Call of Duty: Modern Warfare 3
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 30.11.2011
Krieg auf dem Hamburger Fischmarkt, Flucht in einem Helikopter durch die Häuserschluchten New Yorks und Schießereien in Londons U-Bahn-Schächten - Activision schickt Wii-Besitzer auf einen Feldzug, der rund um die Welt und in eine nahe, konfliktreiche Zukunft führt. Inhaltlich wird dabei fast alles geboten, was in den HD-Versionen zu finden ist. Aber verkraftet die in die Jahre gekommene Wii die durchgestylte Daueraction überhaupt?
Durchgestylter Weltkrieg
Es wäre der Traum der „Occupy Wallstreet“-Bewegung: Als Derek „Frost“ Westbrook von der Delta Force stürmen wir die New Yorker Börse. Doch von einem Traum kann nicht die Rede sein. Schließlich hat der Krieg zwischen den USA und Russland die Welt ins Chaos gestürzt und New York ist in der Hand des Feindes. Nun liegt es an uns, den Radarsender auf dem Dach der Börse zu sprengen und die Kommunikation zwischen unseren Einheiten wiederherzustellen. Das könnte ein wichtiger Schritt hin zum Sieg sein. Also Maschinenpistole geschnappt und auf in den Kampf. Es geht durch zerbombte Straßenzüge und Gebäude voller Feinden, bevor wir zum Börsendach kommen. Dabei serviert Infinity Ward hier eine Action-Achterbahn, die kaum eine Sekunde Zeit zum Verschnaufen lässt. Die Inszenierung ist packend – und völlig übertrieben. Aber das darf sie auch sein, schließlich ist hier kein behutsamer Umgang mit historischen Grundlagen geboten. Und so lässt man sich gerne sechs Stunden lang auf diesen komplett durchgestylten Action-Trip ein.
Mit der Sprengung des Radarsenders ist die Mission noch nicht zu Ende. Während wir auf den rettenden Hubschrauber warten, nehmen uns Feinde von den Dächern der angrenzenden Gebäude unter Beschuss. Zum Glück haben wir noch einen Trumpf im Ärmel: Und so klappen wir einen Bildschirm auf, sehen das Geschehen nun von oben und jagen Raketen mitten in die Truppen der Feinde. Selbst einen Hubschrauber holen wir so vom Himmel. Leider besitzt der Feind mehr als einen Helikopter, was wir zu spüren bekommen, als wir in unserem eigenen sitzen. Während wir durch die Häuserschluchten New Yorks geflogen werden, müssen wir an einem Geschütz unsere fliegenden Verfolger vom Himmel holen. Und unsere Missionen werden im Folgenden nicht unspektakulärer. Egal ob wir unter Wasser Sprengsätze an ein U-Boot heften, uns in einem Schlauchboot ans Ufer retten, auf dem Hamburger Fischmarkt Feindeswellen niederschießen oder und durch Londons U-Bahn-Schächte schleichen. Hier wird Wert auf Abwechslung, ständig wechselnde und interessante Schauplätze sowie pausenlose Spannung gesetzt.
„Call of Duty: Modern Warfare 3“ könnte ein großartiges Spiel sein – und das ist es auf den HD-Konsolen wohl auch. Doch die Wii ist leider überfordert mit dieser Action-Achterbahn, bei der es ständig kracht. Oft haben wir uns gewünscht, die Schauplätze in HD-Optik genießen zu können. Doch stattdessen sind die Texturen unscharf, die Farben blass und viele Ecken der Kriegsschauplätze unnötig dunkel. Natürlich darf Grafik nicht über dem Spielspaß stehen, aber bei kaum einem Spiel ist der Verlust an Atmosphäre so spürbar wie hier. Weit entfernte Feinde sind manchmal so verpixelt, dass man sie mit anderen Objekten verwechselt – was bei einem Shooter einfach nicht passieren darf. Und was besonders ärgerlich ist: Das Spiel läuft nur mit 30 Bildern pro Sekunde und das Geschehen gerät gerade dann ins Stocken, wenn die Action eigentlich zur Höchstform aufläuft. Die schlichten Kulissen und die Framerate-Einbrüche trüben den Spielspaß auf Wii deutlich nach unten. „Modern Warfare 3“ weiß immer noch so packen und mitzureißen, bleibt auf der Nintendo-Konsole aber spürbar hinter seinem Potenzial zurück.
Bei der Steuerung profitiert der Ego-Shooter derweil von den Möglichkeiten der Wii. Mit der Remote lässt sich schnell, genau und bequem zielen. Besonders realistisch fühlt sich das an, wenn auch noch der Zapper-Zusatz angelegt wird. Dabei gibt es auch jede Menge Einstellungsmöglichkeiten, bei denen wird unter anderem mit der Sensitivität herumexperimentieren dürfen, bis sich die Steuerung perfekt anfühlt. Und wer wider Erwarten gar nicht mit der Remote-Bedienung zurechtkommt, kann immer noch auf den Classic-Controller zurückgreifen. Die Vielfalt an Steuerungsoptionen ist vorbildlich und sorgt für ein komfortables Erlebnis.
Kameraden und Feinde
Während die technischen Abstriche sogar ein bisschen größer sind, als sie auf Wii hätten sein müssen, gebührt den Entwickler für den Inhalt Lob. Hier wird kein Spin-Off serviert - und auch keine alternative Stor. Stattdessen geht es durch dieselbe Kampagne wie auf den HD-Konsolen, die mit sechs Stunden nicht übermäßig lang ist, uns in dieser Zeit aber jede Menge eindrucksvolle Erlebnisse darbietet. Abseits davon gibt es auch noch einen Spezialeinheit-Modus, der zurück zu den Schauplätzen des Hauptspiels führt. Die Missionen sind hier aber deutlich arcadelastiger und können online zusammen mit einem Kameraden bestritten werden. Außerdem erleben wir hier der Ereignisse aus anderen Blickwinkeln. Schossen wir uns in der Kampagne noch als Elitesoldat durch einen abstürzenden Jet, wechseln wir hier die Seiten und versuchen als Terrorist den Sieg davonzutragen. Das Ganze wird dabei auch in der deutschen Version komplett ungeschnitten präsentiert. Daher könnte so mancher Spieler auch an der einen oder anderen Situation Anstoß finden. Besonders skandalträchtige Situationen lassen sich auf Wunsch allerdings überspringen – was eine feinfühlige Option ist, die Infinity Ward hier anbietet.
Besonders viele Wii-Spiele mit einem Online-Multiplayer gibt es nicht und so stellt „Modern Warfare 3“ in dieser Hinsicht auf jeden Fall eine Bereicherung dar. Im Gegensatz zu den HD-Konsolen passen hier zwar nicht 18 sondern nur zehn Soldaten auf das Schlachtfeld, andere Einschränkungen gibt es aber nicht. Und so warten auch hier so einige Modi und 16 abwechslungsreiche Karten. Dabei lassen sich nicht nur Charaktere und Waffen mit der Zeit aufrüsten, auch gibt es ein interessantes Belohnungssystem. Wer sich in diesem Mehrspieler-Krieg gut schlägt, darf sich daher über praktische Extras wie Schutzwesten oder durchschlagkräftige Waffen freuen. Übrigens sind die Mehrspieler-Karten auch für Einzelkämpfer interessant. Im Überlebensmodus können sich Solo-Soldaten hier nämlich unzähligen feindlichen Angriffswellen entgegenstellen. Der Mehrspieler-Part macht somit eine Menge her, auch wenn er genau wie das Hauptspiel unter den Limitationen der Wii leidet. Dass nur zehn Spieler mitmischen können, ist kein Problem. Die häufigen Lags und das unkomfortable Freundescode-System sind aber Ärgernisse, die das Erlebnis deutlich trüben.
Obwohl die Grafik mit den schwachen Texturen und blassen Farben alles andere als gut aussieht, reißen uns mitten in den Missionen hin und wieder Ladezeiten aus dem Geschehen. Einen enormen Beitrag zur Atmosphäre leistet derweil der Sound. Die Geräuschkulisse mit den realistisch klingenden Waffen und panischen Rufen ist gewaltig. Dabei machen die deutschen Sprecher einen guten Job, auch wenn die englische Sprachausgabe noch ein bisschen mehr überzeugen kann. Die Geschichte, die dabei erzählt wird, ist allerdings eher vergessenswert. Die Jagd auf den Terroristen Makarov bietet einen netten Rahmen für die Missionen der Kampagne. Was vorantreibt ist aber nicht die Handlung, sondern die Neugier auf neue Schauplätze und die Gewissheit, dass die nächste Mission die Action wieder mit interessanten Einfällen nach ganz oben drehen wird.
Sascha Geldermann meint...
Bei einem Schusswechsel auf der Straße komme ich gerade noch mit dem Leben davon, nur um wenig später eine furiose Flucht mit dem Hubschrauber anzutreten und kurz darauf ein U-Boot stürmen zu müssen – und das war erst der Anfang von sechs Stunden perfekt inszenierter Dauer-Action. „Modern Warfare 3“ weiß mitzureißen, bleibt auf Wii aber trotz intuitiver Steuerung weit hinter seinem Potenzial zurück. Die schwache Grafik raubt den abwechslungsreichen Schauplätzen spürbar Faszination, während die Framerate viel zu oft in die Knie geht. Und im Mehrspieler-Modus sieht es genauso aus: Auch hier wird gute Dauer-Action serviert, die ohne Lags und Freundescodes aber so viel besser sein könnte.
Bei einem Schusswechsel auf der Straße komme ich gerade noch mit dem Leben davon, nur um wenig später eine furiose Flucht mit dem Hubschrauber anzutreten und kurz darauf ein U-Boot stürmen zu müssen – und das war erst der Anfang von sechs Stunden perfekt inszenierter Dauer-Action. „Modern Warfare 3“ weiß mitzureißen, bleibt auf Wii aber trotz intuitiver Steuerung weit hinter seinem Potenzial zurück. Die schwache Grafik raubt den abwechslungsreichen Schauplätzen spürbar Faszination, während die Framerate viel zu oft in die Knie geht. Und im Mehrspieler-Modus sieht es genauso aus: Auch hier wird gute Dauer-Action serviert, die ohne Lags und Freundescodes aber so viel besser sein könnte.

GRAFIK
Schwache Texturen und blasse Farben rauben den abwechslungsreichen Schauplätzen viel von ihrem Reiz. Besonders nervig sind die häufigen Framerate-Einbrüche.
Schwache Texturen und blasse Farben rauben den abwechslungsreichen Schauplätzen viel von ihrem Reiz. Besonders nervig sind die häufigen Framerate-Einbrüche.

SOUND
Die gewaltige Geräuschkulisse und die guten Sprecher bereichern die Atmosphäre.
Die gewaltige Geräuschkulisse und die guten Sprecher bereichern die Atmosphäre.

BEDIENUNG
In diesem Bereich spielt die Wii ihre Trümpfe aus. Bei den vielfältigen Steuerungsoptionen ist für jeden etwas dabei.
In diesem Bereich spielt die Wii ihre Trümpfe aus. Bei den vielfältigen Steuerungsoptionen ist für jeden etwas dabei.

UMFANG
Neben der durchgestylten Kampagne gibt es noch weitere Modi. Der Online-Multiplayer macht Spaß leidet aber unter Lags.
Neben der durchgestylten Kampagne gibt es noch weitere Modi. Der Online-Multiplayer macht Spaß leidet aber unter Lags.
SPIELSPASS
Packend inszenierte Dauer-Action, mit der die Wii leider immer wieder überfordert ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Packend inszenierte Dauer-Action, mit der die Wii leider immer wieder überfordert ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Ego-Shooter
Entwickler
Treyarch
Publisher
Activision
Releasedatum
14.11.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Ego-Shooter
Entwickler
Treyarch
Publisher
Activision
Releasedatum
14.11.2011
USK-Freigabe

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