DJ Hero
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 05.08.2011
2005 kam ein Spiel, dass das Musikspielgenre für immer verändern sollte: Guitar Hero. Der neuartige Gitarrencontroller machte das Spiel wesentlich „authentischer“ und sorgte für einen wahren „Peripherie Wahn“: erst kam EA mit Rockband, welches vom ursprünglichen Guitar Hero Erfinder Harmonix kam, dann kam Guitar Hero: World Tour mit einem kompletten Ensemble an Spielgeräten daher: Mikrofon, Gitarre und Schlagzeug.
Mit DJ Hero kommt ein, wie man schon erwarten kann, Spin-Off der Reihe, welches sich von den Gitarren und Schlagzeugen entfernt und eine waschechte Disc Jockey Simulation abliefert – zumindest steht das auf der Verpackung. Können das Spiel und der neue DJ-Controller an den Erfolg und die Qualität der Gitarren-Reihe anknüpfen, oder hat sich Activision etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt?
Mit DJ Hero kommt ein, wie man schon erwarten kann, Spin-Off der Reihe, welches sich von den Gitarren und Schlagzeugen entfernt und eine waschechte Disc Jockey Simulation abliefert – zumindest steht das auf der Verpackung. Können das Spiel und der neue DJ-Controller an den Erfolg und die Qualität der Gitarren-Reihe anknüpfen, oder hat sich Activision etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt?
Yeah, Boyyyye
Die Spielmechanik der „Hero“-Reihen ist bei jedem Spiel gleich: auf dem Bildschirm laufen auf verschiedenen Bahnen farbige Punkte auf uns zu, die wir dann, wenn sie unten am Bildschirm ankommen, mit einem Druck auf die richtige Taste treffen müssen. So und nicht anders funktioniert auch DJ Hero, das ursprüngliche Spielprinzip des „großen Bruders“ aus dem Hause Neversoft wurde fast unverändert übernommen (DJ Hero stammt von FreeStyleGames).Neu ist allerdings die Anzahl der Spuren, die auf dem Bildschirm zu finden sind. Sind es bei der Gitarre noch 5, haben wir beim DJ Pult nur 3 Spuren vor uns, auf denen die Punkte auf uns zurasen (je nach Geschwindigkeit natürlich).
Doch obwohl sich die beiden Spiele in diesem Bereich sehr ähnlich sind, so sind sie doch auch gleichzeitig grundverschieden. Denn die 3 Spuren von DJ Hero sind gänzlich anders aufgebaut. Das Spiel besteht nicht aus einzelnen Liedern, sondern aus sogenannten Mash-Ups, zwei Songs, die zu einem Lied zusammen gemixt werden. So entstehen zum Beispiel Kombinationen von den Foo Fighters mit den Beastie Boys oder den Black Eyed Peas und Benni Benassi. Satte 93 Mixe verspricht das Spiel, plus downloadbaren Content, doch dazu später mehr. Die beiden äußeren Spuren, grün und blau, bilden dabei jeweils ein Lied, während die mittlere Spur für Effekte (wie zusätzliche Sprach- oder Effektsamples) dient.
Doch ein DJ wäre kein DJ, wenn er nicht das macht, wofür die Partymacher an den Plattenspielern wohl am besten bekannt ist: Scratchen. Dort, wo wir in Guitar Hero noch ruhig die Taste halten mussten, kommt nun richtig Bewegung ins Spiel: kommt eine Scratch-Spur, müssen wir die jeweilige Taste (grün oder blau) gedrückt halten und den, zugegebenermaßen sehr kleinen, Turntable vor und zurück bewegen – also scratchen. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt das Spiel sogar die Richtung vor, in die gescratcht werden muss. Und als ob das noch nicht genug wäre, hat das Spiel auch noch einen Crossfader eingebaut – also einen Schalter, der zwischen den Spuren hin- und herschaltet. In der Mittelstellung sind beide Spuren zu hören, links nur die grüne, rechts nur die blaue. Die (rote) Mittelspur ist immer zu hören.
Den Bereich, in dem der Crossfader eingesetzt werden kann, gibt das Spiel vor. Bewegt sich zum Beispiel die linke Spur weiter nach außen, heißt es: Crossfader nach links. Bewegt sich die blaue Spur weiter nach rechts, muss auch der Crossfader in diese Richtung. Zusätzlich gibt es noch einen Effekt-Regler, der mit dem Tremolo der Gitarrencontroller verglichen werden kann. Bei bestimmten Passagen im Lied (gekennzeichnet durch einen orangenen Bogen über der/den Spur(en)) kann der Effektregler gedreht werden, um einerseits eine Art WahWah (dumpf/schrill) Effekt zu erzeugen und gleichzeitig den Multiplikator zu erhöhen.
Wie auch bei der Gitarrenvariante bewirkt ein Fehler jeglicher Art den Verlust des Multiplikators.
Mash-Up Party
Ich denke das sollte reichen, um die Funktionsweise von DJ Hero zu erklären. Die geringe Anzahl an Spuren wird durch den Crossfader, das Scratchen und den Effektregler gut ausgeglichen. Natürlich gibt es auch wieder die Star-Power (im Spiel „Euphorie“ genannt), die uns zum einen den Multiplikator verdoppelt, aber uns auch das (manchmal) lästige Crossfaden abnimmt.
Man muss allerdings ehrlich mit dem Spiel sein: wie bei Guitar Hero auch benötigt es einige Zeit, bis man sich an die Spielweise gewöhnt hat. Zudem ist der Controller, besonders der Turntable, recht klein ausgefallen, was gerade das häufig vorkommende Scratchen schwer macht.Der größte Kritikpunkt am Controller gebührt aber dem Crossfader. Die „wichtigste“ Position dieses Hebels ist die Mitte, doch der Widerstand, der verhindert dass wir beim schnellen Wechsel zu weit rüber rutschen, ist praktisch nicht vorhanden. Ohne Übung rutscht man praktisch jedes mal wortwörtlich übers Ziel hinaus, was des öfteren den Multiplikator zerstört.
Der Rest des Controllers ist allerdings sehr gut verarbeitet. Wieder wird die Wii-Fernbedienung als „Sender“ in den Controller eingelegt und verschwindet dann elegant unter einer schwarzen Klappe – anders als bei den Gitarrencontrollern ist sie danach nicht mehr zu sehen. Der übliche Controlstick ist auch hier vorhanden. Der Turntable kann vom Controller abgelöst werden und auf der anderen Seite angesteckt werden, um das Gerät für Links- und Rechtshänder anzupassen.
Doch kommen wir zum Spiel selbst. Wie schon erwähnt warten keine klassischen Lieder auf uns, sondern zusammengemixte Titel, die Mash-Ups. Am Anfang ist das ganze etwas gewöhnungsbedürftig, wenn Queen's „Another One Bites The Dust“ zusammen mit „Da Funk“ von Daft Punk aus den Lautsprechern tönt, doch die meisten der 93 Mixe klingen recht passabel. Wer allerdings auf ein rockiges Musikspektakel im Stil von Guitar Hero hofft, dürfte Enttäuscht werden.
Oder doch nicht? Nein, es wird tatsächlich gerockt in DJ Hero. Zwar überwiegen die Lieder, die durchaus dem Hip-Hop Genre zuzuordnen sind (und bitte verzeiht mir wenn ich jetzt nicht die einzelnen Untergenres aufzähle), doch einige Lieder sind tatsächlich rockiger Natur. Mehr noch, sie werden auch mit dem Gitarrencontroller gespielt (wenn vorhanden). Auf der einen Seite bleibt uns natürlich unsere gewohnte „Arbeit“ als DJ – wir scratchen, wir verschieben den Crossfader – und so weiter, doch direkt neben unserer Spur sehen wir, wie eine klassische Guitar Hero Spur abläuft.
Bevor Ihr jetzt allerdings darüber nachdenkt, einen weiteren Guitar Hero Controller zu kaufen, seid beruhigt: das Spiel übernimmt diesen Part auch automatisch, eine Gitarre ist nicht von Nöten. Wenn man allerdings ohnehin schon einen Teil der Guitar Hero Reihe sein Eigen nennt, machen gerade diese Lieder besonders Spaß. Natürlich sind die übrigen Lieder auch mit einem zweiten DJ Controller spielbar.
Auf der Jagd nach den Sternen
Wie man sicherlich erwarten kann, sind nicht alle Lieder von Anfang an freigeschaltet. Nachdem wir das (recht langatmige) Tutorial durchgespielt haben, wird das erste „Set“ freigeschaltet. Ein Set besteht aus mehreren Mash-Ups, die wir nacheinander Spielen. Dabei kommt es natürlich drauf an, so wenig Fehler wie möglich zu machen, um eine höhere Punktzahl und damit mehr Sterne zu erlangen. Die Lieder laufen direkt nacheinander ab, nach einer kurzen Pause nach dem vorherigen Lied. Erst am Ende erfolgt eine Zusammenfassung. Mit neuen Sternen werden neue Mixes, Djs, und die übrigen aus den anderen Hero-Spielen bekannten Extras freigeschaltet. Eine Storyline wie in Guitar Hero existiert übrigens nicht, genau so wenig wie die Möglichkeit, eigene Mixes zu erstellen.Der klare Vorteil an diesem Aufbau des Spiels: wenn wir in den Liedern, die wir mögen, gut genug sind, können einige Sets übersprungen werden. In meinem Fall war ich mehr als froh, durch genug Sterne nicht in Kontakt mit Jay Z oder 50 Cent geraten zu müssen. In den Einstellungen, die wir (etwas umständlich) bei jedem Set festlegen können, ist es Möglich, die Reihenfolge zu ändern sowie bestimmte Lieder aus den Sets herauszunehmen. Und trotzdem ist es möglich, jedes Set und jedes Lied einzeln freizuschalten – vorbildlich, auch wenn dadurch die Herausforderung fehlt.
Apropos Herausforderung, es ist in DJ Hero übrigens nicht möglich, ein Lied zu „verlieren“, wie es bei Guitar Hero geht. Wir können so schlecht sein wie wir wollen, das Lied läuft bis zum Ende durch – im schlimmsten Fall bekommen wir keine Sterne. Zudem werden alle Sterne zusammengefasst gezählt, das heißt: egal ob wir die 5 Sterne auf Anfänger (das Lied spielt sich praktisch von selbst) oder auf „Profi“ (höchster Schwierigkeitsgrad) geschafft haben, sie zählen immer für das gesamte Spiel.
Einfach ist DJ Hero deshalb aber noch lange nicht. Zwar besteht kein Vergleich zur harten Schwierigkeit in (zum Beispiel) Guitar Hero 3, aber dennoch ist das Spiel recht fordernd. Gerade das Crossfaden, welches Teilweise in Sekundenbruchteilen wechselt, fordert heraus, gerade dann, wenn gleichzeitig Gescratcht oder getroffen werden muss. Besonders bei den Titeln im letzten Set kommt man selbst im mittleren Schwierigkeitsgrad kaum hinterher.
Wem die 93 Mixe nicht reichen, findet weitere im Onlineshop des Spiels. Auch auf der Wii wurde dieser Service integriert, allerdings ist die Auswahl mehr als dürftig. Ein einzelner Mix kostet 300 Punkte, also ungefähr 3 Euro. Ob die Mixe dieses Geld wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Leider macht das Spiel aber auch ohne Download Content nicht alles richtig. 93 Mixe klingt auf Anhieb sehr viel – und theoretisch gesehen liefert das Spiel auch was es verspricht. Allerdings werden viele Lieder des öfteren gemixt. Sehr beliebt sind zum Beispiel die Jackson Five, und auch Rhianna (Disturbia) kommt öfter vor. Selbst manche Konstellationen werden mehrfach verwendet, teilweise nur leicht abgeändert oder von einem der „prominenten Gast-DJs“ gemixt. Zudem bestehen manche Lieder etwas zu sehr aus Gescratche und Effektgedudel, sodass man sich in seltenen Fällen auch fragen kann, ob nicht vielleicht die Lautsprecher des Fernsehers kaputt sein könnten.
Insgesamt kann die Audioqualität aber doch überzeugen, die meisten der Mixe sind ordentlich und bieten so ziemlich für jeden Geschmack etwas. Auch grafisch macht das Spiel einiges her. Toll animierte DJ-Charaktere, klasse gestaltete Umgebungen und ein tolles Publikum sind im Hintergrund zu sehen, während wir unser Augenmerk wohl eher auf die Bahn, die vor uns liegt, richten. Auch die Kameraführung ist perfekt an die Musik angepasst, sie ist schnell, ruckartig und wechselt immer im Takt der Musik – genau so wie unser Charakter manchmal genau zur Musik diverse Aktionen ausführt.
Natürlich bietet das Spiel auch einen online Multiplayer. Dieser bietet in etwa die selben Funktionen wie die Offline-Variante. Das Spiel verbindet sich allerdings bereits zu Anfang, bevor wir überhaupt Spielen können, mit dem Internet, Auswirkungen auf das Spiel oder einen HotSeat Modus (Spieler können direkt in unser Spiel einsteigen) gibt es allerdings nicht.
Aljoscha Reuther meint...
Als ich mit DJ Hero unter'm Arm den lokalen Elektrohändler verließ, kamen bei mir erste Zweifel auf. Was will ich mit einem Spiel, dass mit Liedern von Jay Z, Eminem und 50 Cent wirbt? Doch bereits kurze Zeit nach dem Tutorial verflogen diese Zweifel und wichen dem Spielspaß. Wie auch beim Guitar Hero braucht das Spiel etwas Eingewöhnung, macht danach aber mächtig Spaß, und das trotz einiger Macken. Die hohe Anzahl, Variation und Qualität der Mash-Ups machen das Spiel zu weit mehr als nur einem billigen Ableger der Guitar Hero Reihe, von dem man ebenso wenig wieder loskommt, wie von der Gitarrenvariante. Und wenn dann ein Freund mit dem Gitarrencontroller mitmischt, ist der Spielspaß mehr als garantiert. Einzig und allein der Onlineshop ist enttäuschend.
Als ich mit DJ Hero unter'm Arm den lokalen Elektrohändler verließ, kamen bei mir erste Zweifel auf. Was will ich mit einem Spiel, dass mit Liedern von Jay Z, Eminem und 50 Cent wirbt? Doch bereits kurze Zeit nach dem Tutorial verflogen diese Zweifel und wichen dem Spielspaß. Wie auch beim Guitar Hero braucht das Spiel etwas Eingewöhnung, macht danach aber mächtig Spaß, und das trotz einiger Macken. Die hohe Anzahl, Variation und Qualität der Mash-Ups machen das Spiel zu weit mehr als nur einem billigen Ableger der Guitar Hero Reihe, von dem man ebenso wenig wieder loskommt, wie von der Gitarrenvariante. Und wenn dann ein Freund mit dem Gitarrencontroller mitmischt, ist der Spielspaß mehr als garantiert. Einzig und allein der Onlineshop ist enttäuschend.

GRAFIK
Die Grafik kann sich sehen lassen, das Spiel läuft ruckelfrei und die Kamerabewegungen sind passend zur Musik. Nur sieht man davon kaum etwas, weil man sich zusehr auf die "Spielbahn" konzentriert.
Die Grafik kann sich sehen lassen, das Spiel läuft ruckelfrei und die Kamerabewegungen sind passend zur Musik. Nur sieht man davon kaum etwas, weil man sich zusehr auf die "Spielbahn" konzentriert.

SOUND
93 Mash-Ups, allerdings mehrfache verwendung der Songs, teilweise sogar die selben Konstellationen. Allerdings stimmt die Qualität der meisten Mixes, und die gehen dann auch richtig ab. Leider gibt's keine Möglichkeit, eigene Mixe zu erstellen.
93 Mash-Ups, allerdings mehrfache verwendung der Songs, teilweise sogar die selben Konstellationen. Allerdings stimmt die Qualität der meisten Mixes, und die gehen dann auch richtig ab. Leider gibt's keine Möglichkeit, eigene Mixe zu erstellen.

BEDIENUNG
Eigentlich ist der DJ Controller eine richtig tolle Sache, wenn der Crossfader etwas mehr Widerstand in der Mitte hätte.
Eigentlich ist der DJ Controller eine richtig tolle Sache, wenn der Crossfader etwas mehr Widerstand in der Mitte hätte.

UMFANG
93 Lieder sind im Spiel enthalten, der dürftige Onlineshop liefert noch einmal ein wenig Nachschub. Zum Glück muss man nicht alles Spielen, aber so viele Mixe sind top.
93 Lieder sind im Spiel enthalten, der dürftige Onlineshop liefert noch einmal ein wenig Nachschub. Zum Glück muss man nicht alles Spielen, aber so viele Mixe sind top.
SPIELSPASS
Geniales Musikspiel mit kleinen Schönheitsfehlern
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Geniales Musikspiel mit kleinen Schönheitsfehlern
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Musikspiel
Entwickler
FreeStyleGames
Publisher
Activision
Releasedatum
23.10.2009
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Musikspiel
Entwickler
FreeStyleGames
Publisher
Activision
Releasedatum
23.10.2009
USK-Freigabe

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