Resident Evil: The Mercenaries 3D
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 09.07.2011
Subtiler Horror war gestern. Mit „The Mercenaries 3D“ schickt Capcom die Helden des „Resident Evil“-Universums nun in einen regelrechten Krieg gegen das Grauen. Fans kennen diese Söldner-Action bereits aus dem dritten, vierten und fünften Teil der Serie – als Minispiel. Nun versucht sich das recht einfach gestrickte Spielprinzip als Vollpreis-Produkt. Ob das gut geht?
Krieg gegen den Horror und die Zeit
Sie kommen von allen Seiten und gönnen euch einfach keine Pause. Schreiend werfen sie mit Sensen nach euch, schlagen mit riesigen Äxten um sich oder rennen wie von Sinnen mit Kettensägen auf euch zu. Das Who is Who an Fieslingen der letzten beiden „Resident Evil“-Teile tummelt sich in den Levels von „The Mercenaries“ – und das in Massen. Für subtilen Horror oder Munitionsknappheit ist hier kein Platz, stattdessen steht kompromisslose Action im Vordergrund. Schließlich bekommt ihr auch in fast allen der 30 Missionen diesen Auftrag: Töten Sie so viele Gegner wie möglich, bevor die Zeit abgelaufen ist. Was bei „Resident Evil 4“ in der deutschen Fassung noch kurzfristig der Schere zum Opfer fallen musste, wird hier mit einem „ab 18“-Siegel nun in Reinkultur zelebriert.
Neben dem USK-Siegel könnte man sich auch gut ein „Blauer Engel“-Logo auf der Verpackung vorstellen. Capcom recycelt nämlich mal wieder so intensiv wie kein anderer Publisher. Nicht nur die Gegner, auch alle Waffen, Abschnitte und Charaktere sind bereits aus früheren Teilen bekannt. An Helden stehen mit Jill Valentine, Chris Redfield und Hunk anfangs nur drei zur Auswahl. Nach und nach gesellen sich dann aber auch noch Claire Redfield, Rebecca Chambers, Barry Burton sowie die Bösewichte Jack Krauser und Albert Wesker zum Söldner-Team. Alle Charaktere spielen sich gleich, unterscheiden sich aber anhand der drei Waffen, die sie jeweils mit sich führen. Von der Handfeuerwaffe über die Schrotflinte bis hin zum Maschinengewehr ist hier übrigens alles vorhanden, was für eine Tötungsorgie von Nutzen sein könnte. Und im Zweifelsfall findet sich in den Levels fast immer auch noch die eine oder andere Handgranate, die dann in einen der drei übrigen Inventarplätze abgelegt werden dürfen. Ihr solltet aber auch noch Platz für Heilkräuter lassen: Ihr werdet sie brauchen.
Wer schon einmal die Mercenaries-Minispiele der letzten drei Hauptteile gespielt hat, weiß ganz genau, was ihn in diesem Krieg gegen den Horror erwartet. Während sich die Uhr am Bildschirmrand unaufhaltsam der Null nähert, versucht ihr vor Ablauf der Zeit so viele Punkte wie möglich zu ergattern. Diese Punkte erhaltet ihr grundsätzlich für das Töten von Gegnern. Aber wer planlos drauf losschießt, wird sich nur schwerlich einen Platz in der Highscore-Liste sichern. Wollt ihr am Ende eher beim besten Rang „SS“ als beim schlechtesten „D“ landen, solltet ihr vor allem darauf achten, Gegner reihenweise direkt hintereinander ins Nirwana zu schicken. Das treibt schließlich den Multiplikator nach oben. Gleichzeitig müsst ihr auch den Kampf gegen die Uhr aufnehmen und das Zeitlimit mit allen Mitteln verlängern. Das geschieht zum einen ganz einfach durch das Aufsammeln bestimmter Symbole. Das Spiel belohnt aber auch kreative Kills mit zusätzlicher Zeit – beispielsweise wenn ihr einem Gegner im Nahkampf den Rest gebt.
Wer von einem Dutzend Mutanten umringt wird, sollte darum beten, dass ihn die Steuerung nicht im Stich lässt. Und diese Gebete werden bei „The Mercenaries 3D“ auch erhört. Egal ob die Bewegung via Circle-Pad, die Inventarverwaltung über den Touchscreen oder das Zielen: Alles geht gut von der Hand. Ihr dürft dabei sogar zwischen vier Konfigurationen wählen und euch beim Zielen zwischen einer Ego-Perspektive und eine Ansicht aus der dritten Person entscheiden. Ganz untypisch für die Serie lässt euch das Spiel beim Zielen sogar noch Bewegungsfreiheit. So dürft ihr euch vor, zurück oder seitlich bewegen, während ihr die Waffe auf die herannahenden Gegner richtet. Die Feinde könnten übrigens durchaus ein bisschen cleverer sein – Mutanten hin oder her. Ein bisschen gebremst wird der Horror zumal auch dadurch, dass euch zwar immer wieder ganze Scharen umringen, dann aber alle brav nacheinander auf euch losgehen. Hier hätte mehr Spannung drin sein können.
Nicht viel mehr als ein Minispiel
Als Minispiel für Zwischendurch funktioniert das Spielprinzip ausgezeichnet, für einen Vollpreis-Titel fehlt ihm aber ganz deutlich der Tiefgang. „The Mercenaries 3D“ bietet kaum Abwechslung und es gibt auch keine Geschichte, die die Missionen spannend verbinden könnte. Leider gelingt es Capcom nicht, darüber vollkommen hinwegzutäuschen. Zumindest bietet das Spiel aber so einige Anreize, um wenigstens ein paar Stunden beschäftigen zu können. Da gibt es natürlich die Highscore-Listen – auch wenn diese leider nicht online abgeglichen werden dürfen. Zumindest könnt ihr euch aber online wie offline mit einem Mitspieler verbünden. Das Ganze funktioniert auch sehr gut und mach viel Spaß, wirkt aber auch nicht vollkommen ausgreift. Zum einen stört, dass es online keinerlei Möglichkeit zur Kommunikation gibt, obwohl Absprachen eigentlich sehr wichtig wären. Und zum anderen lässt sich überhaupt auch nur die Hälfte aller Levels kooperativ spielen, ohne das für diese Beschränkung Gründe ersichtlich wären. Ganz unabhängig davon, motiviert aber auch das Freischalten von neuen Missionen, Charakteren, Kostümen und Fähigkeiten. Bei Letzteren handelt es sich um Charaktereigenschaften, von denen jedem Helden drei zugeordnet werden können. Diese lassen sich im Spielverlauf auch noch weiter verbessern und eröffnen euch Vorzüge wie eine verbesserte Zielgeschwindigkeit oder eine größere Wirkung der heilenden Kräuter.
Hier sind aber auch ein paar Worte der Warnung angebracht: Capcom verwehrt den Käufern des Spiels die Möglichkeit, einen angelegten Spielstand zu löschen. Was einmal freigeschaltet ist, bleibt auch immer freigeschaltet. Wer eine Weile nach dem ersten Durchspielen noch einmal auf die Jagd nach Bonusgegenständen gehen will, bekommt dazu also schlicht und einfach nicht die Möglichkeit. Das ist absolut unverständlich bei einem Spiel, das so viel Motivation genau aus diesem Aspekt schöpft. Noch schlimmer ist das Ganze natürlich für diejenigen, die das Spiel gebraucht kaufen: Wenn diese Pech haben, ist unwiderruflich bereits alle getan, was getan werden konnte. Dann bleibt nur noch die Motivation, die Highscores des Vorspielers zu knacken. Und noch ein Hinweis: Die enthaltene Demoversion von „Resident Evil: Revelations“ stellt keinen Kaufgrund dar. Diese ist nämlich gerade einmal fünf Minuten lang und nur in Sachen Grafik so richtig spektakulär.
Auch bei „The Mercenaries“ weiß die Grafik zu überzeugen: Die Texturen sind scharf, die Charaktere bewegen sich geschmeidig und vor allem Explosionen sehen bombastisch aus. Dazu kommt ein 3D-Effekt, der dem Ganzen eine angenehme Tiefe verleiht. Doch auch die Optik hat so ihre Schattenseiten. So geht die Framerate bei hohem Gegneraufkommen schon einmal etwas in die Knie und weitentfernte Feinde geizen mit Details und Animationen. Erst wenn sie vor euch stehen, entfalten sich gleichermaßen ihre ganze Schönheit und ihr ganzes Grauen. Begleitet wird das dann noch von soliden Soundeffekten und treibender Musik. Beim Soundtrack fehlt aber ein bisschen die Abwechslung. Und auch die Sprachausgabe ist nicht gerade überragend – was zumindest eine Tradition der Serie ist, mit der „The Mercenaries“ nicht bricht.
Sascha Geldermann meint...
Bereits als Minispiel konnte mich „The Mercenaries 3D“ nie lange begeistern. Das Spielprinzip bietet dafür einfach zu wenig Tiefgang und Abwechslung – und daran ändert sich leider auch auf dem Nintendo 3DS wenig. Zwar serviert Capcom hier fantastisch inszenierte Dauer-Action und dazu noch so einige Anreize, die der Motivation wenigstens ein paar Stunden auf die Sprünge helfen. Letztendlich kann aber auch das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Söldner-Action zu schnell die Puste ausgeht, um als eigenständiges Spiel lange fesseln zu können.
Bereits als Minispiel konnte mich „The Mercenaries 3D“ nie lange begeistern. Das Spielprinzip bietet dafür einfach zu wenig Tiefgang und Abwechslung – und daran ändert sich leider auch auf dem Nintendo 3DS wenig. Zwar serviert Capcom hier fantastisch inszenierte Dauer-Action und dazu noch so einige Anreize, die der Motivation wenigstens ein paar Stunden auf die Sprünge helfen. Letztendlich kann aber auch das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Söldner-Action zu schnell die Puste ausgeht, um als eigenständiges Spiel lange fesseln zu können.

GRAFIK
Die Optik sieht beeindruckend aus, hat aber auch ihre Schattenseiten.
Die Optik sieht beeindruckend aus, hat aber auch ihre Schattenseiten.

SOUND
Soundeffekte und Musik passen, während die Sprachausgabe besser sein könnte.
Soundeffekte und Musik passen, während die Sprachausgabe besser sein könnte.

BEDIENUNG
Vier Konfigurationen lassen keine Wünsche offen.
Vier Konfigurationen lassen keine Wünsche offen.

UMFANG
Das Spiel bietet nicht viel und was es bietet, wurde aus früheren Spielen recycelt.
Das Spiel bietet nicht viel und was es bietet, wurde aus früheren Spielen recycelt.
SPIELSPASS
Dieser packend inszenierten Dauer-Action geht für ein Vollpreis-Spiel zu schnell die Puste aus.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dieser packend inszenierten Dauer-Action geht für ein Vollpreis-Spiel zu schnell die Puste aus.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action
Entwickler
Capcom
Publisher
Capcom
Releasedatum
01.07.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action
Entwickler
Capcom
Publisher
Capcom
Releasedatum
01.07.2011
USK-Freigabe

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