Pokémon Weiße Edition
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 14.03.2011
Japan am 27. Februar 1996: Nintendo liefert die ersten Pokémon-Spiele aus und beschränkt sich dabei auf gerade einmal 200.000 Exemplare. Mit einem großen Erfolg rechnet niemand. Die Gegenwart: 15 Jahre später zählt die Serie mit mehr als 200 Millionen Verkäufen zu den erfolgreichsten aller Zeiten. In diesem Jubiläumsjahr läutet Nintendo nun mit der Schwarzen und der Weißen Edition die fünfte Pokémon-Generation ein und lässt dabei nicht weniger als 649 Taschenmonster auf Nintendo DS-Besitzer los.
Eine neue Welt mit einer bekannten Geschichte
Wer sich jemals mit einem Pokémon-Spiel beschäftigt hat, erlebt jede Menge Déjà-vus. Wieder einmal empfängt euch ein Professor, um genau zu sein eine Professorin, um euch in die Welt der Pokémon einzuführen. Hier leben die Menschen in Harmonie mit Geschöpfen, die in allen nur erdenklichen Formen und Größen existieren. Nachdem ihr der Gelehrten euren Namen und euer Geschlecht genannt habt, schenkt diese euch euer erstes Pokémon, wobei ihr die Wahl zwischen einem Feuer-, einem Wasser- und einem Pflanzen-Wesen habt. Mit diesen schickt sie euch dann auf eine Reise durch die Einall-Region, um viele Pokémon zu fangen und so Daten für ihre Forschungen zu sammeln. Diesen Auftrag nehmt ihr gerne an, wollt ihr doch eh durch die Welt ziehen, um zum besten Trainer aller Zeiten aufzusteigen.
An der Geschichte hat sich also rein gar nichts geändert. Auch in den neuen Editionen zieht es euch zu den acht Arenaleitern des Landes, um euch dort Orden zu erkämpfen, die eure Eintrittskarte in die Pokémon-Liga sind. Dabei darf natürlich auch eine Verbrecherorganisation nicht fehlen, die sich dieses Mal Team Plasma nennt und sich angeblich zur Aufgabe gemacht hat, alle Pokémon aus der Knechtschaft der Menschen zu befreien. Unterschiede zu älteren Editionen liegen nur im Detail. So brechen in eurem Heimatdorf zeitgleich mit euch zur Abwechslung einmal keine Konkurrenten auf, sondern zwei sehr gute Freunde von euch, die ihr auf euren Reisen immer wieder trefft. Zwar kommt es auch mit diesen zu Duellen, doch anstatt erbitterter Rivalität steht dabei freundschaftlicher Wettkampf im Vordergrund.
Einall ist eine große Region und die bisher abwechslungsreichste der Reihe. Hier zieht ihr durch dichte Wälder und dunkle Höhlen, besucht idyllische Dörfer und Großstädte, in denen sich ein Hochhaus an der nächste reiht. Pokémon-Champion wird man nun einmal nicht über Nacht. Eine lange Reise liegt vor euch, die euch im richtigen Leben mindestens 40 Stunden mit in eine Welt voller Geheimnisse und Gefahren nimmt. Dabei trefft ihr jede Menge seltsame Gestalten, erkundet interessante Orte und stoßt natürlich auch auf zahlreiche Taschenmonster. Von den insgesamt 649 lassen sich im Spiel übrigens nur 450 fangen, während ihr die restlichen von älteren Pokémon-Edtionen empfangen müsst. Die neuen Versionen sind dabei mit allen bisherigen Pokémon-Editionen des Nintendo DS kompatibel, namentlich also „Diamant“, „Perl“, „Platin“, „HeartGold“ und „Soul Silver“.
Wie immer bieten die Schwarze und die Weiße Edition im Großen und Ganzen dieselben Inhalte und unterscheiden sich nur in einigen wenigen Punkten. So wartet jede der Versionen mit 20 Taschenmonstern auf, nach denen ihr in der jeweils anderen vergeblich sucht. Aber auch auf die Spielwelt hat eure Wahl Einfluss, die es unter anderem abhängig macht, ob ihr einen weißen Wald oder eine schwarze Stadt betreten dürft. Ein weiterer Unterschied lässt sich in der Stadt Twindrake City ausmachen. Während sie sich in der Weißen Edition als traditionelle Altstadt präsentiert, gestaltet sie sich in der Schwarzen sehr futuristisch. Wenn euch solche Details wichtig sind, solltet ihr also genau überlegen, für welche Version ihr euch entscheidet.
Fangen, Trainieren, Kämpfen
„Schnapp sie Dir alle“ lautet der Slogan der Serie, also kauft im nächsten Laden ein paar Pokébälle und geht auf die Jagd! Die Taschenmonster lauern in hohem Gras, durch das ihr stiefeln solltet, damit ihr plötzlich in einen Kampfbildschirm geschleudert werdet. Hier schickt ihr dann eure eigenen Wesen gegen den Angreifen in den Kampf. Wollt ihr ein Pokémon fangen, dürft ihr seine Lebensleiste aber nicht ganz leeren, sondern nur stark reduzieren, um es zu schwächen. Habt ihr das geschafft, müsst ihr nur noch einen Pokéball werfen und ein paar Sekunden bangen – und mit ein wenig Glück hat euer Team Zuwachs bekommen. Bis zu sechs Pokémon dürft ihr mit euch durch die Gegend schleppen. Habt ihr dieses Limit erreicht, werden gefangene Monster automatisch in einem Lagerungsystem abgelegt. In Pokémon-Centern könnt ihr dann eure Truppe nicht nur heilen lassen, sondern auch Wechsel vornehmen. Ein ausgewogenes Team ist dabei der Schlüssel zum Sieg, schließlich gehört jedes Monster einem bestimmten Element an, das über seine Chancen gegen andere Pokémon entscheidet. Grundsätzlich gilt immer noch dieses Prinzip: Wasser schlägt Feuer, Feuer schlägt Pflanze, Pflanze schlägt Wasser – nur dass es hier jede Menge Elemente und damit die Möglichkeiten zu komplexen Strategien gibt.
Fans habend das Fangen von Pokémon längst im Blut und auch in den Kämpfen werden sie ohne große Erklärungen bestehen. Geändert hat sich nämlich auch hier eigentlich nichts: Die Duelle mit anderen Trainern, Schurken oder wilden Pokémon laufen weiterhin rundenbasiert ab. Schickt ihr eines eurer maximal sechs Wesen in den Kampf, könnt ihr diesem Befehle erteilen. Jedes Pokémon verfügt dabei über bis zu vier Attacken, die zu unterschiedlichen Elementen gehören können und sich nur begrenzt einsetzen lassen. Die meisten davon richten direkten Schaden an, andere Erhöhen aber auch die eigenen Statuswerte, Schwächen die Kraft des Gegners oder bescheren dem Feind nervige Statusveränderungen wie Vergiftungen oder Paralyse. Statt eurem Pokémon Befehle zu erteilen, könnt ihr es aber auch gegen ein anderes Teammitglied wechseln, Items wie Heiltränke einsetzen oder im Kampf gegen wilde Wesen auch einfach nur panisch Flucht ergreifen. Wofür ihr euch auch entscheidet: Alle Befehle lassen sich bequem über den Touchscreen auswählen, sodass sich die Steuerung wieder sehr zugänglich gestaltet und keine Wünsche offen lässt.
Gewonnene Kämpfe bringen euch nicht nur Geld ein, sondern euren Pokémon auch Erfahrungspunkte. So steigen sie in ihrem Level auf, was bessere Attribute wie Verteidigung oder Genauigkeit und das Erlernen immer besserer Attacken zu Folge hat. Die Taschenmonster haben aber immer noch ein paar Probleme mit ihrem Erinnerungsvermögen, sodass sie sich auf gar keinen Fall mehr als vier Angriffe merken können. Im Zweifelsfall müssen also erst andere Attacken vergessen werden, damit stärkere dazukommen können. Die glücklichsten Momente eures Trainer-Daseins sind die, in denen sich eure Schützlinge entwickeln. Dabei wechseln sie ihre Gestalt und werden deutlich stärker. Es lebe die Evolution! Trainingserfolge lassen sich in den beiden neuen Editionen übrigens schneller erreichen als noch in den Vorgängern, was das ganze Spiel angenehmer und zugänglicher macht. Gegen ein bisschen Geld dürft ihr eure Schützlinge aber auch einfach in einer Pension abgeben, in der sich dann automatisch um sie gekümmert wird. Später könnt ihr sie dann gestärkt wieder abholen und wenn ihr Männlein und Weiblein einer Art in Obhut gegeben habt, wartet vielleicht auch ein Ei auf euch, aus dem nach einiger Zeit dann Zuwachs für eure Pokémonfamilie schlüpft.
Pokémon fangen und Arenaorden sammeln ist eine umfangreiche Aufgabe, die trotz eines eher lockeren Schwierigkeitsgrades gute Vorbereitung verlangt. Ihr solltet euch aber auch Zeit für andere Beschäftigungen nehmen, denn die Einall-Region hält einige interessante Angebote für euch bereit. So solltet ihr zumindest einmal in die Kampf-U-Bahn steigen, in der ihr euch von Gegner zu Gegner hangelt, um am Ende Belohnungen abzusahnen. Eure Pokémon werden es euch sicherlich auch danken, wenn sie sich nicht immer nur den ganzen Tag prügeln müssen, sondern einfach mal für ihr Aussehen bejubelt werden. Also seid kein Unmensch und besucht mit ihnen mal das Musiktheater, um sie dort ausgestattet mit Dekoartikeln auf die Bühne zu schicken. Vielleicht winkt ja sogar ein Preis, bevor es dann frisch motiviert wieder in den Kampf geht.
Evolution statt Revolution
Auch in der fünften Pokémon-Generation kann das Spielprinzip wieder sehr begeistern. Wer auch nur ansatzweise Sammelfieber entwickeln kann, wird auf der Jagd nach allen Pokémon Hunderte von Stunden in Einall verbringen. Die Welt fasziniert, das Spielprinzip motiviert und die Kämpfe machen mit ihrer perfekten Balance zwischen komplexen Möglichkeiten und angenehmer Zugänglichkeit wieder süchtig. Neulinge kann dieses Abenteuer garantiert begeistern. Fans hingegen werden das Neue und Frische vermissen. In den vergangenen 15 Jahren hat sich eine beachtliche Staubschicht gebildet, denn Spielprinzip und Story wiederholen sich im Großen und Ganzen immer wieder. Ist es denn wirklich so schwer, sich mal eine andere Geschichte auszudenken? Oder das Spielprinzip ordentlich zu revolutionieren? Was die Schwarze und die Weiße Edition bieten ist wahrlich keine Revolution, sondern nur Evolution - die zwar sehr gut gemacht ist, aber langsam einfach nicht mehr ausreicht.
Erneuerungen finden sich lediglich im Detail. So gibt es nun erstmals Kämpfe, in denen jeder Trainer drei Pokémon gleichzeitig einsetzt. Hier müssen einige Besonderheiten beachtet werden, beispielsweise dass ein ganz links stehendes Taschenmonster nicht den Gegnern ganz rechts erreichen kann. Darüber hinaus lassen sich hier sogar Attacken kombinieren, was nach ganz neuen Strategien verlangt und diese Art des Kämpfens somit sehr interessant macht. Eine Sondeform sind dabei Rotationskämpfe, bei denen ihr drei Pokémon genau wie euer Gegner auf eine Drehscheibe stellt. Nur das Wesen, das sich ganz vorn befindet, kann agieren. Die Scheibe lässt ich aber jederzeit drehen, was anders als ein Wechsel in normalen Kämpfen keine ganze Runde beansprucht. Wechseln und Angreifen sind hier also in einem Zug möglich, was wiederum neue Möglichkeiten mit sich bringt. Ebenfalls neu ist dunkles Gras, das an einigen Orten in Einall wächst und in dem ihr schon einmal von zwei Pokémon gleichzeitig angegriffen werdet. Wollt ihr eines davon fangen, müsst ihr das andere erst einmal besiegen.
Sinnvoll ausgebaut haben die Entwickler auf jeden Fall den Mehrspieler-Part, in dem ihr Kontakt mit bis zu vier anderen Spielern aufnehmt. Hier lassen sich dann Duelle austragen oder Pokémon tauschen. Dieses Mal sind dabei aber auch Voice- und sogar ein Video-Chat möglich. Solche Unterhaltungen werden aber nur mit Freunden zugelassen, während ihr internationale Zufallsbegegnungen zumindest in ein Adressbuch aufnehmen könnt, um den Kontakt zu würdigen Gegnern aus aller Welt zu halten. Zum ersten Mal dürfen Trainer nun aber auch zusammen in Missionen ziehen, wobei es sich um Mini-Aufgaben wie besondere Duelle oder das Finden versteckter Gegenstände handelt. Ein kooperatives Bestreiten des Hauptspiels ist weiterhin nicht möglich, aber auch so bietet der Mehrspieler- und Online-Part einen riesigen Umfang, mit dem das lange Hauptspiel sehr gut ergänzt wird.
Auch die Grafik des Spiels haben die Entwickler nicht ganz unangetastet gelassen. Zwar wäre kurz vor dem Ende der NDS-Ära durchaus mehr von Nintendo zu erwarten gewesen, dank einer Perspektive von schräg oben zeigt sich die Spielwelt nun aber zumindest auch einmal in 3D. Am deutlichsten wird das in Stratos City, wo sich imposante Hochhäuser bis in den Himmel erstrecken und die Kamera um das Geschehen rotiert. Trotz einfacher Gestaltung und stellenweise grober Pixel wirkt die ganze Welt nun lebendiger und auch die Kämpfe haben an Dynamik gewonnen. Die Pokémon erstarren in Kämpfen nun nicht mehr zu Salzsäulen, sondern bewegen sich ein bisschen, während sie ihren Gegnern hübsch animierte Elementarattacken entgegenschleudern. Zwar sind die Darstellungen immer noch sehr minimalistisch, dafür aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Und auch der Sound hat sich ein bisschen weiterentwickelt. Bekannte Klänge haben eine vorsichtige Modernisierung erfahren und vermischen sich nun mit ganz neuen und hübschen Melodien. Auch hier hat Nintendo also auf vorsichtige Evolution gesetzt – wahre Revolutionen, wie etwa eine Sprachausgabe, dürft ihr aber nicht erwarten.
Sascha Geldermann meint...
Ihr habt euch noch nie in ein Pokémon-Spiel gestürzt? Dann werden euch die neuen Editionen mit ihrer interessanten Welt, dem süchtig machenden Spielprinzip und dem riesigen Umfang Hunderte von Stunden begeistern. Auch ich als Fan habe die Reise durch Einall sehr genossen, der Funke wollte aber einfach nicht mehr vollends überspringen. Da Story und Spielprinzip nur im Detail verbessert wurden, hatte ich ständig das Gefühl, alles schon einmal – nein sogar mehrmals - erlebt zu haben. Nintendo muss die 15 Jahre lang gewachsene Staubschicht langsam mal mit frischen Ideen wegputzen, damit sich auch Kenner wieder von der wundersamen Welt der Pokémon faszinieren lassen können.
Ihr habt euch noch nie in ein Pokémon-Spiel gestürzt? Dann werden euch die neuen Editionen mit ihrer interessanten Welt, dem süchtig machenden Spielprinzip und dem riesigen Umfang Hunderte von Stunden begeistern. Auch ich als Fan habe die Reise durch Einall sehr genossen, der Funke wollte aber einfach nicht mehr vollends überspringen. Da Story und Spielprinzip nur im Detail verbessert wurden, hatte ich ständig das Gefühl, alles schon einmal – nein sogar mehrmals - erlebt zu haben. Nintendo muss die 15 Jahre lang gewachsene Staubschicht langsam mal mit frischen Ideen wegputzen, damit sich auch Kenner wieder von der wundersamen Welt der Pokémon faszinieren lassen können.

GRAFIK
Die Grafik hat sich leicht weiterentwickelt, bleibt aber hinter den Möglichkeiten des NDS zurück.
Die Grafik hat sich leicht weiterentwickelt, bleibt aber hinter den Möglichkeiten des NDS zurück.

SOUND
Vertraute Melodien treffen modernisiert auf schöne neue Stücke.
Vertraute Melodien treffen modernisiert auf schöne neue Stücke.

BEDIENUNG
Dank des Touchscreens habt ihr als Trainer alles im Griff.
Dank des Touchscreens habt ihr als Trainer alles im Griff.

UMFANG
Ein 40-stündiges Abenteuer, die Jagd nach 649 Pokémon und ein umfangreicher Mehrspieler-Part können Hunderte von Stunden beschäftigen.
Ein 40-stündiges Abenteuer, die Jagd nach 649 Pokémon und ein umfangreicher Mehrspieler-Part können Hunderte von Stunden beschäftigen.
SPIELSPASS
Schwarz und Weiß sind wieder fantastische Pokémon-Editionen mit Suchtgefahr - das Spielprinzip setzt aber langsam Staub an.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Schwarz und Weiß sind wieder fantastische Pokémon-Editionen mit Suchtgefahr - das Spielprinzip setzt aber langsam Staub an.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Rollenspiel
Entwickler
Game Freak
Publisher
Nintendo
Releasedatum
04.03.2011
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Rollenspiel
Entwickler
Game Freak
Publisher
Nintendo
Releasedatum
04.03.2011
USK-Freigabe

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