LEGO Pirates of the Caribbean - Das Videospiel
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 21.06.2011
Ein LEGO-Spiel zum aktuellen Film gehört mittlerweile eigentlich zum guten Ton dazu. Nahezu jede große Marke hat bereits einen Ausflug in die LEGO-Welt hinter sich: Star Wars, Harry Potter und Batman sind nur einige der großen Namen, die das Studio Traveller's Tales (TT Games) in ein Klötzchenabenteuer verpackt haben. Und nun, pünktlich zum vierten Abenteuer von Jack Sparrow, erscheint LEGO Pirates of the Caribbean, welches uns durch alle vier Abenteuer des wohl berühmtesten Piraten der Welt führt. Und das wieder einmal auf die typische LEGO-Art.
Von Flüchen, Schiffen und Kelchen
Die Abenteuer von Jack Sparrow sind mittlerweile Legendär. Der Film, der auf einer Achterbahn in den Walt Disney Themenparks beruht, ist inzwischen zu einem der erfolgreichsten Franchises von Disney geworden. Und pünktlich zum neuen, vierten Abenteuer des wohl berühmtesten Piratenkapitäns der Welt erscheint auch die Würdigung der Serie als LEGO-Spiel.Dabei bleibt TT Games den alten Prinzipien von LEGO-Spielen treu: wenig Gewalt, viel Humor und hoher Wiederspielwert. Die Story des Spiels ist dabei in ca. 10-12 Stunden durchgespielt.
Worum es in den Abenteuern im Spiel geht, dürfte klar sein. Wie in jedem mehrteiligen LEGO-Spiel durchlaufen wir eine Filmvorlage nach der anderen und erleben an Schlüsselszenen der Handlung unsere Abenteuer. Im ersten Teil durchlaufen wir zum Beispiel unter anderem die Flucht aus Port Royal, die Mannschaftssuche in Tortuga und natürlich den finalen Kampf zwischen Barbossa und Sparrow auf den verfluchten Schätzen auf der Isla de la Muerta.
Jede Filmvorlage ist in 5 einzelne Kapitel umgesetzt, das ergibt bei vier Filmen, frei nach Adam Riese, eine Gesamtzahl von 20 Spielbaren Abschnitten im gesamten Spiel. Die einzelnen Abschnitte innerhalb eines Filmes werden dabei mit teilweise recht langen Zwischensequenzen überbrückt.
Kennern der LEGO-Spiele dürfte bereits bekannt sein, dass sich die Erzählungen der Reisenden (Traveller's Tales) nicht immer genau an die Vorlage halten, und genau so ist es auch bei der Umsetzung der Pirates of the Caribbean-Filme. Viele Details der doch recht verwirrenden Filme wurden ausgelassen, andere wurden hinzugefügt. Hauptsächlich dienen die Änderungen der Entschärfung der Gewalt und natürlich des Humors – so droht Elizabeth und William im zweiten (oder den gefangenen Piraten im dritten) Film nicht etwa die Todesstrafe, sondern das um einiges schlimmere Schicksal, mit diversen Lebensmitteln (und Schweinen) beworfen zu werden.
Doch anders als bei unglücklichen Zensurversuchen diverser Hersteller, um ein Spiel in Deutschland veröffentlichen zu dürfen, schmiegen sich diese Änderungen am Plot absolut in die Handlung ein und passen absolut zum Gesamtkonzept des Spiels. Humor als Alternative zur Gewalt – durchaus eine Möglichkeit, wie die LEGO-Spiele seit jeher beweisen.Wo wir gerade bei Gewalt sind – oder vielmehr bei fehlender Gewalt – macht sich ein weiteres Merkmal der LEGO-Spiele bemerkbar. Es ist, auch in LEGO Pirates of the Caribbean, nicht möglich, das Zeitliche zu segnen – oder einfach gesagt: zu sterben. Zwar haben wir auch in diesem Spiel die typische Anzeige der Lebensenergie in Herzen (vier an der Zahl), die sich bei jedem Treffer auch wieder vermindern, doch sollte uns unser Vorrat an Herzen einmal ausgehen, so zerfällt unsere Figur einfach in ihre Einzelteile, wir verlieren ein paar unserer Punkte und einige Sekunden später steht unser Charakter wieder vor uns. Dieses Szenario ist dabei beliebig oft wiederholbar.
Besagte Punkte kennt man bereits auch zu genüge aus allen anderen LEGO-Titeln. Das Hauptziel des Spieles ist nämlich, neben der nach Möglichkeit durchgespielten Geschichte, das Sammeln von LEGO-Punkten. Diese stecken eigentlich überall – teilweise liegen sie einfach so in der Gegend herum oder sie stecken in den diversen LEGO-Objekten, die wir ganz nach alter Manier zerstören können. Wie in jedem anderen LEGO-Spiel auch ist fast alles, was aus den bunten Bauteilen besteht, komplett zerstörbar. Der Zerstörungswut kann im Spiel freien Lauf gelassen werden – und an Belohnungen mangelt es nicht. Schlagen wir erst einmal auf ein Objekt ein (fast alle sind in mehreren Stufen zerstörbar) prasseln die Punkte nur so aus dem malträtierten Gegenstand heraus, egal ob es nun eine Schatztruhe, eine Lebensmittelkiste oder eine Pflanze ist.
Die so erbeuteten Punkte können schnell einmal die 60.000er Marke überschreiten und dienen später dazu, neue Spielfiguren und Extras freizuschalten.
Jede Spielfigur hat dabei ihre eigenen Fähigkeiten, die wir im Spiel nutzen können. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass wir, wenn wir die Geschichte der Filme durchspielen, nicht alle Extras und Belohnungen einkassieren können. In jeder Karte sind nämlich Objekte versteckt, die wir mit den Figuren, die uns zur Verfügung stehen, nicht bearbeiten oder aus dem Weg räumen können. Wieder einmal ein Paradebeispiel der Spielmechanik der LEGO-Spiele, denn jedes einzelne der 20 Level ist, sobald es einmal durchgespielt wurde, für das „freie Spiel“ freigeschaltet, in das wir mit jeder beliebigen Figur gehen können, um noch mehr aus dem Level herauszuholen. Wiederspielwert: 100%. Am Ende der Story haben wir nämlich gerade einmal rund 45% aller Möglichkeiten ausgeschöpft.
Abenteuer auf den LEGO-Inseln
Spielerisch hat das Spiel also einiges zu bieten. Die Geschichten sind wieder einmal wunderbar abgewandelt und behalten trotzdem ihre Faszination – auch wenn man die Filme vor dem Spielen gesehen haben sollte. Der Verlauf der Geschichte wird dabei etwas deutlicher und nachvollziehbarer. Viel verraten wird im LEGO-Ableger dabei übrigens nicht, das Spiel geht nur sehr selten in die Tiefe und verrät nicht viel mehr als ein Filmtrailer. Das liegt auch vor allem daran, dass es keine wirkliche Sprachausgabe gibt. Alle Charaktere verständigen sich nur durch „Hmm“ und „Aaah“ und andere Laute, gesprochen wird, von dem „Aye“ und „Arr“ der Piraten einmal abgesehen, nicht.Etwas nervig ist die Tatsache, dass nach jeder komplettierten Filmhandlung die gesamten Credits des Spiels ablaufen – diese können aber zum Glück abgebrochen werden, genau wie die Zwischensequenzen.
Trotz des einfachen Schwierigkeitsgrades – wenn man überhaupt davon sprechen kann – ist LEGO Pirates of the Caribbean kein absolutes Kinderspiel. Die verschiedenen Schalter- und Charakterrätsel sind durchaus fordernd und benötigen manchmal schon etwas Grips. Besonders nett ist das Feature, dass wir jederzeit auf Jack Sparrow's Kompass (sofern Sparrow einer der spielbaren Charaktere ist) zurückgreifen können, der uns die Position von Schätzen anzeigt. Manchmal sind diese Schätze auch nötig, um im Level voran zu kommen. Für Abwechslung zwischen den verschiedenen Aufgaben ist also absolut gesorgt – manchmal finden wir die benötigten Gegenstände während unserer Zerstörungsorgie, manchmal nur durch den Kompass. Während des Spiels können wir jederzeit zwischen den (verfügbaren) Spielfiguren wechseln, und das ist auch durchaus notwendig, denn des öfteren brauchen wir die Hilfe von mindestens einer weiteren Spielfigur um ein Rätsel zu lösen oder einen Schalter zu betätigen. Die KI der Figuren ist dabei solide, allerdings darf man von ihr keine Wunderwerke erwarten.
Zudem kann uns jederzeit ein zweiter Mitspieler helfen, indem er einfach eine zweite Wii-Fernbedienung (mit Nunchuk) anschließt und einen zweiten Charakter im Spiel steuert. Wenn wir alleine spielen, leuchtet allerdings ständig der Hinweis auf, dass wir eine zweite Fernbedienung anschließen können – das nervt.
Doch nun genug zum Spielverlauf, wenden wir uns der Technik zu. LEGO klingt nicht wirklich nach einer knalligen Grafik, wenn man sich an das Design der dänischen Bauklötze erinnert. Doch falsch gedacht, die Optik des Spieles ist alles andere als schlecht. Nur ein Teil der Objekte im Spiel wurde in LEGO-Optik gehalten, der Rest ist „realistisch“ gebaut, wenn man diesen Ausdruck verwenden möchte. Dieser Mix aus toller, detailreicher Grafik und knallig bunten LEGOsteinen verleiht dem Spiel einen einzigartigen Charme, den auch schon die anderen LEGO-Titel zu nutzen wussten. Dabei läuft das Spiel absolut flüssig, nur wenn sehr viele Objekte auf dem Bildschirm sind, bricht die Framerate minimal ein, jedoch nie so stark, dass ein bemerkbares Ruckeln entsteht. Außerdem wird die Zahl der Objekte meist durch den Spaß am zerstören drastisch dezimiert, weswegen das Spiel früher oder Später eh wieder flüssig läuft.Auch Grafikfehler sind recht selten, allerdings kann es in selten Fällen einmal passieren, dass eine unserer Figuren an irgendwelchen Objekten festhängt, sich aber meistens durch häufiges Springen oder wildes um sich schlagen wieder befreien kann. Als letzter Kritikpunkt bleibt da nur noch das technisch bedingte Kantenflimmern und die teilweise sehr niedrig aufgelösten Texturen, die der generellen Optik des Spiels allerdings kaum schaden.
Bei dem, was aus den Boxen kommt, sind allerdings fast gar keine Kritikpunkte vorhanden. Denn für das Spiel wurde der komplette Originalsoundtrack aus den 4 Pirates of the Caribbean-Filmen verwendet, der das Spiel immer wieder passend untermalt. An sämtlichen Stationen des Spieles läuft die selbe Musik, die auch im Film an der jeweiligen Stelle zum Einsatz kommt.
Die restliche Vertonung ist stimmig, das Gebrabbel der Figuren nervt allerdings nach einiger Zeit. Dafür kracht es beim Zerstören der einzelnen Objekte immer wieder kräftig.
Auch an der Steuerung gibt es recht wenig zu bemängeln. Das Spiel verzichtet auf unnötiges herumfuchteln mit der Fernbedienung oder dem Nunchuk sowie zum Großteil auf die Pointer-Funktion, alle Aktionen können über die Tasten auf den Controllern gesteuert werden. Die Doppelbelegung einiger Tasten (zum Beispiel der C oder Z Taste) führt allerdings zwischenzeitlich immer wieder zu Problemen, zum Beispiel dass wir ein Objekt wegwerfen, welches wir eigentlich gerade benutzen wollten. Insgesamt bleibt die Steuerung jedoch Übersichtlich und leicht beherrschbar.
Aljoscha Reuther meint...
Eigentlich hätte ich den Review auch kurz halten können, indem ich gesagt hätte: „Alles ist wie immer, nur jetzt eben mit Fluch der Karibik-Szenario“. Das hätte auf der einen Seite zwar gestimmt, auf der anderen Seite allerdings wieder nicht. Denn obwohl dieses LEGO-Abenteuer den anderen in fast allen Belangen ähnelt, so ist es doch, wie jedes LEGO-Spiel, etwas eigenes. Das Spiel lebt nicht von Innovationen oder von neuen Möglichkeiten, sondern von der Gabe der Entwickler, bereits bekannte Geschichten so zu präsentieren, dass man gar nicht anders kann als weiterzuspielen. Der Humor der Geschichte, die aufkommende Sammelsucht und der blanke Spaß daran, hunderte von LEGO-Objekte zu zerstören bilden den Kern des Spielspaßes, den so manche Originalumsetzung der Filme vermissen lässt.
Eigentlich hätte ich den Review auch kurz halten können, indem ich gesagt hätte: „Alles ist wie immer, nur jetzt eben mit Fluch der Karibik-Szenario“. Das hätte auf der einen Seite zwar gestimmt, auf der anderen Seite allerdings wieder nicht. Denn obwohl dieses LEGO-Abenteuer den anderen in fast allen Belangen ähnelt, so ist es doch, wie jedes LEGO-Spiel, etwas eigenes. Das Spiel lebt nicht von Innovationen oder von neuen Möglichkeiten, sondern von der Gabe der Entwickler, bereits bekannte Geschichten so zu präsentieren, dass man gar nicht anders kann als weiterzuspielen. Der Humor der Geschichte, die aufkommende Sammelsucht und der blanke Spaß daran, hunderte von LEGO-Objekte zu zerstören bilden den Kern des Spielspaßes, den so manche Originalumsetzung der Filme vermissen lässt.

GRAFIK
Tolle Umgebungsgrafik gemischt mit knallbunter LEGO-Optik - ein toller Mix. Nur selten gibt es Grafikfehler oder minimale Framerateeinbrüche, sonst läuft das Spiel ruckelfrei.
Tolle Umgebungsgrafik gemischt mit knallbunter LEGO-Optik - ein toller Mix. Nur selten gibt es Grafikfehler oder minimale Framerateeinbrüche, sonst läuft das Spiel ruckelfrei.

SOUND
Der Soundtrack aus den vier Filmen wurde das gesamte Spiel über gekonnt eingesetzt. Einzig und allein das Gebrabbel der Spielfiguren nervt mit der Zeit.
Der Soundtrack aus den vier Filmen wurde das gesamte Spiel über gekonnt eingesetzt. Einzig und allein das Gebrabbel der Spielfiguren nervt mit der Zeit.

BEDIENUNG
Die Steuerung ist solide und einfach, allerdings hätten die Doppelbelegungen einiger Tasten vermieden werden sollen. Auf Gefuchtel mit der Fernbedienung wird zum Glück verzichtet.
Die Steuerung ist solide und einfach, allerdings hätten die Doppelbelegungen einiger Tasten vermieden werden sollen. Auf Gefuchtel mit der Fernbedienung wird zum Glück verzichtet.

UMFANG
Ca. 10-12 Stunden Spielzeit gibt die Storyline her, allerdings besitzt das Spiel einen imensen Wiederspielwert. Mehrspielermöglichkeiten sind ebenfalls vorhanden.
Ca. 10-12 Stunden Spielzeit gibt die Storyline her, allerdings besitzt das Spiel einen imensen Wiederspielwert. Mehrspielermöglichkeiten sind ebenfalls vorhanden.
SPIELSPASS
Tolle LEGO-Umsetzung der Piratenfilme!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Tolle LEGO-Umsetzung der Piratenfilme!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action-Adventure
Entwickler
Traveller's Tales
Publisher
Disney Interactive Studios
Releasedatum
13.05.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action-Adventure
Entwickler
Traveller's Tales
Publisher
Disney Interactive Studios
Releasedatum
13.05.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel