Final Fantasy: The 4 Heroes of Light
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 21.10.2010
In einem bedrohten Königreich führt das Schicksal vier Jugendliche zusammen, deren Charakterzüge unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch wenn sie ihr Abenteuer überstehen und die Welt retten wollen, müssen sie lernen zusammenzuarbeiten. Dies ist die Geschichte dieser Jugendlichen: den vier Helden des Lichts.
Vier Helden, viele Konflikte
Im Königreich Horne macht sich Brandt am Morgen seines vierzehnten Geburtstags auf zum Schloss. Denn es ist der Tag, an dem er erwachsen wird, und der Brauch des Landes besagt, dass er vor den König treten muss. Doch dieser ist in einem äußerst schlechten Zustand. Die Hexe des Nordens hat die Prinzessin entführt und so bittet der Herrscher ausgerechnet den jungen Brandt, seine Tochter zu retten. Damit beginnt das Abenteuer, in dessen Verlauf der gutmütige Brandt auf den gebildeten Jusqua, die stoische Yunita und die lebhafte Aire trifft. Die vier unterschiedlichen Charaktere und ihr Konflikte spielen dabei eine immer größere Rolle. Diese Thematik macht auch das Interessante an diesem Spiel aus, während die eigentliche Story recht rudimentär ausfällt und dem Namen „Final Fantasy“ kaum gerecht wird. Das könnte Spielern mit lückenhaften Englischkenntnissen aber auch gerade recht kommen, da sie ansonsten vielleicht Probleme hätten, der Geschichte zu folgen. Auf eine Übersetzung hat Square Enix nämlich leider verzichtet.
Das Spielprinzip bietet so ziemlich alles, was ihr von einem Rollenspiel erwartet. So ziehen die vier Helden durch belebte Städte, dunkle Dungeons und eine vielseitige Weltkarte. Dabei spielt oft auch die Tageszeit eine große Rolle. Ob es nun helllichter Tag, Abend oder Nacht ist, hat Auswirkungen auf das Leben in Horne. So haben beispielsweise manche Läden nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Daher lohnt es sich oft, Orte an verschiedenen Tageszeiten zu besuchen. Backtracking wird eh immer wieder verlangt, wobei euch die äußert kompakte Weltkarte nervig lange Laufwege erspart.
Nicht immer ist klar, was als nächstes zu tun und welcher Ort das nächste Ziel ist. Dann solltet ihr euch in den Dörfern und Städten umhören, die nicht nur Läden und Herbergen bieten, sondern auch viele gesprächige Bewohner. Durch diese erhaltet ihr Hinweise, welche die Geschichte immer weiter vorantreiben. Bis ihr den Abspann zu Gesicht bekommt, werdet ihr mindestens 20 Stunden in Horne verbringen. Rollenspieler mit Erkundungstrieb werden aber sicherlich viele zusätzliche Stunden durch die Welt streifen, um auf die Suche nach verstecken Schatzkisten zu gehen.
Retro-Rollenspiel mit Charme
„The 4 Heroes of Light“ ist ein Oldschool-Rollenspiel, das aus einem vergangenen Jahrzehnt zu kommen scheint. Dadurch versprüht es jede Menge Retro-Charme und glänzt unter anderem durch ein einfaches und damit zugängliches Kampfsystem. Die Auseinandersetzungen laufen allesamt rundenbasiert ab, wobei ihr für jeden Helden eine von drei Aktionen wählen könnt: „Attacke“, „Gegenstand“ und „Verstärkung“. Die beiden erstgenannten verbrauchen jeweils einen Aktionspunkt, manche Zaubersprüche können euch sogar teurer zu stehen kommen. Ihr müsst euch die Aktionspunkte also gut einteilen, wodurch die „Verstärkung“ taktische Bedeutung erlangt. Mit dieser verteidigt ihr euch nicht nur gegen Angriffe, sondern spart auch noch Aktionspunkte.
Sehr klassisch ist auch das Job-System. Ihr findet in eurem Abenteuer immer mehr Hüte, die nicht nur Kopfschmuck sind, sondern auch die Klasse des jeweiligen Helden ändern. So verwandeln sich die anfänglichen Freiberufler unter anderem in Barden, Händler, Waldläufer, Gelehrte oder Schwarzmagier. Ihr könnt die Klasse jederzeit durch das Wechseln des Hutes ändern, was viele taktische Möglichkeiten eröffnet. Schließlich bringt jeder Beruf spezielle Eigenschaften mit sich: Reisende setzen Heilgegenstände effektiver ein, Banditen erhalten bessere Items von Feinden und Kämpfer setzen Gegnern auch mit bloßen Händen ordentlich zu. Wer sich mit dem Job-System beschäftigen möchte, wird sich viele Stunden damit auseinandersetzen können.
Die Hüte verleihen sogar noch stärkere Eigenschaften, wenn ihr sie mit Edelsteinen aufwertet, die ihr unter anderem von besiegten Gegnern erhaltet. Mit den wertvollen Klunkern lassen sich aber auch Waffen und Rüstungen verbessern. Ihr solltet daher darauf achten, immer freie Plätze im Inventar zu haben, um eure Beute überhaupt mitnehmen zu können. Jeder Charakter verfügt nämlich gerade mal über 15 Inventarplätze – die auch von der angelegten Ausrüstung belegt werden. Den Rest eures Hab und Guts müsst ihr in den Lageräumen der Städte aufbewahren. Dieser Platzmangel fordert einmal mehr strategisches Vorgehen. Schließlich müsst ihr genug Ausrüstung mit auf die Reise nehmen, um sie heil zu überstehen, gleichzeitig aber auch genug Platz für neue Schätze einplanen.
Das einfache Kampfsystem ist attraktiv und auch das klassische Job-System gefällt. Die Rückseite der Retro-Medaille ist aber, dass „The 4 Heroes of Light“ in vielerlei Hinsicht auch sehr angestaubt wirkt. So sind Gegner nicht sichtbar. Stattdessen stolpert ihr alle paar Schritte in einen Zufallskampf, was bei so einer Häufigkeit sehr schnell nerven kann. Außerdem ist Grinden unvermeidbar, wenn ihr im späteren Spielverlauf eine Chance haben wollt. Dann sind Auflevel-Marathons angesagt, bei denen ihr euch auch noch ganz bewusst in einen Kampf nach den anderen stürzen müsst. Dann zeigt das Spiel seine hässliche Seite und lässt Frust aufkommen. Und auch das Kampfsystem hat seine Tücken. Zugänglichkeit ist ja eine schöne Sache - dass ihr das Ziel einer Attacke oder eines Zauberspruches nicht selbst wählen dürft geht aber eindeutig zu weit. Nicht bestimmen zu können, welchen Gegner ein Angriff trifft, kann ärgerlich sein. Und nicht wählen zu dürfen, welcher Gefährte von einem Heilzauber profitiert, sorgt erst recht für Frust.
Märchenhafter Stil
Neben dem umfangreichen Einzelspiel gibt es auch einen Mehrspieler-Modus. Hier können sich vier Freunde zusammenschließen, wobei jeder eine eigene Cartridge besitzen muss. Das eigentliche Abenteuer lässt sich zwar leider nicht in der Gruppe spielen, dafür aber einige Nebenaufgaben die euch auch in ganz neue Dungeons führen. Dabei verdient ihr Kampfpunkte, von denen sich dann besondere Gegenstände kaufen lassen. Insgesamt ist der Mehrspieler-Modus nett, bleibt aber weit hinter seinem Potenzial zurück. Vermisst wird nicht nur die Möglichkeit, die Geschichte zusammen zu erleben, sondern auch ein Online-Modus.
Die Steuerung funktioniert jederzeit einwandfrei. Dabei ist euch überlassen, ob ihr nur mit den Knöpfen oder komplett mit dem Stylus spielen wollt. Beides geht auf seine Weise gut von der Hand. Sehr komfortabel sind auch die aufgeräumten Menüs und besonders die Bedienung im Kampf. Dort lassen sich nämlich Zauber und Fähigkeiten auf den Touchscreen legen und so sehr bequem einsetzen. Die vier Helden des Lichts haben zwar mit vielen Konflikten zu kämpfen, die Steuerung ist aber an keinem von diesen Schuld.
Retro ist auch beim Sound angesagt. Die klassisch klingenden Musikstücke und Soundeffekte haben durchaus ihren Charme, wirken wie das Gameplay aber auch veraltet. Viel mehr gefällt da der Grafik-Stil. Zwar fordert die Optik die NDS-Hardware nicht allzu sehr, der leicht comichafte Stil ist aber sehr gelungen. Alles sieht märchenhaft und ein bissen niedlich aus. Besonders die Charaktere glänzen, deren Aussehen sich je nach Klasse ändert. Und auch der Tageszeitenwechsel ist ein echter Hingucker. Wenn die Sonne am Horizont versinkt und der Abendhimmel über dem Königreich rot erstrahlt, versprüht dieses Rollenspiel so viel Charme, dass jeder Frust erst einmal vergessen ist.
Sascha Geldermann meint...
Der Grafik-Stil dieses Rollenspiels versetzt mich in eine andere Welt, das Gameplay in eine andere Zeit. „The 4 Heroes of Light“ ist Retro-Feeling in Reinkultur – mit seinen schönen und seinen hässlichen Seiten. Insgesamt überwiegt aber das Positive, wobei mir vor allem das faszinierende Job-System genug Kraft gegeben hat, um tapfer einen Zufallskampf nach dem anderen zu überstehen.
Der Grafik-Stil dieses Rollenspiels versetzt mich in eine andere Welt, das Gameplay in eine andere Zeit. „The 4 Heroes of Light“ ist Retro-Feeling in Reinkultur – mit seinen schönen und seinen hässlichen Seiten. Insgesamt überwiegt aber das Positive, wobei mir vor allem das faszinierende Job-System genug Kraft gegeben hat, um tapfer einen Zufallskampf nach dem anderen zu überstehen.

GRAFIK
Der comichafte Stil gefällt vor allem durch das gelungene Charakter-Design, auch wenn der NDS bei Weitem nicht an sein Limit getrieben wird.
Der comichafte Stil gefällt vor allem durch das gelungene Charakter-Design, auch wenn der NDS bei Weitem nicht an sein Limit getrieben wird.

SOUND
Die klassischen Klänge haben ihren Charme, wirken aber auch sehr veraltet.
Die klassischen Klänge haben ihren Charme, wirken aber auch sehr veraltet.

BEDIENUNG
Sowohl mit den Knöpfen als auch mit dem Stylus geht die Steuerung gut von der Hand.
Sowohl mit den Knöpfen als auch mit dem Stylus geht die Steuerung gut von der Hand.

UMFANG
Die Reise der vier Helden dauert mindestens 20 Stunden. Der Mehrspieler-Modus sorgt für zusätzliche Beschäftigung, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Die Reise der vier Helden dauert mindestens 20 Stunden. Der Mehrspieler-Modus sorgt für zusätzliche Beschäftigung, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück.
SPIELSPASS
Wunderschönes Oldschool-Rollenspiel, das mit seinem Retro-Charme besticht, durch seine Angestaubtheit aber auch immer wieder frustriert.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Wunderschönes Oldschool-Rollenspiel, das mit seinem Retro-Charme besticht, durch seine Angestaubtheit aber auch immer wieder frustriert.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel