Nintendogs + Cats: Golden Retriever und neue Freunde
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 26.03.2011
Im Jahre 2005 brachte Nintendo selbst hartgesottene NDS-Besitzer dazu, Pistole, Schwert oder Lenkrad gegen Bürste, Tennisball und Hundeshampoo einzutauschen. Mit „NintenDogs“ erblickte eine Tamagotchi ganz neuer Qualität das Licht der Welt, das die Fähigkeiten des damals noch recht jungen Handhelds gekonnt demonstrierte. Diese zuckersüße Erfolgsgeschichte soll nun auf dem 3DS weitergehen. Für dieses Vorhaben bekommen Nintendos Welpen sogar Verstärkung: erstmals warten auch Katzen auf eure Zuneigung.
Mein Freund mit der kalten Schnauze
Mein erster Weg führt mich auf eine Hundefarm, auf der mich jede Menge Hunde begrüßen. Eigentlich sind sie ja alle ganz süß, aber da ich nur wenig Geld besitze, muss ich mich wohl erst einmal für einen entscheiden. Katzen lassen sich am Anfang noch nicht blicken, sodass ich bei meiner Wahl schon einmal auf einen Hund festgelegt bin. Einfach ist sie aber dennoch nicht, warten doch in jeder der drei Versionen neun Hundearten auf einen Besitzer. Und so kläffen bei der „Golden Retriever“-Edition Beagle, Shiba, Pinscher, Mops, Dackel, Malteser, Dogge, Cocker und natürlich der namensgebende Retriever um meine Gunst. Letztendlich entscheide ich mich für einen jungen Shiba-Rüden, der als sehr aufmerksam beschrieben wird. Später werde ich aber zurückkommen, um mit frisch verdientem Geld noch mehr Haustiere in mein Haus zu holen. Die Wahl der Edition schränkt mich übrigens nur anfangs auf neun Hunderassen ein. Letztendlich lassen sich alle 27 Rassen in allen Versionen freispielen.
Zuhause angekommen ist mein neuer Hund sehr verängstigt. Er rennt in meiner großen aber recht leeren Wohnung auf und ab, die ganze Zeit herzerweichend kläffend. Das Spiel empfiehlt mir, ihn vorsichtig kennenzulernen, weswegen ich sogleich das Inventar öffne, in dem ich einen Tennisball finde. Mit einem Stylus-Schwung werfe ich ihn durch den Raum. Wie jedes andere Spielzeug, von dem sich von der Frisbee bis zum Springseil massenweise kaufen lässt, verhält sich der Ball physikalisch völlig korrekt und springt realistisch durch den Raum. Spieltrieb siegt über Angst und so jagt der Hund dem Ball aufgeregt hinterher. Als ich dann auch noch einen Futtertrog und eine Schüssel voll Wasser aus dem Inventar in mein Wohnzimmer zaubere, fasst der Shiba Vertrauen und ich habe einen neuen Freund gewonnen.
Da sich seit dem Vorgänger am Spielprinzip rein gar nichts geändert hat, ist mir alles schon bekannt, was jetzt kommt. Als erstes soll ich meinem Hund einen Namen geben. Ein bisschen einfallslos taufe ich ihn Scooby und rufe diesen Namen dreimal in das Mikrofon des Nintendo 3DS, bis der Kleine sich daran gewöhnt hat. Die Spracherkennung funktioniert wieder sehr gut und kommt auch bei Befehlen zum Einsatz. Als erstes bringe ich Scooby den Befehl „Sitz“ bei. Dafür ziehe ich den Stylus von oben nach unten über den Bildschirm und immer wenn sich der Shiba hinsetzt, rufe ich laut und deutlich „Sitz“ in das Mikrofon. Ich könnte auch „Suppenteller, „Heilig’s Blechle“ oder „Marihuana“ rufen, die Hauptsache ist, dass ich einen klaren Sprachbefehl einspeichere, auf den mein Hund nach einigen Wiederholgen reagieren kann. Scobby lernt schnell – er ist wohl wirklich so aufmerksam, wie er mir auf der Hundefarm beschrieben wurde.
Dass sich das Spielprinzip kein bisschen weiterentwickelt hat, enttäuscht mich ein bisschen. Der Neuheitseffekt, der den ersten Teil so auszeichnete, ist dieses Mal nicht gegeben, was Nintendo am besten durch mehr Tiefgang hätte kompensieren sollen. So gibt es nur einen 3D-Neuaufguss, der aber immerhin mit allen alten Stärken aufwartet. Zu der größten gehört dabei die intensive Interaktion mit den Hunden. Sie reagieren schließlich nicht nur auf eure Stimme, sondern können auch mit dem Stylus gestreichelt, getätschelt, gebadet oder gebürstet werden, was eine enge Bindung zum virtuellen Vierbeiner herstellt. Scooby bedankt sich für alle Aufmerksamkeiten, bellt begeistert und rollt sich zufrieden über den Boden. Stubenrein ist er wohl auch, bisher habe ich zumindest keine Pfütze entdeckt. Bevor es zu einem Unglück kommt, schnall ich meinen Hund aber lieber an die Leine, um mit ihm einen kleinen Spaziergang zu machen. Anders als noch auf dem Nintendo DS darf ich die Route nicht mehr selbst bestimmen, stattdessen geht es gerade Wege entlang, die durch verschiedene Landschaften führen. Richtig aufregend ist dieser Ausflug nicht. Der actionmäßige Höhepunkt ist da noch, dass Scooby sich auf einer Rasenfläche wälzt. Aber um Action geht es bei diesem Spiel wohl auch nicht, sondern um Entspannung und das Gefühl, sich um ein richtiges Haustier zu kümmern.
Neue Haustiere, frische Technik
Entspannung steht zwar im Vordergrund, Herausforderung fehlt aber dennoch nicht völlig. Drei Wettbewerbe warten nämlich auf mich und Scooby, in denen wir uns durch fünf Schwierigkeitsstufen kämpfen. Bei „Gehorsamkeit“ geht es lediglich darum, die Befehle vorzuführen, die mein Hund schon auf den Kasten hat. Dafür sollte schon ein bisschen trainiert worden sein, denn nur mit Sitz lässt sich hier wohl kein Preis gewinnen. Beim Disc-Wettbewerb räumt Scooby dann schon mehr ab. Die Arbeitsteilung funktioniert einwandfrei: Ich werfe die Frisbee und mein Schützling schnappt sie gekonnt in der Luft. Auch beim Coursing läuft es gut, bei dem ich meinen Hund durch einen Hindernissparcours lotse. Die Wettbewerbe sind für Kenner des Vorgängers kein Neuland und spielen sich genauso wie auf dem Nintendo DS. Auch hier hätten neue Ideen das Spiel sehr bereichert. Ein bisschen schade ist auch eine Beschränkung, wegen der jeder Wettbewerb mit einem Hund nur zweimal am Tag absolviert werden darf. Damit wollen die Entwickler wohl erreichen, dass ich mich nicht immer nur auf Scooby konzentriere und noch mehr Leben in mein Haus hole.
Nachdem ich in den Wettbewerben ordentlich Geld gewonnen habe, fahre ich also wieder zur Hundefarm, denn schließlich darf ich bis zu drei Haustiere halten, pflegen und trainieren. Nun sind aber auch Katzen zugänglich, sodass ich mich für einen Orientalischen Katzer entscheide. Wer als Katzen-Fan denkt, nun endlich auch voll auf seine Kosten zu kommen, wir aber vielleicht etwas enttäuscht. Das Spiel rückt eindeutig die Hunde in den Vordergrund, während die sechs Katzenrassen nur eine kleine Dreingabe sind. Die Katzen sehen zwar mindestens genauso süß aus wie die Kläffer und lassen sich streicheln, bürsten sowie liebhaben, ich kann ihnen aber keine Befehle beibringen, mit ihnen nicht an Turnieren teilnehmen und auch nicht mit ihnen vor die Tür gehen. „Hunde haben Besitzer, Katzen haben Personal“ heißt es oft und das trifft auch bei „NintenDogs + Cats“ zu. Daher darf ich die Katzen pflegen und versorgen, aber keine Leistung von ihnen verlangen. Und so liegt es an den Hunden, auf Turnieren Geld zu gewinnen, mit dem ich dann Futter, Spielzeug, Tierkostüme, Kratzbäume und auch einige Möbel kaufe.
Die Katzen bringen nicht wirklich neue Impulse in das Spiel, was sehr schade ist. Ich habe zwar viel Freude an meinen Haustieren und freue mich über die intensive Interaktion mit ihnen, doch ich hatte auf mehr gehofft als nur auf einen 3D-Aufguss. Wie schon beim Vorgänger fehlt einfach der Tiefgang, was dieses Mal nicht von einem Neuheitseffekt überspielt werden kann. Und da es unterm Strich nicht allzu viel zu tun gibt, ist es um die Langzeitmotivation sicherlich nicht gut gestellt. Nur Niedlichkeit kann eben nicht ewig begeistern. Zumindest demonstriert „NintenDogs + Cats“ als Launchtitel aber bereits beindruckend, was der Nintendo 3DS technisch auf den Kasten hat. Fehlerfreie Spracherkennung und Touchscreen-Interaktionen bin ich mittlerweile ja längst gewöhnt, nun kommen aber auch noch solche Besonderheiten wie die erweiterte Realität dazu. Lege ich eine AR-Karte neben mich, kann ich meine Haustiere in die Realität holen und Fotos davon machen, wie sie sich auf meinem Bett wälzen. Außerdem wird die StreetPass-Funktion unterstützt. Wenn ich meinen 3DS auf Standby schalte, empfange ich die Daten von an mir vorbeigehenden NintenDogs-Besitzern, die mir so Geschenke bescheren und zukünftig als Miis mitsamt ihrer Hunde auf meinen Spazier-Routen auftauchen. Gleichzeitig kommt auch der Schrittzähler zum Einsatz, sodass ich mit meinem Handheld gleichzeitig auch meinen Hund Gassi führe, der mir das dann später mit aufgestöberten Überraschungen dankt.
Eine große Erneuerung ist natürlich der 3D-Effekt, der von „NintenDogs + Cats“ sehr intensiv genutzt wird. Eure Wohnung und die Außenareale bieten eine beindruckende Tiefe. Meine ungeübten Augen fühlten sich ein bisschen müde an, als ich einige Minuten den 3D-Regler aufs Maximum gestellt hatte, weswegen Neulinge ihn am besten erst einmal auf die Mitte stellen. Aber auch so wirken die virtuellen Haustiere realistischer als je zuvor. Am deutlichsten wird das immer dann, wenn ein Hund nach vorne kommt und mein Gesicht abschleckt, wobei er dank der Kamera sogar meinen Bewegungen folgt. Dann sieht es wirklich so aus, als würde er seine Schnauze aus dem Bildschirm stecken. Auch hier leistet das Spiel gute Demonstrationsarbeit. Die Grafik an sich zeigt dabei auch einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem NDS-Vorgänger. Die Areale sind zwar in der Regel sehr klein und bieten nicht allzu viele Details, die Hunde sehen aber realtisch aus und bewegen sie auch so. Außerdem klingen sie auch natürlich, denn die Soundkulisse besteht hauptsächlich aus realistischem Bellen, Knurren und Kläffen, während Musik nur sehr rudimentär aus den Lautsprechern dudelt. Insgesamt kann „NintendoDogs +Cats“ technisch zeigen, dass eine neue Handheld-Generation angebrochen ist.
Sascha Geldermann meint...
Einmal mehr haben die NintenDogs mein Herz erobert – dieses Mal sogar mit Katzen im Schlepptau. Die Haustiersimulation vereint gekonnt die Stärken des Erstlings mit der beindruckenden Demonstration neuer technischer Möglichkeiten. Dabei versäumt es Nintendo auf Kosten der Langzeitmotivation aber leider, neben dem Bild auch dem Spielprinzip mehr Tiefe zu verleihen. Daher habe ich die Befürchtung, dass sich so mancher 3DS-Käufer während der Launch-Phase sehr von den virtuellen Vierbeinern begeistern lässt, sie in einigen Wochen aber auch schon wieder aussetzt.
Einmal mehr haben die NintenDogs mein Herz erobert – dieses Mal sogar mit Katzen im Schlepptau. Die Haustiersimulation vereint gekonnt die Stärken des Erstlings mit der beindruckenden Demonstration neuer technischer Möglichkeiten. Dabei versäumt es Nintendo auf Kosten der Langzeitmotivation aber leider, neben dem Bild auch dem Spielprinzip mehr Tiefe zu verleihen. Daher habe ich die Befürchtung, dass sich so mancher 3DS-Käufer während der Launch-Phase sehr von den virtuellen Vierbeinern begeistern lässt, sie in einigen Wochen aber auch schon wieder aussetzt.

GRAFIK
Hunde und Umgebungen sehen realistisch aus und profitieren vom 3D-Effekt.
Hunde und Umgebungen sehen realistisch aus und profitieren vom 3D-Effekt.

SOUND
Die Haustiere geben sehr natürliche Geräusche von sich, während die Musik sich eher zurückhält.
Die Haustiere geben sehr natürliche Geräusche von sich, während die Musik sich eher zurückhält.

BEDIENUNG
Interaktion wird hier großgeschrieben. Intensiver können Touchscreen und Mikrofon wohl nicht genutzt werden.
Interaktion wird hier großgeschrieben. Intensiver können Touchscreen und Mikrofon wohl nicht genutzt werden.

UMFANG
27 Hunderassen, Katzen, jede Menge Spielzeug und Wettbewerbe beschäftigen eine Weile, aber nicht auf Dauer.
27 Hunderassen, Katzen, jede Menge Spielzeug und Wettbewerbe beschäftigen eine Weile, aber nicht auf Dauer.
SPIELSPASS
Gelungener 3D-Aufguss der Haustiersimulation, der von den Möglichkeiten des 3DS profitiert, aber zu wenig für die Langzeitmotivation tut.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gelungener 3D-Aufguss der Haustiersimulation, der von den Möglichkeiten des 3DS profitiert, aber zu wenig für die Langzeitmotivation tut.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Simulation
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
25.03.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Simulation
Entwickler
Nintendo EAD
Publisher
Nintendo
Releasedatum
25.03.2011
USK-Freigabe

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