Die drei ???: Das Geheimnis der Toten
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 28.11.2010
Geister, Mumien, Vampire – seit 1964 der erste „Die drei ???“-Band erschien, bekommen es Justus Jonas (erster Detektiv) Peter Shaw (zweiter Detektiv) und Bob Andrews (Recherchen und Archiv) immer wieder mit mysteriösen Gestalten zu tun. Und auch bei ihrem neusten Fall ist mehr gefordert als normale Ermittlungsarbeit. Schließlich will hier „Das Geheimnis der Toten“ gelüftet werden.
Point&Click mit den drei ???
Telefonklingeln markiert den Anfang dieses Abenteuers. Inspektor Cotta ist am Apparat und zitiert die drei ??? auf der Stelle zum Polizeirevier von Rocky Beach. Dort erfahren die drei was los ist: In der vergangenen Nacht wurde ein Grab geschändet und Peters Auto wurde ganz in der Nähe gesehen. Zum Glück hat der zweite Detektiv ein Alibi. Und so fährt er mit seinen beiden Freunden nicht als Verdächtiger zum Friedhof, sondern als Ermittler. Was ist hier in der letzten Nacht vorgefallen? Um das herauszufinden müssen zahlreiche Rätsel gelöst und jede Menge Gespräche geführt werden.
Fans der Bücher und der Hörspiel-Serie fühlen sich sofort zuhause. Neben den bekannten Charakteren bekommen sie schließlich auch viele typische Orte vorgesetzt. Ausgangspunkt für alle Ermittlungen ist natürlich der Wohnwagen der drei ???, in dem auch ein Anrufbeantworter steht, den ihr immer wieder abhören solltet. Andere Schauplätze sind der Schrottplatz von Justus Onkel und Tante, die Kleinstadt Rocky Beach und natürlich der Friedhof. Ihr werdet oft zwischen diesen Schauplätzen wechseln müssen, wobei aber meistens ziemlich klar ist, wohin es als nächstes gehen sollte.
Im Herzen ist „Das Geheimnis der Toten“ ein Point&Click-Adventure. Bei vielen Rätseln geht es genretypisch darum, gefundene Gegenstände an der richtigen Stelle einzusetzen oder der richtigen Person vorzulegen. Die Steuerung über den Touchscreen funktioniert dabei einwandfrei, lässt sich das Inventar dort doch bequem mit dem Stylus verwalten. Richtig fordernd oder komplex werden die Rätsel aber leider nie. Schwierigkeitsgrad und comichafte Präsentation lassen vermuten, dass sich dieses Spiel an ein eher junges Publikum richtet. Die Zielgruppe wird`s freuen, während dieser Umstand für ältere Fans natürlich etwas schade ist.
Zähe Ermittlungen
Point&Click-Adventures leben nicht nur von Rätseln, sondern auch von zahlreichen Gesprächen. Diese sind auch das zentrale Element von „Das Geheimnis der Toten“. Die meiste Zeit werdet ihr mit Plaudereien oder Verhören verbringen, in denen ihr wichtige Informationen erhaltet, Denkaufgaben knacken müsst oder Überzeugungsarbeit zu leisten habt. Leider machen diese Gespräche alles andere als Spaß, da sie sich einfach viel zu zäh gestalten. Ihr klickt euch dabei durch endlose Textfenster und müsst alle paar Sekunden auf ein Touchscreen-Symbol klicken, um weiterzublättern. Bei Antwortmöglichkeiten haben alle drei Detektive einen Spruch parat, von denen ihr den passendsten auswählen müsst. Da zwei der drei Antwortmöglichkeiten in der Regel offensichtlicher Blödsinn sind, ist meist aber absolut klar, welche Wahl euch weiterbringt. Wählt ihr mal eine unpassende Antwort hat das aber auch keine negativen Effekte – abgesehen von noch mehr Textfenstern.
Dass ein „Die drei ???“-Spiel seine Dialoge nicht so sehr mit Humor würzen kann wie ein „Monkey Island“ oder „Ankh“ ist klar. Interessanter oder zumindest kürzer hätten die Gespräche aber auf jeden Fall sein müssen. So zäh wie sie sind, wird es nämlich selbst für Fans schwer, am Fall dranzubleiben – und das, obwohl die eigentliche Geschichte interessant ist. Dass die Präsentation mit Standbildern und fehlender Sprachausgabe bei den Dialogen auch noch staubtrocken ist, macht die Sache leider nicht besser.
Eine willkommene Abwechslung zu den Gesprächen sind Minispiele, die in die Handlung eingebunden sind, sich aber in einem speziellen Modus auch unabhängig davon immer wieder spielen lassen. Immer wieder werdet ihr sie allerdings nicht spielen wollen. Zwar machen sie deutlich mehr Spaß als die Dialoge, sind aber einfach nicht einfallsreich genug, um wirklich begeistern zu können. Ihr sortiert Schrottteile in die passenden Eimer, setzt Phantombilder zusammen oder löst Schiebepuzzle. Das sind kleine Spielereien, die einem in vielen Titeln vorgesetzt werden und gerade für erfahrene Spieler schnell an Reiz verlieren.
Die Entwickler haben sich für einen Comic-Stil entschieden, um der eher jungen Zielgruppe gerecht zu werden. Es wird wohl geteilte Meinungen darüber geben, ob Stil- und Zielgruppenwahl bei einem „Die drei ???“-Spiel mit gewohnt mystischer Geschichte richtig war. Ganz unabhängig davon, macht der Comic-Look aber auch einfach nicht viel her. Bei der Gestaltung der Charaktere haben sich die Entwickler zwar Mühe gegeben, die Standbilder mit minimalistischen Animationen sind aber extrem einfach gehalten. Sogar noch schlichter präsentiert sich der Sound. Eine Sprachausgabe fehlt komplett und an den meisten Schauplätzen auch noch die Musik. Stattdessen sind natürliche Geräusche wie das Ticken einer Uhr im Hintergrund zu hören, die teilweise zur Atmosphäre beitragen, eine musikalische Untermalung aber nicht ersetzen können. Wer „Die drei ???“ gut vertont haben will, kann aber natürlich auch einfachauf die Hörspiele zurückgreifen. Vorsichtshalber bietet das Spiel ein Archiv mit Kurzbeschreibungen aller gut 140 als CD oder Buch erhältlichen Fälle.
Sascha Geldermann meint...
Als Hörbuch hätte mir „Das Geheimnis der Toten“ sicherlich viel Freude bereitet. Die Geschichte ist nämlich wirklich spannend und passt hervorragend zu den drei ???. Doch leider wurde sie in einem Videospiel verpackt, das sich über weite Strecken so zäh spielt und so trocken präsentiert wird, das von der Spannung der Story nicht mehr viel übrig bleibt. „Wir übernehmen jeden Fall“, heißt es auf der Karte der drei ??? - gerade ältere Fans sind gut damit beraten, diesem Motto ausnahmsweise mal nicht zu folgen.
Als Hörbuch hätte mir „Das Geheimnis der Toten“ sicherlich viel Freude bereitet. Die Geschichte ist nämlich wirklich spannend und passt hervorragend zu den drei ???. Doch leider wurde sie in einem Videospiel verpackt, das sich über weite Strecken so zäh spielt und so trocken präsentiert wird, das von der Spannung der Story nicht mehr viel übrig bleibt. „Wir übernehmen jeden Fall“, heißt es auf der Karte der drei ??? - gerade ältere Fans sind gut damit beraten, diesem Motto ausnahmsweise mal nicht zu folgen.

GRAFIK
Comichafte Standbilder mit minimalistischen Animationen dominieren das Geschehen.
Comichafte Standbilder mit minimalistischen Animationen dominieren das Geschehen.

SOUND
Eine Sprachausgabe hätte den Dialogen sehr gutgetan und mehr Musik wäre auch nicht verkehrt gewesen. Stattdessen gibt es meistens aber nur natürliche Geräusche zu hören.
Eine Sprachausgabe hätte den Dialogen sehr gutgetan und mehr Musik wäre auch nicht verkehrt gewesen. Stattdessen gibt es meistens aber nur natürliche Geräusche zu hören.

BEDIENUNG
Die Rätsel und Minispiele lassen sich bequem mit dem Stylus steuern. Das ständige Geklicke bei den Dialogen nervt aber.
Die Rätsel und Minispiele lassen sich bequem mit dem Stylus steuern. Das ständige Geklicke bei den Dialogen nervt aber.

UMFANG
Der Umfang des Abenteuers geht in Ordnung und obendrein gibt es noch Kurzbeschreibungen zu allen rund 140 Hörspielen.
Der Umfang des Abenteuers geht in Ordnung und obendrein gibt es noch Kurzbeschreibungen zu allen rund 140 Hörspielen.
SPIELSPASS
Dieser Fall ist eine Mischung aus netten Rätseln, zähen Gesprächen und einfallslosen Minispielen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dieser Fall ist eine Mischung aus netten Rätseln, zähen Gesprächen und einfallslosen Minispielen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel