Midnight Mysteries: Die Edgar-Allan Poe Verschwörung
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 25.11.2010
Mord? Selbstmord? Cholera? Oder doch Diabetes? Es gibt eine Menge Theorien darüber, wie oder woran der US-amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe am 7. Oktober 1849 starb. In Wirklichkeit werden die Umstände seines Todes wohl nie endgültig geklärt. Beim Suchbild-Spiel „Midnight Mysteries“ hingegen deckt ihr geleitet von Poes Geist genau diese auf.
Suchbild-Spiel mit Horror-Flair
Ihr schlüpft in die Rolle eines Autors von Horrorgeschichten, der sehr unter einer Schreibblockade leidet. Da kommt es euch eigentlich gar nicht mal so unrecht, als der Geist von Edgar Allan Poe erscheint und euch darum bittet, seinen Tod aufzuklären. Geleitet von einem Raben sucht ihr von dann auf Friedhöfen und an anderen gruseligen Orten nach Hinweisen. Geschichte und Präsentation sind für ein Suchbild-Spiel auf jeden Fall erfrischend außergewöhnlich. Die Entwickler greifen Poes Schaffen als Horrorbuch-Autor auf und setzen mit schaurigen Schauplätzen, Raben und übernatürlichen Geschehnissen gelungen auf dessen Motive zurück.
Im Kern unterscheidet sich „Midnight Mysteries“ allerdings nicht von anderen Suchbild-Spielen. Ihr klappert also einen Schauplatz nach dem anderen ab und bekommt Listen mit Gegenständen vorgelegt. Begriffe wie „Fußabdruck“, „Gewehr“ oder „Bürste“ stehen darauf – als solltet ihr die 2D-Bilder genau nach diesen Objekten absuchen. Dabei scrollt ihr mit dem Stylus über das Suchbild oder lasst es euch im Übersichtsmodus als Ganzes anzeigen. Habt ihr einen der gesuchten Gegenstände gefunden, klickt ihr ihn einfach an und er wird von der Liste gestrichen. Ist eine Liste ganz abgearbeitet, geht es zum nächsten Ort – sprich zum nächsten Suchbild. Das Ganze ist ein bewährtes Prinzip, das auf dem Touchscreen sehr gut funktioniert.
Am Anfang werden noch alle gesuchten Objekte ganz normal benannt. Mit der Zeit nehmen die Beschreibungen aber immer mehr Kreuzworträtsel-Charakter an. Dann steht schon einmal „Freund der Gabel“ auf der Liste, wenn ein Löffel gesucht wird. Dass die Suchbilder allesamt vollgestopft mit vielen kleinen Details sind, erschwert die Sache zusätzlich. Zu schwer ist „Midnight Mysteries“ aber nicht – ganz im Gegenteil: Das Spiel ist sogar deutlich zu leicht. Das liegt zuallererst daran, dass ihr euch das Aussehen eines Gegenstandes auf dem oberen Bildschirm als Umriss anzeigen lassen könnt, wenn ihr den dazugehörigen Begriff auf der Liste antippt. Bei den Kreuzworträtsel-Formulierungen klappt das natürlich nicht, ist insgesamt aber dennoch eine riesige Hilfe. Dazu kommt, dass ihr auf einen Hinweisbutton klicken könnt, um direkt zu einem Objekt geführt zu werden und dieses nur noch anklicken zu müssen. Das wäre ja ein gutes System, wenn ihr für alle zehn gefundenen Objekte einen Hinweis bekommen würdet. Die Hinweis-Leiste füllt sich aber ganz von allein wieder auf – und das so schnell, dass ihr jede halbe Minute einen Gegenstand für euch finden lassen könnt.
Das wohl größte Problem ist aber, dass das Spiel lächerlich nachsichtig mit wildem Touchscreen-Getippe umgeht, bei dem ihr einfach planlos auf das Suchbild „einstechen“ und euch über jeden Zufallstreffer freuen könnt. Andere Suchbildspiele bestrafen jeden falschen Klick mit dem Abzug eines Lebens und lassen euch bei einem „Game Over“ noch einmal von vorne anfangen. „Midnight Mysteries“ geht dagegen sehr entspannt damit um. Erst wenn ihr ein gutes Dutzend Mal direkt hintereinander auf den Touchscreen getipppt habt, reagiert das Spiel – und zwar indem es die Anzeige der Gegenstandumrisse auf dem oberen Bildschirm für einige Sekunden sperrt. Das ist natürlich eher ein schlechter Witz als eine Bestrafung und dieser Umstand führt zusammen mit der Umriss-Anzeige und den Hinweisen dazu, dass von einer Herausforderung nicht wirklich viel zu spüren ist. Wären die Entwickler hier ein bisschen strenger gewesen, hätte das den Spielspaß um ein Vielfaches erhöht.
Abseits der Hinweis-Suche
Suchbild-Spiele sind von Natur aus nicht besonders abwechslungsreich, da ihr eigentlich die ganze Zeit dasselbe macht. Bei „Midnight Mysteries“ wurde dieses Problem erkannt, sodass zwischendurch immer wieder nette Minispiele das Such-Geschehen auflockern. Dabei geht es oft darum, gefundene Gegenstände einzusetzen. So sammelt ihr zuerst eine Bürste auf, um damit später den Dreck von einer Aufschrift zu entfernen und einen neuen Hinweis zu erhalten, der die Geschichte vorantreibt. An einer anderen Stelle müsst ihr zwei fast identische Bilder miteinander vergleichen und Unterschiede benennen. Oder ihr müsst eine Truppe von Leuten über einen Fluss bringen, wobei immer nur drei Personen auf das Boot passen, der Fährmann immer mitfährt, Jungen nie unbeaufsichtigt sein dürfen und Matrosen von einem Polizisten beaufsichtigt werden müssen. Halbwegs erfahrene Spieler werden dieses Rätsel natürlich schon in vielen Variationen kennen. In der Tat sind die Minispiele und Rätseleinlagen insgesamt nicht besonders einfallsreich, sie erfüllen ihren Zweck aber vollkommen und lockern das gesamte Spiel gelungen auf. Zumindest wird bis zum Ende des Spiels keine Langeweile aufkommen – was aber auch daran liegen könnte, dass ihr Poes Tod in nicht mehr als drei Stunden aufklärt. Der Umfang enttäuscht damit leider total, zumal es keine zusätzlichen Modi gibt und sich auf der Wiederspielwert sehr in Grenzen hält.
Die Steuerung funktioniert einwandfrei. Sowohl bei den Minispielen als auch bei den Suchbildern macht der Stylus einen fehlerfreien Job. Technisch präsentiert sich das Spiel währenddessen äußerst zweckmäßig. Die Bilder sind hübsch gestaltet und strotzen nur so vor Details, bei der Gestaltung hätte es aber noch Luft nach oben gegeben. Außerdem sind die Zwischensequenzen arg einfach gehalten. Für den Sound gilt dasselbe: Die Musik ist absolut unspektakulär und eine Sprachausgabe fehlt ganz, dafür passen die Klänge aber immer sehr gut und unterstützen zu jedem Zeitpunkt die Grusel-Stimmung, die dieses Suchbildspiel so außergewöhnlich macht.
Sascha Geldermann meint...
Endlich mal ein Suchbild-Spiel mit einer interessanten Geschichte und einer außergewöhnlichen Präsentation! So gut mir aber auch die Verpackung von „Midnight Mysteries“ gefallen hat, war ich vom eigentlichen Inhalt enttäuscht. Während Poes Tod in Wirklichkeit innerhalb von 160 Jahren nicht aufgeklärt werden konnte, schaffte ich das bei diesem Spiel in nicht einmal drei Stunden ohne mich besonders gefordert gefühlt zu haben.
Endlich mal ein Suchbild-Spiel mit einer interessanten Geschichte und einer außergewöhnlichen Präsentation! So gut mir aber auch die Verpackung von „Midnight Mysteries“ gefallen hat, war ich vom eigentlichen Inhalt enttäuscht. Während Poes Tod in Wirklichkeit innerhalb von 160 Jahren nicht aufgeklärt werden konnte, schaffte ich das bei diesem Spiel in nicht einmal drei Stunden ohne mich besonders gefordert gefühlt zu haben.

GRAFIK
Die Suchbilder sehen gut aus und strotzen nur so vor Details, insgesamt ist die Präsentation aber nur zweckmäßig.
Die Suchbilder sehen gut aus und strotzen nur so vor Details, insgesamt ist die Präsentation aber nur zweckmäßig.

SOUND
Trotz ihrer Einfachheit trägt die Musik gelungen zur Grusel-Stimmung bei – der aber auch eine Sprachausgabe gutgetan hätte.
Trotz ihrer Einfachheit trägt die Musik gelungen zur Grusel-Stimmung bei – der aber auch eine Sprachausgabe gutgetan hätte.

BEDIENUNG
Suchbild-Spiele funktionieren auf dem Touchscreen einwandfrei.
Suchbild-Spiele funktionieren auf dem Touchscreen einwandfrei.

UMFANG
Der Umfang enttäuscht. Nach gerade einmal drei Stunden ist Poes Tod aufgeklärt und zusätzliche Modi fehlen komplett.
Der Umfang enttäuscht. Nach gerade einmal drei Stunden ist Poes Tod aufgeklärt und zusätzliche Modi fehlen komplett.
SPIELSPASS
Außergewöhnlich präsentiertes Suchbild-Spiel, das aber zu kurz und zu leicht ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Außergewöhnlich präsentiertes Suchbild-Spiel, das aber zu kurz und zu leicht ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel