Driver Renegade 3D
Artikel verfasst von Gennaro Grippo am 30.10.2011
Wer erinnert sich nicht mit Nostalgie an die berüchtigte Tutorial-Garage aus dem ersten Teil?
Selten gingen in den ersten Spielminuten Wut und Frust so innig Hand in Hand wie im Fall von Driver. Wem die Flucht aus der Garage gelang, lernte jedoch den bis dato besten Renntitel kennen. Rückblickend ist es umso trauriger gewesen, wie sich die Serie entwickelt hat. Zwischenzeitlich musste Undercover-Cop John Tanner sogar aus dem Auto steigen und den Geruch von Schießpulver verstreuen, geholfen hat es der Serie auch nicht. Doch mit den neuesten Ablegern will Ubisoft wieder an die alten Stärken des Titels anknüpfen und Tanner aus der Miserie holen. Auf den stationären Konsolen scheint es ja funktioniert zu haben, also wird es doch wohl auch auf dem Nintendo 3DS geglückt sein?
New York City statt San Francisco
Während auf der PlayStation 3 und Xbox 360 John Tanner im Koma von einem Wagen zum Anderen springt um die Straßen von San Francisco sicherer und sauberer zu machen, ist auf dem Nintendo 3DS New York City Schauplatz der Handlung. Tanner ist bei vollem Bewusstsein und hat seinen Dienst als Undercover-Agent bei der NYPD quittiert, weil er das korrupte Justizwesen nicht mehr ertragen kann. Auf einer seiner Fahrten wird er Zeuge, wie Senator Ballard angegriffen wird und eilt ihm mit seinen fahrerischen Künsten zu Hilfe. Nach einem kurzen Gespräch erklären sich beide Seiten bereit zu kooperieren, dabei soll Tanner fünf Gangsterbosse das Handwerk legen. Mit diesem Auftrag beginnt der Abenteuer-Modus, der sich fortan über 20 Missionen erstreckt. Grundsätzlich eine lobende Idee, denn wenn das Shift-Feature in seiner eigentlichen Form auf dem Handheld nicht so umgesetzt werden kann wie auf den Konsolen, sollte man den Titel nicht zwangsweise ruinieren. Daher geht Driver Renegade 3D folglich einen eigenen Weg und versucht die Stärken des Handhelds optimal zu nutzen. Allerdings zeichnet sich das Spiel durch Monotonie und Kurzweiligkeit aus, wodurch das Potential dieses Titels früh auf der Strecke bleibt.
Einerseits sind die Missionen recht kurz ausgefallen und in wenigen Minuten absolviert, selbst im gehobenerem Schwierigkeitsgrad vermisst man wahre Herausforderungen und marschiert sorgenfrei Richtung Abspann. Die Tatsache, dass nur im schwierigen Schwierigkeitsgrad neue Fahrzeuge für den Karriere-Modus freigeschaltet werden können, ist im Grunde genommen sinnfrei und stellt keineswegs eine Hürde dar. Andererseits wiederholt sich das Missionsdesign einfach zu häufig, Tanners Tätigkeitsfeld limitiert sich gerade einmal aufs Crashen, Fliehen und Verfolgen. Während die letzten beiden Disziplinen sich von alleine erklären, wurden die Crash-Einlagen mit durchaus interessanten Features versehen.
Das Rammen anderer Fahrzeuge funktioniert kinderleicht über die Schultertasten, was wir aber auf dem Display zu sehen bekommen ist witzig und unrealistisch zugleich. Der Wagen springt nämlich förmlich nach links oder rechts, selbst Kit (Knight Rider lässt grüßen) hätte wohl seine Probleme etwas dergleichen zu bewerkstelligen. Natürlich setzen solche Attacken Eurem Wagen zu und verkürzen dessen Lebensdauer. Ein eher minimalistisches Schadensmodell, das sich in erster Linie mit Qualm oder Feuer bemerkbar macht, signalisiert uns den kritischen Zustand. Auf der anderen Seite füllen wir auf diese Art und Weise die so genannte RAGE-Anzeige auf. Aktivieren wir diese, dreht Tanner ganz durch und rammt noch härter, steckt durch gegnerische Attacken weniger ein und rast noch flinker über die Straßen. Damit uns das sterbende Auto nicht den Game Over – Bildschirm präsentiert oder die Mission von Vorne beginnen lässt, gibt es virtuelle Werkstätten, die allein beim Durchfahren das angeschlagene Auto reparieren. Auch hier hat sich wohl Kollege Realismus paar Gläser zu viel gegönnt, inhaltlich fügen sich aber die Werkstätten gut in das Spielgeschehen ein. Wo sich die nächste Werkstatt befindet oder in welche Richtung der Gegner geflohen ist, sehen wir übrigens jederzeit auf der Karte von NYC, die auf dem Touchscreen abgebildet ist.
Über 100 Missionen und Herausforderungen für ein Halleluja
Wie bereits erwähnt werdet Ihr die 20 Missionen im Abenteuer-Modus ohne Mühe zügig absolvieren, was bleibt ist das Auswechseln der Spielcartridge oder der Karriere-Modus von Driver Renegade 3D. Âuf einer Karte wählt Ihr die vermeintlichen Herausforderungen aus und dürft fortan im Prinzip dasselbe tun, was Ihr auch im Abenteuer-Modus über Euch ergehen lassen habt. Ihr müsst erneut Rennen fahren, Gegner eliminieren und alles zerstören, was Euren Weg kreuzt. Insgesamt gibt es sieben unterschiedliche Varianten, von Zeitfahren über Straßenkrieg bis hin zu einem Demolition-Derby. Hört sich grundsätzlich cool an und auch der Cover-zierende Banner „Über 100 Missionen und Herausforderungen“ sorgen für den nötigen Respekt, alles in allem spielt es sich jedoch ohne Motivation und Spaß einfach runter. Viel mehr gibt es sonst in Driver Renegade 3D nicht mehr zu entdecken. Die Werkstatt in Eurem Unterschlupf ermöglicht es Euch lediglich die Farbe Eures Wagens zu ändern, ein Tuning sucht man vergebens. Auch die StreetPass-Funktion ist mager ausgefallen und beschränkt sich nur auf das Austauschen von Statistiken. In grafischer Hinsicht bietet Driver Renegade 3D eigentlich keinen Grund zur Beanstandung. New York City ist überzeugend in Szene gesetzt worden und weitläufig. Allerdings kriegen wir von diesem Open World – Flair wenig mit, denn die Missionen zwingen uns eine gewisse Linerarität einzuhalten. Demnach kann es durchaus vorkommen, dass wir einige Flecken auf der Karte nie zu Gesicht bekommen. Das Spiel behält zwar stets eine flüssige Framerate bei, nervt den Spieler allerdings mit unschönen Popups. Folglich ist die Weitsicht stark heruntergeschraubt und wir fahren sozusagen mit Dauernebel durch die US-Metropole. Die Fahrzeugemodelle sind gut umgesetzt worden, hätten jedoch ein ausgereifteres Schadensmodell spendiert bekommen können. Richtig gut gefallen haben uns die Comic-Zwischensequenzen, die die Story vorantreiben und denen es noch am Besten gelingt etwas Atmosphäre zu vermitteln. Die 3D-Darstellung ist gelungen und kann in New York City souverän ein Räumlichkeitsgefühl erzeugen. Soundtechnisch gesehen verdient die deutsche Synchronisation Lob, für sich eigentlich eine Rarität in Videospielen. Die Radio-Sender, die im Karriere-Modus frei gewählt werden können, bieten einen ordentlichen Soundtrack und wissen während der Fahrten zu unterhalten. Die Motorengeräusche und die Sprüche Tanners sind hingegen weniger erwähnenswert.
Gennaro Grippo meint...
Kein Wunder, dass John Tanner lieber in San Francisco seine Runden dreht. Die Idee, der Nintendo 3DS – Version einen eigenen Handlungsstrang zu verpassen, ist für sich löblich aber leider schlecht umgesetzt worden. Dabei geht Driver Renegade 3D verführerisch mit den Begriffen Umfang und Herausforderung um und gaukelt den Spielern Großes vor. Wären diese Aspekte richtig interpretiert worden, dann hätte man sich wahrlich auf ein tolles Driver für den 3DS freuen dürfen. Was man aber tatsächlich zu Gesicht bekommt, ist einfach zu wenig: Wenig motivierend, kaum herausfordernd und schlichtweg monoton. Technisch gesehen ist das Spiel ja akzeptabel, doch das verschenkte Potential macht man dadurch auch nicht mehr wett.
Kein Wunder, dass John Tanner lieber in San Francisco seine Runden dreht. Die Idee, der Nintendo 3DS – Version einen eigenen Handlungsstrang zu verpassen, ist für sich löblich aber leider schlecht umgesetzt worden. Dabei geht Driver Renegade 3D verführerisch mit den Begriffen Umfang und Herausforderung um und gaukelt den Spielern Großes vor. Wären diese Aspekte richtig interpretiert worden, dann hätte man sich wahrlich auf ein tolles Driver für den 3DS freuen dürfen. Was man aber tatsächlich zu Gesicht bekommt, ist einfach zu wenig: Wenig motivierend, kaum herausfordernd und schlichtweg monoton. Technisch gesehen ist das Spiel ja akzeptabel, doch das verschenkte Potential macht man dadurch auch nicht mehr wett.

GRAFIK
New York City wurde schön in Szene gesetzt und der 3D-Effekt weiß zu gefallen, doch nervige Popups trüben den Gesamteindruck.
New York City wurde schön in Szene gesetzt und der 3D-Effekt weiß zu gefallen, doch nervige Popups trüben den Gesamteindruck.

SOUND
Eine gelungene deutsche Synchronisation und ein unterhaltsamer Soundtrack treffen auf öde Motorengeräusche und langweilige Einheitssprüche von Tanner.
Eine gelungene deutsche Synchronisation und ein unterhaltsamer Soundtrack treffen auf öde Motorengeräusche und langweilige Einheitssprüche von Tanner.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert ausschließlich über die Tasten, funktioniert reibungslos und profitiert stellenweise vom Slider.
Die Steuerung funktioniert ausschließlich über die Tasten, funktioniert reibungslos und profitiert stellenweise vom Slider.

UMFANG
Über 100 Missionen und Herausforderungen in zwei Modi klingen beeindruckend, entpuppen sich aber als verführerisches Werbeversprechen. Einen Multiplayer gibt es nicht.
Über 100 Missionen und Herausforderungen in zwei Modi klingen beeindruckend, entpuppen sich aber als verführerisches Werbeversprechen. Einen Multiplayer gibt es nicht.
SPIELSPASS
John Tanner braucht definitiv eine Auszeit und wahre Herausforderungen, zumindest auf dem 3DS.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
John Tanner braucht definitiv eine Auszeit und wahre Herausforderungen, zumindest auf dem 3DS.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel