Golden Sun: Die dunkle Dämmerung
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 25.12.2010
Eine wahre Odyssee war es, die die jungen Krieger von Vale in den ersten beiden Teile von „Golden Sun“ auf sich nahmen. Mit der Gabe der Psynergy und der Unterstützung mächtiger Dschinns gelang es ihnen dabei, die Goldene Sonne wieder erstrahlen zu lassen und die Alchemie, Macht der vier Elemente, wieder zurück in die Welt zu bringen. 30 Jahre sind seitdem vergangen und neue Gefahren bedrohen die Welt. Nun liegt es am Nachwuchs der damaligen Helden, drohendes Unheil abzuwenden.
Vales Erben
Als Isaac und seine Gefährten die Goldene Sonne wieder zum Leuchten brachten, schien mit der Alchemie auch wieder Frieden in die Welt einzukehren. Und in den letzten 30 Jahren ist Weyard tatsächlich wieder aufgeblüht. Doch die Goldene Sonne hat auch Zerstörung hinterlassen. Kontinente haben sich verschoben, Dörfer wurden zerstört und es tauchen immer mehr schwarze Wirbel auf, die die Psynergy, die Magie dieser Welt, aufsaugen. Viele Menschen rechnen schon mit dem Ende Weyards, doch der junge Nachwuchs der früheren Helden bricht auf, um ihren Eltern nacheifernd die Welt zu retten. Anführer der Gruppe ist dabei Isaacs 16-jähriger Sohn Matthew, der unter anderem von Garets Sohn Tyrell und Ivans Tochter Kiara unterstützt wird. Während diese Gruppe auf ihrer Weltrettungsmission durch Weyard reist, schließen sich ihnen noch andere Kämpfer an – darunter Mias Sohn Rief. Außerdem dürfen sich Fans auf viele andere alte Bekannte freuen, auch wenn diese meistens nur am Rande auftreten. Wer noch nie von „Isaac“, „Garet“, „Ivan“ und „Mia“ gehört hat, muss aber auch nicht verzweifeln. In den Dialogen werden solche Namen und besondere Begriffe stets rot hervorgehoben und können direkt in einer Enzyklopädie nachgeschlagen werden. Hier erfahren dann auch absolute Neulinge, dass Adepten die Elemente beherrschen können und auch alles andere Wissenswerte zum „Golden Sun“-Universum. Das haben die Entwickler wirklich clever gelöst.
Fans haben aber trotz der neuen 3D-Optik den Vorteil, sich sofort heimisch zu fühlen. Oder ist das eher ein Nachteil? Wer das Kampfsystem und den Einsatz der Psynergy schon aus den Vorgängern kennt, wird sich in der ersten Spielstunde nämlich sicherlich etwas langweiligen. Am Anfang vermitteln Isaac und Garet den jungen Helden nämlich erst einmal so einige Grundlagen, leihen ihnen die ersten Dschinns und stellen ihre Psynergy mit kleinen Hindernissen auf die Probe. Insgesamt ist dieses Tutorial recht gelungen auch mit einer unterhaltsamen Prise Humor gewürzt – aber auch einfach zu lang. Das gilt überhaupt für das ganze Spiel. Nicht nur relevante Dinge, sondern auch absolut nebensächliche werden oft in endlosen Dialogen unnötig lang ausgeführt. Dabei könnt ihr zwar mit einem von vier Smileys immer wieder eure Meinung zu Geschehnissen und dem Verhalten anderer Charaktere abgeben, aber das wirkt sich nur auf die direkten Antworten eurer Gesprächspartner und in keiner Wiese langfristig aus. Straffere Dialoge hätten dem Spannungsaufbau und der Geschichte auf jeden Fall gutgetan. Vor allem, da die Qualität der Story auch ganz unabhängig davon nicht an die der Vorgänger heranreicht.
Die Schwächen bei Story und Erzählweise sind aber schnell vergessen, wenn das Abenteuer erst einmal richtig losgeht. Die beiden „Golden Sun“-Teile sind Rollenspiel-Meisterwerke, deren Gameplay auch auf dem Nintendo DS wieder voll und ganz mitreißen kann. Gut, die Zufallskämpfe wirken etwas veraltet, sind dank einer sehr moderaten Häufigkeit aber auch nicht wirklich nervig. Ihr müsst zumindest keine Angst haben, wie bei vielen alten Rollenspielen alle paar Schritte in einen unsichtbaren Gegner zu rennen. „Die dunkle Dämmerung“ steht eben in der Tradition klassischer Genre-Vertreter, anstatt auf Innovation zu setzen. Aber das setzt das Rollenspiel auch in allen Bereichen mit Bravour um – egal ob es um das Erkunden der Oberwelt, die Rätsel in den Dungeons oder die rundenbasierten Kämpfe geht. In den rund 30 Stunden, die ihr in Weyard verbringt, werdet ihr nie Langeweile oder Frust verspüren.
Die Macht der Elemente
Dass mit dem Aufgang der Goldenen Sonne nicht nur die Welt gerettet, sondern auch neue Kontinente erschaffen und ganze Landstriche zerstört wurden, war für die Bewohner von Weyard vielleicht eine kleine Katastrophe, für Kenner der Vorgänger ist genau das aber ein Segen. So kehren sie nämlich nicht einfach in eine bereits bekannte Welt zurück, sondern in eine neue, in der allerdings auch viel Vertrautes das Fan-Herz höher schlagen lässt. Auf euren Reisen kommt ihr natürlich auch wieder in viele Dörfer und Städte, in denen ihr wichtige Informationen erhalten, euch ausruhen und natürlich auch fleißig einkaufen könnt. An gute Waffen und widerstandfähigen Rüstungen dürft ihr einfach nicht sparen, wenn ihr durch die Dungeons kommen wollt. Dort ist aber auch wieder Köpfen gefragt, setzt sich die „Golden Sun“-Reihe doch auch dem Nintendo DS wieder durch viele clevere Rätsel von den meisten anderen Rollenspielen ab.
Immer wieder stellen sich euch Hindernisse in den Weg, die meistens durch den gezielten Einsatz von Psynergy beseitigt werden müssen. Mit dieser psychischen Energie kann jeder der Adepten eines der vier Elemente Wasser, Feuer, Wind oder Erde beeinflussen. So werden Holzbarrikaden einfach niedergebrannt, Ranken zum Wachsen bewegt oder durch Telekinese riesige Blöcke verschoben. Aber auch andere Herausforderungen warten auf euch, darunter Schieberätsel und sogar kleine Sprungpassagen. Insgesamt müssen die Helden also einiges an Cleverness und Geschick mitbringen. Und auch ihre Psynergy-Punkte sollten sie im Auge behalten, die für den Einsatz dieser Magie eingesetzt werden müssen. Diese Punkte regenerieren sich aber mit der Zeit auch automatisch wieder und können an bestimmten Stellen auch auf einen Schlag wieder komplett hergestellt werden.
Psynergy kommt natürlich auch in den Kämpfen zum Einsatz, die wieder komplett rundenbasiert ablaufen. Feuer-Adepten schleudern ihren Gegnern dann Flammen entgegen, Erd-Zauberer lassen Steine regnen und Wasser-Befehlende spülen Bedrohungen einfach mit einer Welle weg. Ihr könnt eure vier aktiven Kämpfer aber natürlich auch einfach mit ihren Waffen angreifen lassen. Der Einsatz von Items, das Einnehmen von Verteidigungshaltung oder das Antreten der Flucht sind aber natürlich auch noch Optionen. Das Kampfsystem macht auf jeden Fall Spaß, auch wenn seit den Vorgängern daran fast nichts verändert wurde. Zumindest wechselt ein Kämpfer nun aber automatisch das Ziel, wenn vor seinem Zug ein anvisierter Feind schon kurzerhand von einem Gefährten erledigt wurde. Auf dem Game Boy Advance ist der Angriff in diesen Fällen ärgerlicherweise einfach verfallen, sodass die Entwickler das Kampfsystem zumindest im Detail verbessert haben. Außerdem sorgt der Touchscreen für eine einfachere Befehlseingabe – wenn ihr das wollt. Sowohl in den Kämpfen als auch auf der Oberwelt habt ihr nämlich die freie Wahl, ob ihr mit dem Stylus oder über die Knöpfe spielen wollt. Die Touchscreen-Steuerung ist ein bisschen komfortabler, letztendlich funktionieren aber beide Varianten auf ihre Weise sehr gut.
Alte Verbündete
In den Kämpfen lassen sich auch wieder mächtige Beschwörungen entfesseln – doch dafür braucht ihr erst einmal Dschinns. Diese Elementarwesen spielen auch in „Die Dunkle Dämmerung“ wieder eine große Rolle. Wenn ihr Weyard aufmerksam erforscht und euch von Hindernissen nicht abhalten lasst, könnt ihr bis zu 72 davon für eure Gruppe gewinnen. Manche schließen sich euch automatisch an, andere müsst ihr erst durch einen Kampf davon überzeugen, dass ihr dem Bündnis mit ihnen würdig seid. Die Dschinns gehören alle einem der vier Elemente an und können frei unter den Charakteren verteilt werden, was die Klasse eines Kämpfers verändert und damit großen Einfluss auf Attribute und Fähigkeiten hat. Die Wind-Adeptin Mia wird mit vier Erd-Dschinns beispielsweise zu einer Schamanin, während vier Wind-Wesen sie zu einer Geweihten machen. Ihr solltet einfach ein bisschen herumexperimentieren, um eine möglichst starke und ausgewogene Truppe zu erschaffen.
Durch die Dschinns und ihre Verteilung ergeben sich interessante taktische Möglichkeiten. Wer Lust hat, diese auszuschöpfen, kann sich Ewigkeiten damit beschäftigen. Unbedingt nötig ist das aber nicht. Der Schwierigkeitsgrad von „Die Dunkle Dämmerung“ ist nämlich sehr moderat ausgefallen. Selbst Genre-Neulinge werden nur selten in Schwitzen kommen, lassen sich die meisten Gegner doch problemlos besiegen. Und auch bei den Level-Aufstiegen macht es euch das Spiel einfach, da das Steigern der Attribute und das Erhalten neuer Fähigkeiten ganz automatisch ablaufen. Letzteres ist kein großes Problem, der niedrige Schwierigkeitsgrad wird Fans aber ein bisschen enttäuschen. Gefordert werdet ihr euch nämlich nur selten fühlen und es ist natürlich auch sehr schade, dass die eigentlich interessanten taktischen Möglichkeiten kaum Relevanz haben.
So seid ihr auch nicht unbedingt auf Beschwörungen angewiesen - auf die ihr in den Kämpfen aber dennoch garantiert nicht verzichten wollt. Denn durch sie kommt erst einmal richtig Action ins Spiel. Wenn ihr euch nicht mit Dschinns verbündet, sondern sie auf Abruf bereitstellt, könnt ihr mit ihrer Hilfe in den Kämpfen mächtige Gottheiten entfesseln. Mit einem Erd-Dschinn lässt sich so Venus herbeirufen, die einem eurer Gegner mächtig zusetzt. Mit vier solcher Elementarwesen entfesselt ihr sogar den viel mächtigeren Ramses, der gleich mit all euren Widersachern kurzen Prozess macht. Das Ganze lässt sich aber natürlich nicht beliebig oft durchziehen, müsst ihr den Dschinns doch auch eine gewisse Erholungszeit einräumen.
Die Beschwörungen sind nicht nur die Höhepunkte der Kämpfe, sondern auch optische Highlights. Jede Entfesslung wird schließlich von einer kurzen Sequenz in Szene gesetzt, die auf dem Nintendo DS in beeindruckendem 3D erstrahlen und von einem wahren Effekt-Gewitter begleitet werden. Auch ganz allgemein kann die Optik überzeugen. „Golden Sun“ hat den Sprung in die dritte Dimension gut überstanden und dabei nichts von seinem Stil oder Charme einbüssen müssen. Das Geschehen wird dabei immer von schräg oben gezeigt, ohne dass es jemals Kameraprobleme gäbe. Während die Oberwelt und die Kämpfe sehr gut aussehen, müssen sich die Charaktere aber ein wenig verstecken. Sie sind nämlich selbst für NDS-Verhältnisse etwas zu verpixelt. Schade ist außerdem, dass angelegte Ausrüstung keine optischen Auswirkungen hat.
Die Musik ist derweil über jeden Zweifel erhaben. Motoi Sakuraba hat wieder einen fantastischen Soundtrack komponiert, der jede Situation perfekt untermalt. Der Name Motoi Sakuraba sagt euch nichts? Das ist schade. Der Komponist hat sein Talent schließlich schon oftmals unter Beweis gestellt: nicht nur in den ersten beiden „Golden Sun“-Teilen, sondern auch bei den „Tales of“-Spielen, der „Star Ocean“-Reihe und „Baten Kaitos“. Da sind die einfachen Soundeffekte des Spiels für die Musik fast schon eine Beleidigung. Vor allem die unschöne Piep-Untermalung bei den Dialogen schmälert das Erlebnis eher als es zu bereichern. Da hätte Camelot doch lieber auf ganz stumme Gespräche setzen sollen. Eine richtige Sprachausgabe verlangt ja gar keiner - diese hätte bei der ungeheuren Masse an Dialogen eh die NDS-Cartridge gesprengt.
Sascha Geldermann meint...
Mächtige Psynergy, jede Menge Dschinns und spektakuläre Beschwörungen – „Die dunkle Dämmerung“ lässt „Golden Sun“ auch auf dem Nintendo DS wieder hell erstrahlen. Die Mischung aus cleveren Rätseln, fesselnden Kämpfen und spannender Erforschung gewürzt mit einem Schuss Retro-Flair konnte bei mir nicht nur die Erinnerung an die fantastischen Vorgänger wieder wachrufen, sondern ließ auch die alte Begeisterung wieder aufflammen. So sehr der erneute Reise durch Weyard aber auch überzeugen kann: Angesichts der schleppend erzählten Geschichte und der fehlenden Herausforderung muss ich mir auch als Fan eingestehen, dass die Goldene Sonne ein bisschen von ihrer früheren Leuchtkraft verloren hat.
Mächtige Psynergy, jede Menge Dschinns und spektakuläre Beschwörungen – „Die dunkle Dämmerung“ lässt „Golden Sun“ auch auf dem Nintendo DS wieder hell erstrahlen. Die Mischung aus cleveren Rätseln, fesselnden Kämpfen und spannender Erforschung gewürzt mit einem Schuss Retro-Flair konnte bei mir nicht nur die Erinnerung an die fantastischen Vorgänger wieder wachrufen, sondern ließ auch die alte Begeisterung wieder aufflammen. So sehr der erneute Reise durch Weyard aber auch überzeugen kann: Angesichts der schleppend erzählten Geschichte und der fehlenden Herausforderung muss ich mir auch als Fan eingestehen, dass die Goldene Sonne ein bisschen von ihrer früheren Leuchtkraft verloren hat.

GRAFIK
Vor allem bei den Beschwörungen kann die 3D-Optik beeindrucken. Die Charaktere sind aber etwas zu verpixelt.
Vor allem bei den Beschwörungen kann die 3D-Optik beeindrucken. Die Charaktere sind aber etwas zu verpixelt.

SOUND
Sakurabas Musik bezaubert einmal mehr, wird aber immer wieder von unschönen Soundeffekten übertönt.
Sakurabas Musik bezaubert einmal mehr, wird aber immer wieder von unschönen Soundeffekten übertönt.

BEDIENUNG
Egal ob Knöpfe oder Stylus: Die Steuerung funktioniert tadellos.
Egal ob Knöpfe oder Stylus: Die Steuerung funktioniert tadellos.

UMFANG
In den rund 30 Stunden könnt ihr viel erleben und 72 Dschinns ergattern.
In den rund 30 Stunden könnt ihr viel erleben und 72 Dschinns ergattern.
SPIELSPASS
Die Goldene Sonne überstrahlt die meisten anderen NDS-Rollenspiele, steht aber im Schatten der Vorgänger.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Die Goldene Sonne überstrahlt die meisten anderen NDS-Rollenspiele, steht aber im Schatten der Vorgänger.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel