Tiger Woods PGA Tour 12: The Masters
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 08.05.2011
Blauer Himmel, ein sanfter Wind streift durch die perfekt geschnittenen Baumkronen, die herrlich grünen Blätter rascheln leise, während das Wasser still daliegt und die wunderbare Landschaft widerspiegelt. Kein einziges Sandkorn im Bunker wagt es auch nur einen halben Millimeter zu verrutschen, die anwesenden Zuschauer halten gebannt den Atem an. Dann ein leises „wusch“ und ein metallisches „kloink“, und schon fliegt eine perfekte, runde, weiße Kugel über den unnatürlich sterilen Rasen, nur um einige Meter vor einem kleinen Loch im perfekt getrimmten Gras zum Stillstand zu kommen. Verhaltener, doch anerkennender Beifall...
Auf zu den Masters
Entschuldigt meinen kleinen Ausflug in die beschreibende Lyrik, doch irgendwie muss man Euch ja in die richtige Stimmung bringen, nachdem zuvor wild rasende Autos, Affen in rollenden Kugeln und mutierte Pflanzen gegen untote Leichen auf dem Tagesplan standen. Denn nun geht es nur um eines: den Golfsport.Tiger Woods, sicherlich mittlerweile jedem ein Begriff, hat einen Namen erneut einem Spiel verliehen, doch statt einer weiteren „PGA Tour“ bekommen wir diesmal die Königsklasse der Golfwettkämpfe präsentiert: The Road to the Masters. Der Kampf um das berühmte Green Jacket. Auf dem wohl bekanntesten Golfplatz der Welt, dem Augusta National Golfkurs, findet jährlich der absolute Spitzenkampf um den Titel des absoluten Golfchampions statt. Grund genug, einmal einen Blick auf den Werdegang eines Amateurs zum träger des Green Jacket zu werfen.
Und genau das ist der Kern des Spieles, für dessen Spielprinzip die Wii erst erfunden worden zu sein scheint. Im Hauptspielmodus „Road to the Masters“ fangen wir als kleiner Spieler bei einem regionalen Wohltätigkeitsturnier an und arbeiten uns dann Stück für Stück für Stück (…) nach oben, bis wir letztendlich auf dem legendären Augusta National um die meisten Punkte und die wenigsten Schläge kämpfen. Dabei stehen uns, neben dem bereits erwähnten Kurs, satte 23 weitere Golfplätze zur Verfügung. Die Weite reicht dabei von Golfplätzen in der Wüste bis hin zu schottisch angehauchten Highlands mit vielen Burgruinen und zerklüfteten Inseln und Klippen. Doch egal welche Umgebung uns beim Bälleschlagen umgibt, das Gras ist immer perfekt geschnitten und kein einziges Laubblatt trübt die Sicht. Die Plätze sind reinlich und Sauber, wie es im Buche steht. Fast schon steril.
Um in den einzelnen Ligen nach oben zu steigen, müssen bestimmte Ziele erfüllt werden. So müssen wir am Anfang einfach das Wohltätigkeitsturnier gewinnen, damit wir in die EA SPORTS Amateur Tour aufsteigen können. In dieser Liga wird dann die grundsätzliche Spielmechanik deutlich: mit verschiedenen Aufgaben steigern wir unseren Bekanntheitsgrad und steigen so, nach und nach, in der Rangliste, und auch in den Ligen. Dabei können wir selbst festlegen, wie viele Spiele pro Event abgehalten werden sollen. Ein Spiel besteht, wie in der Realität auch, aus 18 Löchern, bei denen wir nach Möglichkeit die wenigsten Schläge brauchen sollten, um unsere weißen Kugeln in den kleinen Löchern im Boden zu versenken. Wenn man die voreingestellten 4 Spiele drin lässt, spielt man also 4 mal den selben Kurs, was mit der Zeit recht langweilig werden kann.
Unsere Spiele finden wir im Terminplan, wo die wöchentlichen Events direkt nacheinander spielbar sind. Zwischenzeitlich gibt es auch immer wieder neue Herausforderungen, zum Beispiel die Tournament Events mit speziellen Vorgaben („Schlage einen Ball über 250 Yards“ und Ähnliches) oder Sponsor Challenges, bei denen wir neue Sponsoren erhalten können. Unsere Aufgaben können wir zudem jederzeit unter „Objectives“ ansehen.
Neu in den Spielen der Tiger Woods Serie ist der Modus „Masters Moments“. Natürlich wird auch hier wieder Bezug auf das jährliche Turnier in Augusta genommen: die denkwürdigsten Momente in der Geschichte der Masters können hier nachgespielt werden, zum Beispiel dass ein Golfer in den 50er Jahren mit nur 2 Schlägen einen Eagle landete und sich so das Green Jacket sicherte. Diese Herausforderungen erfordern, speziell im späteren Verlauf, einiges an können, da der Schwierigkeitsgrad hier recht schnell ansteigt.
Diesen Modus gibt es auch in einer etwas anderen Form, mit dem Namen „Tiger at the Masters“. Hier können wir die Masters-Spiele miterleben, in denen Tiger Woods sich das Green Jacket sicherte: 1997, 2001, 2002 und 2005. Ziel dieses Modus ist natürlich, Tiger zu seiner Auszeichnung zu verhelfen.
Mit All-Play, Balance Board und MotionPlus
Wie in allen Spielen von EA Sports wurde auch Tiger Woods 12 (habe den Namen einfach mal abgekürzt) mit einem Schwierigkeitsgrad namens All-Play ausgestattet. Dieser richtet sich an absolute Neulinge und nimmt dem Spieler (also uns) praktisch alles ab. Es gibt keinen Windeinfluss, wir sehen genau wo die Kugel landen wird, selbst der Schlagwinkel, der wunderbar durch das MotionPlus erkannt wird, hat keinen Einfluss auf den Schlag. Nur die Stärke des Schlages müssen wir durch einen kräftigen Schwung selbst ausführen. Je höher wir den Schwierigkeitsgrad setzen, desto höher wird der Simulationsgrad und desto weniger Hilfen werden im Spiel eingeblendet. Allerdings gibt es in diesem Bereich sehr viele, teilweise verwirrende Einstellungen, durch die man erst einmal durchblicken muss. Auch neu ist der Caddy, der uns in diesem Spiel zum ersten Mal zur Seite steht. Unser Gehilfe kann uns Tipps geben, um möglichst gut spielen zu können. So gibt er uns Optionen (risikoreich oder auf Sicherheit), wählt den Schläger für uns aus und berechnet sogar Wind und Schlagwinkel mit ein. Allerdings ist der Caddy nur eine Hilfe, solange wir noch nicht auf dem Green (= der Fläche um das Loch herum) sind. Auf dem Green liegt der Caddy nämlich grundsätzlich daneben, dort ist es für uns besser, wenn wir selbst Schläger und Schlagstärke wählen. Nette Funktion: der Caddy lernt mit der Zeit, je öfter wir spielen. Seine Platzkenntnisse steigen von mal zu mal, was im späteren Spielverlauf zu besseren Tipps und Hinweisen führt. Im All-Play Modus dient der Caddy allerdings praktisch als automatische Spielhilfe, denn wenn wir den Tipp unseres Helferleins aufgerufen und ausgewählt haben, müssen wir jedes mal einfach nur schlagen. Dabei kommt fast immer ein Birdy oder zumindest ein Par heraus.
Für den ultimativen Simulationsgrad bietet das Spiel praktisch die komplette Palette des Wii-Zubehörs an. Sowohl MotionPlus als auch das Balance Board werden unterstützt. Mit MotionPlus merkt man in diesem Spiel endlich einmal einen großen Unterschied, der Schläger reagiert auf jede noch so kleine Änderung. Allerdings muss das Zubehör während des Spieles mehrmals neu kalibriert werden, wozu das Spiel allerdings auch eine eigene Funktion im Pausenmenü anbietet. Ist der Modus All-Play nicht ausgewählt wird so der Winkel, in dem der Schläger auf den Ball trifft, ebenfalls berücksichtigt, und es wird eine detaillierte Tabelle über unsere Schläge erstellt, damit wir erkennen, wo die Schwächen liegen.
Mit dem Balance Board wird die Simulation praktisch perfekt, denn dort brauchen wir eine gute Balance, um die volle Schlagkraft zu erzielen. Doch auch andere Steuerungsprofile werden ermöglicht, so ist es auch möglich, das Spiel praktisch ohne Bewegungssteuerung zu spielen. Allerdings sind diese Einstellungen recht tief in den verschachtelten Menüs des Spieles versteckt, was es aufgrund des fehlenden Handbuches (oder eher des fehlenden „guten“ Handbuches) recht schwer auffindbar macht.
Dabei kann ich noch auf ein weiteres Problem des Spieles zu sprechen kommen: die Lokalisierung. Wie bei anderen Tiger Woods Spielen auch, ist das Spiel wieder einmal komplett unangetastet in Europa gelandet. Alles, und wenn es die Nutzungsbedingungen des EA Online Services sind, ist in Englisch. Die Sprecher, die Menüpunkte, die Tutorials – kein einziges deutsches Wort ist im Spiel zu finden. Das karge Handbuch, in dem gerade einmal die wichtigsten Steuerungsbefehle und die Modi des Spieles erklärt werden, ist dabei auch keine große Hilfe.
Insgesamt hat das Spiel recht mit den Lasten eines jährlich neu erscheinenden Titels zu kämpfen. Viele Modi und Spielweisen hat man bereits im Vorgänger gesehen und auch die Steuerung per MotionPlus ist in der Tiger Woods Reihe keine Neuheit. Allerdings gibt es mit dem Masters-Franchise auch echte Neuerungen im Titel, was Teil 12 vor allem für Neulinge interessant macht. Zudem sind die zahlreichen Spielmodi abseits des normalen Golfens einen Blick wert. Denn das Spiel bietet noch 5 große Minigolfplätze mit jeweils 18 Löchern und eine komplette Disc-Golf-Simulation, die mit echt guter MotionPlus Unterstützung aufwarten kann.
Prachtsimulation mit angestaubter Technik
Der neueste Auftritt von Woods kann, wie bereits geschrieben, als Simulation voll und ganz überzeugen. So eine genaue Umsetzung der verschiedensten Bewegungen, von Neigung und Drehung bis hin zur Beschleunigung, habe ich bisher noch nie gesehen. Allerdings schwächelt das Spiel an anderer Stelle. So kam es mir im Test mehrmals so vor, dass sich das Spiel grafisch zurückentwickelt hat. PGA Tour 9 und 10 sahen, wenn ich ehrlich bin, besser aus als der neue Teil 12. Zwar hat EA Sports hier keine direkte Comicgrafik zum Einsatz kommen lassen, doch viele der Details sind stark reduziert. Schlecht sieht das Spiel allerdings in keinem Fall aus, besonders die Animationen der Spieler stehen außer Konkurrenz. Doch an einigen Stellen und Szenarien merkt man, dass die Engine des Spieles in die Jahre gekommen ist, selbst für die Wii. Besonders bei der Charaktererstellung macht sich dieses Manko bemerkbar, denn jeder Charakter, den wir in vielen kleinen Einzelschritten basteln können, sieht irgendwie hässlich aus.Zudem wurde das Spiel gänzlich an das „Design“ der Masters angepasst. Durch den großzügigen Einsatz von Grün und Gold wirkt das Spiel allerdings eher billig als edel.
Das muss man leider auch vom Sound sagen. Zwar wurde das Spiel ordentlich vertont, sogar mit bekannten Sprechern der amerikanischen Golfliga, doch die Musik zieht diese Wertung wieder herunter. Bleiben wir aber erst bei den Sprechern. Die sind gewohnt sachlich und emotionslos, einzig und allein die Zuschauer, wenn vorhanden, lassen ab und an etwas Enthusiasmus im Spiel erkennen. Die Kommentare dabei sind allerdings professionell und passen auch immer zu den Ereignissen, die ihnen voraus gegangen sind.
Musiktechnisch sieht es aber, wie schon gesagt, düster aus. Die Musik wirkt, wie das Menü auch, billig und veraltet, ich habe mich immer wieder an alte Zeiten mit dem Industrie Giganten erinnert gefühlt. Bitte EA, wenn ihr schon Musik einbaut, dann lasst die billige Fahrstuhlmusik weg. Bei allen anderen Marken klappt es doch auch.
Mit der Steuerung habe ich mich ja schon weiter oben auseinandergesetzt. Viel mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen, außer, dass ich mich hier richtig gefreut habe, eine Konsole mit Bewegungserkennung zu haben. Was hier aus den diversen Controllern und Zusätzen herausgeholt wird, dürfte wohl zum besten zählen, was bisher im Bereich der Steuerung geschaffen wurde. 1+ mit Sternchen.
Im Multiplayer bietet EA wieder seinen Hauseigenen Onlineservice an, bei dem man sich am Anfang des Spieles anmelden kann. Das Spiel verbindet sich von dort an automatisch mit den EA-Servern, die Multiplayermodi- und Optionen sind allerdings praktisch identisch mit denen des Vorgängers.
Aljoscha Reuther meint...
Tiger Woods goes to the Masters. Und zwar nicht nur vom Titel her, sondern auch von dem, was dahintersteckt. Zieht man die recht altbackene Optik, das hässliche Menüdesign und die ätzende Fahrstuhlmusik ab, dürfte sich hier die beste Golfsimulation befinden, die es jemals gab. Dabei wurde die Wii endlich einmal nicht nur Stiefmütterlich behandelt, sondern ist ihren Schwesterversionen für Xbox und Playstation in allen Belangen überlegen. Mehr Kurse und bessere Bewegungserkennung verschaffen einen großen Vorsprung – und das zurecht. Ich habe noch nie so viel Spaß am Golfspielen gehabt – und noch nie war es so realistisch. Und noch nie habe ich mich so aufgeregt, wenn ein virtueller Ball ein paar Millimeter an dem verdammten Loch vorbeigerollt ist! Der hätte reingehen müssen, verdammt! Man!
Tiger Woods goes to the Masters. Und zwar nicht nur vom Titel her, sondern auch von dem, was dahintersteckt. Zieht man die recht altbackene Optik, das hässliche Menüdesign und die ätzende Fahrstuhlmusik ab, dürfte sich hier die beste Golfsimulation befinden, die es jemals gab. Dabei wurde die Wii endlich einmal nicht nur Stiefmütterlich behandelt, sondern ist ihren Schwesterversionen für Xbox und Playstation in allen Belangen überlegen. Mehr Kurse und bessere Bewegungserkennung verschaffen einen großen Vorsprung – und das zurecht. Ich habe noch nie so viel Spaß am Golfspielen gehabt – und noch nie war es so realistisch. Und noch nie habe ich mich so aufgeregt, wenn ein virtueller Ball ein paar Millimeter an dem verdammten Loch vorbeigerollt ist! Der hätte reingehen müssen, verdammt! Man!

GRAFIK
Leider wirkt die Grafik altbacken und kann bis auf einige Spiegelungen nicht wirklich mit guter Optik trumpfen. Aber immerhin ruckelt das Spiel nicht.
Leider wirkt die Grafik altbacken und kann bis auf einige Spiegelungen nicht wirklich mit guter Optik trumpfen. Aber immerhin ruckelt das Spiel nicht.

SOUND
Billige Musik macht die gute Atmosphäre im Spiel immer wieder zunichte. Gute Kommentatoren.
Billige Musik macht die gute Atmosphäre im Spiel immer wieder zunichte. Gute Kommentatoren.

BEDIENUNG
Perfekte Unterstützung von MotionPlus und Balance Board, aber auch alternative Steuerungsoptinen möglich.
Perfekte Unterstützung von MotionPlus und Balance Board, aber auch alternative Steuerungsoptinen möglich.

UMFANG
Massenhaft Spielmodi, massenhaft Golfkurse. Einzig und allein die Tatsache, dass so viel von den Vorgängern wieder übernommen wurde, drückt die Wertung etwas.
Massenhaft Spielmodi, massenhaft Golfkurse. Einzig und allein die Tatsache, dass so viel von den Vorgängern wieder übernommen wurde, drückt die Wertung etwas.
SPIELSPASS
Besser geht es nicht, wenn es um eine Golfsimulation geht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Besser geht es nicht, wenn es um eine Golfsimulation geht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Sport
Entwickler
EA Tiburon
Publisher
EA Sports
Releasedatum
31.03.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Sport
Entwickler
EA Tiburon
Publisher
EA Sports
Releasedatum
31.03.2011
USK-Freigabe

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