Shaun White Skateboarding
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 13.11.2010
Die Stadt ist grau und alle Fröhlichkeit verschwunden. Der fiese Bürgermeister duldet einfach keine Freude und bekämpft Spaß mit allen Mitteln. George Orwell hätte an dieser Ausgangssituation Gefallen und de Blob alle Hände voll zu tun. Doch die Revolution naht: Shaun White und seine Freunde lassen ihre Snowboards in diesem Jahr mal im Keller und rollen stattdessen auf Skateboards heran, um den Menschen Farbe und Freude zurückzubringen.
Rollende Revolution
Wer einen Bus in einen Zeppelin umgebaut hat und darin einen Piratensender betreibt, hat es eindeutig drauf. Und so solltet ihr aufmerksam an den Lippen dieses Kumpels hängen, wenn er euch von den Machenschaften des Bürgermeisters erzählt, der jedes positive Gefühl aus der Stadt verbannt hat. Nach diesem Plausch heißt es dann aber ab auf’s Brett, denn was könnte Spaß, Lebensfreude und Freiheit besser zurückbringen als Skaten. Und so nehmen Shaun White und seine Freunde rollend den Kampf gegen die unzumutbaren Gesetzte des Bürgermeisters auf. Wenn ihr seine Macht brechen wollt, müsst ihr einem Stadtteil nach dem anderen wieder Leben einhauchen.
Die rollende Revolution beginnt in der Schule. Später macht ihr dann auch Orte wie einen Strand oder einen Bahnhof unsicher. Das Konzept sieht dabei in jedem Level gleich aus: Es gibt eine Reihe von schlicht Challenges genannten Aufgaben, von denen eine bestimmte Anzahl geknackt werden muss, damit der nächste Stadtteil seine Tore öffnet. Einige der Aufgaben müssen innerhalb eines Zeitlimits erfüllt werden, in den eigentlichen Levels könnt ihr euch aber ganz ohne Druck austoben. Schließlich geht es ja darum, Zwänge abzuschütteln. Und so steht dem freien Erkunden, dem ungezwungenen Ausprobieren von Tricks und der Suche nach Geheimnissen nichts im Wege. Außerdem lohnt es sich, auch nach dem Freischalten des nächsten Stadtteils noch auf Challenge-Suche zu gehen. Bei diesen lassen sich nämlich jede Menge Extras abstauben, darunter Klamotten, Lieder und sogar neue Fahrer.
Insgesamt hat Shaun noch neun Freunde mitgebracht, von denen fünf erst einmal für den Widerstand begeistert, sprich freigeschaltet werden müssen. Ein eigener Skater lässt sich leider nicht erstellen, die gelungene Auswahl an Charakteren lässt aber nicht viele Wünsche offen. Dabei unterscheiden sich die Skater nicht nur anhand ihres Aussehens, jeder bringt auch besondere Fähigkeiten mit. Zaz hat laut Beschreibung beispielsweise „mehr drauf als ein Drei-Familien-Umzugslaster“ und ist ein echter Könner wenn es um Lip-Tricks geht. Grinden ist dagegen das Spezialgebiet von Gordon, während Janice den Manual im Schlaf beherrscht und am liebsten den ganzen Tag auf nur zwei Rädern durch die Gegend rollen würde. Bis ihr Shaun selbst in den Kampf gegen den Bürgermeister führen dürft, vergeht eine ganze Weile. Der Namensgeber vereint dann aber auch alle Fähigkeiten der anderen Charaktere und macht bei jedem Trick eine bestmögliche Figur.
Insgesamt ist das Konzept des Spiels interessant. Die Story ist zwar nicht besonders komplex, für ein Sportspiel aber außergewöhnlich interessant ausgefallen. Und der Kampf gegen das Grau der leblosen Stadt bringt gleich noch ein faszinierendes Kernelement dieses Spiels mit: die Transformation. Jeder Schritt in eine buntere fröhlichere Welt lässt sich sehen. Denn wenn ihr durch markierte Bereiche skatet und dort Tricks hinlegt, sprießen auf einmal Half-Pipes aus dem Boden und die Farbe kehrt in die Umgebungen zurück. So verwandelt sich jeder noch so trostlose Level vor euren Augen in ein buntes Skaterparadies, in dem die Freiheit über die Einschüchterungen des Bürgermeisters gesiegt hat. Es ist ein interessantes Spielgefühl, wenn ein Geländer unaufhaltsam gen Himmel wächst, während ihr darauf in einem konzentrierten Balance-Akt einen gekonnten Grind hinlegt. Mit Realismus hat das natürlich nichts mehr zu tun. Überhaupt ist das ganze Spiel auf Arcade ausgelegt, sodass die Skater einige übertrieben spektakuläre Tricks auf Lager haben und auch die physikalischen Gesetze nicht immer eingehalten werden. Mit diesem Arcade-Fokus, den Transformationen und der außergewöhnlichen Story setzt sich Shaun spürbar von anderen Skatespielen ab.
Skaten für Anfänger
Während das Gesamtkonzept durch frische Ideen und ungewöhnliche Elemente punkten kann, werden die Details Veteranen des virtuellen Skatesports ernüchternd bekannt vorkommen. Shaun White erfindet das Skateboard-Rad hier ganz und gar nicht neu. Das größte Problem an dem Spiel ist, dass es den Challenges an Ideen fehlt. Ihr müsst irgendwo einen bestimmten Trick hinlegen, einen besonderen Parcours überstehen oder diverse Gegenstände einsammeln – diese Aufgaben, die Tony Hawk und Co. schon seit Jahren von euch verlangen, wiederholen sich hier immer wieder. Trotz spannender Story und faszinierenden Transformationen kommt bei solch abwechslungsarmen und einfallslosen Missionen auf Dauer Langeweile auf. Abgefedert wird das aber etwas durch die vielen motivierenden Extras sowie den Reiz, neue Levels zu erforschen.
Insgesamt sind die Challenges auch ein bisschen zu leicht, was ein weiterer Grund dafür ist, warum Genrekenner sich das ein oder andere Gähnen sicherlich nicht verkneifen können. Gleichzeitig ist „Shaun White Skateboarding“ aber auch so zugänglich, dass es das perfekte Casual-Skatespiel ist. Neben den klaren Aufgabenstellungen und dem niedrigen Schwierigkeitsgrad ist das auch der Verdienst der leicht zu erlernenden Steuerung. Spielt ihr mit Remote und Nunchuk, werden fast alle Tricks durch eine Remote-Bewegung + A oder B ausgeführt. Dank so eines einfachen Tricksystems können selbst die unerfahrensten Skater auch ohne Stützräder einen spektakulären Trick nach dem anderen stehen. Die einzige richtige Herausforderung, die dann noch bleibt, ist das Landen. Denn nur wer ganz gerade aufkommt, kann sich über die volle Punktzahl freuen. Da kann ein Trick noch so spektakulär sein: Bei einem Sturz sind die Punkte futsch.
Die auf Schwingen und Neigen basierende Tricksteuerung funktioniert im Grunde sehr gut, verleitet aber auch schnell zu unkontrolliertem Rumfuchteln. Mit dem bewussten Hinlegen geplanter Tricks hat das dann wenig zu tun, vielmehr schüttelt ihr ansehnliche Kombis eher zufällig aus dem Ärmel – was bei vielen Challenges leider auch zum Erfolg führt. Ein bisschen bedächtiger geht es da schon auf dem Balance Board zu. Genau wie bei Shauns Snowboard-Ausflügen funktioniert diese Körpersteuerung sehr gut und macht eine Menge Spaß. Ohne Remote und Nunchuk in der Hand kommt ihr zwar auch dabei nicht aus, ein realistisches Skategefühl stellt sich aber dennoch ein. Und damit machen dann auch die etwas monotonen und schon in anderen Spielen oft gesehenen Aufgaben gleich viel mehr Spaß. Egal ob ihr für einen Flip-Trick springt oder bei einem Grind mit vollem Körpereinsatz die Balance haltet – das Balance Board wertet das gesamte Spiel deutlich auf.
Zusammen gegen die Autorität
Wie lange dauert eine Revolution? Im Falle von Shauns Kampf gegen den Bürgermeister in etwa zwölf Stunden. Da das freie Ausprobieren von Tricks und das Freischalten von Extras noch zusätzliche Anreize bietet, könnt ihr aber auch problemlos noch so einige weitere Stunden durch die Stadt rollen. Wenn ihr die Augen offen haltet, werdet ihr sicherlich auch auf Sticker stoßen, die euch ein neues Board vor die Füße werfen oder euer Trickrepertoire erweitern. Wenn euer Skater an sein Limit stößt, wird er stolze 80 verschiedene Tricks auf dem Lager haben, die eine Menge Spielraum für außergewöhnliche Kombos lassen.
Neben dem Story-Modus wartet auch noch ein umfangreicher Mehrspieler-Part auf euch und eure Freunde. Mit Remote und Nunchuk dürfen sich dort vier Spieler austoben, auf dem Balance Board immerhin noch drei. Ein Sechserpack Modi steht hier bereit, wobei mehr Abwechslung als im Hauptspiel geboten wird. Beim Tricking geht es noch klassisch zu: Hier gilt es durch gekonnte Tricks mehr Punkte als die Konkurrenz einzuheimsen. Aber auch Team-Aufgaben gibt es, bei denen ihr euch gegen den Bürgermeister verbündet und Objekte von seinem negativen Einfluss befreit. Und auch Rennen fehlen bei der Modi-Auswahl nicht, bei denen es einzig und allein um Geschwindigkeit geht. Naja, zumindest überwiegend – denn eine gut platzierte Miene kann eure Mitstreiter aus dem Gleichgewicht bringen und Tempodefizite so leicht ausgleichen. Wer ein paar Freunde fürs virtuelle Skaten begeistern kann, wird eine Menge Freude mit dem Mehrspieler-Part haben. Viel Potenzial wird aber dadurch verschenkt, dass auf Online-Funktionen komplett verzichtet wurde.
Schon bei seinen Snowboard-Ausflügen setzte Shaun auf einen Comic-Look, der bei diesem Skate-Spiel einfach übernommen wurde. Er passt auch ausgezeichnet zum Arcade-Gameplay und den farbenfrohen Transformationen. Während die Charaktere und ihre Animationen sehr gut aussehen, wirken die Umgebungen aber etwas zu trist - selbst nach den Transformationen. Egal ob Shauns nächstes Spiel auf Snow – oder Skateboard bestritten wird: Die unsauberen Texturen sollten dann auf jeden Fall überarbeitet worden sein. Der Sound bietet weit weniger Grund zur Kritik. Die deutsche Synchronisation ist solide und der Soundtrack sogar richtig gelungen. Neben ein bisschen Elektro und Rap steht dabei vor allem Rock und mit Bands wie GreenDay und NOFX auch Punk im Vordergrund. Rock und Roll gehören eben immer noch zusammen oder wie es ein Skater-Sprichwort ausrückt: „If you want to rock, you have to roll.“
Sascha Geldermann meint...
Im richtigen Leben hat es mich literweise Schweiß und Blut gekostet, um auch nur die grundlegendsten Skate-Tricks zu lernen. Die Welt von „Shaun White Skateboarding“ ist da eine ganz andere. Spektakuläre Kombos schüttele ich hier quasi aus dem Ärmel und bestehe Herausforderungen auch bei Unkonzentriertheit problemlos. Bei diesem extrem zugänglichen Trendsport sind Casual-Spieler weitaus besser aufgehoben als bei der Konkurrenz. Genre-Veteranen, wie ich einer bin, werden sich trotz vieler interessanter Ideen auf Dauer aber langweilen.
Im richtigen Leben hat es mich literweise Schweiß und Blut gekostet, um auch nur die grundlegendsten Skate-Tricks zu lernen. Die Welt von „Shaun White Skateboarding“ ist da eine ganz andere. Spektakuläre Kombos schüttele ich hier quasi aus dem Ärmel und bestehe Herausforderungen auch bei Unkonzentriertheit problemlos. Bei diesem extrem zugänglichen Trendsport sind Casual-Spieler weitaus besser aufgehoben als bei der Konkurrenz. Genre-Veteranen, wie ich einer bin, werden sich trotz vieler interessanter Ideen auf Dauer aber langweilen.

GRAFIK
Der Comic-Look passt perfekt. Aber während die Skater überzeugen, wirkt die Umgebung zu trostlos.
Der Comic-Look passt perfekt. Aber während die Skater überzeugen, wirkt die Umgebung zu trostlos.

SOUND
Hier punktet vor allem der gelungene und überwiegend rockige Soundtrack.
Hier punktet vor allem der gelungene und überwiegend rockige Soundtrack.

BEDIENUNG
Die Steuerung ist zugänglich, führt mit Remote und Nunchuk aber oft zu Gefuchtel. Mit dem Balance Board macht das Spiel am meisten Spaß.
Die Steuerung ist zugänglich, führt mit Remote und Nunchuk aber oft zu Gefuchtel. Mit dem Balance Board macht das Spiel am meisten Spaß.

UMFANG
Ein interessanter Story-Modus steht wenigen Missionstypen gegenüber – und ein umfangreichen Mehrspieler-Part fehlenden Online-Funktionen.
Ein interessanter Story-Modus steht wenigen Missionstypen gegenüber – und ein umfangreichen Mehrspieler-Part fehlenden Online-Funktionen.
SPIELSPASS
Shaun präsentiert zugänglichen Trendsport für Casual-Skater.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Shaun präsentiert zugänglichen Trendsport für Casual-Skater.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel