Ridge Racer 3D
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 04.04.2011
Ein „Ridge Racer“-Spiel zum Launch gehört mittlerweile schon für jeden Konsolen-Hersteller zum guten Ton. Der Nintendo 3DS macht da keine Ausnahme und so schickt Namco-Bandai hier einen Ableger ins Rennen, der viele bekannte Elemente und Strecken der Serie mitbringt und erstmals in die dritte Dimension befördert.
Mittendrin statt nur dabei
Wow - genau das wird durch euren Kopf schießen, wenn ihr bei diesem Racer das erste Mal aufs Gaspedal drückt. Der 3D-Effekt des Spiels ist fantastisch gelungen und gibt euch das Gefühl, mitten auf der Rennstrecke zu sein. Die Tiefe ist beeindruckend und so wirkt es, als würde sich die Straße vor euch wirklich bis in weite Ferne erstrecken. Und wenn dann auch noch Konfetti auf euch zufliegt oder ein Helikopter über eurem Kopf hinweg zieht, sorgt das für einen ordentlichen Adrenalin-Schub. Das Ganze kommt nicht nur der Optik mächtig zu Gute, sondern auch dem Spielprinzip. Zum einen kommt das Geschwindigkeitsgefühl so nämlich viel besser herüber. Und zum anderen lassen sich Entfernungen besser einschätzen und Driftmanöver besser timen. „Ridge Racer“ demonstriert auf jeden Fall schon einmal gekonnt, wie ein bewährtes Spielprinzip durch den 3D-Effekt des neuen Handhelds profitieren kann.
Unter der 3D-Haube stecken allerdings nach wie vor die serientypischen Bauteile. An der Spielmechanik hat sich schon seit Jahren nicht mehr wirklich etwas geändert und so wartet auch hier unkompliziertes Arcade-Racing auf euch. Dabei versucht ihr meist sieben Verfolger in drei Runden abzuhängen und natürlich die Ziellinie als erster Fahren zu überqueren. Wer das gerade bei späteren Rennen auch wirklich schaffen will, braucht aber schon ein bisschen Geschick. Eine wichtige Rolle spielt Windschatten, sodass ihr euch so oft wie möglich hinter eure Kontrahenten heften solltet, nur um sie dann dank eines Temposchubs dreist zu überholen. Außerdem ist es wichtig, Turbos mit dem richtigen Timing zu zünden. Drei Nitro-Kammern lassen sich dafür füllen und dann entweder einzeln hintereinander und für den Extra-Kick auch alle zusammen zünden. Zum Ausfüllen müsst ihr aber erst einmal Drift-Manöver hinlegen, die euch nicht nur Nitro verschaffen, sondern bei geschickter Ausführung in Kurven auch einen Zeitvorteil.
Das Spielprinzip ist keine Revolution, ja nicht einmal eine Evolution, macht aber eine Menge Spaß. Das liegt zum einen daran, dass es leicht zu erlernen und immer schwerer zu meistern ist. Und auch daran, dass sich die KI-Konkurrenz alle Mühe gibt, sich spannende Rennen mit euch zu liefern. Vom oft nervigen Gummiband-Effekt, bei dem Kontrahenten immer in der Nähe gehalten werden, ist hier nichts zu spüren. Stattdessen machen die anderen Fahrer ihr eigenes Ding, zünden ihre Turbos clever und heften sich ständig an euer Heck, um euren Windschatten auszunutzen. So fühlt ihr euch stets gefordert, während Frust vollkommen ausbleibt. Da habt ihr auch der Steuerung zu verdanken, die euch keine Steine in den Weg legt. Das Lenken über das Circle-Pad geht intuitiv von der Hand, die Knopfbelegung ist gut gewählt und auch das Driften lässt sich leicht erlernen. Für Anfänger gibt es sogar einen vereinfachten Drift-Modus, bei dem nicht mehr gegengelenkt, sondern lediglich ein Knopf gedrückt werden muss. Serien-Veteranen verzichtet auf so einen Schnick-Schnack natürlich lieber - und wenn sie ganz hart sind, vielleicht sogar auf das Automatik-Getriebe, um stilecht manuell zu schalten. So führt das Spielprinzip Neulinge behutsam an die Serie heran, während es auch Kenner auf ihre Kosten kommen lässt.
Recycling-Racer
Der „Ridge Racer“-Einstand auf dem Nintendo 3DS punktet mit einer überraschend hohen Qualität, hat aber auch einen Schwachpunkt: extremes Recycling. Das Spiel versteht sich anscheinend als eine Art Best-of und bündelt die beliebtesten Strecken der Vorgänger auf einer Cartridge, während ganz neue Kurse eher Mangelware sind. Auf der einen Seite ist diese Bündelung durchaus eine schöne Sache, auf der anderen Seite könnten Serien-Veteranen enttäuscht sein. Für Fans, die bereits alle anderen Teile im Regal stehen haben, könnte dieser 3DS-Ausflug überflüssig vorkommen. Sehr erfreulich sind die vielen alten Strecken aber wiederum für Neulinge, die so eine überaus gelungene und abwechslungsreiche Auswahl an Kursen serviert bekommen. Während ihr ordentlich Stoff gebt, ziehen in Neonlichter getauchte Städte an euch vorbei, grüne Felder, verschneite Berghänge und auch schon einmal Tunnel mit integrierten Aquarien. Zu sehen gibt es hier genug und so schnell werden diese Strecken auch nicht langweilig.
Das Herzstück dieses Rennspiels ist der Grand Prix, der euch durch eine ganze Reihe von Wettkämpfen schickt. Jeder Sieg beschert euch hier Belohnungen. So schalten sich immer mehr Fahrzeuge frei, von denen es eine große Auswahl gibt, die serientypisch nicht auf echten Modellen beruhen. Gewonnene Punkte lassen sich aber auch in die Verbesserung eurer Boliden investieren. Nicht, dass es ein komplexes Tuning-System gäbe, aber zumindest dürft ihr ein klein wenig an euren Karren schrauben. Habt ihr euch erst einmal einen Turbo-Start gesichert, zieht ihr viel schneller an eurer Konkurrenz frei. Und wer gute Ergebnisse erzielt, darf sich sogar den Luxus leisten, seine Nitro-Kanister schon vor dem Start auffüllen zu lassen, um der Konkurrenz mit Turbos einfach davon zu fahren. Solche Aufrüstungen sind im Laufe der Karriere auch bitter nötig, denn der Schwierigkeitsgrad steigt dort zwar langsam aber auch sicher an. Und so bekommt ihr es auf der Straße mit KI-Fahrern zu tun, die euch den Sieg immer verbissener nehmen wollen.
Der Solo-Part des Spiels ist recht umfangreich, warten neben dem Grand Prix doch auch noch andere Modi auf euch. Wer nur mal zwischendurch eine lockere Runde fahren möchte, ist bei der schnellen Tour genau richtig. Macht einfach ein paar Angaben wie die geplante Spiellänge und schon schickt euch „Ridge Racer 3D“ auf die passende Piste. Entscheidet ihr euch für das Markenrennen, steigen eure Gegner im Gegensatz zum Standardrennen sogar in denselben Fahrzeugtyp wie ihr, was größtmögliche Chancengleichheit gewährleistet. Und solltet ihr einmal gar keine Lust auf die nervige Konkurrenz haben, dürft ihr diese auch einfach von der Strecke verbannen und beim Zeitrennen gegen die Uhr antreten. Allerdings könnt ihr hier aber auch gegen eure früheren Rekorde antreten, wobei ihr dann euer früheres Selbst abhängen müsst, das mit euch über die Strecke düst.
„Nice Slipstreaming!“
Im Mehrspieler-Modus fordert ihr bis zu drei Freunde heraus, die dafür alle ihr eigenes Modul mitbringen müssen. Damit sie von den anderen sofort identifiziert werden, legt dabei jeder Fahrer ein Foto, ein Mii-Porträt oder ein Symbol als Erkennungszeichen fest. Neben normalen Wettkämpfen lassen sich auch hier Markenrennen bestreiten. Wagen sich mindestens drei Fahrer auf die Piste, ist sogar ein Teamkampf möglich. Ein bisschen enttäuschend ist allerdings, dass sich dabei keine KI-Gegner auf die Strecke holen lassen. Für weitaus mehr Enttäuschung sorgt aber die unverständliche Tatsache, dass Online-Rennen bis diesem Spiel komplett fehlen – für dieses Genre in der heutigen Zeit schon ein kleiner Fauxpas. Die Streetpass-Unterstützung ist dafür nur ein schwacher Ausgleich, zumindest lassen sich so aber Ghost-Daten anderer Spieler empfangen, sodass ihr es später mit deren Bestzeit aufnehmen dürft.
Technisch macht „Ride Racer 3D“ einen guten, wenn auch nicht überragenden Eindruck. Auch bei der Musik wurde mächtig recycelt, die zwar nicht sonderlich spektakulär ist, dafür aber von Techno über Jazz bis hin zu Trash-Metal eine abwechslungsreiche Mischung bietet. Die Kommentatoren werdet ihr im Menü aber früher oder später abschalten, denn die Euphorie, mit der sie alle paar Sekunden ständig dieselben Sätze wie „nice slipstreaming!“ ins Renngeschehen rufen, könnt ihr auf Dauer einfach nicht teilen. Grafisch hat dieses Spiel rein gar nichts mehr mit dem Nintendo DS zu tun, reizt den neuen Handheld aber auch nicht voll aus. Zwar ist die Umgebung recht ansehnlich und die Bildrate glänzt mit völliger Stabilität, die Autos wirken aber etwas klobig und das gelegentliche Flimmern wäre mit Sicherheit vermeidbar gewesen. Allerdings wird euch der beeindruckende 3D-Effekt so sehr mitreißen, dass er über diese Schwächen hinwegtäuschen kann und euch beim ersten Spielen nur eins durch den Kopf schießt: Wow!
Sascha Geldermann meint...
„Ridge Racer“ zeigt wie ein 3DS-Debüt aussehen muss und fährt den meisten anderen Launch-Titeln einfach davon. Die rasanten Rennen machen Spaß, der Umfang stimmt und der fantastische 3D-Effekt bereichert nicht nur die Optik, sondern auch das Gameplay. Mich hat die sehr hohe Qualität dieses Ablegers überrascht, so mancher Serien-Fan könnte aber auch enttäuscht sein. Die meisten Strecken diese Spiels stammen nämlich aus den Vorgängern, sodass Namco-Bandai hier kein frisches Racing-Erlebnis serviert, sondern vielmehr eine Art Best-of im 3D-Gewand.
„Ridge Racer“ zeigt wie ein 3DS-Debüt aussehen muss und fährt den meisten anderen Launch-Titeln einfach davon. Die rasanten Rennen machen Spaß, der Umfang stimmt und der fantastische 3D-Effekt bereichert nicht nur die Optik, sondern auch das Gameplay. Mich hat die sehr hohe Qualität dieses Ablegers überrascht, so mancher Serien-Fan könnte aber auch enttäuscht sein. Die meisten Strecken diese Spiels stammen nämlich aus den Vorgängern, sodass Namco-Bandai hier kein frisches Racing-Erlebnis serviert, sondern vielmehr eine Art Best-of im 3D-Gewand.

GRAFIK
Über die Schwächen im ordentlichen Gesamtbild kann der beeindruckende 3D-Effekt gut hinwegtäuschen.
Über die Schwächen im ordentlichen Gesamtbild kann der beeindruckende 3D-Effekt gut hinwegtäuschen.

SOUND
Während die Musik vor allem durch Abwechslung überzeugt, sollten die Kommentare am besten abgeschaltet werden.
Während die Musik vor allem durch Abwechslung überzeugt, sollten die Kommentare am besten abgeschaltet werden.

BEDIENUNG
Die Steuerung gestaltet sich sehr zugänglich und bietet Einstellungsmöglichkeiten, die Anfänger wie Veteranen auf ihre Kosten kommen lassen.
Die Steuerung gestaltet sich sehr zugänglich und bietet Einstellungsmöglichkeiten, die Anfänger wie Veteranen auf ihre Kosten kommen lassen.

UMFANG
Das Solo-Spiel ist sehr umfangreich und der Multiplayer gelungen – aber warum fehlt ein Online-Modus?
Das Solo-Spiel ist sehr umfangreich und der Multiplayer gelungen – aber warum fehlt ein Online-Modus?
SPIELSPASS
Hochwertiger 3DS-Einstand der „Ridge Racer“-Serie, der sich als Best-of im 3D-Gewand präsentiert.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Hochwertiger 3DS-Einstand der „Ridge Racer“-Serie, der sich als Best-of im 3D-Gewand präsentiert.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Rennspiel
Entwickler
Namco Bandai
Publisher
Namco Bandai
Releasedatum
25.03.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Rennspiel
Entwickler
Namco Bandai
Publisher
Namco Bandai
Releasedatum
25.03.2011
USK-Freigabe

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