Tom Clancy's Ghost Recon
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 21.11.2010
Immer wenn es zu Kampfeinsätzen unter extremsten Bedingungen kommt, entsendet die United States Army die Ghosts. Zu dieser Spezialeinheit gehören die besten Soldaten des Landes, die es mit einer erdrückenden Übermacht an Feinden aufnehmen können. Mit Hibbard und Booth sind nun zwei neue Ghosts geboren, die auf Wii nicht nur Russland befreien, sondern auch das Rail-Shooter-Genre neu definieren wollen.
Dauerfeuer und Deckungssuche
Russland ist in die Hände von Ultranationalisten gefallen, deren Einfluss sich auch schon auf Norwegen ausweitet hat. Hibbard und Booth werden in ihrem ersten Ghost-Einsatz nach Moskau geschickt, um dort die Wurzel dieses Übels zu beseitigen – sprich einen Ultranationalisten nach dem anderen über den Haufen zu schießen. Viel weiter entwickelt sich die Geschichte des Spiels nicht mehr, die durch und durch vergessenswert ist. Aber die Story spielt bei Rail-Shootern ja auch nur selten eine große Rolle. Was zählt ist stattdessen das Szenario, das mit einer Großstadt voller schießwütiger Feinde beste Voraussetzungen für jede Menge Action bietet.
Im Grunde ist „Ghost Recon“ ein Rail-Shooter, bei dem ihr acht Stunden am Stück fast durchgehend auf Feinde feuert. Aber auch wenn Hibbard und Booth nur auf vorgegebenen Pfaden wandeln können, so haben sie doch noch einen Hauch von Bewegungsfreiheit. Die beiden rennen nämlich von Checkpoint zu Checkpoint – aber nur dann, wenn ihr auch den Befehl dazu gibt. So sucht ihr euch beispielsweise Schutz hinter einer Mauer und bekommt durch eine Markierung angezeigt, dass der nächste Checkpoint ein Auto in wenigen Metern Entfernung ist. Unbedachtes Losrennen ist allerdings eine dumme Idee. Schließlich wimmelt es nur so vor Feinden, die euch ohne Deckung innerhalb weniger Sekunden ins Nirwana pusten. So solltet ihr in der Deckung verharren und warten bis der feindliche Kugelhagel verebbt. Dann lehnt ihr euch kurz vor und gebt eine ganze Ladung gezielter Schüsse ab. Dann heißt es wieder in Deckung gehen, schießen und wieder Deckung suchen. Wenn kein Feind mehr steht, könnt ihr endlich den Befehl zur Bewegung geben. Dann rennen Hibbard und Booth zum nächsten Checkpoint und der eingängige Rhythmus aus Schießen und Deckungssuche beginnt von vorne.
Das Dauerfeuer und die Deckungssuche sind durchaus spannend, aber auch wenn die Dauer-Action fast schon berauschend wirkt, ist sie auf Dauer doch viel zu monoton. Manchmal habt ihr das Gefühl, ein und dieselbe Spielsituation immer und immer wieder zu erleben. Als wärt ihr Billy Murray in „Täglich grüßt das Murmeltier“, nur dass ihr ein und denselben Tag nicht in einer idyllischen US-Kleinstad durchmachen müsst, sondern im besetzten Moskau. Ein paar interessante Elemente gibt es schon. So steigt ihr manchmal in ein Vehikel, was mehr Dauerfeuer und weniger Deckungssuche bedeutet. Außerdem sammelt ihr auch Medi-Packs und Fokus-Symbole ein, wobei erstere Wunden heilen und letztere die Zeit für einige Sekunden verlangsamen. Aber insgesamt fehlen einfach abwechslungsreiche Situationen, Rätsel oder Wahlmöglichkeiten.
Ein großes Problem an der Sache sind auch die Feinde, die wir eine Klonarmee wirken. Es gibt nur wenige Gegnertypen und die Soldaten eines Typs sehen alle komplett gleich aus, sterben auf dieselbe Art und Weise und verhalten sich auch noch gleich – nämlich richtig dämlich. Taktisches Vorgehen ist bei den Ultranationalisten nicht zu entdecken, stattdessen rennen sie gelegentlich gerne freiwillig in eure Kugeln. Zum Ausgleich ist aber auch euer KI-Gefährte sicherlich nicht ganz ohne Vitamin-B in die Ghost-Einheit gekommen. Er handelt manchmal etwas unbedacht und wenn es mal zu einem „Game Over kommt“, so ist es meistens nicht eure Schuld, sondern seine. Die Spannung lässt so immer weiter nach und Langeweile macht sie breit, wo eigentlich ein Adrenalinstoß den anderen jagen sollte.
Zwei Ghosts in einer unbeteiligten Stadt
Wer die Kraft dazu hat, kann sich durch ganze 30 Missionen in zwölf Levels schießen, die mindestens acht Stunden lang beschäftigen. Gameplaytechnisch hat „Ghost Recon“ zwar nicht viel zu bieten, der Umfang geht für einen Rail-Shooter aber absolut in Ordnung. Schließlich gibt es auch noch einen Arkade-Modus, bei dem zwei Spieler zusammenarbeiten können. Wenn das Spiel mal richtig Spaß macht, dann im kooperativen Modus. Denn wenn ihr euch gegenseitig Deckung gibt, euch heilt und gemeinsam von Checkpoint zu Checkpoint hastet, kommt zeitweise eine Spannung auf, von der Einzelspieler nur träumen können. Schade, dass sich Ergebnisse zwar in einer Online-Rangliste verewigen lassen, das kooperative Spiel aber nur offline möglich ist. Dasselbe gilt für den Versus-Modus, in dem zwei Spieler zu verbitterten Feinden werden. Mit den fehlenden Online-Modi verschenkt „Ghost Recon“ einmal mehr jede Menge Potenzial.
In Sachen Steuerung macht das Spiel sehr viel richtig. Mit Remote und Nunchuk oder am besten gleich dem Zapper schießt ihr euch ohne jeden Kontrollverlust durch das besetzte Moskau. Zielen funktioniert einwandfrei, Befehle werden sofort umgesetzt und selbst der Waffenwechsel geht über den Analog-Stick sehr bequem von der Hand. Zum Nachladen müsst ihr neben den Bildschirm zielen und dann den B-Knopf drücken, als wolltet ihr schießen. Auch das macht keine Probleme. Geschüttelt wird währenddessen nur für einige einzige Aktion: Damit könnt ihr nämlich auf eurem Weg zum nächsten Checkpoint über den Boden rutschen, um den Kugeln plötzlich auftauchender Feinde zu entgehen. Vorwerfen lässt sich der Bedienung nicht viel, außer vielleicht, dass es kaum Optionen gibt. Bei der überschaubaren Anzahl an Aktionen wäre eine einhändige Steuerung sicherlich nicht unmöglich gewesen.
Grafisch bewegt sich „Ghost Recon“ in der totalen Mittelmäßigkeit. Am besten sehen da noch Hibbard und Booth aus, die ordentliche Charaktermodelle besitzen und sich mit weichen Animationen von Checkpoint zu Checkpoint bewegen. Löblich ist außerdem die durchweg stabile Framerate, die sich auch von den heftigsten Feuergefechten nicht beeindrucken lässt. Aber was ist nur mit der Umgebung los? Ist Moskau wirklich so trist und leer? Und wieso lässt sich kaum mit der Umwelt mit der interagieren? Nachdem „Resident Evil: The Darkside Chronicles“ gerade erst gezeigt hat, wie sich die Zerstörung der Umgebung zu einem interessanten Gameplay-Element ausbauen lässt, macht sich „Ghost Recon“ in diesem Punkt richtig lächerlich. Autos explodieren wenigstens noch, wenn auf sie geschossen wird. Aber schießt ihr auf Mauern, erscheinen da nur kleine schwarze Punkte, die wohl Einschusslöcher darstellen sollen und nach wenigen Sekunden wieder verschwinden. Und viele andere Objekte reagieren gar nicht auf euren Kugelhagel. Selbst Fensterscheiben bleiben vollkommen unbeeindruckt anstatt zu zerspringen. Haben etwa alle Häuser im Moskau kugelsicheres Fensterglas?
„Lade nach“, diese zwei Worte werden sich bereits nach den ersten fünf Minuten in euer Gedächtnis brennen und euch bis zum Ende begleiten. Genau diese Äußerung geben die Ghosts nämlich wirklich bei jedem verdammten Nachladen von sich – und das geschieht alle paar Sekunden. Am besten ist es vielleicht, den Sound ganz auszuschalten. Dieser hat nämlich nicht besonders viel zu bieten. Die Techno-Musik im Hintergrund ist beeindruckend undspektakulär und manche der deutschen Sprecher klingen so unpassend gelangweilt, als hätten sie während der Tonaufnahme selbst „Ghost Recon“ spielen müssen.
Sascha Geldermann meint...
Als die ersten Kugeln fliegen und ich auf Deckungssuche von Checkpoint zu Checkpoint haste, scheinen Hibbard und Booth der berühmten Ghost-Einheit würdig. Doch dann geht bei dieser Mission so ziemlich alles schief: Die anfangs spannenden Feuergefechte versinken in Monotonie, der Feind entpuppt sich als unfähig und nicht einmal die Umgebung scheint Lust zu haben, an diesem Desaster teilhaben zu wollen. Das Checkpoint-System ist zwar eine interessante Neuinterpretation des Rail-Shooter-Genres und hat vor allem im kooperativen Modus durchaus seinen Reiz, aber bei „Ghost Recon“ wird mehr Potenzial verschenkt als Kugeln verschossen.
Als die ersten Kugeln fliegen und ich auf Deckungssuche von Checkpoint zu Checkpoint haste, scheinen Hibbard und Booth der berühmten Ghost-Einheit würdig. Doch dann geht bei dieser Mission so ziemlich alles schief: Die anfangs spannenden Feuergefechte versinken in Monotonie, der Feind entpuppt sich als unfähig und nicht einmal die Umgebung scheint Lust zu haben, an diesem Desaster teilhaben zu wollen. Das Checkpoint-System ist zwar eine interessante Neuinterpretation des Rail-Shooter-Genres und hat vor allem im kooperativen Modus durchaus seinen Reiz, aber bei „Ghost Recon“ wird mehr Potenzial verschenkt als Kugeln verschossen.

GRAFIK
Die Charaktermodelle sehen noch gut aus, aber die Umgebung enttäuscht auf ganzer Linie.
Die Charaktermodelle sehen noch gut aus, aber die Umgebung enttäuscht auf ganzer Linie.

SOUND
Der „Lade nach“-Ausruf im Sekundentakt verleitet zum Ausschalten des Tons - und die unspektakuläre Musik sowie die gelangweilten Sprecher bieten in dieser Hinsicht keine Gegenargumente.
Der „Lade nach“-Ausruf im Sekundentakt verleitet zum Ausschalten des Tons - und die unspektakuläre Musik sowie die gelangweilten Sprecher bieten in dieser Hinsicht keine Gegenargumente.

BEDIENUNG
Bei einem Rail-Shooter kann in diesem Punkt wenig schief gehen und auch „Ghost Recon“ bietet eine intuitive Steuerung und volle Kontrolle.
Bei einem Rail-Shooter kann in diesem Punkt wenig schief gehen und auch „Ghost Recon“ bietet eine intuitive Steuerung und volle Kontrolle.

UMFANG
Spielelemente gibt es zwar nur wenige, aber der Story-Modus und das kooperative Modus können lange beschäftigen.
Spielelemente gibt es zwar nur wenige, aber der Story-Modus und das kooperative Modus können lange beschäftigen.
SPIELSPASS
Eine Schande für die Ghost-Einheit.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Eine Schande für die Ghost-Einheit.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel