Mystery Case Files: Der Fall Malgrave
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 21.09.2011
Während Wimmelbild-Spiele den Nintendo DS längst überflutet haben, ist dieses Genre auf Wii immer noch erstaunlich unterrepräsentiert. Big Fish Games und Nintendo wollen das nun ändern und laden mit „Mystery Case Files: Der Fall Malgrave“ zu einem Inselbesuch der mysteriösen Art ein, bei dem starke Nerven und gute Augen gefragt sind.
Staub zu Staub
Eigentlich hattet ihr euch als Ermittler des “Mystery Case Files”-Detektivbüros schon auf ein ruhiges Wochenende gefreut, als das Telefon klingelt und sich mit tiefer Stimme ein Mann mit den Namen Winston Malgrave meldet. Er lädt euch auf seine Insel ein, die wegen ihrer heilenden Quellen einmal ein Touristenmagnet war, längst aber abgeschottet vom Rest der Welt ist. Malgrave erzählt euch von dem mysteriösen Staub, der überall auf der Insel zu finden ist und mit dem sich eine ganze Reihe von schweren Krankheiten heilen ließe. Und er bittet euch, genau diesen Staub für ihn zu sammeln. Eigentlich sollten wir ihn fragen, warum zur Hölle er den Staub seiner eigenen Insel nicht selbst einsammelt – schließlich sind wir Detektiv und keine Putzfrau. Doch irgendwie klingt das alles auch äußerst geheimnisvoll, sodass wir wenige Stunden später mit einem Boot an einem kleinen Steg der Insel anlegen.
Unser Auftragsgeber macht sich nicht die Mühe, uns zu empfangen. Stattdessen tritt er immer wieder über ein Telefon mit uns in Kontakt, das zufälligerweise so aussieht wie eine Wii-Remote. So lotst er uns mehr oder weniger über das Eiland, über das wir uns in Point&Click-Manier bewegen, indem wir dahin klicken, wo wir hinwollen. Das Spiel lebt von seiner dichten, ein bisschen gruseligen Atmosphäre. So führt uns unser Weg in dem rund zehn Stunden langen Abenteuer zugewucherte Waldwege entlang, durch abgelegene Siedlungen und in verlassene Städte. Die Fortbewegung läuft dabei sehr bequem und schnell ab, gibt es doch auch eine Schnellreisefunktion, dank der wir einen bereits besuchten Ort einfach auf der Karte anklicken müssen, um in Sekundenschnelle noch einmal dorthin zu gelangen. Und auch die Geschichte versteht es, Neugier zu wecken und einen immer weiterzuziehen. Schon bald wird nämlich klar, dass Malgrave nicht mit offenen Karten spielt. Zumindest wird er immer seltsam nervös, wenn wir uns auch mal abseits der von ihm genannten Wege umschauen.
Oft sind die Wege aber auch versperrt, sodass erst einmal ein bisschen Kopfarbeit gefragt ist. Immer wieder müssen nämlich kleinere Rätsel absolviert werden. So setzt ihr Passwörter durch auf Plakaten gefundene Hinweise zusammen, löst Schieberätsel, betätigt Schalter und setzt die passenden Gegenstände an den richtigen Stellen ein. Besonders spektakulär oder abwechslungsreich sind die Rätsel nicht, bilden aber eine willkommende Abwechslung zum Hauptelement des Spiels. Dabei handelt es sich natürlich um die Wimmelbilder, die an jeder Ecke auf euch warten und bei denen einige der gefundenen Gegenstände auch gleich in euer Inventar wandern. So erhaltet ihr hier beispielsweise eine Heckenschere, mit der ihr euch wenig später den Weg freischneidet. Oder ein Insektenvernichtungsmittel, mit dem ihr ein nerviges Wespennest loswerdet. Außerdem sammelt ihr auf diesen Gegenständen natürlich auch den mysteriösen Staub ein, - denn für den seid ihr ja überhaupt erst auf die Insel gekommen.
Strafender Nebel und tickende Bomben
Die Wimmelbilder an sich sind sehr gelungen, wunderschön gestaltet und strotzen nur so vor Details. In jedem Bild müssen zwölf Gegenstände gefunden werden, wobei eine Liste am Bildschirmrand zeigt, welche das sind. In den ersten Bildern gestaltet sich die Suche noch recht einfach, da dort mal ein Anker, mal ein Buch und an anderer Stelle drei Schmetterlinge gefunden werden müssen. Der Schwierigkeitsgrad wird aber immer fordernder, sodass auch die Einträge auf der Liste immer vager werden. Mit einem „Auto“ ist da schon mal ein Piktogramm auf einem Straßenschild gemeint. Und was zum Teufel ist mit „Unendlichkeit“ gemeint? Zum Glück gibt es ein paar Hilfestellungen, sodass ihr näher an Bildausschnitte heranzoomen oder euch vom Spiel einen Gegenstand zeigen lassen könnt. Letztere Funktion dürft ihr aber natürlich nicht unterunterbrochen nutzen, da sie sich nach der Benutzung erst wieder aufladen muss.
Sehr löblich ist, dass „Mystery Case Files: Der Fall Malgrave“ wildes Herumklicken auf der Hoffnung nach Zufallstreffern bestraft. In diesem Fall nimmt euch nämlich lila Nebel für kurze Zeit die Sicht, während ihr auch allgemein keine Gegenstände mehr anklicken könnt. Die Wimmelbilder lassen somit keine Wünsche offen, man muss aber natürlich ein Fan dieser Art von Spiele sein. Wer sich nicht dafür begeistern kann, ein Suchbild nach dem anderen zu lösen, wird von dem Insel-Ausflug trotz spannender Geschichte schnell gelangweilt und genervt sein. Die Steuerung funktioniert übrigens genau wie bei der Erforschung der Insel auch bei der Suche einwandfrei: Mit der Wii-Remote auf das gewünschte Objekt zeigen, A-Knopf drücken – fertig.
Ein interessantes Feature ist, dass sich die Wimmelbilder auch kooperativ mit bis zu drei Freunden lösen lassen. Wer Konkurrenz der Kooperation vorzieht, freut sich aber sicherlich mehr über die drei Mehrspieler-Modi, bei denen bis zu vier Spieler gegeneinander auf die Suche gehen dürfen. Dabei geht es mal darum, als erster ein bestimmtes Objekt zu finden, während ihr einem anderen Modus möglichst viele Objekte von der Liste finden müsst. Außerdem gibt es noch eine Variante, die sich „Heiße Kartoffel“ nennt und bei der eine Bombe im Spiel ist. Befindet sich die Bombe in eurem Besitz, müsst ihr schnell einen Gegenstand finden, um sie weiterzureichen. Explodiert sie, ist der Spieler raus, bei dem sie sich befand. Und so geht es weiter, bis nur noch einer übrig ist. Insgesamt sind diese Mehrspieler-Modi ein nettes Extra und für die eine oder andere unterhaltsame Runde gut. Partytauglich sind Wimmelbilder aber sicherlich nicht.
Die Insel wirkt sehr atmosphärisch, da die Umgebung eigentlich auch sehr stimmungsvoll gestaltet ist. Das große Problem an der Sache ist aber, dass die Auflösung viel zu niedrig ist und daher alles verwaschen wirkt. Dazu kommen auch noch unschöne Treppeneffekte. Optisch hat „Der Fall Malgrave“ abseits der Wimmelbilder also nicht besonders viel zu bieten. Und auch die Musik gehört nicht gerade zu den Stärken des Spiels, denn die unspektakulären Melodien dudelt in der Endlosschleife vor sich hin. Trotz dieser technischen Schwächen kommt die Atmosphäre aber dennoch gut rüber. Ein Plus für die düstere Stimmung ist auf jeden Fall auch der englischsprachige Sprecher von Winston Malgrave, der es perfekt versteht, den geheimnisumwitterten Inselherren zu geben. Er weckt auf jeden Fall das Bedürfnis, ihm und dem Geheimnis der Insel auf die Schliche zu kommen – egal wie viele Wimmelbilder dafür gelöst werden müssen.
Sascha Geldermann meint...
Ich habe mich schon durch viele Wimmelbild-Spiele gesucht, aber kaum eines konnte mich so fesseln wie „Der Fall Malgrave“. Das liegt weniger an der Mischung aus simplen Rätseln und gelungen Suchbildern, sondern viel mehr an dem interessanten Setting, der dichten Atmosphäre und der Geschichte, die für ein Spiel dieses Genres erstaunlich spannend ist. Natürlich: Man muss etwas mit dem Genre anfangen können, um nicht nach kurzer Zeit gelangweilt oder gar genervt zu sein. Erfüllt man diese Voraussetzung aber, lohnt sich der Ausflug auf die Insel Malgrave definitiv.
Ich habe mich schon durch viele Wimmelbild-Spiele gesucht, aber kaum eines konnte mich so fesseln wie „Der Fall Malgrave“. Das liegt weniger an der Mischung aus simplen Rätseln und gelungen Suchbildern, sondern viel mehr an dem interessanten Setting, der dichten Atmosphäre und der Geschichte, die für ein Spiel dieses Genres erstaunlich spannend ist. Natürlich: Man muss etwas mit dem Genre anfangen können, um nicht nach kurzer Zeit gelangweilt oder gar genervt zu sein. Erfüllt man diese Voraussetzung aber, lohnt sich der Ausflug auf die Insel Malgrave definitiv.

GRAFIK
Abseits der Wimmelbilder bewegt sich die Grafik auf niedrigem Niveau.
Abseits der Wimmelbilder bewegt sich die Grafik auf niedrigem Niveau.

SOUND
Der Sprecher von Winston Malgrave macht einen fantastischen Job – die Musik dagegen weniger.
Der Sprecher von Winston Malgrave macht einen fantastischen Job – die Musik dagegen weniger.

BEDIENUNG
Wimmelbilder sind wie gemacht für die Wii-Remote.
Wimmelbilder sind wie gemacht für die Wii-Remote.

UMFANG
Viele Gameplay-Elemente hat das Spiel nicht zu bieten, dafür aber ein umfangreiches Abenteuer und drei nette Mehrspieler-Modi.
Viele Gameplay-Elemente hat das Spiel nicht zu bieten, dafür aber ein umfangreiches Abenteuer und drei nette Mehrspieler-Modi.
SPIELSPASS
Gelungenes Wimmelbild-Spiel mit interessantem Setting und packender Geschichte.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gelungenes Wimmelbild-Spiel mit interessantem Setting und packender Geschichte.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Geschicklichkeit
Entwickler
Big Fish Games
Publisher
Nintendo
Releasedatum
09.09.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Geschicklichkeit
Entwickler
Big Fish Games
Publisher
Nintendo
Releasedatum
09.09.2011
USK-Freigabe

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