Kirby´s Adventure Wii
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 27.11.2011
Nintendos rosa Kugelheld kommt in diesem Jahr einfach nicht zur Ruhe. Nachdem er im Frühjahr das Stoffland rettete und erst im vergangenen Monat in zehn kleine Abbilder geteilt wurde, muss er nun auf die Jagd nach Raumschiff-Bauteilen gehen. Doch zumindest ist er dabei nicht auf sich allein gestellt: Meta-Knight, Waddle-Dee und König Dedede greifen ihm unter die Arme und sorgen für ein lebhaftes Multiplayer-Treiben.
Der rosa Zerstörer
Mit einem hellen Licht fängt alles an. Ein Wurmloch öffnet sich am Himmel, aus dem ein qualmendes Raumschiff bricht. Nachdem dieses einen kurzen Sturzflug hingelegt und dabei jede Menge Bauteile über dem Dream Land verteilt hat, strandet es scheppernd im nächsten Wald. Kirby, Waddle Dee, König Dedede und Meta-Knight hatten sich eigentlich auf einen ruhigen Tag eingestellt, hilfsbereit wie sie sind, eilen sie aber sofort zur Unglücksstelle. Doch alles ist halb so wild: Der außerirdische Raumfahrer ist nicht verletzt, sondern nur etwas traurig. Schließlich hat er bei dem Absturz fünf große Bauteile und 120 Zahnräder verloren. Da der ADAC selbst bei Plus-Mitgliedschaft immer noch nicht intergalaktisch arbeitet, bieten sich Kirby und seine Gefährten prompt an, das Raumschiff wieder flott zu machen. Und so beginnt eine abenteuerliche Bauteil-Jagt, die durch 2D-Levels in fünf thematisch verschiedenen Welten führt.
Das Intro ist eigentlich kaum der Rede wert und mit seiner simplen Gestaltung und den komplett stummen Charakteren kein Vergleich zu dem von „Kirby und das magische Garn“. Aber so ist dieses Abenteuer eben: Oldschool auf ganzer Linie. Nicht grundlos heißt in anderen Ländern „Return zu Dream Land“ – schon im allerersten Wald-Level fühlt sich alles genauso an wie in den älteren Abenteuern des Kugelhelden an: Kirby rennt durch 2D-Levels, saugt Gegner ein und kopiert deren Fähigkeiten. Innovation hat sich dieses Spiel nicht auf die Fahne geschrieben, mehr so etwas wie „Back to the Roots“. Das Fehlen von wirklich neuen Elementen ist nach den vergangenen beiden innovativen Kirby-Titeln ein bisschen schade, aber das unkomplizierte Retro-Gameplay versprüht doch erstaunlich viel Charme. Wenn Kirby über Abgründe schwebt, Schlüssel für Türen sucht oder gegen dicke Bossgegner kämpft, bleibt einfach kein Platz für Langeweile.
Die Bedienung des Spiels ist kinderleicht. Zwar wird der Classic-Controller unverständlicherweise nicht unterstützt, aber die quer gehaltene Wii-Remote liegt ja schließlich auch gut in der Hand. Rennen, Springen, Einsaugen alles kein Problem. Letztes ist das Hauptelement des Spiels. Der kleine rosa Nimmersatt atmet alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist – egal ob Blöcke oder Gegner. Bei besonders großen Brocken wird das Ganze zwar etwas anstrengender, aber durch das Schütteln der Remote lässt sich die Saugkraft dermaßen hochdrehen, dass auch große Feinde in Kirbys Schlund landen. Dann stellt sich nur noch die Frage: Schlucken oder Spucken? Meistens bietet sich Letzteres an, geben die verputzen Feinde so doch noch prima Geschosse ab, die nicht nur Gegner, sondern auch Hindernisse aus dem Weg räumen.
Noch viel effektiver lässt sich in den Levels allerdings durch den Einsatz der zahlreichen Spezial-Fähigkeiten aufräumen. Diese eignet sich Kirby entweder durch das Einsaugen von Gegner an oder sammelt sich ganz einfach ein. All diese Fähigkeiten sind unterhaltsam, abwechslungsreich – und vollkommen übertrieben. Wenn ihr mit einem Zauberstab durch die Levels rennt, Stürme entfacht oder eure Gegner wahlweise einfriert, anzündet oder elektrisiert, dann könnt ihr minutenlang einfach alles aus dem Weg räumen, was euch in die Quere kommt. Manche Power-Ups gehen sogar noch einen Schritt weiter. Mit einem großen Schwert haut Kirby beispielsweise per Knopfdruck alles in Schutt und Asche, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Godzilla würde das auch nicht besser hinbekommen.
Das Ganze ist ziemlich spektakulär und macht gerade durch die Übertriebenheit auch mächtig Laune. Allerdings machen die übermächtigen Power-Ups das Spiel noch leichter als es eh schon ist. Na gut: Einige Zahnräder sind gut versteckt und nach dem Abspann schaltet sich ein schwererer Modus frei – das Hauptspiel ist serientypisch aber mal wieder so fordernd wie Schneckenschupsen. Die jüngeren Spieler freut das Gewiss. Es wäre aber auch schön gewesen, wenn Nintendo den Spagat hinbekommen hätte, gleichzeitig auch für Erwachsene Herausforderungen bereitzuhalten. Aber auch ältere Semester haben sicherlich ihren Spaß an dem Spiel – vor allem wenn sie die alten Kirby-Abenteuer kennen und die Nostalgie spüren.
Kooperatives Chaos
Kirby rennt, schwebt und saugt sich durch die fünf Welten, an deren Ende immer ein großer Bossgegner und ein neues Bauteil für das Raumschiff warten. Zwischendurch gilt es auch noch in das eine oder andere Dimensionsloch zu springen, um in einer schwarz-weißen Welt vor einer alles verschlingenden Wand zu flüchten und dann auch noch einem Obermotz eins auf die Mütze zu geben. Auf diese Weise kommt der rosa Knödel an Zahnräder, die an vielen anderen Stellen aber auch einfach nur eingesammelt werden müssen. So sieht das Raumschiff immer besser aus, in dem mit der Zeit auch das eine oder andere Minispiel auf die vier Helden wartet. Bis der gestrandete Alien wieder aufbrechen kann, vergehen rund sechs Stunden. Der Umfang des Hauptspiel mag sich damit in Grenzen halten, wer aber alle Geheimnisse entdecken und den schwereren Modus meistern möchte, wird dennoch viel Zeit im Dream Land lassen können. Außerdem besitzt das Spiel einen gewissen Wiederspielwert – vor allem in Mehrspieler-Modus.
Wie erwähnt mischen auch Meta-Knight, Waddle Dee und König Dedede mächtig mit. Im Einzelspieler-Modus zeigen sie sich zwar nicht in den Levels, aber es können jederzeit bis zu drei Spieler in das Geschehen einsteigen. Vor allem wenn vier Helden die 2D-Levels ins Chaos stürzen, ist das Spielspaß in Reinform. Dabei interagieren die Figuren auch miteinander, schenken sich Lebensengerie oder nehmen einander auf die Schulter. Im Mittelpunkt steht dabei auf jeden Fall Kirby, da nur er durch Türen gehen und Spezialfähigkeiten einsetzen kann. Daher dürfen auch alle anderen Spieler auf Wunsch einen Kugelhelden übernehmen – nur das dieser dann eine andere Farbe hat. „Kirby Adventure Wii“ gehört auf jeden Fall zu den besten kooperativen Mehrspieler-Erfahrungen auf der Konsole. Einziges Manko: Bei einigen Spezialfähigkeiten wie dem Einsatz des Riesenschwertes friert das Geschehen kurz ein. Alle anderen Spieler können in dieser Zeit nur zugucken, wie Kirby die ganze Umgebung in Schutt und Asche legt. Aber zumindest kommt in diesen Momenten nicht die Gefahr auf, durch eine peinliche Aktion unnötig den gemeinsamen Vorrat an Leben zu reduzieren.
Selbst wenn vier Charaktere über den Bildschirm wuseln, läuft das Geschehen stets flüssig. So gut wie bei „Kirby und das magische Garn“ sieht das Spiel dabei aber leider nicht aus. Die Grafik geht dennoch in Ordnung – vor allem in späteren Levels. Es ist einfach der bekannte bunte Comic-Look, der in jedem Kirby-Spiel trotz seiner Einfachheit einen gewissen Charme ausstrahlen kann. Beim Sound ist die einzige Überraschung, dass es im Vergleich zum letzten Wii-Abenteuer von Kirby keine Sprachausgabe mehr gibt. Musikalisch ist derweil alles beim Alten: Die Melodien sind so fröhlich wie simpel. Auch beim Sound herrscht also ein gewisses Retro-Feeling - nur dass sich dieses hier nicht so positiv anrechnen lässt wie beim Gameplay.
Sascha Geldermann meint...
Starke Leistung Kirby: Drei Auftritte in einem Jahr hinzulegen, sich jedes Mal ganz anders zu präsentieren und immer wieder Unterhaltung auf hohem Niveau zu servieren, verdient Respekt. Der Grad an Innovationen ist dieses Mal zwar so gering wie der serientypisch kaum vorhandene Schwierigkeitsgrad, das unkomplizierte Oldschool-Gameplay hat mir aber stundenlang ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Vor allem die herrlich übertriebenen und vielseitigen Spezial-Fähigkeiten sorgen immer wieder für Laune. Und wenn dann auch noch bis zu drei Mitspieler in dieses bunte Treiben einsteigen, werden Kirby-Fans wie auf einem Warp-Sterne in den siebten Spielspaß-Himmel katapultiert.
Starke Leistung Kirby: Drei Auftritte in einem Jahr hinzulegen, sich jedes Mal ganz anders zu präsentieren und immer wieder Unterhaltung auf hohem Niveau zu servieren, verdient Respekt. Der Grad an Innovationen ist dieses Mal zwar so gering wie der serientypisch kaum vorhandene Schwierigkeitsgrad, das unkomplizierte Oldschool-Gameplay hat mir aber stundenlang ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Vor allem die herrlich übertriebenen und vielseitigen Spezial-Fähigkeiten sorgen immer wieder für Laune. Und wenn dann auch noch bis zu drei Mitspieler in dieses bunte Treiben einsteigen, werden Kirby-Fans wie auf einem Warp-Sterne in den siebten Spielspaß-Himmel katapultiert.

GRAFIK
Charmante 2D-Optik, die sehr einfach gehalten ist
Charmante 2D-Optik, die sehr einfach gehalten ist

SOUND
Die Melodien sind so simpel wie fröhlich. Sauer stößt das Fehlen einer Sprachausgabe auf.
Die Melodien sind so simpel wie fröhlich. Sauer stößt das Fehlen einer Sprachausgabe auf.

BEDIENUNG
Mit der quergehaltenden Remote lassen sich die Helden eingängig steuern. Aber wieso wird der Classic Controller nicht unterstützt?
Mit der quergehaltenden Remote lassen sich die Helden eingängig steuern. Aber wieso wird der Classic Controller nicht unterstützt?

UMFANG
Nach dem sechsstündigen Hauptspiel schaltet sich ein fordernder Modus frei. Der Wiederspielwert ist hoch – vor allem im Mehrspieler-Modus.
Nach dem sechsstündigen Hauptspiel schaltet sich ein fordernder Modus frei. Der Wiederspielwert ist hoch – vor allem im Mehrspieler-Modus.
SPIELSPASS
Dieses Kirby-Spiel setzt auf Retro-Feeling statt auf Innovationen – und sorgt vor allem im Mehrspieler-Modus wieder einmal für jede Menge Spaß.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dieses Kirby-Spiel setzt auf Retro-Feeling statt auf Innovationen – und sorgt vor allem im Mehrspieler-Modus wieder einmal für jede Menge Spaß.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Jump & Run
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
25.11.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Jump & Run
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
25.11.2011
USK-Freigabe

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