neu ist auch eine Art „Pimp my Kart“-Funktion, die allerdings sehr schlicht gehalten ist. Wir können unser Gefährt aus drei Teilen zusammenbasteln: Karosserie, Segel und Reifen. Anfangs ist die Auswahl dabei bescheiden, auf jeder Strecke lassen sich allerdings bis zu zehn Münzen aufsammeln, die im 50er Pack das nächste Teil freischalten. Das Ganze hat dann Auswirkungen auf Tempo, Beschleunigung oder Handling. Eine reibungslose Steuerung ist aber in jedem Fall garantiert. Bisher haben sich alle Serienableger einwandfrei bedienen lassen und da macht auch Teil 7 keine Ausnahme. Dieses Mal gibt es sogar eine Ego-Ansicht aus der Fahrerperspektive, in der sich durch Neigen des Handhelds lenken lässt. Das ihr dafür den 3D-Effekt deaktivieren müsst, sollte klar sein. Allerdings lässt sich in dieser Ansicht auch mit dem Analog-Stick steuern – was um einiges präziser funktioniert. Die Ego-Perspektive ist unterm Strich ein ganz nettes Extra, die meisten Spieler werden aber wohl auf die klassische Sicht setzen, da diese einfach übersichtlicher ist.
Komfortables Online-Erlebnis
Die Entwickler haben kein großes Herz für Einzelspieler. Eine Art Story-Modus gibt es nicht, stattdessen geht es nur durch einen Cup nach dem anderen. Immerhin gibt es auch noch Zeitrennen und selbst die Mehrspieler-Modi lassen sich gegen KI-Gegner spielen, bei denen es um das Einsammeln von Münzen oder das Abschießen von Ballons an gegnerischen Fahrzeugen geht – nichts, was Fans nicht schon kennen würden. Neue Modi sind komplett Fehlanzeige, dafür fehlt der Missionsmodus aus dem Nintendo DS-Teil nun wieder. Das ist besonders schade, war dieser doch endlich auch mal ein Modus, der Solisten lange beschäftigen konnte.
Dass „Mario Kart 7“ im Mehrspieler-Modus derweil eine Granate ist, versteht sich eigentlich schon von selbst. Habt ihr ein paar Freunde zur Hand, steigen Spielspaß und Schadenfreude schnell ins Unermessliche. Sehr lobenswert ist, dass selbst bei acht Spielern nur eine Cartridge benötigt wird. Abgesehen vom Host müssen dann zwar alle mit Shy Guys unterwegs sein, anders als noch beim Nintendo DS lassen sich aber alle Strecken anwählen. Und wer offline keine Mitspieler finden, darf sich natürlich auch wieder auf Online-Rennstrecken wagen. Das läuft über Freundescodes, eine automatische Gegnersuche und erstmals auch über Communitys ab. Für letztere müsst ihr einfach nur eine Gruppe bilden, deren Code verteilen und schon können jede Menge Leute munter beitreten. Das ist zwar immer noch nicht purer Online-Luxus und lässt Extras wie Chatfunktionen vermissen, aber immerhin gehen die Entwickler hier einen Schritt in die richtige Richtung. Vor allem da die Rennen auch noch beeindruckend flüssig und ganz ohne Lags ablaufen, liefert „Mario Kart 7“ eines der besten Online-Erlebnisse auf einer Nintendo-Konsole.
Auch im Einzelspieler-Modus läuft das Geschehen flüssig und zwar bei konstanten 60 Bildern pro Sekunde. Die Grafik treibt den Nintendo 3DS dabei vielleicht nicht ans Limit, wie immer haben die Entwickler die Strecken aber liebevoll und mit vielen kleinen Details gestaltet. Auch die Charaktere sehen sehr gut aus und bringen alle wieder ihre typischen Ausrufe und Laute mit sich. Die Soundeffekte sind insgesamt sehr nett und die Melodien sehr angenehm. Es gibt zwar das eine oder andere nicht so gelungene Stück, aber insgesamt ist der Soundtrack mehr als ordentlich. Der 3D-Effekt ist nicht wirklich relevant fürs Gameplay, dennoch ist der Tiefeneffekte gerade bei so einem Rennspiel doch sehr ansehnlich. Das Rennerlebnis wird dadurch gleich noch ein bisschen intensiver.
Sascha Geldermann meint...
„Mario Kart 7“ bietet keine Überraschungen oder Innovationen: Wie gewohnt geht es über 16 clever designte neue und 16 überarbeitete Retro-Strecken, wobei das unkomplizierte Gameplay mit seinen Item-Schlachten mal wieder jede Menge Spielspaß aufkommen lässt. Die Erneuerungen sind für manchen Geschmack vielleicht zu klein, aber sie sorgen für etwas frischen Wind auf den Pisten und fügen sich einwandfrei in das Gesamtbild ein. Einzelspieler bleiben mal wieder etwas auf der Strecke, wer Freunde oder zumindest eine gute Internetverbindung hat, wird aber Monate wenn nicht Jahre Freude an diesem Spiel haben. So unterhaltsam und komfortabler war Online-Gaming auf einer Nintendo-Konsole selten.
„Mario Kart 7“ bietet keine Überraschungen oder Innovationen: Wie gewohnt geht es über 16 clever designte neue und 16 überarbeitete Retro-Strecken, wobei das unkomplizierte Gameplay mit seinen Item-Schlachten mal wieder jede Menge Spielspaß aufkommen lässt. Die Erneuerungen sind für manchen Geschmack vielleicht zu klein, aber sie sorgen für etwas frischen Wind auf den Pisten und fügen sich einwandfrei in das Gesamtbild ein. Einzelspieler bleiben mal wieder etwas auf der Strecke, wer Freunde oder zumindest eine gute Internetverbindung hat, wird aber Monate wenn nicht Jahre Freude an diesem Spiel haben. So unterhaltsam und komfortabler war Online-Gaming auf einer Nintendo-Konsole selten.

GRAFIK
Die Rennen sehen gut aus und laufen vor allem absolut flüssig über den Bildschirm.
Die Rennen sehen gut aus und laufen vor allem absolut flüssig über den Bildschirm.

SOUND
Nette Soundeffekte vermischen sich hier mit schönen Melodien.
Nette Soundeffekte vermischen sich hier mit schönen Melodien.

BEDIENUNG
Auch Teil 7 steuert sich wieder einmal einwandfrei – von der Bewegungssteuerung ist aber abzuraten.
Auch Teil 7 steuert sich wieder einmal einwandfrei – von der Bewegungssteuerung ist aber abzuraten.

UMFANG
Einzelspieler kommen nur bedingt auf ihre Kosten, die Mehrspieler- und Online-Modi sind aber superb.
Einzelspieler kommen nur bedingt auf ihre Kosten, die Mehrspieler- und Online-Modi sind aber superb.
SPIELSPASS
Exzellenter Fun-Racer mit kleinen aber feinen Erneuerungen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Exzellenter Fun-Racer mit kleinen aber feinen Erneuerungen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Rennspiel
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
02.12.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Rennspiel
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
02.12.2011
USK-Freigabe

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