Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: London 2012
Artikel verfasst von Gennaro Grippo am 02.12.2011
Mario und Sonic – zwei Videospielcharaktere, die einst verbitterte Feinde waren und auf zwei unterschiedlichen Plattformen um die Gunst der Spieler warben. Doch mittlerweile haben sie sich vereint und beglücken mit ihren Titeln sowohl Mario- als auch Sonic-Fans gleichermaßen. Anlässlich der Olympischen Spiele in London nächstes Jahr haben die beiden ihre Koffer gepackt und ihre Mannschaften zusammengetrommelt, um schon einige Monate vor offizieller Eröffnung die britische Metropole unsicher zu machen und sich mit den unzähligen Disziplinen anzufreunden. Mögen die Spiele beginnen!
Spiel, Satz und Sieg
Das Experiment, Mario und Sonic in einem Videospiel gegen- und miteinander in unterschiedlichen Sportdisziplinen antreten zu lassen, ist auf ganzer Linie geglückt. Mit „Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: London 2012“ veröffentlichen SEGA und Nintendo nach der Sommer- und Winterausgabe bereits das dritte Spiel der beliebten Reihe. Während die Wii-Version bereits erhältlich ist, wird eine Edition für den Nintendo 3DS erst im Frühjahr 2012 erscheinen. Auch wenn der Winter vor der Tür steht und die Temperaturen sukzessive fallen, kommen wir im heimischen Wohnzimmer trotzdem ins Schwitzen. In altbekannter Manier wedeln wir mit der Wiimote was das Zeug hält um auch in der letzten Disziplin uns die Goldmedaille zu krallen und den Highscore zu knacken. Das Prinzip von „London 2012“ ist unglaublich simpel und verglichen mit den Vorgängern kaum revolutionär, und dennoch ertappen wir uns jedes Mal aufs Neue mit einem breiten Grinsen und einer großen Portion Spielfreude vor den Bildschirmen.Die gesamte Crew aus dem Mario- und Sonic-Universum ist in London eingetroffen und bereit für die ersten Medaillen. Jeder bringt dabei seine ganz persönlichen Eigenschaften mit und hat bereits vor dem Wettbewerb klare Vorstellungen davon, in welchen Disziplinen sie günstige Karten haben. Demnach bringen Amy oder Peach beste Voraussetzungen mit um einen beachtlichen Weitsprung hinzulegen, während Bowser und Donkey Kong eher im Diskuswerfen bessere Chancen haben. Ein Staffellauf sollte beispielsweise nur mit flinken und ausdauernden Charakteren angegangen werden, wie beispielsweise Yoshi und Shadow. Aber auch ein Allrounder wie Mario braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken und kann wahrlich ein ernstzunehmender Kontrahent in wirklich jeder Disziplin werden. Wie die Charaktere letzten Endes abschneiden, liegt in erster Linie an Euch.
Schwingen, Fuchteln, Wedeln...
Viele Disziplinen werden Euch bekannt vorkommen, weil sie bereits in den Vorgängern vorhanden waren. Dazu zählen die Klassiker 100m Sprinten, 100m Hürdenlauf oder der Weitsprung. Neu hinzugekommen sind in „London 2012“ beispielsweise die Disziplinen Fußball, Sportschießen und Beach-Volleyball. Sämtliche Sportarten wurden dabei steuerungstechnisch derart verständlich und einfach umgesetzt, dass prinzipiell nur eine Wiimote vonnöten ist. Nur bei einer Handvoll Disziplinen habt Ihr optional die Möglichkeit die Nunchuk-Erweiterung zu Hilfe zu nehmen. Doch so einfach die Steuerung auch umgesetzt sein mag, einfach ist das Bestreiten der Spiele bei weitem nicht. Von einer Disziplin zur nächsten wird gefuchelt, geschwungen und gewedelt bis der Arzt kommt. Selten war eine Spielpause einlegen so sinnvoll wie bei „London 2012“, denn mit der Zeit wird Euch schlichtweg die Puste ausgehen oder die Kraft in den Armen verlassen. Trotz dieser kleineren Unannehmlichkeit kann man aber dennoch nicht davon ablassen die nächste Disziplin anzugehen. Dieser Spaß und diese Sucht nach mehr zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel hindurch. Zu verdanken haben wir es dem Kollegen Sammelwahn, der sich in „London 2012“ in Form von Rubbellosen präsentiert.Ihr erhaltet für jede erfolgreich abgeschlossene Disziplin ein Los, ganz egal ob Ihr gewonnen oder verloren habt. Mit diesen Losen könnt Ihr im entsprechenden Menüpunkt zusätzliche Gimmicks freischalten, wie beispielsweise neues Equipment für Euren Mii oder weitere Musiksamples. Der Sammelwahn-Höhepunkt wird dann in der „London-Party“ erreicht, bei dem ähnlich wie in „Mario Party“ die britische Hauptstadt in zahlreichen Disziplinen unsicher gemacht wird. Die dabei eingesammelten Sticker bescheren Euch weitere freischaltbare Boni - ein wahrer Teufelskreis, aus dem Ihr für mehrere Wochen nicht entkommen könnt. Allerdings wird spätestens hier deutlich, worin die größte Schwäche von „London 2012“ liegt. Wer nicht zumindest drei Freunde besitzt und diese zu sich einladen kann, wird den virtuellen Olympischen Spielen nur einen kurzen Besuch abstatten. Das Durchspielen sämtlicher Disziplinen, um auch wirklich überall eine Goldmedaille zu ergattern, motiviert durchaus, kommt aber bei erfolgreichem Abschluss an seine äußersten Grenzen. Vor allem die „London-Party“ kann ohne reale Kontrahenten nur kurzweilig vor dem Bildschirm fesseln. Fairerweise muss man sich aber auch eingestehen, dass „London 2012“ zu keiner Zeit den Anspruch erhebt, ein erstklassiges Singleplayer-Erlebnis zu sein. Der Titel ist ganz klar eine Multiplayer-Perle und betrachtet man nur diesen Part, macht das Spiel nahezu alles richtig.
Sport mit Koopas und Items
Neben den klassischen Sportdisziplinen der Olympischen Spielen, wurden „London 2012“ auch so genannte Traumdisziplinen spendiert. Insgesamt dürft Ihr Euch in zehn abgedrehten Variationen von realen Sportarten austoben. Richtig gut gelungen ist dabei die Adaption bekannter Szenerien, wie unter anderem „Super Mario Galaxy“. Man hat wahrlich das Gefühl, ein Spiel im Spiel zu erleben. Aufgepeppt wurden die Disziplinen mit Item-Einsatz, bei denen lustige Momente in gemeinschaftlicher Runde mit vertrauten Gesichtern vorprogrammiert sind. Auch hier wird schnell deutlich, dass ohne reale Mitspieler das Ganze nicht wirklich spaßig ist. Doch ein kleiner Hoffnungsschimmer wird uns auf dem Cover mitgeliefert, denn das Icon der Nintendo WiFi Connection ist abgebildet. Ein Indiz dafür, dass also ein Online-Modus im Spiel integriert wurde? Für gewöhnlich schon, doch bei „London 2012“ werden wir bitter enttäuscht. Dahinter verbirgt sich in Wahrheit eine Online-Rangliste, sprich nur ein stupides Zeitmessen mit unbekannten Sportlern aus aller Welt. Das mag Einigen vielleicht gefallen, doch ein richtiger Online-Multiplayer hätte diesem Spielkonzept ein besseres Abschneiden in höhere Wertungsregionen zweifelfrei garantiert. Aber damit müssen wir uns abfinden, die Wii hat in Sachen Online-Gaming einfach nichts drauf.Technisch gesehen macht „London 2012“ der glorreichen olympischen Präsentation alle Ehre. Die Charaktermodelle sind unglaublich detailliert modelliert und geschmeidig animiert. Die Kulisse ist umwerfend, auch wenn man im Prinzip nur im Stadion ist. Doch spätestens bei den Traumdisziplinen wird die grafische Stärke dieses Titels evident. Die zahlreichen Disziplinen sind sowohl spielerisch als auch steuerungstechnisch einwandfrei umgesetzt worden und auch für weniger begabte und erfahrene Spieler kinderleicht zu meistern. Nichtsdestotrotz bleiben die Steuerungsschemen fordernd, bringen den Spieler durchaus ins Schwitzen und leider auch zum Verzweifeln. Während die Steuerung in Solo-Auftritten reibungslos funktioniert, wurden wir grundsätzlich in den Doppel-Disziplinen wie Badminton mit Hängern konfrontiert. Sehr ärgerlich, wenn man doch eigentlich im richtigen Moment die Wiimote schwingt und am Ende dennoch eine Niederlage einstecken muss. Prinzipiell ist das Rhythmusgefühl bei der Steuerung von fundamentaler Wichtigkeit. In einigen Sportarten wird Euch eine „gute“ Umsetzung nicht weit bringen, Ihr müsst sie „perfekt“ ausführen. Perfekt ist immerhin zu jeder Zeit die musikalische Begleitung, auch wenn der Kommentator, der auch den Titel des Spiels im Menü schreit, nicht unbedingt zum Highlight dessen gehört. Die Melodien verstehen es eine gelungene Olympia-Atmosphäre zu vermitteln und offerieren den Spieler einen tollen Mix aus wohlklingenden Musiksamples, die dem Mario- und Sonic-Universum angelehnt sind. Akustisch, visuell und steuerungstechnisch ist „London 2012“ somit ein tolles Produkt geworden, aber wer sich den Titel nicht wegen des Multiplayers zulegt, begeht einen fatalen Fehler.
Gennaro Grippo meint...
„Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: London 2012“ ist auf den Boden der Tatsachen geblieben und geht keine gefährlichen Experimente ein. Punktuell wurde die ohnehin starke Marke mit neuen Disziplinen und der Sticker-Los-Sammlerei verstärkt, die Schwächen sind aber leider hartnäckig geblieben und trüben erneut den Gesamteindruck. Optisch und akustisch macht „London 2012“ richtig Freude, aber der einsame Spieler vor dem Fernseher hat kaum Grund hier länger als paar Stunden sich mit dem Titel zu beschäftigen. Im Multiplayer ist das Spiel gewohnt stark, aber das waren die Vorgänger ja auch. Ob man deshalb London besuchen muss, bleibt jedem selbst überlassen.
„Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: London 2012“ ist auf den Boden der Tatsachen geblieben und geht keine gefährlichen Experimente ein. Punktuell wurde die ohnehin starke Marke mit neuen Disziplinen und der Sticker-Los-Sammlerei verstärkt, die Schwächen sind aber leider hartnäckig geblieben und trüben erneut den Gesamteindruck. Optisch und akustisch macht „London 2012“ richtig Freude, aber der einsame Spieler vor dem Fernseher hat kaum Grund hier länger als paar Stunden sich mit dem Titel zu beschäftigen. Im Multiplayer ist das Spiel gewohnt stark, aber das waren die Vorgänger ja auch. Ob man deshalb London besuchen muss, bleibt jedem selbst überlassen.

GRAFIK
Die Charaktermodelle sind detailliert gestaltet und die Präsentation Olympias ist eindrucksvoll in Szene gesetzt worden, vor allem die Traumdisziplinen stellen ein grafisches Feuerwerk dar.
Die Charaktermodelle sind detailliert gestaltet und die Präsentation Olympias ist eindrucksvoll in Szene gesetzt worden, vor allem die Traumdisziplinen stellen ein grafisches Feuerwerk dar.

SOUND
Der Kommentator ist bei Leibe kein Highlight, doch die musikalische Begleitung bei den Sportdisziplinen vermittelt eine gelungene Mittendrin-Atmosphäre.
Der Kommentator ist bei Leibe kein Highlight, doch die musikalische Begleitung bei den Sportdisziplinen vermittelt eine gelungene Mittendrin-Atmosphäre.

BEDIENUNG
Alle Disziplinen lassen sich allein mit der Wiimote steuern, optional kann bei einigen Sportarten der Nunchuk angestöpselt werden. Die Steuerungsschemen sind vielfältig und einfach zugleich.
Alle Disziplinen lassen sich allein mit der Wiimote steuern, optional kann bei einigen Sportarten der Nunchuk angestöpselt werden. Die Steuerungsschemen sind vielfältig und einfach zugleich.

UMFANG
Der Ausflug nach London bietet 21 olympische und 10 Traumdisziplinen an, die alleine jedoch auf lange Sicht hin kaum motivieren und Spaß machen. Die Online-Rangliste ist nur ein kleiner Trost, ohne reale Mitstreiter geht dem Titel schnell die Puste aus.
Der Ausflug nach London bietet 21 olympische und 10 Traumdisziplinen an, die alleine jedoch auf lange Sicht hin kaum motivieren und Spaß machen. Die Online-Rangliste ist nur ein kleiner Trost, ohne reale Mitstreiter geht dem Titel schnell die Puste aus.
SPIELSPASS
Mario und Sonic können auch in London überzeugen, doch wer nur ein Einzelticket im Gepäck hat braucht erst gar nicht abreisen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Mario und Sonic können auch in London überzeugen, doch wer nur ein Einzelticket im Gepäck hat braucht erst gar nicht abreisen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Sport
Entwickler
Sega
Publisher
Sega
Releasedatum
18.11.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Sport
Entwickler
Sega
Publisher
Sega
Releasedatum
18.11.2011
USK-Freigabe

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