Donkey Kong Country Returns
Artikel verfasst von Heiko Ellinger am 15.05.2011
Jeder Held braucht einen Widersacher, der ihn beschäftigt. Denn ohne die entsprechende Aufgabe, kann niemand heldenhaft handeln. Insofern dürfte Super Mario dem folgenden Charakter dankbar sein, sorgte dieser doch dafür, dass der Klempner seine beispiellose Karriere starten und zur berühmtesten Videospielfigur überhaupt werden konnte. Die Rede ist natürlich von Donkey Kong, dem Nintendo-Hausaffen, der über die Jahrzehnte die Entwicklung vom Bösewicht zum seinerseits gefeierten Helden durchlebte. Eben jener darf sich auf Wii nun in seinem erfolgreichsten Metier beweisen und mit "Donkey Kong Country Returns" eine altehrwürdige Reihe wiederbeleben.
Auf Rare folgt Retro
"Helden" der Neuzeit dürften in den Augen vieler Nintendofans die Entwickler der texanischen Retro Studios sein. Nintendos amerikanische Tochterfirma durfte nämlich bereits Samus Aran in der Metroid Prime Trilogie höchst erfolgreich betreuen. Nun also durfte sich das Studio mit einer weiteren Spielemarke befassen, die Nintendo zuvor lange vernachlässigt hatte. Die Abstinenz von Donkey Kong in einem Jump & Run auf einer Heimkonsole hatte aber auch mit der Abwanderung der britischen Edelschmiede Rare zu tun, die vormals für alle drei veröffentlichten "Donkey Kong Country" Titel verantwortlich zeichnete.
Eben jene Titel prägten die Ära des Super Nintendo, dank ausgeklügeltem Leveldesign, einer zuvor ungekannten Grafikpracht , dem stimmungsvollen Soundtrack und allerhand Geheimnissen. Nichts weniger als das sollten die Retro Studios nun mit dem Reboot der Serie schaffen - Mission erfüllt?
Alt und neu in Kombination
Eins vorweg: die Retro Studios haben es sich nicht vorgenommen, das Affenuniversum in seinen Grundfesten zu erschüttern. Stattdessen wurde altbewährtes beibehalten und durch zahlreiche Ideen ergänzt, aufgefrischt, abgerundet.
Was bleibt, ist natürlich das grundsätzliche Spielprinzip eines jeden Donkey Kong Country Abenteuers. Im 2D-Jump & Run rennt, hangelt und springt ihr euch den Weg durch ein linear aufgebautes Level, um den nächsten Schauplatz dann über eine Weltkarte zu erreichen. Abzweigungen in den Welten lassen euch teilweise die Wahl, welchen Abschnitt ihr als nächstes bestreiten möchtet, außerdem könnt ihr so vergangene Bereiche auf der Suche nach Geheimnissen erneut besuchen. Diese Secrets gibt es in Form von Objekten, die sich mal mehr, mal weniger gut versteckt im Level befinden. Dazu gehören auch die typischen K-O-N-G Buchstaben, darüber hinaus aber auch Puzzleteile, über die ihr weitere Extras freischaltet. Die Buchstaben dienen dazu, einen fordernden Extraabschnitt einer Welt betreten zu dürfen, der euch in Sachen Schwierigkeitsgrad alles abverlangen wird. Seid ihr nicht auf der Suche nach allen Geheimnissen, baut sich der Schwierigkeitsgrad dagegen behutsam auf. Vor allem die erste Welt können auch alte Hasen nutzen, um sich mit den Änderungen vertraut zu machen.
Ein wichtiger Einschnitt in die Spielmechanik betrifft die Nebendarsteller aus dem bananigen Abenteuer. Auf die Reise geht Donkey Kong nämlich nicht allein, sondern mit alten Freunden. Immer mit dabei ist Diddy Kong, sobald ihr ihn aus einem Fass befreit habt. Im Gegensatz zu den alten Spielen könnt ihr aber nicht den spielbaren Charakter wechseln, sondern tragt Diddy die ganze Zeit auf dem Rücken mit euch. Sein Jetpack könnt ihr dann dennoch einsetzen, um kurzzeitig zu schweben. Außerdem erhöht sich mit dem haarigen Freund auch die Lebensanzeige von zwei auf vier Herzen.
Von den weiteren tierischen Mitstreitern innerhalb eines Levels hat es nur das Nashorn Rambi in das Reboot geschafft. Nach wie vor können dem Dickhäuter die meisten einfachen Gegner nichts anhaben und durch kraftvolle Attacken kann der treue Gefährte auch Hindernisse aus dem Weg räumen. Rambi findet ihr allerdings nur an vorher bestimmten Positionen in einzelnen Leveln.
Aus der Kong-Familie ist außerdem Opa Cranky wieder mit von der Partie. Er betreibt seinen Laden in jeder Welt, in dem ihr Extraleben in Form von Ballons und weitere Gegenstände kaufen könnt.
Dynamischere Umwelt
Am grundsätzlichen Gameplay haben die Retro-Jungs also nicht zu viele Experimente gewagt. Im Bezug auf die Steuerung gibt es dennoch einige Neuerungen, denn Donkey hat ordentlich dazu gelernt. Mit einer Trommelattacke etwa haut der Affe kraftvoll auf den Boden, kann so Gegner betäuben oder Gegenstände zerstören. Außerdem löst ihr so ab und an Schalter aus. Neu ist auch die Möglichkeit, in geduckter Haltung zu pusten. Damit lassen sich an einigen Stellen Geheimnisse freilegen oder bestimmte Gegnertypen beeinflussen. Das Pusten nervt Geheimnissammler allerdings nach einiger Zeit, ertappt man sich doch dabei den halben Level "abzupusten", nur um alle Puzzleteile zu finden. Glücklicherweise hilft bei dieser mühseligen Suche der Papagei Squawks, den ihr in Crankys Laden erwerben könnt.
Diddy Kong kann neben üblichen Attacken auf dem Boden auch auf die Distanz sehr nützlich sein, denn er hat auch in "Donkey Kong Country Returns" seine bekannte Peanut-Pistole dabei. Doch Moment, sagten wir nicht, dass man Diddy gar nicht steuern kann? Ja, für den Einzelspieler-Part trifft das zu, doch wenn ihr einen Freund ins Spiel auf einem Bildschirm einladet, kann dieser Diddy steuern. So könnt ihr euch gegenseitig helfen, weiterführende kooperative Aktionen, etwa das gemeinsame Lösen von Rätseln, werden aber nicht von euch verlangt. Wie bereits bei vergleichbaren Titeln wie New Super Mario Bros. ist aber eine gute Abstimmung gefragt, um nicht zu schnell den virtuellen Tod zu sterben. Kommen wir aber zum wichtigsten Punkt, der aus den drei Vorgänger-Spielen Meilensteine gemacht hat, das nahezu perfekte Leveldesign. Auch hier haben die Entwickler aus Austin ganze Arbeit geleistet. Erinnern die ersten Level noch an bekannte Abschnitte aus den Klassikern, fahren sie im späteren Verlauf die ganze Kreativitätspalette auf. Es geht nicht nur durch den Dschungel, sondern auch am Strand entlang, in wilden Lorenfahrten werden Minen erkundet, bei Nacht zeigt sich in einem Level nur der Schatten von Donkey Kong. Dank den bekannten Kanonenfässern werdet ihr auch schon einmal vom Vorder- in den Hintergrund geschossen oder bahnt euch euren Weg durch mehrere Piratenschiffe, immer auf der Hut vor einfliegenden Kanonenkugeln. An jeder Ecke gibt es eine neue kleine Idee und etwas zu entdecken.
Das Spiel bleibt dabei übrigens immer fair, außerdem wurden in jedem Level Checkpoints verteilt, von denen ihr nach einem Ableben gleich weiterspielen könnt. Extraleben findet ihr mehr als genug und wenn ihr an einer Stelle doch einmal gar verzweifelt, kann euch der Super-Assistent helfen, der euch sicher an einer heiklen Stelle vorbeiführt, ohne dabei aber irgendwelche Items einzusammeln.
Schönstes 2D
Grafisch erwartet uns mit "Donkey Kong Country Returns" zwar keine Evolution wie seinerzeit auf dem Super Nintendo, dennoch weiß die hübsche 2D-Grafik durchaus zu gefallen. Vor allem kleine Details in der Welt sind es, die den besonderen Charme ausmachen und auch das eine oder andere Easteregg ist im Spiel versteckt. Bewegt ihr beispielsweise euren Charakter über einen gewissen Zeitraum nicht, kramt dieser seinen Nintendo DS hervor und vertreibt sich so die Zeit.
Das klassische DKC-Theme wurde musikalisch aufgepeppt, bietet Fans der Reihe aber sofortigen Wiederkennungswert. Die neuen Stücke reihen sich nahtlos ein und die typischen Soundeffekte untermalen das Abenteuer gekonnt.
Zu guter Letzt sei an dieser Stelle auch noch verraten, dass Serien-typisch nicht die 100% Marke das allerhöchste Ziel sein sollte... Was kann man Retro Studios abschließend also überhaupt vorwerfen? Nicht viel, sieht man von der fehlenden Integration weiterer tierischer Mitstreiter ab. Bleibt also zu hoffen, dass die Texaner entgegen kürzlich getroffenen Aussagen doch irgendwann einmal wieder ein affiges Abenteuer auf die Beine stellen werden, denn "Donkey Kong Country Returns" macht vor allem Lust auf eines, nämlich auf mehr von dieser fantastischen Software-Kunst.
Heiko Ellinger meint...
Unglaublich, wie spielend leicht es die Retro Studios schaffen, einen adäquaten Nachfolger zu einer der besten Jump & Run Reihen zu entwickeln. Hier passt einfach alles und so reiht sich der neuste Teil nahtlos in die Reihe ein, ohne der Rare-Trilogie auch nur in einem Punkt nachzustehen. Ein Pflichtkauf für Besitzer der Nintendo-Konsole und ein weiterer Meilenstein im Repertoire der Retro-Jungs.
Unglaublich, wie spielend leicht es die Retro Studios schaffen, einen adäquaten Nachfolger zu einer der besten Jump & Run Reihen zu entwickeln. Hier passt einfach alles und so reiht sich der neuste Teil nahtlos in die Reihe ein, ohne der Rare-Trilogie auch nur in einem Punkt nachzustehen. Ein Pflichtkauf für Besitzer der Nintendo-Konsole und ein weiterer Meilenstein im Repertoire der Retro-Jungs.

GRAFIK
Hübscher 2D-Stil mit allerlei lebendigen Details.
Hübscher 2D-Stil mit allerlei lebendigen Details.

SOUND
Aufgepepptes Theme, dazu passende Soundeffekte.
Aufgepepptes Theme, dazu passende Soundeffekte.

BEDIENUNG
Problemlose Bedienung, verschiedene Steuerungsvarianten. Nur das Pusten nervt bisweilen.
Problemlose Bedienung, verschiedene Steuerungsvarianten. Nur das Pusten nervt bisweilen.

UMFANG
Viele Geheimnisse, Speziallevel und natürlich wieder einmal mehr als 100%.
Viele Geheimnisse, Speziallevel und natürlich wieder einmal mehr als 100%.
SPIELSPASS
Gelungenes Comeback mit tollen Ideen!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gelungenes Comeback mit tollen Ideen!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Jump & Run
Entwickler
Retro Studios
Publisher
Nintendo
Releasedatum
03.12.2010
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Jump & Run
Entwickler
Retro Studios
Publisher
Nintendo
Releasedatum
03.12.2010
USK-Freigabe

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