Emily Archer und der Fluch des Tutanchamun
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 04.01.2011
Ihr geschätzter Freund ermordet, die Schätze aus dem Grab des Tutanchamuns geraubt – viel dramatischer hätte der Empfang für Emily Archer in Ägypten nicht sein können. Nun liegt es an ihr, die Verbrechen aufzuklären, was ihr neben einem scharfen Verstand auch gute Augen abverlangt. Bei diesem Wimmelbild-Spiel durchsucht ihr schließlich Hotelzimmer, Gräber und Schatzkammern nach zahlreichen verlorenen Gegenständen.
Eine Frau sucht sich durch Ägypten
Ägypten 1922: Lord Carnarvon ist dabei, als das Grab des Tutanchamun geöffnet wird. Unermessliche Schätze können dort geborgen werden, darunter die Maske des Pharaos. Carnarvon lädt sofort seine alte Freundin Emily Archer ein, damit diese das Grab und die Schätze in Augenschein nehmen kann. Aber nach bevor Emily eintrifft, stirbt Carnarvon unter mysteriösen Umständen und die Maske verschwindet spurlos. Wurde ihr Freund vergiftet oder hat ihn der Fluch des Tutanchamun getroffen? Emily Archer nimmt 30 Orte unter die Lupe und fördert dabei zahlreiche Gegenstände zu Tage, die Licht in die mysteriösen Umständen bringt. Die Geschichte ist letztendlich nicht so spannend, wie es Thematik und Schauplatz versprechen, für ein Wimmebild-Spiel macht sie aber einen ausgezeichneten Job, da sie die einzelnen Szenen interessant miteinander verbindet.
Es gibt so einige Genres, die wie gemacht für den Nintendo DS mit seinem Touchscreen sind. Neben Strategie-Titeln und Point&Click-Adventures zählen dazu auch Wimmelbild-Spiele. Und so durften NDS-Besitzer schon bei „Mystery Case Files: MillionHeir“ das Verschwinden eines Millionärs und bei „Midnight Mysteries“ den Tod von Edgar-Allan Poe aufklären, indem sie verschwundene Objekte aufgespürt haben. Emily Archer wird ganz genau mit derselben Aufgabe konfrontiert, sodass auch hier Bilder warten, über die ihr mit wachsamen Augen scrollen solltet. In jeder Szene werden 15 Gegenstände gesucht, wovon auf dem oberen Bildschirm aber immer nur vier angezeigt werden. Habt ihr ein Objekt gefunden, erscheint der nächste Begriff, bis die Liste abgearbeitet ist und die Geschichte weitergeht. Solltet ihr einmal wirklich nicht weiterkommen, könnt ihr euch Gegenstände auch vom Spiel zeigen lassen. Diese Hinweise werden euch aber natürlich nur in beschränkter Zahl gewährt.
„Emily Archer und der Fluch des Tutanchamun“ bedient sich eines einfachen Spielprinzips, das eine Zeit lang wirklich Spaß macht. Leider wird aber allzu schnell deutlich, dass dieses Abenteuer der meisten Genre-Konkurrenz deutlich hinterherhinkt. So ist es ärgerlich, dass von den 15 gesuchten Gegenständen immer nur vier angezeigt werden, da das Spiel dadurch unnötig in die Länge gezogen wird. Wieso wird nicht gleich die ganze Liste präsentiert? Schade ist auch, dass im Gegensatz zu anderen Wimmelbild-Spielen keine Zoom-Funktion vorhanden ist. Diese wäre wirklich praktisch gewesen, zumal die Bildausschnitte etwas zu groß für den kleinen NDS-Bildschirm sind. Und damit der Ärgernisse noch nicht genug: Auch ein Strafsystem für wildes Herumgeklicke fehlt. So könnt ihr auch einfach wahllos mit dem Stylus auf dem Touchscreen herumstochern – irgendeinen gesuchten Gegenstand werdet ihr schon treffen. „Emily Archer und der Fluch des Tutanchamun“ hätte eigentlich irgendwelche Besonderheiten bieten müssen, um aus der Masse der Wimmebild-Spiele hervorzustechen – stattdessen macht es sogar vieles schlechter als andere Genre-Vertreter.
Verflucht seien Linkshänder
Immer nur nach Gegenständen zu suchen, wird auf Dauer schnell langweilig. Daher gehört es beim Wimmelbild-Genre längst zum guten Ton, das Spielprinzip immer wieder durch Minispiele aufzulockern. „Emily Archer und der Fluch des Tutanchamun“ macht da keine Ausnahme. So müsst ihr beispielsweise erst eine zerrissene Reservierung finden, um diese anschließend als Puzzle zusammenzusetzen. Im weiteren Verlauf der Geschichte gilt es unter anderem Schieberätsel zu lösen und Brettspiele zu bewältigen. Insgesamt warten 30 solcher Minispiele auf euch, die sich nach dem erstmaligen Lösen immer wieder spielen lassen. Die Auswahl ist dabei durchaus gelungen. Die Aufgaben sind zwar weder besonders einfallsreich noch übermäßig spannend, lockern das Suchgeschehen aber auf jeden Fall auf.
Die Steuerung über den Touchscreen funktioniert bei allen Minispielen sehr gut. Und auch beim Suchen macht die Bedienung keine Probleme – zumindest bei Rechtshändern. Linkshänder könnten Probleme beim Scrollen bekommen, läuft dieses doch über das Steuerkreuz ab, während der Stylus in der anderen Hand gehalten wird. Warum Linkshänder nicht über die Knöpfe scrollen können, ist vollkommen schleierhaft. Darum haben sich die Entwickler wohl einfach keine Gedanken gemacht. Immerhin ist das Scrollen auch mit dem Stylus möglich, was im Vergleich zur Steuerkreuz-Variante aber wesentlich unpräziser funktioniert.
Die Wimmelbilder an sich überzeugen auf ganzer Linie. Sie sehen hübsch aus und was besonders wichtig ist: Auf ihnen wimmelt es wirklich nur so vor Details. Ihr müsst euch schon konzentrieren, um Gegenstände nicht einfach zu übersehen. Das Ägypten-Setting macht das Ganze besonders interessant, da vor allem Wüstengräber und Schatzkammern sehr ergiebige Schauplätze für dieses Genre sind. So viel Mühe sich die Entwickler aber auch mit den Wimmelbilder gegeben haben, so sehr wurde auch die Präsentation vernachlässigt. Die Geschichte wird durch Standbilder vorangetrieben, in denen die Köpfe der sprechenden Personen eingeblendet werden. Dann ganze wird starr und trocken. Eine Sprachausgabe gibt es gar nicht, während die Musik zwar ganz nett, aber letztendlich auch so unspektakulär wie eintönig ist. Insgesamt wirkt die Präsentation also angestaubter als die Grabkammer von Tutanchamun.
Sascha Geldermann meint...
Für Wimmelbild-Spiele bin ich eigentlich immer zu haben, aber auch wenn Emily Archers Abenteuer nicht vollkommen misslungen ist, konnte es mich doch nicht begeistern. Das Genre ist auf dem Nintendo DS mittlerweile einfach so präsent, dass sich Wimmelbild-Spiele Besonderheiten einfallen lassen müssen, um nicht wie der tausendste Abklatsch früherer Titel zu wirken und sich von der Masse abzuheben. Das vermag die Jagd nach der Maske des Tutanchamuns aber auf keinster Weise. Stattdessen hinkt sie der Konkurrenz in vielen Punkten sogar hinterher und versinkt letztendlich im tückischen Treibsand der Mittelmäßigkeit.
Für Wimmelbild-Spiele bin ich eigentlich immer zu haben, aber auch wenn Emily Archers Abenteuer nicht vollkommen misslungen ist, konnte es mich doch nicht begeistern. Das Genre ist auf dem Nintendo DS mittlerweile einfach so präsent, dass sich Wimmelbild-Spiele Besonderheiten einfallen lassen müssen, um nicht wie der tausendste Abklatsch früherer Titel zu wirken und sich von der Masse abzuheben. Das vermag die Jagd nach der Maske des Tutanchamuns aber auf keinster Weise. Stattdessen hinkt sie der Konkurrenz in vielen Punkten sogar hinterher und versinkt letztendlich im tückischen Treibsand der Mittelmäßigkeit.

GRAFIK
Die Wimmelbilder sehen gut aus, die Präsentation ist aber so trocken wie Ägyptens Wüstensand.
Die Wimmelbilder sehen gut aus, die Präsentation ist aber so trocken wie Ägyptens Wüstensand.

SOUND
Die Musik ist keine Qual für die Ohren, leidet aber unter Eintönigkeit.
Die Musik ist keine Qual für die Ohren, leidet aber unter Eintönigkeit.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert für Rechtshänder einwandfrei, während Linkshänder Probleme beim Scrollen bekommen.
Die Steuerung funktioniert für Rechtshänder einwandfrei, während Linkshänder Probleme beim Scrollen bekommen.

UMFANG
Die 30 Schauplätze und 30 Minispiele fordern Emily nur wenige Stunden.
Die 30 Schauplätze und 30 Minispiele fordern Emily nur wenige Stunden.
SPIELSPASS
Dieses Wimmelbild-Spiel versinkt in der Mittelmäßigkeit
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dieses Wimmelbild-Spiel versinkt in der Mittelmäßigkeit
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel