Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn
Artikel verfasst von Gennaro Grippo am 26.11.2011
Mit „Les aventures de Tintin“, hierzulande besser bekannt als Tim und Struppi, hat sich der belgische Comic-Autor und -Zeichner Hergé ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt. Die Abenteuer des charismatischen Reporters Tim und seines treuen Weggefährtens Struppi sind zeitlos und begeistern noch heute junge wie ältere Semester gleichermaßen. Anlässlich des neuen Kinofilms begeben sich Tim und Struppi auf eine abenteuerliche Weltreise, um das Geheimnis der mysteriösen Einhorn zu lüften. Als deutscher Korrespondent habe ich die beiden auf ihrer Reise begleitet.
Schiff Ahoi!
Die ganz großen Geschichten beginnen meist dort, wo man sie gar nicht erwarten würde. In unserem Fall beginnt das Abenteuer auf einem Flohmarkt. Struppis Spürnase sei Dank wird Tim auf die Einhorn aufmerksam gemacht, einem alten Schiffsmodell. Obwohl wir kein Interesse am Kauf haben, werden wir durch das aufdringliche und bedrohende Auftreten eines weiteren Interessenten skeptisch und schlagen letztlich doch zu. Bei einem weiteren Flohmarkthändler erwerben wir ein Buch, das die Geschichte um die sagenhafte Einhorn präsentiert. Eine genauere Inspektion des Modells später stellt sich heraus, dass sich in der Einhorn ein Pergament befindet. Dieses ist eines von drei Pergamenten, die das Geheimnis um die Einhorn lüften und uns den Weg zum Schatz offenbaren. Allerdings sind wir nicht die Einzigen, die darüber Bescheid wissen. Fortan stellen sich uns eine Vielzahl an Schlägertypen in den Weg und wollen unser Pergament an sich reißen. Da hilft bei Leibe kein diplomatisches Auftreten mehr, folglich muss der Belgier gehörig austeilen.Die Reise führt uns zu den unterschiedlichsten Schauplätzen der Welt und bietet uns auch spielerisch Einiges an Abwechslung. So rasen wir auf einem Motorrad in der Wüste Verfolgern davon, bahnen uns unseren Weg durch ein riesiges Schiff zum Kapitän, infiltrieren und schleichen uns in ein nobles Anwesen hinein oder fliegen hoch über den Wolken und durch Höhlen zu unserer nächsten Station. Die Story wird in unterhaltsamen Zwischensequenzen vorangetrieben und macht insbesondere durch die gelungene deutsche Synchronisation eine wahrlich gute Figur. Im Großen und Ganzen wurde „Das Geheimnis der Einhorn“ als 2D-Sidescroller konzipiert, bietet jedoch vereinzelt auch richtige 3D-Passagen. Diese Kombination und der Wechsel von 2D- und 3D-Gameplay ist souverän umgesetzt worden und weiß zu gefallen.
Ein Fall für zwei
Wir werden praktisch am laufenden Band mit Herausforderungen konfrontiert. Einige davon kann Tim selbst lösen, bei anderen eilt ihm Struppi zu Hilfe. Im späteren Spielverlauf kommt auch die helfende Hand von Kapitän Haddock hinzu. Wer sich nun aber auf knifflige und abwechslungsreiche Rätsel einstimmt, muss sich leider eines Besseren belehren lassen. Schon nach wenigen Levels haben wir praktisch sämtliche Rätselvarianten verinnerlicht. Dass diese im gesamten Spielverlauf recycelt werden und sich stets wiederholen, trübt die sonst gelungene Präsentation des Titels. Leider kommt auch noch hinzu, dass die Rätseleinlagen nicht gerade fordernd sind. Selbst jüngere Spieler werden auf Anhieb die vermeintlichen Herausforderungen lösen und ähnlich wie auf einem Laufband durch das Abenteuer spazieren. Tim absolviert in erster Linie Sprungeinlagen und kämpft sich mit seinen Fäusten durch strunzdoofe Gegnerhorden hindurch. Einige von ihnen sind hingegen nur doof, versuchen sich mit einer Rüstung, einer Waffe oder einem Regenschirm gegen Tims Attacken zur Wehr zu setzen. Mit herumliegenden Gegenständen, wie unter anderem ein hochgefährlicher aufblasbarer Wasserball, kann Tim selbst diese Gattung Gegner mühelos zur Strecke bringen. Mit Realität hat das rein wenig zu tun, witzig anzusehen ist es jedoch allemal.Kommen wir an einigen Stellen nicht weiter, wie beispielsweise bei verschlossenen Türen, übernehmen wir die Kontrolle von Struppi. Der Foxterrier kann in kleine Schächte hinein und sich auf die Suche nach einem Schlüssel machen. Bedrohen uns fiese Ratten, verschrecken wir sie kurzerhand mit einem kräftigen Bellen. Nutzt Struppi hingegen seine Nase, können wir Fußspuren aufspühren und verfolgen sowie verborgene Schätze finden. Kapitän Haddock hingegen unterstützt uns später mit kleineren Koop-Einlagen und Räuberleitern, um unerreichbare Stellen zu erklimmen. In den Levels verbergen sich in Kisten so genannte goldene Krabben, die einen gewissen Hauch von Sammelwahn auslösen möchten. Je mehr wir im Spielverlauf sammeln, desto mehr Bonusmaterial schalten wir auch frei. Dies können Konzeptgrafiken, Videos oder jedoch Charakterinformationen sein. Allerdings ist „Das Geheimnis der Einhorn“ mit gerade einmal 5-6 Stunden Spielzeit ein äußerst kurzweiliges Erlebnis, so dass das Ende des Abenteuers schnell erreicht wird. Andererseits kann man es dem Titel auch nicht wirklich übel nehmen, schließlich zeichnen sich Lizenzversoftungen nicht unbedingt durch ihre immense Spieldauer aus. Was übrig bleibt sind ausgewählte Wettkämpfe sowie ein Koop-Modus. Letzteres könnt Ihr auch alleine bestreiten, der Partner wird von der CPU übernommen und verhält sich in den entsprechenden Situationen erfreulicherweise intelligent. Alles in allem können diese Modi allerdings den Spielspaß nur marginal in die Länge ziehen, weil sie ähnlich wie das Hauptspiel äußerst knapp bemessen sind.
In technischer Hinsicht präsentiert sich das Abenteuer von Tim und Struppi durchaus gelungen. Die comic-ähnliche Grafik versprüht einen eigenen Charme und passt vorzüglich zur belgischen Vorlage. Sowohl die Levels als auch die Animationen der Charaktere sind im Großen und Ganzen liebevoll gestaltet worden, die Kombination aus 2D- und 3D-Gameplay souverän gelungen. Selbst die Zwischensequenzen mitsamt der deutschen Sprachausgabe machen eine ordentliche Figur. Die Ladezeiten halten sich erfreulicherweise in Grenzen und präsentieren uns eine Panoramaaufnahme des aktuellen Schauplatzes. Die akustische Seite profitiert von einer tollen orchestralischen Begleitung. Etwas mehr Würze hätten allerdings die Rätsel gut vertragen, die äußerst kurz und simpel ausgefallen sind. Dadurch verkommt der Titel zu einem äußerst kurzen Spielerlebnis, auch wenn man krampfhaft versucht hat die Spieldauer zu strecken. Ob man alle goldenen Krabben sammeln muss um Bonusmaterial freizuschalten, sei dahingestellt. Dass man bei einem Versagen, aufgrund des veralteten kapitelbasierten Speichersystems, nahezu von Vorne beginnen muss, hätte wirklich nicht sein müssen. „Das Geheimnis der Einhorn“ gehört zwar dennoch zu den besseren Lizenzversoftungen, doch der hartnäckige Fluch der Lizenztitel verschenkt auch in diesem Fall ungemein viel Potenzial.
Gennaro Grippo meint...
„Das Geheimnis der Einhorn“ ist durchweg ein unterhaltsames Spiel geworden, welches allerdings mit den klassischen Symptomen eines Lizenztitels zu kämpfen hat. Technisch gesehen liefert Ubisoft hier zwar ein wirklich toll erzähltes Abenteuer auf den Bildschirm ab, inhaltlich hat der rote Stift aber leider gewonnen. Das Abenteuer ist verdammt kurz ausgefallen und die Rätsel viel zu einfach. Wirklich schade, denn das Abenteuer weiß an sich schon zu fesseln. Dass man Bonusmaterialien freischalten kann ist nett, wird aber womöglich nicht bei jedem Spieler einen hohen Wiederspielwert erzeugen können. Vor allem jüngere Spieler werden mit dem Titel aber glücklich werden.
„Das Geheimnis der Einhorn“ ist durchweg ein unterhaltsames Spiel geworden, welches allerdings mit den klassischen Symptomen eines Lizenztitels zu kämpfen hat. Technisch gesehen liefert Ubisoft hier zwar ein wirklich toll erzähltes Abenteuer auf den Bildschirm ab, inhaltlich hat der rote Stift aber leider gewonnen. Das Abenteuer ist verdammt kurz ausgefallen und die Rätsel viel zu einfach. Wirklich schade, denn das Abenteuer weiß an sich schon zu fesseln. Dass man Bonusmaterialien freischalten kann ist nett, wird aber womöglich nicht bei jedem Spieler einen hohen Wiederspielwert erzeugen können. Vor allem jüngere Spieler werden mit dem Titel aber glücklich werden.

GRAFIK
Das Spiel weiß mit seiner comic-ähnlichen Optik zu überzeugen, die Animationen und Levels sind liebevoll umgesetzt worden und die Kombination aus 2D- und 3D-Passagen interessant.
Das Spiel weiß mit seiner comic-ähnlichen Optik zu überzeugen, die Animationen und Levels sind liebevoll umgesetzt worden und die Kombination aus 2D- und 3D-Passagen interessant.

SOUND
Eine schöne orchestralische Musikuntermalung begleitet uns auf unserer Weltreise, je nach Situation versteht sie es Spannung und Atmosphäre aufzubauen.
Eine schöne orchestralische Musikuntermalung begleitet uns auf unserer Weltreise, je nach Situation versteht sie es Spannung und Atmosphäre aufzubauen.

BEDIENUNG
Mit der Wiimote fuchteln und zielen, mit dem Nunchuk steuern – ein solides Steuerungsschema, welches mit WiiMotion Plus präziser wird.
Mit der Wiimote fuchteln und zielen, mit dem Nunchuk steuern – ein solides Steuerungsschema, welches mit WiiMotion Plus präziser wird.

UMFANG
Das Abenteuer entführt uns für gerade einmal 5-6 Stunden quer über den Globus, die zusätzlichen Modi können nur kurzweilig unterhalten. Die freischaltbaren Boni sind ein nettes Gimmick.
Das Abenteuer entführt uns für gerade einmal 5-6 Stunden quer über den Globus, die zusätzlichen Modi können nur kurzweilig unterhalten. Die freischaltbaren Boni sind ein nettes Gimmick.
SPIELSPASS
Das neueste Abenteuer von Tim und Struppi unterhält zwar auf mäßigem Niveau und lässt herausfordernde Rätsel vermissen, gehört aber dennoch zu den besseren Filmumsetzungen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Das neueste Abenteuer von Tim und Struppi unterhält zwar auf mäßigem Niveau und lässt herausfordernde Rätsel vermissen, gehört aber dennoch zu den besseren Filmumsetzungen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action-Adventure
Entwickler
Ubisoft
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
20.10.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action-Adventure
Entwickler
Ubisoft
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
20.10.2011
USK-Freigabe

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