Conduit 2
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 17.06.2011
Vor zwei Jahren kam The Conduit – ein waschechter Ego-Shooter für Wii. Doch was als pompöse Wiederauferstehung der Hardcoregames für Nintendosystemen angepriesen wurde, war am Ende doch nur Mittelmaß in allen Belangen. Nur der tolle Multiplayer rettete das Spiel vor schlechteren Bewertungen, viele Spieler waren zurecht enttäuscht vom Titel. Nun kommt die Fortsetzung, Conduit 2 (ja, das „The“ wurde weggelassen), die alles besser machen will. Mit Erfolg?
Es geht weiter
The Conduit endete mit einem Cliffhanger – also einem offenen Ende gerade wenn es spannend wird – eine sehr unschöne Variante, Spieler an der Stange zu halten. Und Conduit 2 beginnt genau dort, wo Teil 1 aufhörte, direkt nachdem Hauptcharakter Michael Ford durch das Portal ging. Diesmal setzt Conduit allerdings nicht nur auf ein zerstörtes New York, sondern schickt uns um die ganze Welt, angefangen bei einer Ölplattform über China bis in die schneebedeckte Landschaft von Sibirien. Dabei bleibt Conduit 2 der Spielmechanik vom ersten Teil treu. Nach wie vor jagen wir Adams, den halbglatzigen, hemdtragenden Erzbösewicht, der die Invasion der Faktoren, einer Alienrasse, auf die Erde eingeleitet hat. Dass Adams dabei selbst nicht wirklich von der Erde stammt, wird bereits im ersten Teil klar.
Auch mit an Board ist Prometheus, der sich wieder über das ASA- das Alles Sehende Auge – mit uns verständigt. Dieses kleine Tool dient uns im Spiel wieder größtenteils dazu, Computer zu hacken oder versteckte Gegenstände aufzuspüren, aber später auch um die Seelen verstorbener Ahnen aufzunehmen. Keine Sorge, ich verrate nicht zu viel über den Spielverlauf, der eigentlich auch recht belanglos ist. Denn trotz der vielen neuen Schauplätze, die deutlich mehr Abwechslung in das Spiel bringen, gibt es in Conduit 2, bis auf die fortgesetzte Story, nicht viel neues zu erwarten.
Eine dieser wenigen Neuerungen sind allerdings die Bosskämpfe, mit denen High Voltage auf einen der größten Kritikpunkte des Vorgängers reagiert hat. Am Ende jeder Mission stehen wir irgend etwas großem Gegenüber, sei' es eine riesige Seeschlange, ein fliegender Zen-Meister oder der Erzbösewicht Adams selbst.
Die Bosskämpfe sehen zwar gut im Spielverlauf aus und passen auch in etwa zur sehr dünnen Geschichte des Spiels, gehen aber viel zu einfach von der Hand und scheitern höchstens dadurch, dass die Gegner teilweise mehrfach hintereinander riesengroße Geschosse auf uns loslassen.
Insgesamt verliert das Spiel sehr schnell an Fahrt. Vom rasanten und grafisch beeindruckenden Einstieg auf der Ölplattform merkt man im weiteren Spielverlauf kaum noch etwas, besonders die letzten Missionen ziehen sich schlimmer als alter Kaugummi.
Unterstützung erhalten wir während der Kampagne nicht nur von Prometheus, der mit seinen teilweise recht lustigen Sprüchen das Spiel etwas auflockert, sondern auch von der schlecht gelaunten Andromeda, die in Atlantis sitzt. Ihr habt richtig gehört, Atlantis. Der legendäre versunkene Kontinent dient als unser Hauptsitz und besteht, wenn man Prometheus und Andromeda glauben kann, zu einem Großteil aus einem alten Alienschiff. Dementsprechend ist Atlantis auch durchweg von Technik durchzogen.
Andromeda und Prometheus sind, wie sich herausstellt, alte bekannte und Andy, wie sie im Spiel genannt wird, ist nicht wirklich gut auf den Insassen unseres ASA zu sprechen, weshalb sich Prometheus im Hauptquartier auch eher bedeckt hält.
Doch obwohl die Anzahl derer, die uns helfen wollen, während des Spieles immer einmal wieder steigt (einige der Faktoren schließen sich uns an), bestreiten wir den Großteil der Missionen allein, allerdings mit ein paar neuen Features – zum Beispiel der neuen Rüstung des „Zerstörers“, wie wir von nun an genannt werden. Besondere Änderungen durch diese Rüstung sind allerdings nicht zu erwarten, es ist einfach teil der Story, und wenn man Ford einige Zeit nicht von außen gesehen hat, verschwindet dieses Detail auch schon wieder in der Vergessenheit.An den Waffen hat sich nur im Detail etwas geändert. So gibt es ein paar neue Waffen – die einen machen uns kurzzeitig unsichtbar, die anderen können durch Wände schießen – jedoch können wir, wenn sie nicht zum Missionsziel dazugehören, auch gut auf die alten Varianten von Menschen- und Alienwaffen zurückgreifen. Nach wie vor gilt: es können nur 2 Waffen und 6 Granaten gleichzeitig getragen werden.
Der wohl größte Kritikpunkt an Conduit 2 ist aber wohl wieder das Ende, denn erneut lässt High Voltage den Spieler mit einem Cliffhänger sitzen. Dieser ist fast noch schlimmer als der des ersten Teiles, denn er wirft mehr fragen auf, als man sich als geneigter Spieler während des ganzen Spielgeschehens gestellt hat.
Dennoch ist die Fortsetzung der Geschichte rund um Michael Ford nicht unter den Erwartungen geblieben. Während der erneut recht kurzen Kampagne wird die Story von The Conduit ordentlich fortgesetzt, auch wenn Ford scheinbar in der Zwischenzeit etwas viel Duke Nukem gespielt zu haben scheint. Denn die Sprüche, die der „Zerstörer“ während des Spieles ablässt, erinnern stark an die des Blondschopfes, der nun nach Jahren wieder auf den Bildschirm zurückgekehrt ist. Allerdings fehlt bei den Sprüchen der häufige Bezug zur weiblichen Anatomie.
Im Mehrspieler ordentlich
Wie auch schon der erste Teil des Spieles setzt auch Conduit 2 auf seinen Multiplayer, der wieder mehr als üppig ausgefallen ist. Vom Deathmatch über Capture the Flag bis hin zu eher ungewöhnlichen Abwandlungen wie „VIP“ (ein Spieler pro Team ist VIP, wenn er getötet wird, verliert sein Team) oder ASA-Basketball wird dem Spieler einiges geboten, sich lokal (Splitscreen, 4 Spieler) oder Online mit bis zu 12 Spielern zu bekriegen. Die wohl größte Neuerung findet dabei im Hintergrund statt: Conduit 2 nutzt nicht mehr die Nintendo WiFi Connection um die Spieler über das Internet miteinander zu verbinden, sondern hat einen eigenen Service ins Leben gerufen. Um Freundescodes kommt man dabei zwar leider nicht herum, jedoch gibt es nach einem Spiel eine „Kontrahentenliste“, in der wir uns erneut ansehen können, gegen wen wir gespielt haben – und denjenigen dann auch einfach zu unseren Freunden hinzufügen.Zu erkennen ist dies vor allem an dem alternativen Aufdruck auf der Hülle des Spieles, wo nicht mehr das Logo der Nintendo WiFi-Connection zu sehen ist, sondern nur noch der Hinweis „WiFi Kompatibel“.
Nebeneffekt dieser neuen Verbindung ist, dass High Voltage sogar Updates für das Spiel bzw. dessen Multiplayer anbietet und im Vorfeld bereits darüber nachdachte, Downloadcontent für das Spiel zu veröffentlichen. Nettes Feature, kann man da nur sagen. Über das normale Netzwerk von Nintendo wäre dies nicht möglich gewesen.
Allerdings muss auch darauf hingewiesen werden, dass während der gesamten Testzeit nicht besonders viel im Multiplayer los war – durchaus ein Indiz dafür, dass ein Coreshooter für die Wii ein wirkliches Risikogeschäft ist.
Außerhalb vom Multiplayer fällt noch auf, dass es im Spiel oftmals Übersetzungsfehler gibt, Textstellen einfach weggelassen wurden oder der Text der Untertitel nicht lesbar ist, weil er mit der Spielwelt verschwimmt. Auch die Formulierung von manchen Sätzen wirkt oftmals etwas unschön, ist aber verschmerzbar. Eben wie im ersten Teil auch.
Kommen wir zur Technik, und wieder zu einem Vergleich mit dem Vorgänger. Mit The Conduit wollte High Voltage beweisen, dass auf der Wii, trotz alter Technik, Next-Gen Grafiken möglich sind. Die Grafik war zwar ordentlich, konnte letztendlich aber doch nicht so wirklich überzeugen und erst recht nicht den Erwartungen gerecht werden. Ähnlich ist es auch im zweiten Teil, wobei das Studio nun noch mehr daneben gegriffen hat. Das Spiel ruckelt an allen erdenklichen Stellen, die Grafik wirkt oft schmutzig und kantig, Clipping- und Grafikfehler sind an der Tagesordnung. Die Texturen sind verwaschen und verpixelt und auch das Design der Schauplätze kann nicht auf ganzer Linie überzeugen. Doch hier und da gibt es auch einmal ein paar Effekte, die sich bisher nur auf Next-Generation-Konsolen oder wirklich hochkarätigen Wii-Titeln zu finden wussten, wie zum Beispiel ein toller Unschärfeeffekt, der auch sehr protzig eingesetzt wird. Was aber nicht über die Ruckeleinlagen hinwegtäuschen kann.Anders sieht es bei der Steuerung aus. Hier gibt es gegenüber dem Vorgänger keine Veränderung – und das ist auch gut so. Einzige Neuerung ist die Unterstützung von MotionPlus, was im Spiel allerdings nicht zur Geltung kommt. Noch immer lassen sich Steuerung und Tastenbelegung nach belieben anpassen und das Spiel lässt sich ebenfalls mit dem Classic-Controller spielen. Die Unterstützung für Wii Speak wurde allerdings nicht übernommen, dafür lässt sich allerdings das Headbanger-Headset anschließen und während der Onlinespiele nutzen.
Was bleibt ist der Sound. Auch hier wurde gegenüber dem Vorgänger nichts verändert. Einige Hintergrundstücke hier und da, gute Synchronsprecher, die bereits im ersten Teil ihren Auftritt hatten. Einzig und allein die Waffensounds könnten etwas kraftvoller sein. Doch auch die Fehler, die schon im ersten Spiel zu finden waren, setzen sich im zweiten Teil fort. Die Menschensoldaten sprechen teilweise mit den Stimmen der Aliens – und umgekehrt.
Insgesamt kann man eigentlich von Conduit 1.5 reden. Es ist im Prinzip das Originalspiel, nur mit ein paar neuen Waffen und Schauplätzen, einer verschlimmbesserten Grafik und erneut einem offenen Ende.
Aljoscha Reuther meint...
Schon wieder! Schon wieder endet das Spiel dann, wenn es gerade eigentlich in Fahrt kommt. Da kämpfe ich mich durch Welten voller Gegner, Waffen, Grafikfehlern und Framerateeinbrüchen, und dann werden mir wieder die Credits vorgesetzt, wenn es gerade interessant wird? Warum?!
Abgesehen davon ist Conduit 2 eine durchaus würdige Fortsetzung des ersten Teils. Spielinhalt und Mechanik sind zwar absoluter Standard, doch auf der Wii muss man eben nehmen, was man kriegen kann. Es sind schon bessere Shooter rausgekommen, doch einmal mehr aufgrund der wenigen Konkurrenz gehört Conduit 2 zu den besseren Shootern, die für Wii erschienen sind. Und wieder einmal verhindert der tolle Multiplayermodus, der diesmal noch besser ausgefallen ist, als beim Original, schlechtere Wertungen. Warten wir also auf Teil 3.
Schon wieder! Schon wieder endet das Spiel dann, wenn es gerade eigentlich in Fahrt kommt. Da kämpfe ich mich durch Welten voller Gegner, Waffen, Grafikfehlern und Framerateeinbrüchen, und dann werden mir wieder die Credits vorgesetzt, wenn es gerade interessant wird? Warum?!
Abgesehen davon ist Conduit 2 eine durchaus würdige Fortsetzung des ersten Teils. Spielinhalt und Mechanik sind zwar absoluter Standard, doch auf der Wii muss man eben nehmen, was man kriegen kann. Es sind schon bessere Shooter rausgekommen, doch einmal mehr aufgrund der wenigen Konkurrenz gehört Conduit 2 zu den besseren Shootern, die für Wii erschienen sind. Und wieder einmal verhindert der tolle Multiplayermodus, der diesmal noch besser ausgefallen ist, als beim Original, schlechtere Wertungen. Warten wir also auf Teil 3.

GRAFIK
Genau wie im ersten Teil eine ordentliche Grafik, allerdings diesmal mit teilweise starken Rucklern und noch mehr Grafik- und Clippingfehlern.
Genau wie im ersten Teil eine ordentliche Grafik, allerdings diesmal mit teilweise starken Rucklern und noch mehr Grafik- und Clippingfehlern.

SOUND
Abermals tolle Sprecher und gute Soundkulissen, allerdings wirken die Geräusche der Waffen etwas lahm.
Abermals tolle Sprecher und gute Soundkulissen, allerdings wirken die Geräusche der Waffen etwas lahm.

BEDIENUNG
Wieder anpassbare Wii-Steuerung, von der MotionPlus Unterstützung merkt man allerdings nichts.
Wieder anpassbare Wii-Steuerung, von der MotionPlus Unterstützung merkt man allerdings nichts.

UMFANG
Diesmal gibt es mehr abwechslung im Singleplayer, die Kampagne ist allerdings recht einfallslos, das offene Ende macht die Stimmung kaputt. Die Stärke des Titels liegt wieder im noch besser ausgebauten Multiplayer.
Diesmal gibt es mehr abwechslung im Singleplayer, die Kampagne ist allerdings recht einfallslos, das offene Ende macht die Stimmung kaputt. Die Stärke des Titels liegt wieder im noch besser ausgebauten Multiplayer.
SPIELSPASS
Gute Fortsetzung mit Technikmacken und Cliffhanger
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gute Fortsetzung mit Technikmacken und Cliffhanger
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Ego-Shooter
Entwickler
High Voltage Software
Publisher
Sega
Releasedatum
22.04.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Ego-Shooter
Entwickler
High Voltage Software
Publisher
Sega
Releasedatum
22.04.2011
USK-Freigabe

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