Ghost Trick: Phantom-Detektiv
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 03.02.2011
Der Auftragskiller zielt mit seiner Waffe auf die junge Frau. Wenn jetzt kein Wunder passiert, ist sie tot. Ihr seid der einzige, der sich in der Nähe befindet und eingreifen könnte. Da gibt es jedoch ein gravierendes Problem: Ihr wurdet bereits ermordet. – Aber so gravierend, wie es scheint, ist dieses Problem gar nicht. Denn augenblicklich stellt ihr fest, dass ihr auch als Geist noch Einfluss auf die Welt nehmen, die Umgebung manipulieren und weit mehr als nur das Schicksal dieser jungen Frau verändern könnt.
Mit dem Tod fängt alles an
„Ghost Trick: Phantom-Detektiv“ fesselt von der ersten Sekunde an. Euer eigener Tod ist ein interessanter Ausgangspunkt und es wird von euch sofort voller Einsatz verlangt. Nur ihr könnt die junge Frau retten. Gerade erst die Welt der Geister betreten, wisst ihr noch gar nicht, was gerade eigentlich passiert und welche Macht ihr überhaupt habt. Doch die Zeit drängt und so folgt ihr einfach der Stimme in eurem Kopf und übernehmt die Kontrolle über das nächste Objekt: eine Schranke. Dann wird euch eine weitere Fähigkeit bewusst: Ihr könnt die Gegenstände manipulieren, von denen ihr Besitz ergriffen habt. Ihr lasst die Schranke hochschnellen, der Killer schreckt zurück und die Frau rennt davon. Doch der bewaffnete Mann eilt ihr hinterher. Eure Aufgabe ist noch nicht zu Ende. Doch obwohl ihr alles in eurer Macht stehende versucht, gewinnt der Killer die Oberhand – und die Frau sinkt tödlich getroffen zu Boden.
Enttäuscht und verwirrt bleibt ihr zurück. Ihr seid tot, habt keine Erinnerungen an eure Vergangenheit und musstet gerade auch noch die Ermordung einer jungen Frau mit ansehen. Dann ertönt wieder die Stimme in euren Kopf und dieses Mal seht ihr sogar, wer da mit euch spricht. Eine offensichtlich von einem anderen Geist besessene Schreibtischlampe richtet das Wort an euch, um euch zu erklären, dass ihr etwas Besonderes seid, nur eine einzige Nacht zu existieren habt, die Wahrheit über eure Vergangenheit herausfinden müsst – und das Schicksal der jungen Frau noch retten könnt. Als Geist habt ihr nämlich eine ganze Reihe von besonderen Fähigkeiten. Erstens könnt ihr in die Geisterwelt wechseln, in der die Zeit still steht und ihr von unbelebten Objekten Besitz ergreifen dürft. Zweitens besitzt ihr auch die Gabe, übernommene Gegenstände zu manipulieren. Was aber vielleicht am Wichtigsten ist: Wenn ihr auf eine Leiche stoßt, ist es euch erlaubt, in der Zeit zurückzureisen: Und zwar zu dem Zeitpunkt vier Minuten vor dem Tod der betreffenden Person.
Natürlich zögert ihr keine Sekunde, diese Gabe einzusetzen, und landet ziemlich genau wieder am Anfang des Spiels. Doch dieses Mal seid ihr besser vorbereitet. Ihr schlüpft von Gegenstand zu Gegenstand, bis ihr zu einer riesigen Abrissbirne kommt. Mit euren Fähigkeiten löst ihr deren Halterung – und dem Killer bleibt nur noch ein verwunderter Blick nach oben, bevor ihn eure geisterhafte Vorstellung plättet. Die junge Frau ist erst einmal gerettet, doch das ist erst der spektakuläre Anfang eines Spiels, das erfrischend anders und fesselnd bis zur letzten Sekunde ist. „Ich will meine Geschichte erfahren. Die Geschichte meines Schicksal bis zum Tod“, schießt es euch durch den Kopf. Und der Weg bis zur Wahrheit führt euch durch 18 Kapitel, in denen sich eine der besten Geschichten entfaltet, die ihr auf den Nintendo DS erleben könnt. Der abgedrehten Thematik geschuldet ist sie nicht immer ernst und wartet mit einer guten Prise Humor und gnadenlos überzeichneten Charakteren auf. Aber sie ist auch bewegend und dramaturgisch hervorragend in Szene gesetzt. Die Geschehnisse werfen ungefähr so viele Fragen auf wie die Fernsehserie „Lost“ – nur dass im Unterschied dazu am Ende auch wirklich alle logisch aufgeklärt werden. Und eines sei jetzt schon gesagt: Das Ende mit seinen unvorhersehbaren Wendungen wird euch umhauen.
Die Tricks eines Geistes
Das Spiel läuft komplett in 2D ab und bietet genau genommen ein recht einfach gestricktes Spielprinzip. Neben den bereits genannten Gaben könnt ihr noch die Gedanken anderer Personen lesen und durch Telefonleitungen reisen – letztendlich sind eure Fähigkeiten aber überschaubar. Doch „Ghost Trick“ lässt sie euch über die rund 15 Stunden Spielzeit hinweg sehr abwechslungsreich einsetzen. Dabei müsst ihr euch auch den Grenzen eurer neuen Macht bewusst werden. So könnt ihr nur von einem Objekt zum anderen springen, wenn es sich direkt in der Nähe befindet. Um überhaupt voranzukommen, müsst ihr euch oft so einiges einfallen lassen. Wenn ihr nur eine Kühlschranktür zu öffnen habt, um näher an ein anderes Objekt zu kommen, ist das noch eines der leichteren Rätsel. Insgesamt sind die Aufgaben auf jeden Fall fordernd und vor allem sehr einfallsreich. Während ihr euch auf dem Touchscreen von Gegenstand zu Gegenstand bewegt, wir euch übrigens auf dem oberen Bildschirm gezeigt, in welcher Weise sich diese beeinflussen lassen. Schließlich sollt ihr ja gezielt planen und nicht einfach durch wahlloses Ausprobieren ans Ziel kommen. Ungeachtet dessen werdet ihr zwar hin und wieder durchaus ins Versuch-und-Irrtum-Verfahren verfallen, doch das schmälert den Spielspaß in keinster Weise.
In den Situationen, in denen ihr vier Minuten vor dem Tod einer Person ansetzt, habt ihr ein Zeitlimit im Nacken, das die Sache noch einmal spannender macht. In solchen Situationen solltet ihr planloses Herumprobieren auf jeden Fall mal sein lassen und euch gezielt überlegen, wie ihr erstens an den Zielort kommt und wie ihr dort zweitens das Schicksal der Zielperson ändern könnt. Insgesamt läuft das ganze Spielprinzip sehr linear ab, aber sowohl die innovativen Rätsel als auch die spannende Geschichte werden euch von Kapitel zu Kapitel treiben, ohne dass ihr auch nur einmal das Gefühl habt, dass sich das Spielprinzip abnutzt oder dass es ihm an Freiheit mangeln würde. Shu Takumi ist wieder einmal das gelungen, was er schon mit seiner „Ace Attorney“-Reihe geschafft hat: Er fesselt den Spieler mit einem einfachen Spielprinzip an den Bildschirm, indem er auf Einfallsreichtum, Abwechslung und das richtige Timing setzt.
Capcom leistet sich bei „Ghost Trick“ keine Schnitzer. Die Steuerung über den Stylus läuft einfallsfrei und auch das ausführliche aber nicht zu lang gezogene Tutorial trägt seinen Teil dazu bei, dass hier niemand überfordert sein wird. Was aber zuallererst auffällt, ist die fantastische 2D-Grafik. In jede Szene ist Liebe zum Detail zu entdecken und vor allem die überzeichneten Charaktere sind eine Augenweide, die ihr einfach in Bewegung gesehen habt müsst. Die Animationen laufen nämlich butterweich ab, wobei sich jede Figur auf ihre Weise bewegt und durch individuelle Gesten unverwechselbar wird. Zusätzlich aufgewertet wird das Spiel auch noch durch einen mit viel Sorgfalt komponierten Soundtrack, bei dem jedes Lied die Atmosphäre passend untermalt und sofort ins Ohr geht. Die Krönung wäre noch eine Sprachausgabe gewesen. Aber deren Fehlen ist ja auch fast schon wieder realistisch. Schließlich läuft die Kommunikation über Gedankenblasen ab und wie heißt es doch im Spiel: „Geister haben keine Stimme.“
Sascha Geldermann meint...
Ein solches Meisterwerk hatte ich nicht erwartet. Im Vorfeld kaum etwas über das Spiel wissend, hat es von der ersten Sekunde an Besitz von mir ergriffen. Ich weiß gar nicht genau, was mich am meisten gefesselt hat: Das erfrischende Spielprinzip, der immense Einfallsreichtum oder die verstrickte Geschichte voller Fragen und Wendungen. Aber eines steht fest: „Ghost Trick“ gehört zu den besten und spannendsten Spielen, die der Nintendo DS zu bieten hat.
Ein solches Meisterwerk hatte ich nicht erwartet. Im Vorfeld kaum etwas über das Spiel wissend, hat es von der ersten Sekunde an Besitz von mir ergriffen. Ich weiß gar nicht genau, was mich am meisten gefesselt hat: Das erfrischende Spielprinzip, der immense Einfallsreichtum oder die verstrickte Geschichte voller Fragen und Wendungen. Aber eines steht fest: „Ghost Trick“ gehört zu den besten und spannendsten Spielen, die der Nintendo DS zu bieten hat.

GRAFIK
Schauplätze voller Details, wundervoll überzeichnete Charaktere und fantastische Animationen machen die 2D-Grafik zu einer Augenweide.
Schauplätze voller Details, wundervoll überzeichnete Charaktere und fantastische Animationen machen die 2D-Grafik zu einer Augenweide.

SOUND
Dieser Soundtrack wurde von Meisterhand komponiert. Zur Perfektion fehlt aber noch eine Sprachausgabe.
Dieser Soundtrack wurde von Meisterhand komponiert. Zur Perfektion fehlt aber noch eine Sprachausgabe.

BEDIENUNG
Die Steuerung über den Stylus ist schnell verinnerlicht und geht gut von der Hand.
Die Steuerung über den Stylus ist schnell verinnerlicht und geht gut von der Hand.

UMFANG
Für einen zweiten Durchgang ist das Spiel vielleicht etwas zu linear, der erste schenkt euch aber 15 fesselnde Stunden, die ihr nicht verpasst haben wollt.
Für einen zweiten Durchgang ist das Spiel vielleicht etwas zu linear, der erste schenkt euch aber 15 fesselnde Stunden, die ihr nicht verpasst haben wollt.
SPIELSPASS
Spannend, clever und erfrischend anders – „Ghost Trick“ ist ein geistreiches Meisterwerk.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Spannend, clever und erfrischend anders – „Ghost Trick“ ist ein geistreiches Meisterwerk.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel