Dead or Alive: Dimensions
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 31.07.2011
Volleyball, halbnackte Frauen und wackelnde Brüste – das war es, was die „Dead or Alive“-Reihe in den letzten Jahren beherrschte. Dabei hatte sie sich doch einst einen Ruf als große „Beat’em Up“-Serie mit ausgefeiltem Kampfsystem gemacht. Mit „Dimensions“ geht es auf dem 3DS nun auch endlich wieder zu den Prügelwurzeln zurück – mit Erfolg?
Kampfsystem mit Köpfchen
Das Hauptmenü von „Dead or Alive“-Prügler sieht direkt schon einmal vielversprechend aus. Schließlich warten hier stolze neun Modi auf Beat’em Up-Fans. Herzstück ist dabei die Chronik, die nicht nur eine Story serviert und so einige freispielbare Bonusgegenstände in Aussicht stellt, sondern euch auch noch das Kämpfen beibringt. Dabei wird noch einmal die Geschichte der gesamten Reihe nachgezeichnet, wodurch die recht kurzen Kämpfe nicht selten von minutenlangen Rendersequenzen unterbrochen werden. Diese filmischen Einlagen sehen sehr gut aus, aber das täuscht letztendlich auch nicht darüber hinweg, dass die Geschichte der Reihe keinerlei Substanz hat. Doch die Story spielte in diesem Genre noch nie eine große Rolle und so schadet die inhaltsleere sowie verwirrend präsentierte Erzählung dem Spielspaß nicht. Was wirklich zählt, sind ja schließlich die Kämpfe – und diese überzeugen auf ganzer Linie.
Die Kämpfe sind schnell, abwechslungsreich und glänzen serientypisch mit einem ausgefeilten Kontersystem. Button-Mashing ist im Unterschied zu vielen Genre-Konkurrenten meistens eine schlechte Idee. Stattdessen sind gutes Timing und schnelle Reaktionen der Schlüssel zum Sieg. Das Kampfsystem basiert auf drei grundlegenden Aktionen. Erstens Angriffe, zu denen Schläge und Tritte zählen. Zweitens Griffe, die Block- und Konterversuche bezeichnen. Und letztendlich gibt es auch noch eine Reihe von Würfen. Dem Ganzen liegt ein Schere-Stein-Papier-Prinzip zu Grunde: Mit Angriffen kommt ihr gegen Würfe an, Würfe übertrumpfen Griffe und Letztere sind wiederum die erste Wahl gegen Angriffe. Daneben gibt es noch viele weitere Feinheiten, die ihr nach und nach erlernt. So könnt ihr euren Gegner in die Luft werfen und ihn durch folgende Attacken hilflos in der Schwebe halten. Außerdem lassen sich ganz besondere Moves vom Stapel lassen, wenn ihr mit dem Rücken zum Feind steht – natürlich auf Kosten eurer Abwehr. Ihr werdet lange brauchen, bis ihr alle Details des Kampfsystems beherrscht – aber das macht auch den Reiz dieses Prügelspiels aus.
Viel Übung ist wichtig, diese macht euch Team Ninja aber auch so angenehm wie möglich. Zum einen sind viele Lektionen in die Story eingebettet, zum anderen dürft ihr euch aber natürlich auch in einem Trainings-Modus austoben. Darüber hinaus gestaltet sich auch die Steuerung sehr zugänglich, wobei die Bewegung über das Steuerkreuz in den schnellen Kämpfen besser funktioniert als über das Circle-Pad. Als besondere Hilfestellung werden die Moves der 26 Kämpfer mitsamt Tastenkombination auf dem Touchscreen angezeigt, was sehr praktisch ist. Theoretisch könnt ihr diese Attacken auch einfach antippen, damit sie euer Gegner zu spüren bekommt, aber dafür sind höchsten blutige Anfänger in ihren ersten Kämpfen dankbar. Auf Dauer funktioniert es einfach nicht, während der schnellen Kämpfe auf dem Touchscreen durch die Moves zu scrollen – bis ihr hier den richtigen gefunden habt, hat euch euer Gegner schon durch die nächste Wand gehauen.
Alles für den Prügel-Fan
In der Chronik lassen sich neue Kämpfer, Kostüme und Arenen freispielen. Letztere sind sehr groß, interaktiv und abwechslungsreich: Mal prügelt ihr euren Gegner durch einen brennenden Wald, mal schneebedeckte Berghänge hinauf, mal quer durch ein Labor. Während der Story-Modus mit einer Länge von knapp drei Stunden zu schnell vorbei ist, können die anderen Modi die Gesamtspielzeit locker in den zweistelligen Stundenbereich katapultieren. Dabei serviert euch „Dead or Alive: Dimensions“ alles, was sich das Beat’em Up-Herz nur wünschen kann. Im „Arcade“-Modus kämpft ihr gegen acht Gegner und um die Bestzeit, bei der „Survival“-Herausforderung ums nackte Überleben. Interessant ist der „Partner“-Modus, bei dem ihr euch mit einem KI-Gefährten gegen starke Gegner verbündet. Leider verschenken die Entwickler hier aber auch viel Potenzial, da ihr so gut wie keinen Einfluss auf die Aktionen eures Partners habt und ein menschlicher Mitspieler hier leider nicht einsteigen darf.
Mit Kämpfern aus Fleisch und Blut dürft ihr euch zwar nicht verbünden, aber zumindest messen. Das ganze macht eine Menge Spaß und treibt die Langzeitmotivation noch einmal ordentlich nach oben, bietet aber auch so gut wie keine Einstellungsmöglichkeiten oder Varianten. Während bei lokalen Duellen alles flüssig über den Bildschirm läuft, kann es bei Online-Gefechten durchaus zu heftigen Lags kommen. Am besten ist es, ihr bleibt bei Kontrahenten aus eurer Region, wer weltweit auf Gegnersuche geht, muss sich auf eine ziemliche Ruckelei einstellen. Schade: Mit seinem ausgefeilten Kampfsystem macht „Dead or Alive: Dimensions“ Mehrspieler-Kämpfe besonders interessant, sodass ein flüssig laufender Online-Modus viel Reiz gehabt hätte.
Es gibt aber auch noch eine dritte, indirekte Mehrspieler-Variante. Im sogenannten Throwdown-Modus tretet ihr gegen menschliche Kämpfer an, die ihr per StreetPass getroffen habt. Das funktioniert so: Das Spiel sammelt stetig Informationen über euren Kampfstil und berechnet ein Profil, das euer natürliches Vorgehen in Kämpfen repräsentieren soll. Diese Profile werden dann über StreetPass automatisch mit anderen Besitzern des Spiels ausgetauscht, sodass ihr quasi gegen einen Stellvertreter eines menschlichen Spielers antreten dürft. Das ist eine sehr interessante Idee, zumal ihr auch Gegnerprofile direkt vom Entwickler Team Ninja anfordern dürft. Könnt ihr diese besonderen Herausforderungen dann auch noch für euch entscheiden, winken so einige Boni.
Bei der Sprachausgabe habt ihr die Wahl zwischen Englisch und Japanisch, was Fans freuen dürfte. Insgesamt kann der Sound durchaus überzeugen, auch wenn es der musikalischen Untermalung an Abwechslung fehlt. Und auch optisch bietet das Spiel mehr Anreize als nur wunderschöne Kämpferinnen: Die Charaktermodelle und Hintergründe sehen gut aus, die Animationen sogar noch besser und die Rendersequenzen beeindrucken schlichtweg. Der 3D-Effekt enttäuscht dagegen, da er meistens nur sehr schwach ist und sich vor allem in den Kämpfen kaum wahrnehmen lässt. Desto erstaunlicher ist es, dass er die Framerate halbiert – von 60 auf 30 Bilder pro Sekunde. Daher ist es sehr empfehlenswert, den 3D-Effekt ganz einfach zu deaktivieren – trotz wackelnder Brüste im Überfluss.
Sascha Geldermann meint...
„Dimensions“ demonstriert gekonnt, wie sich ein „Dead or Alive“ zu spielen hat. Das durchdachte Kampfsystem überzeugt, der Umfang stimmt und auch die Technik gefällt. Im Detail leistet sich das Beat’em Up zwar ein paar Patzer, insgesamt hat es mich aber so gut unterhalten, dass ich das leicht verzeihen kann – und dabei bin ich noch nicht einmal der größte Prügelspiel-Fan auf Erden.
„Dimensions“ demonstriert gekonnt, wie sich ein „Dead or Alive“ zu spielen hat. Das durchdachte Kampfsystem überzeugt, der Umfang stimmt und auch die Technik gefällt. Im Detail leistet sich das Beat’em Up zwar ein paar Patzer, insgesamt hat es mich aber so gut unterhalten, dass ich das leicht verzeihen kann – und dabei bin ich noch nicht einmal der größte Prügelspiel-Fan auf Erden.

GRAFIK
Kämpfer und Arenen sehen sehr gut aus. Der 3D-Effekt ist aber schwach und halbiert auch noch die Framerate.
Kämpfer und Arenen sehen sehr gut aus. Der 3D-Effekt ist aber schwach und halbiert auch noch die Framerate.

SOUND
Sprachausgabe gibt es auf Japanisch und Englisch. Die Musik passt, ist aber etwas einseitig.
Sprachausgabe gibt es auf Japanisch und Englisch. Die Musik passt, ist aber etwas einseitig.

BEDIENUNG
Die Steuerung geht gut von der Hand – wenn man die Attacken nicht gerade über den Touchscreen ausführen will.
Die Steuerung geht gut von der Hand – wenn man die Attacken nicht gerade über den Touchscreen ausführen will.

UMFANG
Neun Modi, 25 Kämpfer und jede Menge Extras – der Umfang überzeugt trotz kleinerer Versäumnisse.
Neun Modi, 25 Kämpfer und jede Menge Extras – der Umfang überzeugt trotz kleinerer Versäumnisse.
SPIELSPASS
„Dead or Alive“ findet auf dem 3DS zur alten Form zurück und macht „Street Fighter IV“ ernsthaft Konkurrenz.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
„Dead or Alive“ findet auf dem 3DS zur alten Form zurück und macht „Street Fighter IV“ ernsthaft Konkurrenz.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Kampfspiel
Entwickler
Team NINJA
Publisher
Nintendo
Releasedatum
20.05.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Kampfspiel
Entwickler
Team NINJA
Publisher
Nintendo
Releasedatum
20.05.2011
USK-Freigabe

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