Tetris
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 02.11.2011
Tetris – das Name hätte nicht schlichter sein können, sagt aber alles. Den Untertitel „Axis“ der nordamerikanischen Version hat sich Hudson Soft in Europa einfach mal gespart. Spendabel zeigt sich der Entwickler dafür bei den Modi: Vom klassischen Marathon über Party-Spiele bis hin zum Steine-Stapeln in der erweiterten Realität ist alles dabei.
Denglisches Block-Stapeln
Ach Tetris, wie viele Menschen hast du seit Mitte der 1980er Jahre in die Abhängigkeit getrieben? Und das mit einem so simplen Prinzip, an dem sich auch auf dem Nintendo 3DS nichts ändert: Immer noch fallen Z-, T-, L- und in Glücksfällen auch I-förmige Blöcke vom Himmel, die sich auf einem Raster stapeln. Das Ziel ist bekannt: Auf dem Raster müssen horizontale Reihen gebildet werden, die sich dann auflösen. Und so kämpft ihr unermüdlich gegen die immer weiter vom Himmel fallenden Steine an, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Als kleine Hilfe könnt ihr dabei einen Stein zurückhalten und später auf Wunsch wieder ins Spiel bringen. Außerdem sind am Rand schon die nächsten Blöcke zu sehen, sodass ihr bereits vorausplanen könnt.
Auf Nintendos Handheld hat das Ganze einen netten 3D-Effekt, ihr müsst aber weiterhin nur in zwei Dimensionen stapeln. Das gute alte Spielprinzip macht auch auf dem Handheld immer noch süchtig und wurde solide umgesetzt – das Spiel wirkt aber auch ein bisschen lieblos. So hätten die Entwickler ruhig mehr Steuerungsoptionen integrieren können, denn es lässt sich nur mit dem Steuerkreuz spielen, während das Circle-Pad vollkommen nutzlos ist. Auch erscheint der Raster ein bisschen klein, da dieser gerade mal ein Drittel des oberen Bildschirms einnimmt, während der Touchscreen euch über Zeit, Levels, Highscores und aktuellen Punktestand informiert. Vielleicht wäre es sinnvoller und komfortabler gewesen, wenn sich der Raster über beide Bildschirme erstreckt hätte.
Auch in der Präsentation steckt nicht gerade besonders viel Liebe. Klar: Die bekannte Tetris-Melodie ist auch heute noch ein Ohrwurm und hat es zusammen mit einer Reihe anderer Stücke in das Spiel geschafft – die Qualität dieser Lieder lässt aber zu wünschen übrig. Die Grafik ist derweil selbst für ein Tetris-Spiel sehr simpel gehalten. Es ist zwar nett, dass sich das Aussehen der Blöcke ändern lässt – aber die ganze Aufmachung erinnert stark an die 1990er Jahre. Dazu kommt noch, dass die Menüführung recht unübersichtlich ist. Ein bisschen merkwürdig ist außerdem ist inkonsequente Lokalisierung: Das Hauptmenü ist komplett auf Deutsch gehalten und bietet sogar ausführliche Beschreibungen zu allen Modi. Im Spiel selbst beherrscht derweil Englisch das Bild, sodass hier „Scores“ und „Best Time“ zu lesen ist. Pausiert ihr das Spiel, erscheinen Menüpunkte in englischer Sprache wie „Camera Set“, „Continue“ oder „Ghost“. Unterm Strich präsentiert sich dieses Spiel also in Denglisch.
Klassische Modi und neue Möglichkeiten
Genug gemeckert: Wer Tetris auf dem Handheld erleben möchte, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Das ist der umfangreichen Modi-Auswahl zu verdanken. Hier kämpft ihr klassisch beim Marathon gegen einen unendlichen Nachschub an Blöcken an oder widmet euch anderen Interpretationen des klassischen Spielprinzips. Da wäre beispielsweise der Computer-Kampf, bei dem ihr nacheinander gegen zehn KI-Gegner antretet, denen ihr eure aufgelösten Linien ins Raster schickt. Viel mehr Spaß macht allerdings die Fieber-Variante, bei der ihr möglichst viele Linien in 60 Sekunden auflöst. Dabei kommen auch Items zum Einsatz, die Lücken zwischen den Steinen praktischerweise einfach mal auffüllen oder mit einer Explosion alle umliegenden Blöcke wegsprengen. Der vierte und letzte „normale“ Modus nennt sich „Survival“. Dieser ist dem klassischen Tetris sehr ähnlich, allerdings wandern hier von unten Straflinien nach oben, die das ganze Feld immer weiter an den Bildschirmrand schieben.
Ein gutes Kontrastprogramm liefert der Party-Bereich, der neun Varianten umfasst. Hier puzzelt ihr aus Blöcken vorgegebene Bilder zusammen, spielt mit einem drehbaren Raster oder jagt einen Tetris-Stein wie ein Rennauto durch die Levels. Interessant ist auch die Variante Turmkletterer, bei der ihr einer Spielfigur eine Treppe baut, damit diese ihr Ziel erreichen kann. Diese Variante lässt sich sogar in der erweiterten Realität spielen, sodass ihr die Treppe auch auf eurem Schreibtisch bauen dürft. Auch der ganz normale Marathon-Modus lässt sich so spielen. Aber auch wenn ein Tetris-Raster im eigenen Zimmer interessant anzuschauen ist und die neuen Möglichkeiten des Handhelds demonstriert – das Feld ist hier einfach zu klein gehalten, als dass richtig Spaß aufkommen könnte. Eine nette Spielerei ist das aber auf jeden Fall, auch wenn die normalen Party-Modi deutlich mehr Laune machen.
Der größte Pluspunkt an diesem Tetris-Spiel ist der Mehrspieler-Modus, der auch Online-Funktionen mitbringt. So könnt ihr es über die Wi-Fi Connection gleich mit sieben Gegnern aus aller Welt gleichzeitig aufnehmen – zumindest wenn ihr mit Items spielt. Ohne Items dürft ihr immerhin einen Kontrahenten herausfordern. Viel mehr Auswahlmöglichkeiten gibt es allerdings beim lokalen Spiel, das vier Varianten und auch eine kooperative Stapelei umfasst. Außerdem wichtig: Ihr dürft mir euren Highscores in Online-Listen angeben – was die Motivation und die Suchtgefahr noch einmal deutlich erhöht.
Sascha Geldermann meint...
Tetris macht auch auf dem Nintendo 3DS immer noch süchtig. Vor allem da das bekannte Spielprinzip hier in zahlreichen Varianten serviert wird, die auch einen spaßigen Mehrspieler- und Online-Part umfassen. Vom Puzzle-Hit ist diese Umsetzung aber dennoch weit entfernt. Dafür wirkt sie zu lieblos und lässt zu viele Wünsche offen: Vor allem das recht kleine Spielfeld, die arg simple Präsentation und die umständliche Menüführung sollten die Entwickler bis zum nächsten 3DS-Tetris überdenken – das garantiert kommen wird.
Tetris macht auch auf dem Nintendo 3DS immer noch süchtig. Vor allem da das bekannte Spielprinzip hier in zahlreichen Varianten serviert wird, die auch einen spaßigen Mehrspieler- und Online-Part umfassen. Vom Puzzle-Hit ist diese Umsetzung aber dennoch weit entfernt. Dafür wirkt sie zu lieblos und lässt zu viele Wünsche offen: Vor allem das recht kleine Spielfeld, die arg simple Präsentation und die umständliche Menüführung sollten die Entwickler bis zum nächsten 3DS-Tetris überdenken – das garantiert kommen wird.

GRAFIK
Präsentation und Menüführung sind sehr schwach – was bei Tetris aber kein Drama ist.
Präsentation und Menüführung sind sehr schwach – was bei Tetris aber kein Drama ist.

SOUND
Die Tetris-Melodie ist immer noch großartig, die Soundqualität dagegen weniger.
Die Tetris-Melodie ist immer noch großartig, die Soundqualität dagegen weniger.

BEDIENUNG
Über das Steuerkreuz lässt sich problemlos spielen – aber wieso wird das Cricle-Pad ignoriert?
Über das Steuerkreuz lässt sich problemlos spielen – aber wieso wird das Cricle-Pad ignoriert?

UMFANG
Die Modi-Auswahl ist der große Trumpf dieses Spiels. Vor allem der Mehrspieler-Part ist gelungen.
Die Modi-Auswahl ist der große Trumpf dieses Spiels. Vor allem der Mehrspieler-Part ist gelungen.
SPIELSPASS
Etwas lieblose Tetris-Umsetzung, die dank zahlreicher Modi aber dennoch einen Blick wert ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Etwas lieblose Tetris-Umsetzung, die dank zahlreicher Modi aber dennoch einen Blick wert ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Geschicklichkeit
Entwickler
Hudson Soft
Publisher
Nintendo
Releasedatum
21.10.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Geschicklichkeit
Entwickler
Hudson Soft
Publisher
Nintendo
Releasedatum
21.10.2011
USK-Freigabe

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