Last Window: Das Geheimnis von Cape West
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 11.10.2010
Los Angeles im Jahre 1980: Ein Jahr nach den Ereignissen von „Hotel Dusk: Room 215“ erlebt Kyle Hyde einen von den Tagen, an denen man am besten im Bett geblieben wäre. Er verliert nicht nur seinen Job und seine Bleibe, als er einen mysteriösen Auftrag erhält, wird er auch noch in eine dramatische Geschichte verwickelt. Geduld und Cleverness sind gefragt, um diesen interaktiven Roman heil zu überstehen.
Ein Roman im Videospiel-Gewand
Die Vorgeschichte wird wie alle Sequenzen in einem gelungenen Bleistift-Skizzen-Stil erzählt und macht schnell klar, dass auch „Last Window“ wieder der Film-noir-Tradition folgt. Der verbitterte und arrogante Kyle Hyde ist ein charmant unsympathischer Protagonist, der zuerst seinen Job verliert und dann auch noch seine Wohnung. Gerade mal eine Woche bleibt ihm für den Auszug, da seine Vermieterin das gesamte Gebäude verkauft und zum Abriss freigegeben hat. Als Hyde dann auch noch den Auftrag von einem Unbekannten erhält, etwas zu finden, das schon lange in diesem Gebäude versteckt sein soll, gerät die Geschichte vollkommen außer Kontrolle. Was ist das Geheimnis dieses Gebäudes? Haben Hydes Vermieterin und seine Nachbarn etwas zu verbergen? Und wieso schnüffelt ein mysteriöser Kerl nun auch noch in seiner Vergangenheit herum? „Last Window“ lässt gleich zu Beginn genug Fragen aufkommen, um bis zum Ende Spannung auf höchstem Niveau bieten zu können.
Wie der Vorgänger handelt es sich auch bei „Last Window“ mehr um einen interaktiven Roman als um ein Videospiel. Passend dazu wird der Nintendo DS auch seitlich wie ein Buch gehalten, wobei ihr euch auf dem Touchscreen über eine Karte bewegt, während der andere Bildschirm die 3D-Umgebung zeigt. Der Roman-Stil hat eine Menge Charme ist interessant, ihr müsst euch aber darauf einlassen können. Wer keine Geduld besitzt und am liebsten ein Rätsel nach dem anderen lösen möchte, wird mit den unnötig langen Gesprächen und den Einblicken in die Banalitäten von Hydes Leben nicht viel anfangen können. Doch als Buch betrachtet kann das Konzept mit seinen tiefgängigen Charakteren und der komplexen Geschichte überzeugen.
Den Großteil des Spiels verbringt ihr mit Konversation. Ihr lernt dabei eine Menge tiefgründiger Figuren kennen, die anscheinend alle ihre Geheimnisse haben. Mit den richtigen Fragen erhaltet ihr dabei wertvolle Hinweise, die ihr mit dem Stylus am besten in euer Notizbuch schreibt, um ja nichts zu vergessen. Macht an der richtigen Stelle von eurem Wissen Gebrauch, um Widersprüche aufzudecken, Geheimnisse zu lüften und an neue Informationen zu kommen. So kommt ihr der Wahrheit Stück für Stück ein bisschen näher. Aber wehe ihr stellt die falschen Fragen: Dann kann es nämlich sogar zum „Game Over“ kommen. Das bewahrt euch einerseits davor, durch Raten ans Ziel kommen zu wollen, kann aber auch frustrierend sein. Schließlich ist nicht immer ganz absehbar, welche Auswirkungen eine Frage nach sich zieht.
Rhetorik und Köpfchen
Neben den dominierenden Gesprächen gibt es auch noch am Ende jedes Kapitels einen kleinen Multiple-Choice-Test, bei dem Hyde seine Gedanken sortiert und ihr die letzten Ereignisse richtig rekonstruieren müsst. Und natürlich fehlen auch Rätsel nicht, wenn ihr Anteil auch niedriger ausfällt, als es in den meisten anderen Point&Click-Adventures der Fall ist. Die Rätsel machen natürlich starken Gebrauch vom Touchscreen, auf dem ihr beispielsweise ein Zahlenschloss knacken müsst. Aber es wollen auch Objekte kombiniert oder gefundene Gegenstände an der richtigen Stelle eingesetzt werden. Insgesamt sind die Rätsel interessant, hätten aber ruhig auch noch ein bisschen einfallsreicher sein dürfen. Zumindest wird genug Abwechslung geboten, damit in den zehn Stunden Spielzeit keine Langeweile aufkommt. Wiederspielwert besitzt dieses langatmige Adventure aber kaum.
Die Steuerung funktioniert sowohl bei den Gesprächen als auch bei den Rätseln tadellos und überaus komfortabel. Ihr spielt dabei komplett mit dem Stylus, um Fragen auszuwählen oder mit der Umgebung zu interagieren. Außerdem lässt sich ein praktisches Menü aufrufen, in dem ihr durch eure Notizen blättern oder euch die Profile bisher getroffener Personen anschauen könnt. Neben dem Stylus kommt auch das Mikrofon ab und zu zum Einsatz, was ebenfalls so gut funktioniert, wie es Fans von Cings anderen Point&Click-Adventures „Another Code“ und „Hoten Dusk“ gewöhnt sind.
Der Film-noir-Stil wird optisch durch dunkle Settings und skizzenhafte Sequenzen perfekt umgesetzt. Die 3D-Grafik im laufenden Spiel sieht gut aus, wenn die Umgebung auch ein bisschen unsauber wirkt. Und auch die Musik überzeugt, die dieses Drama einfühlsam unterlegt. Sie trägt stark zur dichten Atmosphäre bei, der zur Formvollendung aber wieder mal eine Sprachausgabe fehlt. Spiele wie „Ankh“ haben vorgemacht, dass auch sehr textlastige NDS-Titel mit einer hochwertigen Sprachausgabe aufwarten können. Auf der anderen Seite bleibt durch die stummen Charaktere aber auch das Roman-Erlebnis stärker gewahrt, das „Last Window“ so besonders macht.
Sascha Geldermann meint...
Das letzte Geheimnis von Cape West ist gelöst und es bleiben viele Gefühle zurück. Ich bin ein wenig erschöpft von den vielen Dialogen, noch ganz überwältig von der dichten Atmosphäre und vor allem begeistert von diesem außergewöhnlichen Konzept, das mehr Roman als Spiel ist. Mit seiner Langatmigkeit wird „Last Window“ so manchen Zocker verschrecken, wer sich darauf einlassen kann, wird dieses Erlebnis aber nicht mehr missen wollen.
Das letzte Geheimnis von Cape West ist gelöst und es bleiben viele Gefühle zurück. Ich bin ein wenig erschöpft von den vielen Dialogen, noch ganz überwältig von der dichten Atmosphäre und vor allem begeistert von diesem außergewöhnlichen Konzept, das mehr Roman als Spiel ist. Mit seiner Langatmigkeit wird „Last Window“ so manchen Zocker verschrecken, wer sich darauf einlassen kann, wird dieses Erlebnis aber nicht mehr missen wollen.

GRAFIK
Skizzenhafte Sequenzen und ein düsteres Setting setzen den Film-noir-Stil hervorragend um. Die 3D-Umgebung im Spiel wirkt aber leicht unsauber.
Skizzenhafte Sequenzen und ein düsteres Setting setzen den Film-noir-Stil hervorragend um. Die 3D-Umgebung im Spiel wirkt aber leicht unsauber.

SOUND
Die Musik trägt wesentlich zur dichten Atmosphäre bei. Aber wieso gibt es wieder keine Sprachausgabe?
Die Musik trägt wesentlich zur dichten Atmosphäre bei. Aber wieso gibt es wieder keine Sprachausgabe?

BEDIENUNG
Sowohl die Gespräche als auch die Rätsel gehen mit dem Stylus bequem von der Hand.
Sowohl die Gespräche als auch die Rätsel gehen mit dem Stylus bequem von der Hand.

UMFANG
Gut zehn Stunden voller Spannung warten auf euch, der Wiederspiel-Wert ist aber gering.
Gut zehn Stunden voller Spannung warten auf euch, der Wiederspiel-Wert ist aber gering.
SPIELSPASS
Außergewöhnliches Adventure in Film-noir-Tradition, das von der ersten Sekunde an fesselt – vorausgesetzt man kann sich auf den langatmigen Roman-Stil einlassen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Außergewöhnliches Adventure in Film-noir-Tradition, das von der ersten Sekunde an fesselt – vorausgesetzt man kann sich auf den langatmigen Roman-Stil einlassen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel