Tom Clancy`s Splinter Cell 3D
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 28.03.2011
Déjà-vu für Third Echelon-Agenten: Mit Sam Fisher geht es nach Südamerika, Japan, Nord- und Südkorea. Hier ist Stealth statt Sightseeing angesagt, gilt es doch nicht weniger als den dritten Weltkrieg zu verhindern. Diesen Auftrag hat Fisher eigentlich schon im drittem Serienableger „Chaos Theory“ über die Bühne gebracht, nun muss er ihn aber noch einmal durchstehen, denn Ubisoft setzt das Spiel aus dem Jahre 2005 als Launch-Titel für den Nintendo 3DS um.
Schleichen für den Weltfrieden
Auf großen Erneuerungen brauchen Fans nicht zu hoffen. Und so hat sich auch nichts an der Geschichte geändert. Immer noch fängt alles damit an, dass Fisher den Spitzeninformatiker Bruce Morgenholt aus den Händen einer Separatistengruppe befreien muss. Denn dieser ist mit Algorithmen vertraut, die in den falschen Händen den Weltfrieden in Gefahr bringen könnten. Doch das ist nur der Anfang einer spannend inszenierten Geschichte voller Verschwörungen, in dessen Verlauf ihr Frachter, Banken, Militärbasen und Ministerien infiltriert. Die Story des dritten Teils gehört zu den besten der gesamten Serie, da sie unheimliche Spannung mit durchgängiger Glaubwürdigkeit verbindet. Auch heute noch kann die Geschichte mehr als nur überzeugen.
In den vergangenen sechs Jahren hat Sam nichts verlernt, sodass er immer noch gekonnt durch die Levels schleicht, lautlos Wachen ausschaltet und in engen Korridoren Spagate unter der Decke hinlegt, um aus dieser Position seine Gegner zu überraschen. Im Gegensatz zu den neueren actionreicheren Serienablegern wird hier noch Stealth in Reinkultur geboten. Oberste Priorität hat es, unbemerkt zu bleiben. Dabei helfen euch diverse Anzeigen, die euch über euren Geräuschpegel, den Stresslevel der Wachen und über die Helligkeit informieren. Euer wichtigster Verbündeter ist die Dunkelheit. In ihrem Schutz pirscht ihr durch die Levels, um Wachen zu umgehen oder sie blitzschnell zu packen. Dabei könnt ihr eure Feinde töten oder sie in den Schwitzkasten nehmen, um wichtige Informationen aus ihnen herauszupressen. Manchmal müsst ihr auch zur Pistole greifen, um Feinde aus der Distanz zu erledigen. Unterm Strich bleibt der Einsatz von Schusswaffen aber eine Ausnahme.
Fisher hat hilfreiches Equipment im Gepäck, wobei sich vor allem sein SC-20K-Gewehr als Allzweck-Waffe entpuppt. Damit verschießt er nicht nur Haftminen, sondern kann es auch mit Shotgun- oder Sniper-Aufsätzen erweitern. Wichtig ist auch seine Fusion-Brille, mit der er im Dunkeln sehen kann. Neben einer Nacht- und Wärmesicht lässt sich dabei auch eine EEV-Funktion aktivieren, die Elektrostrahlung sichtbar macht. Damit kann Fisher sogar aus der Ferne Computer hacken und Schlösser knacken, was auf dem Nintendo 3DS über das Lösen von Geschicklichkeits- und Puzzle-Minispielen abläuft. Neben Hightech-Aktionen wie der besagten EEV-Sicht oder das Einsetzen von Störsendern habt ihr aber auch bodenständigeren Handlungsspielraum. Schaltet das Licht aus, löscht eine Kerze oder zieht einen Umhang zu – und schon habt ihr euch mit einfachen Mitteln einen gewichtigen Vorteil gesichert. Das Stealth-Spielprinzip hat dabei zwar wenig Tempo, kann aber dennoch mitreißen. Wenn ihr im Dunkeln lauert und eine Wache auf euch zukommt, wird euer Herz garantiert schneller schlagen. Genau solche Momente gibt es im Minutentakt und das macht dieses Spiel auch so packend.
Überfordernde Komplexität
Das Spielprinzip von „Chaos Theory“ ist über jeden Zweifel erhaben und wirkt auch nach sechs Jahren noch nicht veraltet. Die Levels wurden dabei größtenteils unangetastet gelassen, allerdings insgesamt ein bisschen gestaucht, was das Spielerlebnis kompakter gestaltet. Dazu kommen Texteinblendungen, wie Hinweise oder Steuerungsanzeigen, die die Entwickler nur stilvoll direkt in die Umgebung eingebettet haben. Das gab es beim Original noch nicht und wurde erst mit „Conviction“ eingeführt. Ansonsten gibt es aber rein gar nichts Neues zu entdecken, was diese Handheld-Umsetzung für Kenner des Originals ziemlich überflüssig macht. Wäre es denn nach sechs Jahren zu viel verlangt gewesen, ein paar neue Wege, frische Aktionen oder vielleicht sogar die eine oder andere zusätzliche Mission einzubinden? Stattdessen wurden sogar Inhalte gestrichen: Der oft gelobte Mehrspieler-Modus von „Chaos Theory“ fehlt auf dem Nintendo 3DS enttäuschenderweise komplett.
Wenn „Splinter Cell 3D“ nur eine lieblose Portierung wäre, könnte das noch akzeptiert werden. Allerdings leidet das Spiel darüber hinaus auch noch an Steuerungsproblemen. Sam Fisher hat zahlreiche Aktionen auf den Kasten. Es ist zwar löblich, dass es diese auch alle auf den Nintendo 3DS geschafft haben, leider ist der Handheld mit so vielen Handlungsmöglichkeiten aber auch gnadenlos überfordert. Löblich ist zumindest schon einmal das angenehme Fortbewegen über das Circle-Pad. Die Kamera wird indessen über die A-, B-, X- und Y-Knöpfe bewegt, was Übersichtprobleme verhindert, aber auch Tasten belegt, auf denen Aktionen besser aufgehoben gewesen wären. Denn grundlegende Handlungen wie Springen oder das Anlehnen an Wänden werden so über das Digitalkreuz aktiviert und da das direkt oder dem Circle-Pad liegt, kann es bei schnellem Agieren schon einmal zu Fingerkrämpfen kommen.
Etwas besser ist es da schon um die Steuerung über den Touchscreen gestellt, auf dem unter anderem eure Waffen liegen. Ein Druck mit dem Daumen und schon zieht Sam seine Pistole. Da die Icons dafür recht groß sind, läuft das auch sehr bequem ab, allerdings geht die Größe der Waffen-Symbole auf die Kosten anderer Icons. Egal ob Fusionsbrille, Haftkamera oder Karte – ohne hinzugucken, tippt ihr hier leicht daneben. Da hätte der Touchscreen sicherlich besser aufgeteilt werden können. Gelungen ist dagegen der Einsatz von Glasfaser-Kameras, die Sam gerne mal unter Türen hindurch schiebt, um in Erfahrung zu bringen, was auf der anderen Seite vor sich geht. Diese Kameras lassen sich durch Kippen des Nintendo 3DS bewegen, was sehr gut funktioniert. Einen 3D-Effekt gibt es dabei aber nicht, aber dieser würde bei so viel Bewegung wohl eh nicht richtig funktionieren. In diesem Sinne haben die Entwickler da gut mitgedacht. Unterm Strich ist die Steuerung kein Totalaussetzer und sie macht das Spielen auch nicht unmöglich. Sie gestaltet sich aber auch alles andere als komfortabel und trübt dadurch das ganze Spielerlebnis deutlich. So richtig in Fleisch und Blut geht sie nämlich nie über und verhindert viel zu oft, dass ihr euch einfach nur aufs Spielerlebnis konzentrieren könnt. Die komplexen Aktionen alle auf den Handheld zu bringen, war sicherlich keine leichte Aufgabe und die Entwickler sind an ihr gnadenlos gescheitert.
Die Soundkulisse überzeugt auch auf dem Handheld noch genauso wie beim Original und hat keinerlei Abstriche hinnehmen müssen. So hat auch die deutsche Sprachausgabe den Sprung auf den Nintendo 3DS überlebt, bei der die Sprecher einen ausgezeichneten Job machen. Vor allem der Protagonist darf sich dank der Synchronstimme von Nicolas Cage über einen gewichtigen Charme-Bonus freuen. Optisch hat Sam Fisher im Vergleich zum Konsolen-Original aber ein bisschen abgespeckt. Das bedeutet nicht, dass er dünner geworden ist, sondern dass er Polygone verloren hat und nun unsauberer aussieht. Und auch die Umgebung ist etwas trister geworden, da das Spiel mit Licht und Schatten zum einem gewissen Teil verloren gegangen ist. „Splinter Cell 3D“ ist beileibe kein hässliches Spiel, hier wäre aber mehr drin gewesen – da kann sich Ubisoft noch so sehr mit der Umsetzung der Unreal-Engine brüsten. Aufgewertet wird das Ganze aber zumindest durch einen gelungenen wenn auch dezenten 3D-Effekt. Ubisoft verzichtet hier auf unnötige Spielereien, dafür bekommt aber das ganze Stealth-Geschehen mehr Tiefe. Das setzt diesen Stealth-Thriller noch besser in Szene und sieht einfach gut aus. Ganz unabhängig davon ist es auf dem Handheld aber ein bisschen störend, dass die Farben durchgängig arg dunkel gehalten sind. Klar, die Dunkelheit ist euer Verbündeter – aber wenn sie euch stellenweise die Übersicht raubt, wird es einfach zu viel.
Sascha Geldermann meint...
Der dritte Teil der „Splinter Cell“-Reihe ist ein herausragendes Stealth-Spiel, das mich mit seiner spannenden Story und dem packendem Spielprinzip schon auf dem GameCube fesseln konnte. Leider hat es aber nicht die 3DS-Umsetzung bekommen, die es verdient hätte. Keine neuen Inhalte? Damit kann ich leben. Der Wegfall des Mehrspieler-Modus? Unverständlich aber zu verschmerzen. Ein nicht zu akzeptierendes Desaster ist aber die absolut unkomfortable Steuerung, die das ganze Erlebnis spürbar trübt. „Splinter Cell 3D“ ist zwar immer noch ein ordentliches Spiel, hat so aber viel von seiner alten Klasse einbüßen müssen.
Der dritte Teil der „Splinter Cell“-Reihe ist ein herausragendes Stealth-Spiel, das mich mit seiner spannenden Story und dem packendem Spielprinzip schon auf dem GameCube fesseln konnte. Leider hat es aber nicht die 3DS-Umsetzung bekommen, die es verdient hätte. Keine neuen Inhalte? Damit kann ich leben. Der Wegfall des Mehrspieler-Modus? Unverständlich aber zu verschmerzen. Ein nicht zu akzeptierendes Desaster ist aber die absolut unkomfortable Steuerung, die das ganze Erlebnis spürbar trübt. „Splinter Cell 3D“ ist zwar immer noch ein ordentliches Spiel, hat so aber viel von seiner alten Klasse einbüßen müssen.

GRAFIK
Das Spiel ist nicht hässlich und bekommt durch den 3D-Effekt angenehme Tiefe, hier wäre aber mehr drin gewesen.
Das Spiel ist nicht hässlich und bekommt durch den 3D-Effekt angenehme Tiefe, hier wäre aber mehr drin gewesen.

SOUND
Die Soundkulisse stimmt, wobei vor allem die Sprachausgabe punktet.
Die Soundkulisse stimmt, wobei vor allem die Sprachausgabe punktet.

BEDIENUNG
Die Steuerung ist auf dem Handheld unangenehm überladen.
Die Steuerung ist auf dem Handheld unangenehm überladen.

UMFANG
Das Abenteuer beschäftigt viele Stunden. An Erweiterungen fehlt es auf dem 3DS aber und der Mehrspieler-Modus wurde sogar gestrichen.
Das Abenteuer beschäftigt viele Stunden. An Erweiterungen fehlt es auf dem 3DS aber und der Mehrspieler-Modus wurde sogar gestrichen.
SPIELSPASS
Dieses eigentlich packende Stealth-Abenteuer hat auf dem 3DS vor allem wegen der überladenen Steuerung viel von seiner alten Klasse verloren.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dieses eigentlich packende Stealth-Abenteuer hat auf dem 3DS vor allem wegen der überladenen Steuerung viel von seiner alten Klasse verloren.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action
Entwickler
Ubisoft Montreal
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
25.03.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action
Entwickler
Ubisoft Montreal
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
25.03.2011
USK-Freigabe

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