Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 05.06.2011
NDS-Besitzer kämpften sich bereits durch die „Chronik der Erkorenen“ und hielten um die „Hand der Himmelsbraut“ an. Nach dem vierten und fünften Teil der „Dragon Quest“-Serie schafft es nun auch der sechste als Remake auf den Handheld, der die Zenithia-Trilogie abschließt und euch zu einem „Wandler zwischen den Welten“ macht.
Zwischen Traum und Realität
„Dragon Quest VI“ gehört zwar zur Zenithia-Trilogie, serviert aber eine ganz eigene Geschichte, sodass keine Vorkenntnisse nötig sind. Dabei stürzt sich der blauhaarige, junge Held bereits in den ersten Minuten in ein wagemutiges Abenteuer, bei dem er mit Begleitern eine dunkle Burg stürmt. Doch bereits der Anfang des Spiels nimmt kein gutes Ende: Der Held wird besiegt – und wacht plötzlich in seinem Zimmer auf. Alles nur ein Traum? So einfach ist die Sache bei diesem Rollenspiel nicht. Es zeichnet sich nämlich gerade dadurch aus, das es in zwei verschiedenen Welten spielt, bei denen sich Realität und Traum miteinander vermischen. Ereignisse in der einen Welt haben dabei Auswirkungen auf die andere. Dürft ihr anfangs nur selten durch Brunnen oder Abgründe zwischen den Welten wechseln, könnt und müsst hier später jeder Zeit zwischen ihnen hin und her springen. Die zwei Welten und ihre Möglichkeiten sind auch die größten Erneuerungen, die den sechsten Teil deutlich von seinen beiden Vorgängern abhebt.
Ansonsten bietet die Geschichte zwar die eine oder andere Wendung, aber unterm Strich wenige Überraschungen. Sie wird erzählerisch auch nicht besonders spannend in Szene gesetzt und leidet unter dem fehlenden Tiefgang bei der Charakterzeichnung. Allerdings punktet sie mit einer liebevollen deutschen Übersetzung mit jeder Menge Wortwitz und ist auf jeden Fall spannend genug, um euch stets voranzutreiben. Und so reist ihr durch zwei Welten und das die meiste zweit per pedes, später aber euch auf Schiffen oder ganz bequem auf einem fliegenden Teppich. Löblich ist dabei die Möglichkeit zur Teleportation, die euch später lange Laufwehge erspart. Die beiden Welten sind auch sehr abwechslungsreich und nehmen euch mit in dichte Wälder, durch weitere Steppen und auf hohe Berge.
Wer schon die beiden Vorgänger gespielt hat, trifft als „Wandler zwischen den Welten“ überwiegend auf Vertrautes. Ihr reist von Ort zu Ort, redet mit den Bewohnern über ihre mehr oder weniger alltäglichen Sorgen, erhaltet Aufträge und müsst dann meistens irgendeinen Gegenstand besorgen. Euer Weg führt euch dabei natürlich auch in jede Menge Dungeons, die im sechsten Teil ein bisschen kleiner ausgefallen sind als noch in den Vorgängern – was auf jeden Fall als Fortschritt verbucht werden kann, da so eine angenehme Übersichtlichkeit gewährleistet ist. Außerhalb der Dungeons sorgt derweil eine frei rotierbare Kamera dafür, dass ihr in der 3D-Welt den Überblick nicht verliert. Oft lohnt es sich die Perspektive mal zu wechseln: Die wertvollsten Schätze finden sich nämlich meist außerhalb des normalen Blickwinkels.
Schwertmagier und Schleimkrieger
Während Sound und Optik eine Überarbeitung erfahren haben, bewegt sich das Gameplay weiterhin auf den Stand von 1995. „Dragon Quest VI“ bietet klassische Rollenspiel-Kost mit all ihrem Charme – aber auch mit all ihren Schwächen. Zur größten Geduldsprobe werden dabei die Zufallskämpfe, die den Spielfluss wirklich alle paar Sekunden unterbrechen. Es lassen sich zwar auch Befehle automatisieren und schwache Gegner zumindest kurzzeitig mit Weihwasser verscheuchen, die hohe Frequenz an Kämpfen nervt auf Dauer aber dennoch gewaltig. Gerade die eigentlich übersichtlichen Dungeons werdend dadurch unnötig in die Länge gezogen. Außerdem besteht Frustgefahr, da das Speichersystem auch absolut veraltet ist. Ihr könnt euren Spielstand nur in den Kirchen der Städte und Dörfer sichern. Stirbt eure Gruppe mitten in einem Dungeon, da vorher dreißig Zufallskämpfe an euren Reserven gezerrt haben, müsst ihr das Ganze noch einmal von vorn durchmachen. Das sind dann die Momente, in denen ihr Square Enix dafür verflucht, dass sie das Spielprinzip nicht ein bisschen modernisiert haben.
Die Kämpfe an sich bieten allerdings sehr viel Charme und genau das, was man von einem Rollenspiel alter Schule erwartet. Bis zu vier Kämpfer könnt ihr aus eurer stetig wachsenden Gruppe bestimmen, die dann in die rundenbasierten Gefechte ziehen. Rollenspiel-Fans brauchen dabei keine Einarbeitung, mit „Angreifen“, „Magie“, „Gepäck“ und „Abwehren“ finden sich im Befehlsmenü nämlich die typischen Verdächtigen. Natürlich könnt ihr auch die Formation eurer Truppe strategisch klug ändern und im Zweifelsfall die Flucht ergreifen. Während fast alles gelungen ist, gibt es aber auch einige Schwachpunkte. So lassen sich beispielsweise immer noch nur Gegnergruppen und keine einzelnen Feinde angreifen, was eine sinnlose und nervige Einschränkung eurer Handlungsmöglichkeiten ist. Außerdem ist es schade, dass der Stylus nicht zum Einsatz kommt, mit dem die Befehlseingabe viel komfortabler ablaufen würde.
Der Schwierigkeitsgrad ist sehr moderat und es ist glücklicherweise kein Dauer-Aufleveln nötig. Ständig stärker werden müsst ihr dennoch, um immer gefährlichere Orte zu erschließen. Für gewonnene Gefechte bekommen nicht nur die beteiligten Kämpfer Erfahrungspunkte, sondern auch der Rest der Truppe, der in einem Planwagen auf seine Einwechslung wartet. So steigern alle Charaktere ihre Attribute, erlernen neue Fähigkeiten und eignen sich immer mehr Magie an. Zusätzlich könnt ihr sie aber auch dadurch stärken, dass ihr sie Laufbahnen wie Krieger, Priester, Dieb oder Händler einschlagen lasst. Jeder der 16 Berufe bringt dabei eigene Boni wie eine größere Agilität oder mächtigere Angriffe mit sich. Besonders interessant ist dieses System dadurch, dass es sehr flexibel ist und sich die Laufbahnen leicht wechseln lassen. Aus der Kombination von Berufen können sogar neue entstehen, sodass die Mischung aus Krieger und Zauberer die Karriere als Schwertmagier eröffnet. Wer es lieber schlichter mag, kann aber auch einfach die serientypischen Schleime rekrutieren, die euch dann als Gruppenmitglieder zur Seite stehen.
Zwei Welten voller Abenteuer
Teil vier und fünf waren schon umfangreich, aber der „Wandler zwischen den Welten“ übertrumpft diese noch einmal. Die beiden Welten können euch durchaus für mehr als 50 Stunden in ihren Bann ziehen. Neben der eigentlichen Geschichte warten dabei auch jede Menge Nebenaufgaben auf euch. Dazu zählt auch die Suche nach den versteckten Minimedaillen, die sich beim Medaillenkönig gegen seltene Ausrüstungsgegenstände eintauschen lassen. Außerdem können eure Helden bei einem Stilwettbewerb mitmischen oder ihr hart erkämpftes Geld in einem Kasino auf dem Kopf hauen. Unterhaltsam ist auch das Schleimschlittern, was eine schleimige Variante des Curlings ist. Dabei kommt endlich auch mal der Stylus zum Einsatz, mit dem ihr zuerst das Eis glättet und dann den Schleim Richtung Zielscheibe treibt.
Einen richtigen Mehrspieler-Modus bietet der sechste Teil der „Dragon Quest“-Reihe nicht, immerhin lassen sich aber sogenannte Traumkarten tauschen. Diese Karten lassen sich in einem Traumraum erstellen, wofür ihr Angaben zu eurem Aussehen, eurer Stimmung und eurem Beruf macht. Dann schaltet ihr den Nintendo DS in den sogenannten „Contact Mode“, in dem er nach anderen Weltenwandlern sucht. Befindet sich einer in der Nähe, tauscht ihr mit ihm automatisch die Traumkarten aus. Das Ganze wird natürlich mit so einigen Boni belohnt.
Während das eigentliche Spielprinzip unangetastet geblieben ist, haben die Entwickler die Grafik komplett überarbeitet. Sie bewegt sich auf demselben Niveau wie bei den NDS-Remakes der beiden Vorgänger und mischt wieder 2D- mit 3D-Elementen. Das Ganze sieht sehr gut aus, auch wenn der Handheld bei Weitem nicht an seine Grenzen getrieben wird. Der Sound weiß sogar noch ein bisschen besser zu gefallen. Die Effekte sind zwar veraltet, das gleicht die orchestrale Musik aber locker wieder aus, die bereits beim Intro mit epischen Klängen für Gänsehaut sorgt. Square Enix hat sich richtig Mühe gegeben, diese klassische Rollenspiel-Kost in einer zeitgemäßen Hülle zu verpacken.
Sascha Geldermann meint...
„Dragon Quest VI“ bietet genau dasselbe wie seine Vorgänger: Rollenspiel-Kost alter Schule mit jeder Menge Charme, wenigen Überraschungen und alten Schwächen. Die endlosen Zufallskämpfe wurden für mich dabei einmal mehr zur Geduldsprobe. Letztendlich konnte ich mich der Faszination der beiden Welten aber nicht entziehen, die all das im Überfluss mitbringen, was Fans klassischer Rollenspiele so sehr lieben.
„Dragon Quest VI“ bietet genau dasselbe wie seine Vorgänger: Rollenspiel-Kost alter Schule mit jeder Menge Charme, wenigen Überraschungen und alten Schwächen. Die endlosen Zufallskämpfe wurden für mich dabei einmal mehr zur Geduldsprobe. Letztendlich konnte ich mich der Faszination der beiden Welten aber nicht entziehen, die all das im Überfluss mitbringen, was Fans klassischer Rollenspiele so sehr lieben.

GRAFIK
Die neue Optik mit ihrer Mischung aus 2D und 3D steht dem Klassiker gut.
Die neue Optik mit ihrer Mischung aus 2D und 3D steht dem Klassiker gut.

SOUND
Dank der orchestralen Musik lässt sich locker über die schwachen Soundeffekte hinwegsehen.
Dank der orchestralen Musik lässt sich locker über die schwachen Soundeffekte hinwegsehen.

BEDIENUNG
Die Steuerung erfüllt definitiv ihren Job, auch wenn mehr Stylus-Einsatz wünschenswert gewesen wäre.
Die Steuerung erfüllt definitiv ihren Job, auch wenn mehr Stylus-Einsatz wünschenswert gewesen wäre.

UMFANG
Mehr als 50 Stunden können euch die beiden Welten in ihren Bann ziehen und locken dabei mit zahlreichen Nebenaufgaben.
Mehr als 50 Stunden können euch die beiden Welten in ihren Bann ziehen und locken dabei mit zahlreichen Nebenaufgaben.
SPIELSPASS
NDS-Besitzer wandeln hier durch ein klassisches Rollenspiel, das sowohl die Stärken als auch die Schwächen der Vorgänger wieder mit im Gepäck hat.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
NDS-Besitzer wandeln hier durch ein klassisches Rollenspiel, das sowohl die Stärken als auch die Schwächen der Vorgänger wieder mit im Gepäck hat.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Rollenspiel
Entwickler
SquareEnix
Publisher
SquareEnix
Releasedatum
20.05.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Rollenspiel
Entwickler
SquareEnix
Publisher
SquareEnix
Releasedatum
20.05.2011
USK-Freigabe

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