Pokémon Ranger: Spuren des Lichts
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 16.11.2010
Von der einstigen Idylle der Oblivia-Region ist nichts mehr zu sehen. Sogenannte Pokénapper entführen ein Pokémon nach dem anderen und verbreiten in der gesamten Gegend Angst und Schrecken. Doch damit ist jetzt Schluss. Als Pokémon-Ranger nehmt ihr den Kampf gegen diese Schurken auf - den ihr nur mit zahlreichen und mächtigen Bündnissen gewinnen könnt.
Das Bündnis zwischen Pokémon und Ranger
Der Himmel über Oblivia: Zwei Pokénapper jagen auf Fluggeräten einem Pokémon hinterher. Dann betretet ihr auf einem Flugpokémon die Bildfläche. Als stolzer Pokémon-Ranger ist es eure Aufgabe, den Frieden zu bewahren, und so erklärt ihr den beiden Verbrechern den Kampf. Sie hetzten ein Taubsi auf euch, doch das ist leicht besiegt. Dann jagen euch Lasersalven um die Ohren. Hier hat das Spielgeschehen längst begonnen: das Ausweichen liegt bei euch. Ist auch dieser Angriff überstanden, scheint der Kampf gewonnen. Doch dann taucht der Chef der Schurken auf und ein einen gezielten Schuss später, stürzt ihr getroffen ins Meer. Noch ganz benommen müsst ihr euch dort schon der nächsten Herausforderung stellen. Ein Wasserpokémon stiehlt euer FangKom, das ein unverzichtbares Gerät für jeden Ranger ist. Ihr nehmt die Verfolgung auf, weicht Attacken aus und könnt den FangKom wieder zurückerobern. Immer noch gibt es kein Verschnaufen. Ein U-Boot rammt euch fast. Mit letzter Kraft weicht ihr aus, könnt noch zur Meeresoberfläche schwimmen und euch auf eine nahgelegene Insel retten – der furiose Beginn eines langen Abenteuers ist überstanden.
Gestaltete sich „Pokémon Ranger“ vom Anfang bis zum Ende so abwechslungsreich wie diese erste Viertelstunde, wäre es ein überragendes Spiels. Doch auch wenn die minispielartigen Action-Sequenzen das Gameplay auch in dessen weiteren Verlauf immer wieder gelungen auflockern, macht sich doch schnell wieder der Ranger-Alltag breit, den Fans noch aus den ersten beiden Teilen kennen. Kernelement ist dabei das Fangen und Einsetzen von Pokémon. Anders als bei den Spielen der Hauptserie kommen dabei keine Bälle zum Einsatz, sondern die sogenannte Fangscheibe. Trefft ihr auf ein Taschenmonster müsst ihr es mit dem Stylus immer wieder umkreisen. Zweck ist nicht, dass dem Pokémon schwindlig wird, vielmehr gewinnt ihr durch diese Aktionen erstaunlicherweise seine Sympathie. Während des Fangversuches wird es euch zwar immer wieder angreifen, aber ist seine Freundschaftsleiste erst einmal gefüllt, schließt es sich euch an und steht euch zur Seite.
Die mit euch befreundeten Pokémon begleiten euch ein Stück auf eurer Reise und erweisen sich immer wieder als unverzichtbare Helfer. Während ihr die Pokénapper durch ein rund 15-stündiges Abenteuer verfolgt, stellen sich euch nämlich immer wieder Hindernisse in den Weg. So ist ein wichtiger Durchgang schon einmal durch einen Felsen versperrt. Dann solltet ihr nicht in Panik geraten, sondern das Hindernis einfach antippen. Denn dann spuckt euer FangKom sofort aus, mit welcher Fähigkeit sich dieses beseitigen lässt. Beim Felsen ist ein Tackle gefordert. Verfügt keiner eurer Monstergefährten über diesen Angriff, müsst ihr die Umgebung absuchen. Irgendwo in der Nähe findet sich immer ein passender Helfer. Dann müsst ihr dieses nur noch zum Felsen führen und einen Tackle später ist der Weg frei. Hat einer eurer Begleiter eine Fähigkeit eingesetzt, verschwindet er allerdings. Ihr könnt euch also nicht auf einem kleinen Team ausruhen, sondern müsst immer wieder neue Helfer fangen. Dieses System ist durchdacht und macht Spaß, diese Aufgaben sind aber leider nie eine richtige Ausforderung. Schließlich zeigt euch euer FangKom ganz genau welche Fähigkeit gefragt ist und das passende Pokémon lässt sich garantiert gleich in der Nähe auftreiben. Allzu viel eigenes Denken ist als Ranger also nicht von Nöten.
Neue Aufgaben, alter Trott
Das größte Problem an den Vorgängern war die fehlende Abwechslung. „Spuren des Lichts“ macht in dieser Hinsicht einiges besser. Die minispielartigen Action-Sequenzen bringen durch ihr hohes Tempo neuen Schwung in die Serie. Und noch ein weiteres neues Element überzeugt: Bei eurem Kampf gegen die Pokénapper verbündet ihr euch nicht nur mit normalen, sondern auch mit einigen legendären Pokémon, die dann durch das Zeichnen von Symbolen zur Hilfe gerufen werden können. Mit deren mächtiger Untertsützung lassen sich dann auch weitaus größere Hindernisse als ein lächerlicher Felsen zerschmettern. Und sie können euch sogar die Gabe verleihen, im Jesus-Style über das Wasser zu laufen. Solche besonderen Möglichkeiten machen den Spielverlauf gleich deutlich interessanter. Das Beschwören über die Symbole funktioniert auch einwandfrei und lässt euch bequem auf solche legendären Kräfte zurückgreifen.
Die neuen Elemente punkten auf ganzer Linie und machen „Spuren des Lichts“ zum bisher besten Teil der Serie. Insgesamt ist aber immer noch zu wenig passiert. Der Großteil des Spiels wird weiterhin von einem Trott aus Pokémon-Fangen, dem Einsatz ihrer Fähigkeiten und Erforschung bestimmt. So eine Mischung klingt zwar eigentlich vielversprechend, aber diese Einzelelemente bieten allesamt einfach zu wenig. Das Fangen beschränkt sich auf das Umkreisen von Pokémon, was trotz einiger Aufrüstungen eures Equipments nicht besonders viel Tiefgang bietet. Der Einsatz der Fähigkeiten verlangt keinerlei eigene Denkarbeit und die zu erforschenden Landschaften und Dungeons sind einfach zu unspektakulär. Dazu kommt, dass die gestellten Aufgaben und Missionen sich auch meist auf einfache Dinge wie das Erreichen eines bestimmten Ortes, das Finden eines spezifischen Gegenstandes und das Fangen spezieller Pokémon beschränken. „Spuren des Lichts“ ist auf keinen Fall ein schlechtes Spiel, doch besitzt es einfach ein bisschen zu wenig Tiefgang, um sein riesiges Potenzial voll ausschöpfen zu können.
Was das Spiel aber durchgehend richtig macht, ist die Steuerung. Viel komfortabler hätte sie gar nicht sein können. Wenn ihr wollt, könnt ihr alle Bereiche mit dem Stylus bedienen. Im Kampf zieht ihr damit Kreise, beim Einsatz der Fähigkeiten verbindet ihr einfach Pokémon sowie Hindernis miteinander und die Verwaltung der übersichtlichen Menüs geht über den Touchscreen wundervoll einfach von der Hand. Und auch in den schnellen Action-Sequenzen lässt euch die Steuerung nicht im Stich. Berührt einfach eure Spielfigur und schon könnt ihr sie ausweichend über den Bildschirm bewegen oder sie für besondere Aktionen berühren. Das Gefühl beim Steuern müsst ihr euch bei diesem Spiel ein bisschen so vorstellen, als würdet ihr ein Bad in eine Wanner voller samtweicher Pummeluffs nehmen.
Vier Ranger für ein Halleluja
Mit 15 Stunden hat das Abenteuer - bei dem euch über 300 verschiedene Pokémon über den Weg laufen - einen ordentlichen Umfang. Zusätzlich lockt auch noch ein Multiplayer-Modus bis zu vier Spieler in dunkle Dungeons. Die Aufgaben sind zwar auch hier nicht abwechslungsreicher als im Hauptspiel, machen in der Gruppe aber gleich mehr Spaß. Beim Fangen von Pokémon könnt ihr dabei eure Fangscheiben auch vereinen, um mit synchronen und kombinierten Aktionen keinem Taschenmonster mehr eine Verteidigungschance zu lassen. Allerdings wird das Spiel durch die Teamarbeit noch leichter als es eh schon ist. Hier all eure Lebenspunkte zu verlieren, erfordert schon einiges an Missgeschick und Undaufmerksamkeit. Dennoch ist der Mehrspieler-Modus eine große Bereicherung für das Spiel, auch wenn Online-Modi unverständlicherweise komplett fehlen. Immerhin lassen sich über die Wi-Fi-Connection aber neue Missionen herunterladen.
Die Grafik des Spiels strotzt nur so vor Details. Die Umgebungen sind bunt, die Effekte ansehnlich und vor allem die Pokémon sehen klasse aus. Da ihr sie nicht in Bällen gefangen haltet, laufen sie auch sichtbar hinter euch her und zeigen dabei ein liebevolles Design sowie hübsch anzusehende Animationen. Technisch mag sich das Ganze vielleicht auf einem eher einfachen Niveau abspielen, der farbenfrohe und verspielte Stil kann aber dennoch überzeugen. Dasselbe gilt für den Sound. Geräusche und Musik sind ebenfalls technisch simpel, die Melodien gestalten sich aber recht abwechslungsreich und unterstreichen jede Situation perfekt – ob sie nun dramatisch oder humoristisch ist. Unterm Strich hat sich der dritte Teil der „Pokémon Ranger“-Serie also technisch genauso in die richtige Richtung weiterentwickelt wie spielerisch.
Sascha Geldermann meint...
Als ich mich beim Vorgänger der „Finsternis über Almia“ entgegenstellte, hatte mir die einseitige Arbeit als Pokémon-Ranger nicht besonders gefallen. Doch dieses Berufsfeld hat sich in den letzten beiden Jahren deutlich weiterentwickelt. Tiefgang fehlt zwar immer noch, neue Action-Sequenzen und mächtige Bündnisse machen das Ranger-Leben nun aber interessanter als je zuvor. Und so habe ich mich gerne mit über 300 Pokémon zusammengetan, um den „Spuren des Lichts“ bis zum Ende zu folgen.
Als ich mich beim Vorgänger der „Finsternis über Almia“ entgegenstellte, hatte mir die einseitige Arbeit als Pokémon-Ranger nicht besonders gefallen. Doch dieses Berufsfeld hat sich in den letzten beiden Jahren deutlich weiterentwickelt. Tiefgang fehlt zwar immer noch, neue Action-Sequenzen und mächtige Bündnisse machen das Ranger-Leben nun aber interessanter als je zuvor. Und so habe ich mich gerne mit über 300 Pokémon zusammengetan, um den „Spuren des Lichts“ bis zum Ende zu folgen.

GRAFIK
Die Optik strotzt so vor liebevollen Details, dass ihre technische Einfachheit gar nicht auffällt.
Die Optik strotzt so vor liebevollen Details, dass ihre technische Einfachheit gar nicht auffällt.

SOUND
Gewohnt simple Melodien, die sich aber sehr abwechslungsreich gestalten.
Gewohnt simple Melodien, die sich aber sehr abwechslungsreich gestalten.

BEDIENUNG
Die Steuerung ist ein Traum. Mit dem Stylus lässt sich wirklich jede Aktion dieses Spiels bequem und fehlerlos umsetzen.
Die Steuerung ist ein Traum. Mit dem Stylus lässt sich wirklich jede Aktion dieses Spiels bequem und fehlerlos umsetzen.

UMFANG
Ein 15-stündiges Abenteuer, herunterladbare Zusatzmissionen und ein Mehrspieler-Modus halten lange bei Laune. Aber warum lässt sich letzterer nicht online spielen?
Ein 15-stündiges Abenteuer, herunterladbare Zusatzmissionen und ein Mehrspieler-Modus halten lange bei Laune. Aber warum lässt sich letzterer nicht online spielen?
SPIELSPASS
Noch nie hatten Pokémon-Ranger einen interessanteren Job – Tiefgang fehlt aber immer noch.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Noch nie hatten Pokémon-Ranger einen interessanteren Job – Tiefgang fehlt aber immer noch.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel