Tom Clancy’s H.A.W.X. 2
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 24.11.2010
Die Welt in der nahen Zukunft: Private Militärunternehmen haben längst die klassischen Armeen abgelöst und befinden sich seither im Krieg miteinander. Dabei geht es längst nicht mehr um Aufträge oder den Weltfrieden – es geht um Macht. Als Fliegerass Cole „Arrow“ Bowman treten wir der H.A.W.X.-Staffel bei und mischen die Lufträume dieser Welt auf – diesmal auch auf der Wii. Klappt das?
Über den Wolken...
Ja ich weiß, der Titel war vorhersehbar und ist kitschig. Aber es passt einfach. Gut, fangen wir an. Ubisoft brachte 2009 den ersten H.A.W.X.-Teil heraus, damals nur für PS3, Xbox und den PC. Diesmal hat auch die Wii ihren Ableger bekommen, allerdings wieder einmal nur mit Einschränkungen.Denn wie schon beim letzten Prince of Persia musste bei der Wii aus unerfindlichen Gründen wieder einmal alles anders gemacht werden, als bei der Next-Gen Variante. Über die Gründe weiß sicherlich nicht einmal Tom Clancy Bescheid – und der muss immerhin seit Jahren mit seinem guten Namen dafür herhalten. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass H.A.W.X. 2 ein schlechtes Spiel ist – bei weitem nicht.
Aber gehen wir geordnet an die Sache heran. Worum geht es bei den Luftkämpfen überhaupt? Wie schon erwähnt dreht sich die Geschichte um den jungen 1st Lt. Cole „Arrow“ Bowman (man was für ein Titel), kurz „Arrow“, der sich zu einer aussterbenden Art zählen darf. Denn das menschliche Können in der Luft wird immer mehr durch fliegende, unbemannte Drohnen ersetzt – wirtschaftlich rentabler. Als Rookie startet Arrow beim privaten Militärunternehmen DDI, nachdem er mit seinem Vater wegen „familiärer Probleme“ gebrochen hat. Doch sein Chef, der unsympathische Lt. Colonel Frank „Rainmaker“ Ostreger (schon wieder so ein Titel), kurz „Rainmaker“, wirkt nicht gerade so, als ob es ihm um den Frieden auf der Welt ginge. Als es Arrow bei der DDI zu bunt wird, flieht er und geht zur H.A.W.X.-Staffel, wo er auf seinen Vater und einige alte bekannte trifft.
Das grob zur Story, denn weitere Details möchte ich nicht verraten. Die übertrieben melodramatische Geschichte ist ohnehin schon sehr dünn gestrickt und vorhersehbar, zudem fehlt eine wirkliche Einführung. Die Zwischensequenzen sind in abstrakten Einzelbildern in Aquarelloptik gehalten – Gesichtszüge erkennt man nicht, genau so wie man einige male durchaus gucken muss, was man nun gerade wirklich vor sich hat. Zum Spiel selbst gibt es da schon etwas mehr zu sagen. Klar sollte sein, dass es sich bei H.A.W.X.2 um ein reines Dogfight Spiel handelt. Das heißt, wir befinden uns in der Luft und müssen nur eines: Ballern. Selten kommen Passagen, in denen wir einmal nicht gefühlte 20 Tonnen Munition durch die Luft schießen – und ganz ehrlich: das ist auch gut so!
Denn auch wenn es an diversen Stellen einiges zu bemängeln gibt, so macht H.A.W.X.2 auf der Wii mächtig Spaß und kann zumindest für einige Zeit gut unterhalten. Da wären zum einen die vielen verschiedenen Flugzeugtypen, die wir im Laufe der Kampagne fliegen. Von der klassischen Mig über einen dicken Bomber bis hin zum Kampfhelikopter – selbst einen Falken (Hawk auf Englisch) und ein Space Shuttle können wir steuern. Alle Flugzeuge sind übrigens lizenziert, es handelt sich also mehr oder weniger um Originalflieger.Zum anderen gibt es im Spiel, trotz der recht einfachen „Grundaufgabe“ (Ballern) auch genug Abwechslung, so fliegen wir zum Beispiel mit Nachtsichtgerät oder müssen dem Radar des Feindes ausweichen.
Auf dem Boden, in der Luft und auf dem Wasser...
…finden sich unsere Gegner. Denn im Spiel ballern wir nicht nur auf gegnerische Luftkämpfer, sondern greifen auch Bodeneinheiten, Basen oder Schiffe an. In vielen Missionen mischt sich das ganze, sodass wir immer genug zu tun haben. Übrigens sind die Fluggeräte in den einzelnen Missionen immer Vorgegeben, eine Auswahl, welches davon wir für die Mission nutzen wollen, gibt es nicht. Das bringt uns auch zu einem Manko des Missionsdesigns: die Flugzeugwahl ist nicht immer wirklich durchdacht und bei einigen Missionen haben die Entwickler merkbar versucht, den Schwierigkeitsgrad durch ein unpassendes Aerovehikel anzuheben. Warum sonst gibt es in einer Mission, in der Präzision beim Angreifen von Bodenstellungen gefragt ist, einen schnellen und wendigen Luftjäger und keinen langsamen und besser kontrollierbaren Helikopter?
Apropos Schnelligkeit, die können wir in zwei Stufen regeln. Es gibt den Nachbrenner, der unser Flugzeug schneller fliegen lässt, und die Bremse, die uns natürlich abbremst. Bei der Bremse müssen wir allerdings aufpassen, denn wenn wir sie zu lange gedrückt halten, gibt es einen Strömungsabriss und das Flugzeug stürzt ab – könnte man meinen. Doch sobald wir die Bremse wieder loslassen, selbst wenn wir uns im freien Fall befinden, fliegt sich der Luftbolide wieder ganz normal.
Generell darf man bei H.A.W.X.2 keine Simulation erwarten. Treibstoff und Munition sind endlos vorhanden, das Flugverhalten ist, wie grade schon beschrieben, sehr „benutzerfreundlich“ und die Waffen haben eine dezent erhöhte Durchschlagskraft.
Je nach Mission bekommen wir zudem andere Ansichten unseres Fliegers, die sich teilweise auch während der Mission selbst ändern können. Mal fliegen wir den Flieger in der ganz normalen Verfolgerperspektive, mal werden uns auch grob die Richtungen vorgegeben, während wir den Hindernissen (wie Felsenformationen etc.) ausweichen müssen. Das ganze bringt erheblich Abwechslung in den Spielablauf und macht zudem auch noch richtig Spaß.Einen wirklichen „Schauplatz“ für unsere Einsätze gibt es nicht. Scheinbar willkürlich wechseln wir zwischen Wüsten und Regenwäldern, Küsten und Bergregionen. Dabei sind die Bodentexturen allerdings „Real“, sie stammen von GeoEye, einer Firma für kommerzielle Satelitenaufnamen. Das ganze sieht aus der Luft dann auch wirklich gut aus, denn von oben wirkt alles wunderbar scharf. Kommt man dem Boden jedoch näher, stellt sich recht schnell eine Ernüchterung ein, denn die Satellitenbilder sind unscharf und teilweise sieht man sogar Ränder, wo eine Textur zur nächsten übergeht.
Zum Glück ist man in der Luft
Die Landschaften sind allesamt Steril. Es gibt keine Bäume oder nicht zur Mission gehörende Gebäude, praktisch könnte man sagen: die Spielwelt ist tot. Alles was im Spiel an Gebäuden vorkommt, hängt irgendwie mit unserer Mission zusammen, sei es die gegnerische Basis, Abwehrstellungen oder unser Hauptquartier.
Auch sind die Bodenobjekte nicht gerade Detailreich gestaltet – das müssen sie aber dann auch irgendwo nicht sein, denn die meiste Zeit feuern wir aus vollen Rohren auf... naja auf alles eigentlich. Und die Gebäude, denen wir dann auch einmal etwas näher kommen (bzw. die etwas größer sind) sehen dann auch ganz gut aus.
Der Hauptaugenmerk liegt dabei aber natürlich auf den Fluggeräten. Und die, egal ob Flieger, Helikopter oder Drohne, können sich sehen lassen. Oftmals sehen wir aber den Helikopter zum Beispiel nur von innen, wo das Cockpit einen etwas verpixelten Eindruck macht. Das Spiel ruckelt allerdings zu keiner Zeit, was bei den Effekten teilweise schon verwunderlich ist. Rauchschwaden, Explosionen (die richtig gut aussehen), Sonnenblendungen und natürlich die diversen Geschosse die durch die Luft rasen – das Spiel behält eine stabile Framerate bei.
Wo wir schon einmal bei der Technik sind, kommen wir noch zur Geräuschkulisse des Spieles. Prinzipiell gibt es hier nichts dran auszusetzen, wenn die Sprecher nicht so demotiviert wären. Einen abstürzenden Piloten, der dabei ist, sein Leben zu verlieren, stelle ich mir anders vor als ein gelangweiltes „Ich stürze ab...“, genau wie in einigen anderen Passagen. An der Musik kann man allerdings nichts aussetzen, während des Spieles bleibt sie Dezent – manchmal hört man sie sogar gar nicht. Und das Piepen des Raketensensors macht die Atmosphäre auch irgendwie vollständiger, auch wenn es nach einiger Zeit ziemlich nerven kann.Auch an der Steuerung gibt es eigentlich nichts zu bemängeln. Standardmäßig steuern wir mit dem Controlstick des Nunchuk den Flieger, während die Wii-Fernbedienung zum Zielen genutzt wird. Dies kann im kleinen Maße geändert werden, da wir auch die Neigungssensoren des Nunchuk nutzen können, um unser Luftfahrzeug zu manövrieren. Beides funktioniert ausgezeichnet, welche von beiden Steuerungsmethoden genutzt wird, ist Geschmackssache. Seltsam ist dabei allerdings, dass sämtliche Geschosse von „hinter dem Flugzeug“ kommen, anstatt aus den Gewehren und Raketenschächten des Fliegers.
Im Multiplayer bleibt das Spiel hinter den Erwartungen zurück. Wer sich darauf gefreut hatte, mit anderen Spielern online einen heißen Dogfight auszufechten, wird enttäuscht sein. Der Multiplayer beschränkt sich auf den auch im Spiel vorhandenen Scrollshooter, der allerdings richtig Spaß macht. Neben der Kampagne stehen uns zudem noch weitere Modi zur Verfügung: Beim „Überleben“-Modus kommen immer neue Gegnerwellen auf uns zu, bis wir nicht mehr können, der „Verfolger“ beinhaltet das Fliegen mit dem Falken über Schauplätzen aus dem Spiel und im „Schauplatz“-Modus können wir erneut gegen einen Gegner aus dem Spiel kämpfen. „Blick von Oben“ ist dabei der eben bezeichnete Scrollshooter. Bei diesem können übrigens 8 Spieler mitspielen, jeweils 4 an der Wii-Fernbedienung und 4 am Nunchuk. Und: es funktioniert!
Aljoscha Reuther meint...
Die H.A.W.X.-Serie macht mit H.A.W.X.2 eine gute Figur auf der Wii. Etwas unverständlich ist allerdings, warum die Wii wieder einmal ein anderes Spiel bekommt, als die „großen“ Konsolen und der PC. Was bei dieser alternativen Version bleibt, ist guter Spielspaß mit teilweise guter Grafik, dafür aber auch eine Geschichte, die nicht nur durch ihre unmotivierten Sprecher und den seltsamen Zwischensequenzen etwas fehl am Platze wirkt. Darüber können aber die Actionreichen Dogfights hinwegtrösten, auch wenn das Missionsdesign definitiv noch Feinschliff gebraucht hätte. Nächstes mal bitte das Original, und keinen Sidekick.
Die H.A.W.X.-Serie macht mit H.A.W.X.2 eine gute Figur auf der Wii. Etwas unverständlich ist allerdings, warum die Wii wieder einmal ein anderes Spiel bekommt, als die „großen“ Konsolen und der PC. Was bei dieser alternativen Version bleibt, ist guter Spielspaß mit teilweise guter Grafik, dafür aber auch eine Geschichte, die nicht nur durch ihre unmotivierten Sprecher und den seltsamen Zwischensequenzen etwas fehl am Platze wirkt. Darüber können aber die Actionreichen Dogfights hinwegtrösten, auch wenn das Missionsdesign definitiv noch Feinschliff gebraucht hätte. Nächstes mal bitte das Original, und keinen Sidekick.

GRAFIK
Aus der Luft sieht alles ganz gut aus, aber wenn man dem Boden zu nahe kommt, wirkt alles zermatscht und steril. Aber immerhin läuft das Spiel flüssig und die Flugzeuge und Helikopter können sich sehen lassen. Hässliche Zwischensequenzen.
Aus der Luft sieht alles ganz gut aus, aber wenn man dem Boden zu nahe kommt, wirkt alles zermatscht und steril. Aber immerhin läuft das Spiel flüssig und die Flugzeuge und Helikopter können sich sehen lassen. Hässliche Zwischensequenzen.

SOUND
Die gute Hintergrundmusik wird leider von den demotivierten Sprechern überschattet.
Die gute Hintergrundmusik wird leider von den demotivierten Sprechern überschattet.

BEDIENUNG
Bei der Bedienung gibt es nichts auszusetzen und das zielen per Wii-Fernbedienung beherrscht das Spiel perfekt.
Bei der Bedienung gibt es nichts auszusetzen und das zielen per Wii-Fernbedienung beherrscht das Spiel perfekt.

UMFANG
Die Kampagne des Spieles geht trotz dünner Story in Ordnung, aber das fehlen eines echten Multiplayers macht das Spiel nach einmaligem durchspielen uninteressant.
Die Kampagne des Spieles geht trotz dünner Story in Ordnung, aber das fehlen eines echten Multiplayers macht das Spiel nach einmaligem durchspielen uninteressant.
SPIELSPASS
Actionreiche Dogfights, jetzt auch für Wii
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Actionreiche Dogfights, jetzt auch für Wii
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action
Entwickler
Ubisoft Bukarest
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
11.11.2010
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action
Entwickler
Ubisoft Bukarest
Publisher
Ubisoft
Releasedatum
11.11.2010
USK-Freigabe

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