Sonic Colours
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 04.12.2010
Vom hart kritisierten „Sonic und der Schwarze Ritter“ über das mittelmäßige „Sonic Unleashed“ bis hin zum hochgelobten „Sonic Rush“ – es ist ein Auf und Ab mit der Karriere des blauen Igels. Doch Sega gelobte Besserung und setzt mit „Sonic Colours“ nun wieder auf ein sehr klassisches Gameplay – aufgepeppt mit farbenfrohen Power-Ups.
Im intergalaktischen Freizeitpark
Dr. Eggman will seine Fehler wieder gutmachen. Als Entschädigung für all den Ärger der letzten Jahre baut er der Menschheit einen intergalaktischen Freizeitpark, der nichts anderes als Freue verbreiten soll. Kein Wunder, dass Sonic da misstrauisch wird und der Sache lieber einmal persönlich auf den Grund geht. Zusammen mit Tails rast er noch vor der Eröffnung zum Park und muss schnell feststellen, dass sein flaues Gefühl im Magen nicht unbegründet war. Denn Dr. Eggman hält in dem Park Aliens gefangen, denen er für seine finsteren Pläne Energie absaugt. Da Greenpeace im Weltall noch keine Außenstelle hat, muss der blaue Igel nun den Retter spielen und seinen Erzfeind einmal mehr aufhalten.
Wie in fast allen Teilen der Serie spielt die Geschichte auch bei „Sonic Colours“ wieder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Große Überraschungen gibt es nicht, dient die Story letztendlich doch nur dafür, die einzelnen Level miteinander zu verbinden. Das Setting im intergalaktischen Freizeitpark macht dabei eine Menge her, hatten die Entwickler dadurch doch sehr viel Freiheit bei der Gestaltung. So rast ihr mal durch ein Süßigkeitenland und dann wieder durch eine Unterwasser-Welt, wodurch Abwechslung schon einmal vorprogrammiert ist.
Insgesamt warten sechs Welten auf euch, in denen es jeweils zwei normale 2D-Levels im Oldschool-Design gibt. Hier rast ihr in einem unglaublichen Tempo dem Ziel entgegen, wobei ihr quasi im Vorbeirennen Gegner aus dem Weg räumt und natürlich Ringe einsammelt. Außerdem warten in jeder Welt auch ein Bosskampf und drei Missionen auf euch. Die Missionen sind für euer Vorankommen nicht wichtig, hier lassen sich aber Boni wie Artworks und Lieder freispielen. Gefordert ist hier meistens, eine bestimmte Anzahl an Gegner zu besiegen, schnell alle Ringe in dem Level zu sammeln oder das Ziel vor Ablauf eines Zeitlimits zu erreichen.
Ein blauer Igel und viele bunte Aliens
In 2D-Umgebung fühlt sich Sonic immer noch am wohlsten. Dabei versetzt er euch schnell in einen Tempo-Rausch, da die Action nur selten eine Pause macht und manchmal schneller abläuft, als ihr gucken könnt. Der blaue Igel rennt dabei durch Loopings, springt durch beide Bildschirme, rammt Gegner aus dem Weg und schraubt sich mit Wandsprüngen nach oben. Die mitreißende Geschwindigkeit lässt schon an sich keine Langeweile zu, dass die Levels auch noch ordentliche Abwechslung bieten, macht die Sache aber natürlich noch unterhaltsamer. Fans der alten Sonic-Spiele werden sich hier sofort heimisch fühlen. Grund zur Kritik bietet eigentlich nur der etwas unausgewogene Schwierigkeitsgrad. So sind die Levels unter Strich eher einfach, einige vereinzelte Stellen können den Igel aber auch immer wieder in den Tod und euch damit in den Wahnsinn treiben.
Aufgelockert wird das klassische 2D-Gameplay durch gelegentliche Ausflüge in die dritte Dimension. So steigt ihr beispielsweise auf einen Gleitdrachen, um kurzzeitig durch 3D-Lüfte zu Segeln und einen Ring nach dem anderen zu sammeln, bis ihr wieder sicher in 2D-Gefilden landet. Auch die Bosskämpfe sind in drei Dimensionen gehalten. Sie machen durchaus Spaß, sind aber nicht besonders fordernd. Meistens ist es einfach total offensichtlich, wie ihr sie besiegen könnt. Außerdem sind diese Kämpfe auch bei Weitem nicht so einfallsreich wie die Jump’n’Run-Levels, da sich die Lebensleiste der Obermotze in der Regel im Standard-Verfahren leeren lässt.
Im Grunde bietet dieses Spiel ein sehr klassisches Sonic-Vergnügen. Aufgepeppt wird dieses aber durch einen Haufen bunter Aliens, die nicht nur Farbe ins Spiel bringen, sondern auch spaßige Power-Ups. Diese Wisps genannten Wesen müssen in den Levels befreit werden und verleihen Sonic im Gegenzug mächtige Fähigkeiten. So sorgen weiße Aliens für einen Turboschub, während euch rote in Flammen hüllen. Mit orangefarbenen Wisps verwandelt ihr euch in eine Rakete, mit gelben in einen Bohrer und türkisfarbene in einen Laser. Diese Fähigkeiten müsst ihr natürlich immer wieder einsetzen, um Hindernisse aus dem Weg zu sprengen oder euch in neue Bereiche zu katapultieren. Die Aliens bringen auf jeden Fall noch einmal reichlich Abwechslung in das Abenteuer. Dabei schaffen die Power-Ups das Kunststück, sich nahtlos in das klassische Spielprinzip einzufügen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass es sich frisch und modern anfühlt.
Schnell vorbei
Das größte Problem an „Sonic Colours“ ist der geringe Umfang. Die sechs Welten mit jeweils zwei normalen Levels, einem Bosskampf und drei Missionen sind in wenigen Stunden durchgespielt. Immerhin gibt es aber einen gewissen Wiederspielwert, da ihr alle Levels immer wieder durchlaufen könnt, um eure Abschlusswertung zu verbessern. Sammelt ihr eine bestimmte Anzahl an Ringen, schalten sich außerdem Speziallevel frei, in denen ihr durch eine Halfpipe rast und farbige Kugeln aufsammelt. Zusätzlich gibt es auch noch einen Mehrspieler-Modus, in denen ihr vor eurem Gegner das Ziel eines Levels erreichen müsst. Beim Zeitangriff tretet ihr stattdessen gegen die Uhr an, wobei ihr eure Bestzeiten über die Wi-Fi Connection sogar mit dem Rest der Welt vergleichen dürft. Damit warten einige nette Extras auf euch, die das viel zu kurze Hauptabenteuer aber nur bedingt ausgleichen können.
Wird Sonic getroffen, verliert er eingesammelte Ringe. Kassiert er einen Treffer, während er keinen Ring in seinem Besitz hat, müsst ihr vorm letzten Kontrollpunkt noch einmal starten. Bei einem Sturz in einen bodenlosen Abgrund verliert ihr sogar sofort einen Versuch. Wenn es zu solchen Missgeschicken kommt, liegt das meistens an euren Reaktionen, manchmal an dem gelegentlich etwas unfairem Level-Design, aber nie an der Steuerung. Diese funktioniert einwandfrei – egal ob ihr euch in zwei oder drei Dimensionen bewegt, egal ob ihr durch Sprungpassagen rennt oder gegen einen Bossgegner kämpft und egal ob ihr einen Turbo-Boost aktiviert oder euch in eine Rakete verwandelt.
Technisch bewegt sich Sonic genau wie beim Gameplay zwischen Oldschool und Moderne. So ist die 2D-Grafik an sich eher einfach gehalten und auch der Sound übt sich in Schlichtheit. Gleichzeitig ist das Design aber auch hervorragend. Die Levels sind bunt, wurden abwechslungsreich gestaltet und bieten mehr Details, als ihr bei dem rasanten Tempo überhaupt wahrnehmen könnt. Besonders gut sehen die 3D-Passagen aus, in denen Sonic endgültig beweist, im Jahre 2010 angekommen zu sein. Und für den Sound gilt dasselbe. Schlichtheit hin oder her: bei den passend schnellen Musikstücken und vereinzelten Sprachsamples fühlt sich jeder Fan an die gute alte Zeit erinnert, an die Sonic bei diesem Spiel wieder anknüpft.
Sascha Geldermann meint...
So muss ein Sonic-Spiel aussehen! Der blaue Igel hat mich mit seiner wahnwitzigen Geschwindigkeit endlich mal wieder mitgerissen. Das Gameplay ist dabei klassisch gehalten, hält mit 3D-Ausflügen und mächtigen Power-Ups aber auch jede Menge Überraschungen und Abwechslung bereit. Mit dieser Mischung konnte mich Sonic so sehr überzeugen, wie schon lange nicht mehr. Nur schade, dass der Ausflug in den intergalaktischen Freizeitpark viel zu schnell vorbei ist.
So muss ein Sonic-Spiel aussehen! Der blaue Igel hat mich mit seiner wahnwitzigen Geschwindigkeit endlich mal wieder mitgerissen. Das Gameplay ist dabei klassisch gehalten, hält mit 3D-Ausflügen und mächtigen Power-Ups aber auch jede Menge Überraschungen und Abwechslung bereit. Mit dieser Mischung konnte mich Sonic so sehr überzeugen, wie schon lange nicht mehr. Nur schade, dass der Ausflug in den intergalaktischen Freizeitpark viel zu schnell vorbei ist.

GRAFIK
Farbenfrohe und abwechslungsreiche Levels ziehen in hohem Tempo an euch vorbei.
Farbenfrohe und abwechslungsreiche Levels ziehen in hohem Tempo an euch vorbei.

SOUND
Der Sound ist zwar schlicht, passt aber hervorragend zum Spielprinzip.
Der Sound ist zwar schlicht, passt aber hervorragend zum Spielprinzip.

BEDIENUNG
Wenn ihr versagt, liegt das meistens an eurem Reaktionsvermögen – aber nie an der Steuerung.
Wenn ihr versagt, liegt das meistens an eurem Reaktionsvermögen – aber nie an der Steuerung.

UMFANG
Das Hauptspiel ist viel zu kurz, was der Versus-Modus und die Boni nur bedingt ausgleichen können.
Das Hauptspiel ist viel zu kurz, was der Versus-Modus und die Boni nur bedingt ausgleichen können.
SPIELSPASS
Dieser Mix aus klassischem Gameplay und einfallsreichen Power-Ups funktioniert. Sonic ist eindeutig wieder in Form!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dieser Mix aus klassischem Gameplay und einfallsreichen Power-Ups funktioniert. Sonic ist eindeutig wieder in Form!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Jump 'n' Run
Entwickler
Sonic Team
Publisher
Sega
Releasedatum
12.11.2010
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Jump 'n' Run
Entwickler
Sonic Team
Publisher
Sega
Releasedatum
12.11.2010
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel