Emergency 2012
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 21.12.2010
Ein Hurrikan zerstört den Eifelturm, das Matterhorn bricht über Zermatt zusammen, München versinkt im Schnee und in Berlin herrscht wegen monatelanger Hitze der Ausnahmezustand – „Emergency 2012“ macht euch in vier Katastrophenszenarien zum Einsatzleiter von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Könnt ihr halb Europa retten?
Europa im Ausnahmezustand
Interessant sind die außergewöhnlichen Szenarien auf jeden Fall, die jeweils vier Einsätze von euch verlangen. Eine richtige Story gibt es nicht, sondern lediglich eine kurze Besprechung vor jedem Einsatz. Dort erfahrt ihr, was passiert ist und was von euch verlangt wird. Dabei geht es meistens darum Brände zu löschen oder Verletzte zu retten, es wollen aber auch Fahrzeuge abgeschleppt oder Plünderer festgenommen werden. Dafür könnt ihr auf verschiedene Einheiten wie Feuerwehrmänner, Notärzte und Polizisten sowie auf Löschflugzeuge, Krankenwagen und eine ganze Reihe weiterer Fahrzeuge zurückgreifen – also auf so ziemlich alles, was der Ernst der Lage erfordert.
Euch stehen zwar viele Einheiten zur Verfügung, das Spielprinzip an sich ist aber eher einfach gestrickt. Es dreht sich alles darum, die Lage richtig einzuschätzen und schnell zu reagieren. Ohne eure Anweisungen bewegen sich die Einsatzkräfte dabei keinen Millimeter von der Stelle, sodass ihr ihnen besser schleunigst Befehle gebt. Dafür tippt ihr einfach eine Einheit an, woraufhin Symbole auftauchen, die für verschiedene Aktionen stehen. Klickt ihr bei einem Feuerwehrmann auf ein Feuerlöscher-Symbol, läuft dieser zum Wagen und rüstet sich damit aus. Dann tippt ihr ihn erneut an, wählt das Löschen-Icon und bestimmt dann noch die Stelle, an der der Feuerlöscher zum Einsatz kommt. So läuft das gesamte Spiel ab. Durch diese Befehle lasst ihr eure Männer erst Schläuche holen, diese dann an Hydranten anschließen und letztendlich große Feuer löschen. Oder ihr tippt bei einem Notarzt auf das Heilen-Symbol und klickt dann auf einen Verletzten. Sofort wird sich der Arzt in Bewegung setzen und mit der Behandlung beginnen. Auf dem oberen Bildschirm werden derweil gerade relevante Aktionen angezeigt, sodass ihr dort beispielsweise bei der Behandlung den Zustand des Verletzten seht.
Dieses Prinzip ist einfach zu erlernen, aber schwer zu meistern. Spätestens ab dem zweiten Szenario werden die Notfälle nämlich sehr komplex und fordern sehr zielsicheres und schnelles Handeln. Denn sollte euch einer der Verletzten wegsterben oder ein Brand vollends außer Kontrolle geraten, ist der Einsatz gescheitert und ihr müsst noch einmal von vorne beginnen. Gefordert fühlt ihr euch bei „Emergency 2012“ somit auf jeden Fall – aber leider nie richtig mitgerissen. So interessant die Szenarien auch sind, beim Aufbau von Spannung haben die Entwicklung auf ganzer Linie versagt. Das liegt schon allein daran, dass sich alle Einsatzkräfte sehr langsam bewegen. Egal ob sie zum Wagen gehen, um einen Schlauch zu holen, oder zu einem Verletzten geschickt werden: Sie schlendern ganz gemütlich zu ihrem Ziel, als hätten sie alle Zeit der Welt. Das wirkt nicht nur sehr unpassend, sondern macht das ganze Spielprinzip auch ziemlich zäh – zumal die Einheiten ohne eure Befehle eh nur nutzlos in der Gegend herumstehen. Desweiteren wird die Atmosphäre auch durch eine recht schlichte Präsentation und eine miese Soundkulisse deutlich getrübt. „Emergency 2012“ ist zwar ein forderndes und trotz seiner Zähheit auch ein recht unterhaltsames Spiel, aber einfach kein spannendes.
Katastrophen ohne Spannung
Die vier Szenarien mit jeweils vier Einsätzen werden euch nicht besonders lange fordern – innerhalb weniger Stunde ist halb Europa auch schon gerettet. Darüber hinaus hat das Spiel leider nichts zu bieten. Es gibt keinen Mehrspieler-Modus, keinen Editor, keine Online-Funktionen – schlichtweg überhaupt keine Modi mehr neben der Kampagne. Immerhin hat es eine Highscore-Liste ins Spiel geschafft. In der Theorie könntet ihr so die Einsätze immer wieder spielen, um eure Bewertungen zu verbessern und vielleicht auch die eine oder andere Medaille einzuheimsen. In der Praxis ist das Spielprinzip aber so zäh, das nur wenige Spieler Lust auf einen zweiten Durchgang haben werden. Zumal es auch keine handfesten Belohnungen in Form irgendwelcher Bonusinhalte gibt.
Die Steuerung funktioniert recht gut, läuft sie doch überwiegend über das Antippen von Symbolen ab. Die Symbole erklären sich dabei in der Regel auch von selbst. Das einzige Problem an der Sache: Auf dem kleinen Bildschirm des Nintendo DS sind nicht alle ganz genau zu erkennen. So müsst ihr im Zweifelsfall schon einmal einen Umweg über ein Info-Menü im Kauf nehmen, um überhaupt zu erfahren, welche Aktionen eine Einsatzkraft auf den Kasten hat. Das hätte sicherlich ein bisschen geschickter gelöst werden können. Doch mit der Zeit lernt ihr die Einheiten natürlich auch besser kennen, womit dieses Problem immer mehr in den Hintergrund tritt.
Die Präsentation des Spiels ist, wie schon angedeutet, recht schlicht ausgefallen. Das Geschehen wir dabei auch einer isometrischen Perspektive gezeigt, die Übersicht garantiert. Ihr könnt jederzeit über das Einsatzgebiet scrollen, um euch ein Bild von der Lage zu machen. Verschiedene Zoom-Stufen hätten den Grad der Übersicht aber sicherlich noch einmal deutlich gesteigert. Die Einheiten und Gebäude sehen ganz nett aus, die Umgebung wirkt aber recht starr. Wenn flammen in Ruhe vor sich hin lodern, die meisten Einsatzkräfte unbewegt in der Gegend herumstehen und vereinzelte Einheiten durch das Katastrophengebiet schlendern, wirkt das einfach nicht wie ein Notfall.
Der Sound zieht die Atmosphäre sogar noch ein Stück mehr nach unten. Es gibt zwar eine deutsche Sprachausgabe bei der Einsatzbesprechung und Einheiten antworten auf Befehle mit Kommentaren wie „in Ordnung“ oder „wird gemacht“, aber die Sprecher wirken dabei durchgehend recht gelangweilt. Vielleicht hat sie ja die Musik ein bisschen eingeschläfert. Die monotonen Klänge haben bei einem Spiel, das sich um Katastrophen dreht, nämlich eigentlich nichts verloren. Insgesamt gelingt es den Entwicklern somit nicht, die Szenarien glaubhaft oder gar spannend in Szene zu setzen.
Sascha Geldermann meint...
Ich habe Brände niedergeschlagen, Verletzte geborgen und letztendlich halb Europa vor dem Chaos gerettet. Dabei wurde ich zu jeder Zeit unterhaltsam gefordert – aber leider nie mitgerissen. Wenn der Eiffelturm zusammenbricht oder München im Schnee versinkt, sollte der Aufbau von Spannung eigentlich nicht allzu schwer sein. Bei „Emergency 2012“ scheitert aber genau das an einem unnötig zähen Spielablauf und einer trockener Präsentation.
Ich habe Brände niedergeschlagen, Verletzte geborgen und letztendlich halb Europa vor dem Chaos gerettet. Dabei wurde ich zu jeder Zeit unterhaltsam gefordert – aber leider nie mitgerissen. Wenn der Eiffelturm zusammenbricht oder München im Schnee versinkt, sollte der Aufbau von Spannung eigentlich nicht allzu schwer sein. Bei „Emergency 2012“ scheitert aber genau das an einem unnötig zähen Spielablauf und einer trockener Präsentation.

GRAFIK
Übersichtliche Darstellung, in den Katastrophengebieten wirkt aber alles viel zu starr.
Übersichtliche Darstellung, in den Katastrophengebieten wirkt aber alles viel zu starr.

SOUND
Gelangweilte Sprecher und monotone Klänge trüben die Atmosphäre.
Gelangweilte Sprecher und monotone Klänge trüben die Atmosphäre.

BEDIENUNG
Die Steuerung über die Symbole funktioniert gut, leider sind die Zeichen aber nicht alle klar erkennbar.
Die Steuerung über die Symbole funktioniert gut, leider sind die Zeichen aber nicht alle klar erkennbar.

UMFANG
Die vier Szenarien mit jeweils vier Einsätzen fordern euch einige Stunden, abseits davon wird aber nichts geboten.
Die vier Szenarien mit jeweils vier Einsätzen fordern euch einige Stunden, abseits davon wird aber nichts geboten.
SPIELSPASS
„Emergency 2012“ ist keine Katastrophe, die Entwickler haben in Sachen Spannungsaufbau aber so einiges anbrennen lassen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
„Emergency 2012“ ist keine Katastrophe, die Entwickler haben in Sachen Spannungsaufbau aber so einiges anbrennen lassen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel