FIFA 11
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 23.10.2010
Im letzten Jahr fing Electronic Arts an, auf Wii ganz eigene Wege mit der FIFA-Serie zu gehen. Im Gegensatz zu den Versionen für die anderen Konsolen stand dabei Arcade-Fußball statt Sportsimulation im Vordergrund – was nicht jedem gefiel. „FIFA 11“ will nun schnelle Action mit realistischem Fußball verbinden und damit alle Fans glücklich machen. Ob dieser Spagat gelingt?
Fußball im Stadion
Der gegnerische Torwart macht sich lang, der Kommentartor schreit und die Zuschauer halten den Atem an. Euer Ball geht ins Netz. Tor – und das ganz ohne übertriebene Zeitlupen, Superschüsse und ewigem Remote-Geschüttel. Anders als sein Vorgänger verzichtet „FIFA 11“ auf maßlose Arcade-Elemente und bietet wieder ein richtiges Fußballerlebnis. Der Cel-Shading-Look ist zwar geblieben und bei Grätschen müsst ihr immer noch schütteln – aber das sind Elemente, die sich nahtlos in dieses Spiel einfügen.
Ansonsten steht im Stadion das taktische Vorgehen im Team im Vordergrund. Die gegnerische Abwehr lässt sich gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden nur mit geschicktem Passspiel durchbrechen und der Ball landet meistens nur dann im Tor, wenn Timing, Winkel und Entfernung genau passen. In der Verteidigung müsst ihr alles daran setzen, dem Gegner den Ball wieder abzuluchsen. Dabei ist es eure Entscheidung, ob ihr es mit fairem Zweikampf oder einer beherzten Grätsche versucht - die zwar oft effektiver ist, aber vom Schiedsrichter auch als Foul geahndet werden kann. Das Ganze fühlt sich dynamisch an, bietet spannende Momente und macht Spaß. Eine Kinderkrankheit hat Electronic Arts aber immer noch nicht in den Griff bekommen: Gelegentlich hat die KI so ihre Aussetzer, was euch mal ärgerlich planlose Mitspieler mal aber auch leichte Tore verschafft.
Der Weg in Stadion ist kurz. Mit dem Modus „Ab aufs Feld“ gelangt ihr dort innerhalb einer Minute hin. Einfach Mannschaft sowie einen Gegner wählen und schon geht’s los. Wer mehr Tiefgang und längere Beschäftigung sucht, findet beides im Turnier-Modus. Hier könnt ihr in Wettbewerbe aus über 30 lizensierten Ligen nach goldenen Schalen und Pokalen greifen. Außerdem ist der Manager-Modus wieder dabei, bei dem ihr ein Team verwaltet. Eine durchdachte Taktik, eine sinnvolle Aufstellung und die richtigen Käufe und Verkäufe auf dem Transfermarkt führen euch hier zum Ziel. Dabei könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr die Fußballspiele simulieren oder selbst austragen wollt. Spiel ihr selbst, wählt ihr vorher einen Trainermoment wie „Drei Tore machen“ oder „Nicht mehr als eine Karte bekommen“ aus. Geht er in Erfüllung, steigt euer Verein in seiner Bewertung und ihr bekommt Spiel-Boots genannte Vorteile für eure nächsten Spiele. Insgesamt weiß die Modi-Auswahl beim Stadion-Spiel mit ihrer Abwechslung zu gefallen.
Fußball auf der Straße
Euch hat das Arcade-Erlebnis des letzen Jahres gefallen? Keine Sorge, darauf müsst ihr auch bei „FIFA 11“ nicht verzichten. Dieses Mal wurde nämlich der aus „FIFA Street“ bekannte Straßenfußball in die Hauptreihe integriert. Wählt ihr „Ab auf die Straße“ findet ihr euch in Hallen oder Hinterhöfen wieder. Fünf Spieler pro Team treten hier gegeneinander an, was deutlich schneller und actionreicher abläuft als im Stadion. Hier gibt es auch ein Tricksystem, mit dem ihr eure Gegner überrumpelt und spektakuläre Tore erzielt. Der Straßenfußball macht eine Menge Spaß und punktet mit vielen Einstellungsmöglichkeiten. So könnt ihr beispielsweise festlegen, ob ihr auf Zeit spielt oder lieber eine bestimmte Anzahl an Toren beziehungsweise eine bestimmte Tordifferenz den Sieg bringen soll.
„Hinweis: Power-Ups stellen keinen realen Fußball dar“ – so beugt Electronic Arts in der Spielanleitung eventuellen Verwirrungen vor. Schade eigentlich: Übermenschliche Schusskraft, plötzlich schrumpfende Gegner und Schockwellen würden die Einschaltquoten der Sportschau sicherlich in die Höhe treiben. Aber solche Aktionen bleiben wohl dem virtuellen Straßenfußball vorbehalten und müssen dabei auch noch durch gutes Spielen verdient werden. Habt ihr Power-Ups erhalten, könnt ihr selbst entscheiden, wann ihr sie einsetzt. Im richtigen Moment ausgewählt, lasst ihr eure Gegner leicht alt aussehen.
Herzstück des Spiels ist eindeutig der Modus „Von der Straße ins Stadion“. Denn hier werden beide Spielarten gelungen miteinander verbunden. Ihr erstellt dabei einen eigenen Spieler, aus dessen Sicht ihr ab da an jedes Spiel erlebt. Dabei fangt ihr als Straßenfußballer mit bescheidenen Fähigkeiten an. Mit jedem Sieg erhaltet ihr aber Erfahrungspunkte, die ihr in Attribute wie „Schusskraft“ oder „Kopfball“ investiert. So werdet ihr immer besser und wenn dann auch noch euer Ruhm-Level steigt, ruft vielleicht schon bald ein Profiverein bei euch an, für den ihr euren Ballzauber dann auch im Stadion entfesseln dürft. Den Aufstieg eines eigenen Spielers zu verfolgen ist faszinierend und bereichert das Spiel auch durch die Kombination von Stadion und Straße immens. Die Modi-Auswahl gibt in diesem Jahr wirklich keinen Grund zum Meckern.
Fußball gegen die Welt
Der Mehrspieler-Part präsentiert sich gewohnt stark. Vier Fußball-Fans können nicht nur lokal, sondern auch online gegeneinander antreten. Wie in den Vorjahren sind dafür nicht einmal Freundescodes von Nöten, stattdessen gibt es eine komfortable Lobby sowie motivierende Ranglisten. Mitspieler finden sich immer und Verzögerungen gibt es bei den Spielen so gut wie nie. Wenn jemand weiß, wie ein Online-Modus auf Wii aussehen muss, dann ist es Electronic Arts.
Auch die große Auswahl an Steuerungsoptionen ist seit dem letzten Jahr nicht geschumpft. Am besten funktioniert dabei die Bedienung mit dem Classic-Controller. Aber auch die Kombination aus Remote und Nunchuk bietet eine gute Kontrolle. Nur die Tricks des Straßenfußballs sind hier etwas schwieriger zu meistern, da diese über das unbequem zu erreichende Steuerkreuz vom Stapel gelassen werden. Sollte euch das alles viel zu kompliziert sein, dürft ihr natürlich auch in diesem Jahr wieder auf die All-Play-Steuerung zurückgreifen. Dabei müsst ihr nicht einmal selbst laufen, sondern könnt euch auf Schießen, Passen und Tricksen konzentrieren. Das Ganze wird aber selbst die unerfahrensten aller Casual-Spieler schnell unterfordern und langweilen, die dank eines Trainingsmodus dann leicht auf die normalen Steuerungsschemata umsteigen können.
Anders als bei den HD-Konsolen kommentieren nicht Frank Buschmann und Manni Breuckmann die Spiele, sondern das Duo aus dem letzten Jahr: Sebastian Hellmann und Tom Bauer. Die beiden machen dabei auch einen guten Job als Sprecher, das Timing der Kommentare ist aber katastrophal. So passen sie oft gar nicht zum Geschehen und widersprechen sich oft sogar. Dass ein Abseits erst als „ganz klar“ und direkt danach „als knappe Entscheidung“ bezeichnet wird, ist leider keine Seltenheit. Dadurch wird die Atmosphäre unnötig getrübt, die durch die authentischen Rufe von Fußballspielern und Fans ansonsten aber sehr dicht ist.
Der Cel-Shading-Look sieht immer noch gut aus und glänzt wieder mit hübschen Umgebungen sowie butterweichen Animationen. Die überzeichneten Spieler aus den über 30 lizensierten Ligen sind auf den ersten Blick zu erkennen, auch wenn die Charaktermodelle unnötig kantig aussehen. Eine Frechheit sind aber mal wieder die Zuschauer, die Electronic Arts aus einem Dreamcast-Spiel abgeworben haben könnte.
Sascha Geldermann meint...
Zum zweiten Mal in Folge konnte mich Electronic Arts mit einem FIFA-Spiel überraschen. Nach jahrelangem Stillstand und dem nur teilweise geglückten Arcade-Neustart im vergangenen Jahr machen die Entwickler mit „FIFA 11“ nun endlich fast alles richtig. Die Mischung aus Stadien- und Straßenfußball funktioniert fantastisch und sorgt für jede Menge Abwechslung. Unnötige Kinderkrankheiten gibt es zwar immer noch, dennoch konnte mich schon lange kein Fußballspiel mehr so begeistern wie „FIFA 11“.
Zum zweiten Mal in Folge konnte mich Electronic Arts mit einem FIFA-Spiel überraschen. Nach jahrelangem Stillstand und dem nur teilweise geglückten Arcade-Neustart im vergangenen Jahr machen die Entwickler mit „FIFA 11“ nun endlich fast alles richtig. Die Mischung aus Stadien- und Straßenfußball funktioniert fantastisch und sorgt für jede Menge Abwechslung. Unnötige Kinderkrankheiten gibt es zwar immer noch, dennoch konnte mich schon lange kein Fußballspiel mehr so begeistern wie „FIFA 11“.

GRAFIK
Der Cel-Shading-Look sieht gut und glänzt vor allem mit hübschen Umgebungen. Spieler und Zuschauer können da aber leider nicht ganz mithalten.
Der Cel-Shading-Look sieht gut und glänzt vor allem mit hübschen Umgebungen. Spieler und Zuschauer können da aber leider nicht ganz mithalten.

SOUND
Die Geräuschkulisse sorgt für eine dichte Atmosphäre, die durch die teils unpassenden Kommentare aber immer wieder getrübt wird.
Die Geräuschkulisse sorgt für eine dichte Atmosphäre, die durch die teils unpassenden Kommentare aber immer wieder getrübt wird.

BEDIENUNG
Bei den verschiedenen Steuerungsoptionen ist für jeden Spieler etwas dabei.
Bei den verschiedenen Steuerungsoptionen ist für jeden Spieler etwas dabei.

UMFANG
Schneller Fußball, ein Manager-Modus, eine interessante Karriere und ein fantastischer Online-Part - die Modi-Auswahl lässt in diesem Jahr keine Wünsche offen.
Schneller Fußball, ein Manager-Modus, eine interessante Karriere und ein fantastischer Online-Part - die Modi-Auswahl lässt in diesem Jahr keine Wünsche offen.
SPIELSPASS
"FIFA 11" schafft den Spagat zwischen realistischem Stadien- und actionreichem Straßenfußball mit Bravour.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
"FIFA 11" schafft den Spagat zwischen realistischem Stadien- und actionreichem Straßenfußball mit Bravour.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel