Phineas und Ferb: Volle Fahrt!
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 18.12.2010
Der Bau eines Raketen-Skateboards oder die Reparatur eines Raumschiffs – Phineas und Ferb haben sich auch bei ihrem zweiten Nintendo DS-Auftritt ambitionierte Projekte vorgenommen. Und da bei diesem Spiel auch ihre misstrauische Schwester Candace, der Schnabeltier-Agent Perry und der verrückte Bösewicht Dr. Heinz Doofenschmirtz mitmischen, ist erneut jede Menge Chaos vorprogrammiert.
Zwei clevere Jungs und ihre Erfindungen
Das Spiel richtet sich an Fans der Zeichentrickserie, die in Deutschland auf SuperRTL ausgestrahlt wird. Die Personen und ihre Beweggründe werden daher nicht speziell eingeführt, was die ganze Sache für Nicht-Fans manchmal etwas unverständlich macht. Grundsätzlich solltet ihr wissen, dass sich Phineas Flynn und sein Stiefbruder Ferb Fletcher in den Sommerferien immer zu Tode langeweilen und sich daher verrückte Projekte wie den Bau einer Riesenachterbahn vornehmen. An Intelligenz mangelt es den beiden nicht, sie müssen aber immer aufpassen, bei ihren oft gefährlichen Vorhaben nicht von ihrer älteren Schwester Candace erwischt zu werden, die die beiden immer bei ihrer Mutter verpetzen möchte. Erfolg hatte Candace mit diesem Vorhaben aber noch nie, was hauptsächlich dem Schnabeltier Perry zu verdanken ist. Dieses Haustier ist in Wirklichkeit nämlich ein Geheimagent, das oft die bösartigen Pläne des verrückten Dr. Heinz Doofenschmirtz durchkreuzt und dabei ganz zufällig auch die Spuren von Phineas und Ferb verwischt.
Das Spiel ist in vier Missionen aufgeteilt, bei denen ihr jeweils in mehreren Levels nach Bauteilen für euer aktuelles Projekt sucht. Bei der ersten Mission geht es dabei um ein ultraschnelles Raketen-Skateboard, bei der zweiten dann um die Reparatur eines Raumschiffs. Das Spiel ist in 2.5D gehalten. Meistens geht es also von links nach rechts, an so einigen Stellen aber auch in die Tiefe. Zu einem guten Teil ist „Phineas und Ferb: Volle Fahrt“ dabei ein Jump’n’Run, da es immer wieder Sprungpassagen zu überstehen gilt. Für euer Vorankommen ist auch immer wieder der gezielte Einsatz eures Equipments wichtig, sodass ihr Abgründe mit einem Raketenrucksack überbrückt oder euch mit einem Bohrer störender Wände entledigt. Viele dieser Gegenstände können nur von einem der beiden Helden benutzt werden, sodass ihr immer wieder zwischen ihnen wechseln müsst. Das ist auch bei einigen Rätseln wichtig, beispielsweise wenn sich Ferb auf einen Schalter stellen muss, damit Phineas an ein bestimmtes Objekt kommt.
„Phineas und Ferb“ ist aber kein reines Jump’n‘-Run, sondern am besten als Adventure mit Geschicklichkeitsprüfungen, Sprungpassagen und sogar Racing-Einflüssen zu beschreiben. Ein Hauptelement ist dabei das Bauen. Die beiden Brüder basteln nämlich nicht nur an großen Projekten, sondern schrauben innerhalb der Levels auch immer wieder an kleineren Objekten herum. So manipulieren sie Trampolins so, dass diese sie problemlos auf Dächer katapultieren. Oder sie verwandeln Autos in schwebende Plattformen. Jedes Objekt verlangt für seinen Umbau aber eine bestimmte Anzahl an Schrauben von euch, die in den Levels verteilt liegen. Außerdem läuft das Werkeln nicht automatisch, sondern in Form von netten Minispielen ab. Dabei schlagt ihr unter anderem Nägel in Bretter oder wählt auf einem Fließband die passenden Bauteile aus. Bei diesen Geschicklichkeitsaufgaben wird auch der Touchscreen richtig beansprucht. Die Minispiele sind dabei vielleicht nicht besonders einfallsreich, machen aber durchweg Spaß.
Flüchten, Retten, Rasen
„Phineas und Ferb: Volle Fahrt“ kombiniert abwechslungsreiche Gameplay-Elemente gelungen miteinander, ohne dabei die Vorlage aus dem Auge zu verlieren. So werden die beiden beispielsweise immer von ihrer Schwester Candace beschattet, die immer misstrauischer wird, je mehr Gefahren sich die beiden aussetzen. Wenn ihr Misstrauen steigt, sinkt eine Anzeige auf dem oberen Bildschirm. Und ist diese ganz leer, beginnt die Candace-Jagd. Das ist eigentlich nichts anderes als eine abgewandelte Form von Pac-Man, bei der ihr mit Phineas und Ferb in einem Labyrinth alle Schrauben einsammeln müsst, ohne euch von deren Schwester erwischen zu lassen. Habt ihr das geschafft, geht das normale Spiel weiter. Auch diese Einlagen machen Spaß, damit ihr aber nicht ständig von euren Bauvorhaben abgehalten werdet, solltet ihr Candace am besten so oft wie möglich mit Kätzchen oder Kuchen ablenken. Beides könnt ihr an bestimmten Stellen durch Pusten in das Mikrofon erhalten.
Besonderen Unterhaltungswert haben die Levels, in denen ihr Perry übernehmt. Dient das Schnabeltier in den normalen Abschnitten nur als Speicherpunkt, offenbart es einmal in jeder Mission seine Identität als Geheimagent und nimmt den Kampf gegen Dr. Heinz Doofenschmirtz auf. Dieser hat nämlich auch auf dem Nintendo DS wieder idiotische Pläne wie die Verlangsamung aller Fast Food-Restaurants geschmiedet. Die Verbrechensbekämpfung bietet ein gelungenes Kontrastprogramm zum Rest des Spiels, tauchen hier doch ausnahmsweise auch Gegner auf, die etwas Action ins Spiel bringen.
Und es gibt noch mehr zu entdecken. So könnt ihr in den Levels Andenken sammeln und Zugänge zu geheimen 2D-Levels finden. Und auch jedes abgeschlossene Projekt bereichert das Gameplay um eine neue Facette. Habt ihr beispielsweise euer Raketen-Skateboard gebaut, könnt ihr mit diesem eine Rennstrecke unsicher machen und dabei nicht nur gegen KI-Konkurrenten antreten, sondern sogar gegen bis zu drei menschliche Mitspieler. Die Entwickler haben neben dem Multi-Karten- dafür sogar das Einzelkarten-Spiel integriert, sodass ihr auch gegen Freunde antreten könnt, die nicht im Besitz von „Phineas und Ferb: Volle Fahrt“ sind. Insgesamt hat das Spiel damit viel zu bieten, auch wenn es bereits nach wenigen Stunden vorbei ist.
Wie in der Zeichentrick-Serie
Der zweite NDS-Ausflug der beiden cleveren Brüder fängt die Atmosphäre der TV-Serie wieder sehr gut ein und richtet sich dabei auch an dieselbe relativ junge Zielgruppe. Das schlägt sich natürlich auch im Schwierigkeitsgrad des Spiels wieder, der sehr moderat gehalten ist. Sterben ist ganz und gar unmöglich. Wenn ihr es zu wild treibt, müsst ihr nichts anderes als die Candace-Jagd über euch ergehen lassen. Auch die Minispiele sind für das junge Publikum gut zu schaffen und lassen sich im Zweifelsfall unendlich oft wiederholen. „Phineas und Ferb: Volle Fahrt“ ist wie der Vorgänger definitiv wieder ein überdurchschnittliches Lizenzprodukt, mit dem Eltern ihre Kinder auch unbesorgt alleine lassen können. Das wird auch durch die ordentliche Steuerung unterstützt, die einfach zu erlernen ist und fehlerfrei funktioniert.
Die Präsentation wagt keine großen Experimente und greift gelungen den Stil der Zeichentrick-Serie auf. Unterm Strich ist die Grafik dabei eher einfach gehalten, alle bekannten Figuren und wichtigen Schauplätze der Serie wurden aber gut umgesetzt. Auch wenn sich Phineas und sein Stiefbruder hauptsächlich durch zwei Dimensionen bewegen, sorgen 3D-Hintergründe für ein Tiefenempfinden. Der Stil ist dabei bunt und abgedreht, genau wie Fans es gewohnt sind. Der Sound kann da leider nicht mithalten. Die Geräuschkulisse ist recht simpel und Sprachausgabe nur sehr wenig vorhanden, obwohl eine vollständige Vertonung bei einem Kinderspiel nicht unwichtig gewesen wäre. Außerdem wirkt die Musik recht eintönig, was so gar nicht zum abwechslungsreichen Gameplay passen will.
Sascha Geldermann meint...
Ich bin zwar kein Fan der Zeichentrick-Serie und gehöre auch nicht zur jungen Zielgruppe, dennoch konnten mich Phineas und Ferb auf dem Nintendo DS nun schon zum zweiten Mal gut unterhalten. Das Gameplay erfindet nichts neu, begeistert aber durch immensen Abwechslungsreichtum, dank dem sich „Volle Fahrt!“ deutlich von den meisten anderen Lizenzprodukten absetzen kann. Dabei wurde der Stil der Vorlage so gut eingefangen, dass ich beim Spielen immer das Gefühl hatte, mitten einer Folge der Serie zu stecken – und das ist ein verdammt unterhaltsames Gefühl.
Ich bin zwar kein Fan der Zeichentrick-Serie und gehöre auch nicht zur jungen Zielgruppe, dennoch konnten mich Phineas und Ferb auf dem Nintendo DS nun schon zum zweiten Mal gut unterhalten. Das Gameplay erfindet nichts neu, begeistert aber durch immensen Abwechslungsreichtum, dank dem sich „Volle Fahrt!“ deutlich von den meisten anderen Lizenzprodukten absetzen kann. Dabei wurde der Stil der Vorlage so gut eingefangen, dass ich beim Spielen immer das Gefühl hatte, mitten einer Folge der Serie zu stecken – und das ist ein verdammt unterhaltsames Gefühl.

GRAFIK
Der bunte und abgedrehte Stil der Zeichentrick-Serie wurde gut eingefangen, auch wenn die Grafik recht einfach gehalten ist.
Der bunte und abgedrehte Stil der Zeichentrick-Serie wurde gut eingefangen, auch wenn die Grafik recht einfach gehalten ist.

SOUND
Zu wenig Sprachausgabe und einseitige Musik machen den Sound zum schwächsten Teil des Spiels.
Zu wenig Sprachausgabe und einseitige Musik machen den Sound zum schwächsten Teil des Spiels.

BEDIENUNG
Die Steuerung ist leicht zu erlernen, funktioniert gut und wird das junge Publikum nicht überfordern.
Die Steuerung ist leicht zu erlernen, funktioniert gut und wird das junge Publikum nicht überfordern.

UMFANG
Das Spiel ist vollgetopft mit Ideen und Gameplay-Elementen, leider ist das Ganze aber auch nach ein paar Stunden schon vorbei.
Das Spiel ist vollgetopft mit Ideen und Gameplay-Elementen, leider ist das Ganze aber auch nach ein paar Stunden schon vorbei.
SPIELSPASS
Auch bei ihrem zweiten NDS-Auftritt können Phineas und Ferb ihre jungen Fans begeistern.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Auch bei ihrem zweiten NDS-Auftritt können Phineas und Ferb ihre jungen Fans begeistern.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel