Rayman Origins
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 01.12.2011
Ups, da hat aber jemand sehr unfreundliche Untermieter. Da liegt man mal mit seinen Freunden in einem Baum und veranstaltet mit Schmatzen, Schnarchen und Pfeifen ein echt gut klingendes Konzert, und was passiert? Die halbe Unterwelt überrennt die Lichtung der Träume und ist kurz davor, die Traumwelt ein für alle mal zu zerstören. Wieder einmal. Und Rayman muss sie natürlich daran hindern. Wieder einmal.
2D-Cartoon-Glanzstück
Wobei „Wieder einmal“ gar nicht mal so richtig ist. Denn Rayman Origins ist erst der vierte Teil der 1995 gestarteten Reihe. Zum Vergleich: ein anderes Franchise von Ubisoft, Assassin's Creed, schaffte den vierten Teil in nur vier Jahren.Der letzte „offizielle“ Rayman Teil, Hoodlum Havoc, erschien 2003. Danach wurde es erstmal still um den arm- und beinlosen Superhelden, zumindest was seine eigenen Spiele anging. In Raving Rabbids war er zwar immer noch die Hauptfigur, jedoch geriet er dort bereits mit dem zweiten Teil weiter in den Hintergrund, bis er letztendlich nur noch für die Zwischensequenzen herhalten musste.
Totgesagte leben allerdings länger, und so kehrt Rayman diesmal wieder in gewohnter Manier zurück, mehr noch – er kehrt zurück zu seinen Wurzeln (Origins), als waschechtes 2D-Jump'n'Run.
Das Spiel wurde von nur 5 Leuten erschaffen – darunter Michel Ancel, der Erfinder von Rayman (und nebenbei Bemerkt: Beyond Good and Evil). Statt einer groß angelegten Geschichte setzt man auch in der Story des Spiels auf Retro: das Traumland wird überrannt, von finsteren Kreaturen, die sich von der Freude und dem leichten Leben von Rayman und seinen Freunden beleidigt fühlen – oder es ist ihnen einfach zu laut.
Das dumme: der Traumbläser, sozusagen der „Gott“ des Traumlandes, der in seinen Träumen das gesamte Land erschaffen hat, wird im Schlaf gestört – und schon kommen die bösen Kreaturen aus seinen Gedanken heraus. Um diese Suppe wieder auszulöffeln macht Rayman sich auf, die 5 Nymphen der Lichtung (magische, Feenartige Wesen) zu befreien und die Ordnung im Traumland wiederherzustellen – falls diese jemals existierte.
Seine – oder vielmehr unsere Reise führt ihn dabei durch 5 Welten, von denen wir jede zwei mal besuchen: Dschungel, Wüstenlandschaft, das obligatorische Ewige Eis und der tiefe Ozean. Nicht zu vergessen der „Geheimnisvolle Gipfel“, der letzten bzw. vorletzten Spielwelt.Das Spiel ist, grob gesagt, in zwei Runden aufgeteilt: in der ersten Runde, in der wir die Spielwelten zum ersten Mal besuchen, befreien wir die eben erwähnten Feen und bekommen von ihnen die Fähigkeiten, die Rayman im Spiel braucht. Dazu gehört nicht nur Altbekanntes, wie zum Beispiel die Schleuderfaust oder der Haar-Helikopter, sondern auch der Wandlauf und die Möglichkeit, unter Wasser zu tauchen.
In der zweiten Runde geht es dann darum, die Bosse der jeweiligen Regionen herauszufordern und zu besiegen. Aus den kleinen, possierlichen Tierchen sind nämlich, durch die schlechten Träume des Traumbläsers, riesengroße Monster geworden, die dezent aggressiv auf Rayman reagieren.
Für den zweiten Durchgang werden zudem neue Teile der Karte geöffnet, sodass sich eine Gesamtzahl von 11 (bzw. 12) Welten ergibt, wobei auch der „Schnarchende Baum“ dazu gezählt wird, einer Art „Basis“ für Rayman, in dem seine Erfolge und Kostüme gespeichert werden. Level gibt es dort aber nicht. Die 12. Welt ist die Unterwelt selbst, die man nur erreicht, wenn man die Herausforderungsabschnitte, die es in jeder Welt gibt, besteht. Diese Herausforderungen bestehen immer darin, eine Laufende Truhe einzufangen, die vor uns flieht – und das ist nicht gerade einfach.
Erwähnenswert ist hier übrigens, dass die Wii endlich mal ein echtes Original spendiert bekommt, das Spiel ist inhaltlich und grafisch identisch mit den Versionen für Playstation 3 und Xbox 360.
Aufgeblasene Gegner
Spieltechnisch hält sich Rayman Origins an die scheinbar allgemein gültigen Regeln für Jump'n'Runs. Gegner werden entweder durch eine kräftige Portion Faust aus dem Weg geräumt oder ihnen wird einfach auf den Kopf gesprungen – bei den meisten hilft's. Die Gegner blähen sich danach wie Ballons auf und können erneut geschlagen werden, wodurch Lums freigesetzt werden.Lums sind die kleinen, glänzenden Viecher, die schon immer in den Rayman Spielen zu finden waren – in seinem vorherigen Abenteuer hatte Rayman mit einer eher unfreundlichen Variante dieser kleinen Energiewesen zu tun: den Hoodlums. Die gibt es im neuen Spiel aber nicht mehr.
Lums sind praktisch wie Münzen oder Ringe, wenn man einmal den Vergleich zu Mario oder Sonic heranzieht. Neben den Lums gibt es noch die Electoons, kleine, langhaarige Lebewesen, die scheinbar sehr gerne von bösen Kreaturen gefangen genommen werden. In nahezu jedem Level gibt es drei Käfige, aus denen die Electoons befreit werden müssen. Zwei von diesen Käfigen sind irgendwo im Level versteckt, man erkennt aber, dass solch ein Käfig in der Nähe ist, wenn eine hohe Stimme „Help me!“ ruft. Der letzte Käfig stellt immer das Ende eines Levels dar.
Um die kleinen Wesen zu befreien, ist es allerdings vorher nötig, alle Gegner, die mit dem Käfig verbunden sind, auszuschalten. Manchmal erfolgt dies durch simple „einer nach dem anderen“ Spielweise, doch manchmal genügt der schlag auf einen Explodierenden Pilz, um diverse Steine oder ganze Felsbauten auf unsere Gegner stürzen zu lassen. Die gesammelten Electoons benötigen wir, um neue Welten freizuschalten. Haben wir zu wenig gesammelt, heißt es zurück in ein früheres Level und die verbleibenden Käfige finden – was meist gar nicht so einfach ist, vor allem, da der aktuelle Level erneut abgeschlossen werden muss.
Apropos gar nicht so einfach: der Schwierigkeitsgrad des Spieles zieht mit der Zeit merklich, allerdings gemäßigt, an. Durch relativ normale Wege wird mit der Zeit die Schwierigkeit erhöht – da ist zum Beispiel der kurze Eisturm vor dem Abgrund, auf dem wir, um nicht abzustürzen, landen müssen. Aber – oh Wunder – er ist rutschig.Auch andere Elemente des Spiels wirken nicht gerade neu. Fliegen wir auf dem Moskito (diese Art von Level kommt mindestens einmal pro Spielwelt vor, meist am Ende) und schießen Gegner ab (oder saugen sie ein, um sie dann auf andere Gegner zu spucken), bleibt die Kamera stetig in Bewegung. Hängen wir hinter einem Vorsprung fest und werden so aus dem Bild gedrückt, platzen wir (ja, auch Rayman bläht sich dann auf). Oder es gibt die typischen „fliehe vor dem Riesenmonster, das dir im Nacken sitzt, und bleib bloß nicht stehen, selbst wenn es nicht weiter geht“-Momente.
Doch keine dieser Mechaniken wird zu oft eingesetzt. Zudem gibt es in Rayman keine Lebensbegrenzung mehr – versagen wir, starten wir eben wieder von neuem. In den normalen Spielabschnitten wird dies durch „Räume“ begrenzt – sterben wir innerhalb eines Raumes, fangen wir ihn wieder von neu an. In den Moskito-Passagen werden dann und wann einmal Speicherpunkte gesetzt, diese sind allerdings, besonders im späteren Spielverlauf, sehr unfair und nervig, sodass wir oftmals den gesamten Level wieder von vorn beginnen dürfen.
Übrigens können wir unsere Gesundheit etwas erweitern, indem wir Herzen einsammeln. Genauer gesagt: ein Herz.
Nostalgisch und doch modern
Das, was bei Rayman Origins natürlich als erstes auffällt, ist der „Rückschritt“ zur 2D-Grafik, und nicht nur das, auch der Comichafte Stil sind ein ganz klares Markenzeichen des Titels. Allerdings kann man an dieser Optik nun wirklich gar nichts aussetzen, im Gegenteil. Das Ubi Art Framework, mit dem das Spiel erstellt wurde (oder vielleicht auch „welches für das Spiel erstellt wurde“) liefert eine grandiose Basis für den tollen Stil des Titels. Die Animationen wirken flüssig, sowohl die von Rayman als auch die der Gegner. Die Grimassen und Gestiken der Gegner sind einwandfrei – doch vor allem die liebevollen und detailgetreuen Zeichnungen des Spiels sind ein wahres Fest für die Augen. Nicht zuletzt verhindert die Optik des Spiels eine zu hohe Beanspruchung der Wii-Grafik – das gesamte Spiel läuft absolut flüssig – lediglich die kurzen Ladezeiten müssen wir von Zeit zu Zeit hinnehmen.Wo in Rayman 3 noch auf (mehr oder weniger) ausgeklügelte Dialoge und prägnante Stimmen gesetzt wurde, zum Beispiel mit Guildo Horn als Globox (der beste Freund von Rayman), geht Rayman Origins in die exakt entgegengesetzte Richtung. Das Spiel und seine Geschichte leben von den bewegten Bildern, Sprachausgabe gibt es nicht – zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Bis auf das eben erwähnte „Help me!“ der Electoons bekommen wir im Spiel nur Fantasiesprache zu hören. Diese erinnert zwar vom Klang her an die englische Sprache, doch alles, was die Spielfiguren von sich geben, ist gebrabbel. Zum Glück aber nicht die Art, die nach wenigen Sekunden schon auf die nerven geht.
Auch musiktechnisch treffen die Entwickler im wahrsten Sinne des Wortes den richtigen Ton. Die Hintergrundmelodien passen immer zum aktuellen Level, nur in den Unterwassergebieten könnte ein wenig mehr Frohsinn in den Liedern stecken. Größtenteils sind die Melodien aber heiter und fröhlich und sicherlich auch einmal den ein oder anderen Lacher wert – vor allem die Lieder in der mexikanischen Küche unterhalb der Arktischen Gefilde (ja, die gibt’s).
Was die Steuerung angeht bleibt das Spiel spartanisch. Gesprungen wird auf A, gerannt auf Z und geprügelt auf B. Dann noch den Nunchuk dazu und wir können Rayman steuern. Zum Glück verzichtet das Spiel komplett auf Pointer-Funktionen oder Schütteleinlagen – ein riesen Bonus. Die Steuerung reagiert außerdem schnell und direkt, einzig die verschiedenen Arten, in der Luft zu treten bzw. zu schlagen lassen sich manchmal etwas schwierig ausführen.
Zusätzlich wird der Classic Controller unterstützt, und diejenigen unter uns, die sich nicht gern mit dem Nunchuk herumschlagen, können die Wii-Fernbedienung auch einfach quer halten.
Vergessen werden darf auch nicht der Multiplayerteil des Spieles. Dieser orientiert sich ziemlich am Prinzip von New Super Mario Bros.: bis zu vier Spieler können vier verschiedene Charaktere durch die Spielwelt steuern. Wird einer von ihnen verletzt bzw. fällt irgendwo herunter, wabert er als (vom Spieler steuerbare) Blase umher und kann von seinen Teamkollegen wieder ins Spiel geholt werden. Übrigens können sich die Mitspieler jederzeit, an jeder Stelle im Spiel mit einklinken, ohne großartig neue Einstellungen zu treffen.
Aljoscha Reuther meint...
Rayman kenne ich seit meiner Kindheit – und ich habe jeden einzelnen Teil gespielt und geliebt. Und das setzt sich bei Origins ganz klar fort, sogar noch mehr: für mich ist der neue Rayman wohl der Beste, den es je gab. Spielbarkeit, Spaßfaktor und vor allem der einzigartige Stil des Spiels liefern einen fast perfekten Eindruck ab, bei dem gerne mal über die ein oder andere Macke hinweggesehen werden kann. Vor allem aber freut mich, dass ich endlich mal wieder ein Spiel auf der Wii hatte, das mit den Titeln auf den großen Konsolen nicht nur mitziehen kann, sondern identisch mit ihnen ist. Und ich hoffe, dass Ubisoft mit dem Ubi Art Framework weiterarbeiten wird, denn mit Rayman Origins ist dem Team um Michel Ancel ein echtes Meisterwerk gelungen.
Rayman kenne ich seit meiner Kindheit – und ich habe jeden einzelnen Teil gespielt und geliebt. Und das setzt sich bei Origins ganz klar fort, sogar noch mehr: für mich ist der neue Rayman wohl der Beste, den es je gab. Spielbarkeit, Spaßfaktor und vor allem der einzigartige Stil des Spiels liefern einen fast perfekten Eindruck ab, bei dem gerne mal über die ein oder andere Macke hinweggesehen werden kann. Vor allem aber freut mich, dass ich endlich mal wieder ein Spiel auf der Wii hatte, das mit den Titeln auf den großen Konsolen nicht nur mitziehen kann, sondern identisch mit ihnen ist. Und ich hoffe, dass Ubisoft mit dem Ubi Art Framework weiterarbeiten wird, denn mit Rayman Origins ist dem Team um Michel Ancel ein echtes Meisterwerk gelungen.

GRAFIK
Ein fantastischer Comiclook mit tollen Animationen und einem unverwechselbaren Zeichenstil. Dazu läuft alles flüssig - was will man mehr?
Ein fantastischer Comiclook mit tollen Animationen und einem unverwechselbaren Zeichenstil. Dazu läuft alles flüssig - was will man mehr?

SOUND
Die Hintergrundmelodien gehen ins Ohr und wollen nie wieder raus - genau so muss es sein. Nichtmal die Brabbelstimmen, welche die Dialoge ersetzen, stören. Allerdings sind einige wenige Musikstücke etwas zu ernst.
Die Hintergrundmelodien gehen ins Ohr und wollen nie wieder raus - genau so muss es sein. Nichtmal die Brabbelstimmen, welche die Dialoge ersetzen, stören. Allerdings sind einige wenige Musikstücke etwas zu ernst.

BEDIENUNG
Einfache Steuerung ohne Pointer- oder Schüttelfunktionen. Ob mit oder ohne Nunchuk oder mit dem Classic-Controller - das Spiel lässt keine Wünsche offen!
Einfache Steuerung ohne Pointer- oder Schüttelfunktionen. Ob mit oder ohne Nunchuk oder mit dem Classic-Controller - das Spiel lässt keine Wünsche offen!

UMFANG
Über 60 Level, aufgeteilt auf 12 Welten, das verspricht stundenlangen Spielspaß. Der Sammlerwahnsinn tut dann sein übriges. Der Schwierigkeitsgrad steigt gemäßigt an. Einige Dinge wiederholen sich allerdings recht häufig, zum Beispiel der Ritt auf dem Moskito.
Über 60 Level, aufgeteilt auf 12 Welten, das verspricht stundenlangen Spielspaß. Der Sammlerwahnsinn tut dann sein übriges. Der Schwierigkeitsgrad steigt gemäßigt an. Einige Dinge wiederholen sich allerdings recht häufig, zum Beispiel der Ritt auf dem Moskito.
SPIELSPASS
Oldschool 2D-Jump'n'Run, nahe der Perfektion
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Oldschool 2D-Jump'n'Run, nahe der Perfektion
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Jump & Run
Entwickler
Ubisoft
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
24.11.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Jump & Run
Entwickler
Ubisoft
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
24.11.2011
USK-Freigabe

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