Steel Diver
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 19.05.2011
Bereits im Jahre 2004 präsentierte Nintendo eine U-Boot-Simulation – damals noch als Technik-Demo für den noch nicht erschienenen Nintendo DS. Doch es sollte sieben Jahre und den Beginn einer weiteren Handheld-Generation dauern, bis aus dieser Demo nun ein Spiel wurde. Profitiert „Steel Diver“ von seiner langen Entstehungsgeschichte?
Gemächliche Unterwasser-Action
„Packender 3D-Side-Scroller“ steht auf der Packung. Dem „3D-Side-Scroller“ ist dabei leicht zuzustimmen. Schließlich tuckern die U-Boote bei „Steel Diver“ von links nach rechts durch zweidimensionale Unterwasser-Levels in 3D-Optik. Doch der Behauptung, das Ganze sei packend, lässt sich nur schwer zustimmen. Die Probleme fangen ja schon da an, dass dieses Spiel keine richtige Story serviert. In einem kurzen Anfangstext ist nur von einer Spezialeinheit die Rede, die den Kampf gegen einen nicht näher benannten Schurkenstaat im Jahre „19XX“ aufnimmt. Mehr Tiefe entwickelt die Geschichte nicht, die aus sieben Missionen besteht und keinerlei Zwischensequenzen enthält. In Sachen Story ist „Steel Diver“ also schon einmal alles andere als packend.
Aber auch zum Gameplay hätten andere Adjektive sicherlich besser gepasst. Denn hier geht es ziemlich langsam zur Sache – so ein U-Boot ist schließlich kein D-Zug. „Steel Diver“ will auch gar kein schnelles Spiel sein, bezieht es seinen Reiz doch durch eine sehr anspruchsvolle Steuerung und die träge Reaktion so eines Unterwasser-Gefährts. Drei verschiedene Boote laden zur Rundfahrt durch kriegerische Gewässer, die sich in Punkto Wendigkeit, Geschwindigkeit und Bewaffnung unterscheiden. Alle steuert ihr aber gleichsam mit einem Kontrollfeld auf dem Touchscreen durch den Ozean. Grundsätzlich funktioniert das über zwei Regler, wovon einer die Geschwindigkeit bestimmt und der andere die Tauchtiefe. Bei zwei der drei U-Booten lässt sich über einen dritten Regler auch noch der Neigungswinkel bestimmen. Diese Steuerung macht das Spiel überhaupt erst interessant, das viel unspektakulärer wäre, wenn sich die Schiffe ganz einfach mit dem Circle-Pad manövrieren ließen.
Und ein bisschen Spannung kommt dann doch auf, wenn Felsen viel zu schnell näher kommen und ihr panikhaft versucht, das Boot noch hochzuziehen. Dabei müsst ihr auch der einen oder anderen Miene ausweichen, Steinbrocken mit Torpedos wegsprengen oder euch mit einer Tarnfunktion vor feindlichen Attacken schützen. Dazu kommen dann auch noch Bosskämpfe und feindliche Kreuzer, die ihr aus sicherer Tiefe zielsicher ins Visier nehmen solltet. Jeder gerammte Felsen und jeder eingefangene Treffer hinterlässt dabei natürlich Spuren in eurem Schiff, was eure Energieanzeige nach untern treibt. Zum Regernieren müsst ihr eigentlich einfach nur auftauchen, aber Achtung: Nicht nur ein Zeitlimit sitzt euch im Nacken, auch mit feindlichen Luftangriffen müsst ihr rechnen. Insgesamt bietet „Steel Diver“ zwar nicht besonders viel Abwechslung und Tiefgang, aber das Konzept ist zumindest interessant genug, damit die sieben Missionen nicht langweilig werden. Das könnte aber auch daran liegen, dass diese in nicht viel mehr als einer Stunde absolviert sind. In Sachen Umfang hapert’s bei diesem Spiel gewaltig.
Drehen, zielen, feuern
Der Side-Scroller ist nur einer von drei Modi, mit seiner Spielzeit von rund einer Stunde aber immer noch der umfangreichste. Daneben wartet noch ein Periskop-Modus auf euch, in dem ihr durchs Periskop feindliche Schiffe ins Visier nehmt und mit Torpedos gen Meeresgrund schickt. Dabei gilt es auch generische U-Boote mit dem Sonar zu orten oder mit schnellen Tauchmanövern Gegenangriffen auszuweichen. Auch dieser Modus hat nur Minispiel-Charakter, punktet aber doch durch einen interessanten Einsatz des Bewegungssensors des Nintendo 3DS. Ihr ändert euer Sichtfeld nämlich dadurch, dass ihr euch mit dem Gerät in der Hand dreht – was vor allem auf einem Drehstuhl hervorragend funktioniert. Motivation kommt noch dadurch ins Spiel, dass ihr in solchen Missionen Aufkleber sammeln dürft, die die Fähigkeiten eures U-Boots im Side-Scroller verbessern. Allerdings behaltet ihr diese Aufkleber nicht dauerhaft, sondern müsst sie immer wieder erspielen – was nervig ist und wie ein verzweifelter Versuch wirkt, die Spielzeit künstlich zu strecken.
Der dritte Modus trägt den interessanten Namen „Seeschlacht“, bietet aber nicht viel mehr als Ernüchterung. Hierbei handelt es sich um nichts weiter als um eine Variante von „Schiffe versenken“ auf einem aus Hexagonen bestehenden Spielfeld. Das Ganze spielt sich träge, ist nicht besonders interessant und besitzt die optische Qualität eines Handyspiels aus den 90er Jahren. Immerhin lässt sich über das Einzelkartenspiel hier auch ein Freund zur Schlacht herausfordern, richtig Spaß kommt aber auch dabei nicht auf, Insgesamt habt ihr bei „Steel Diver“ nach spätestens zwei Stunden also alles gesehen. Zwar könnt ihr die Side-Scroller-Missionen noch mit den beiden anderen U-Booten angehen oder im Periskop-Modus Angriff auf Highscores nehmen, aber dafür fehlen die Anreize. „Steel Diver“ wirkt eigentlich viel mehr wie ein Minispiel, das für ein paar Euro im eShop besser aufgehoben wäre.
Als Technik-Demo für den Nintendo DS, demonstrierte „Steel Diver“ auf der E3 2004 vor allem die Möglichkeiten des Touchscreens. Und auch auf dem 3DS ist die Steuerung über das Kontrollfeld ein großer Pluspunkt. Zusätzlich zeigt das Spiel noch, wie präzise eine Bedienung über den Bewegungssensor ablaufen kann. Technisch dagegen ist „Steel Diver“ kein Musterbeispiel für die Leistung den neuen Handhelds. Der Sound mag durch seine netten Melodien trotz nerviger Sprachsamples noch überzeugen. Grafisch punkten aber allein die Unterwasser-Effekte, während Boote und Umgebung so verpixelt aussehen, als wäre das Spiel tatsächlich für den NDS entwickelt worden. Zu allem Überfluss bricht auch noch die Framerate ein, wenn auf dem Bildschirm mal wirklich viel los ist - und das selbst bei deaktiviertem 3D-Effekt, der sich hier um einiges unspektakulärer präsentiert als bei vielen anderen 3DS-Spielen. Bei kaum einen anderen Nintendo-Spiel wurde jemals so viel Potenzial leichtsinnig über Bord geworfen.
Sascha Geldermann meint...
„Steel Diver“ wäre meiner Meinung nach ein guter Launch-Titel zum Start des eShops gewesen. Für ein paar Euro hätte es sich durchaus gelohnt, im Side-Scroller auf die rund einstündige Tauchfahrt zu gehen oder im Periskop-Modus zumindest die Präzision der Bewegungssteuerung zu bestaunen. Dieser Titel besitzt nicht viel mehr als Minispiel-Charakter, weswegen ich es auch unverschämt finde, für diesen Unterwasser-Ausflug den Vollpreis zu verlangen.
„Steel Diver“ wäre meiner Meinung nach ein guter Launch-Titel zum Start des eShops gewesen. Für ein paar Euro hätte es sich durchaus gelohnt, im Side-Scroller auf die rund einstündige Tauchfahrt zu gehen oder im Periskop-Modus zumindest die Präzision der Bewegungssteuerung zu bestaunen. Dieser Titel besitzt nicht viel mehr als Minispiel-Charakter, weswegen ich es auch unverschämt finde, für diesen Unterwasser-Ausflug den Vollpreis zu verlangen.

GRAFIK
Die Grafik bewegt sich noch auf NDS-Niveau und leidet auch noch unter Framerate-Einbrüchen.
Die Grafik bewegt sich noch auf NDS-Niveau und leidet auch noch unter Framerate-Einbrüchen.

SOUND
Die Melodien gehen ins Ohr, während die Sprachsamples ein Graus sind.
Die Melodien gehen ins Ohr, während die Sprachsamples ein Graus sind.

BEDIENUNG
Gewöhnungsbedürftig, aber durch ihren Anspruch auch eine Bereicherung für das Gameplay.
Gewöhnungsbedürftig, aber durch ihren Anspruch auch eine Bereicherung für das Gameplay.

UMFANG
Alle drei Modi haben nur Minispielcharakter und beschäftigen nicht viel mehr als zwei Stunden.
Alle drei Modi haben nur Minispielcharakter und beschäftigen nicht viel mehr als zwei Stunden.
SPIELSPASS
Die U-Boote tuckern hier durch viel zu inhaltslose Gewässer.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Die U-Boote tuckern hier durch viel zu inhaltslose Gewässer.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
06.05.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
06.05.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel