Metroid: Other M
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 23.09.2010
Samus Aran - bisher eines der größten Mysterien der Videospielgeschichte. Seit 1986 sprintet sie auf praktisch jeder Nintendo Konsole (Ausnahme: N64) durch unwirtliche Welten, besiegt Monster und rettet mal um mal die gesamte Galaxie. Und doch ist nur sehr wenig bekannt über die intergalaktische Kopfgeldjägerin, die sich ohne Probleme zu einem Ball zusammenrollen kann. Doch nun wird mit Other M alles anders, und das in zweierlei Hinsicht: erstens gibt Nintendo seine erfolgreiche Erwachsene-Serie aus der Hand und überlässt Team Ninja (DoA, Ninja Gaiden) die Entwicklung, und zweitens wird Samus in diesem Spiel mehr sein, als eine bloße Spielfigur, sie bekommt eine Geschichte und wir hören zum ersten Mal, was die gefährliche Blondine während des Abenteuers denkt. Ist das vielleicht zu viel des guten...?
Es beginnt mit einem Knall
Storytechnisch setzt Metroid: Other M hinter Super Metroid für den SNES an. Anders als in allen bisherigen Teilen knüpft dieser Teil allerdings mehr oder weniger Direkt an den (chronologischen) Vorgänger an, denn die erste Filmsequenz am Anfang zeigt in eindrucksvollen Bildern das Ende des Kampfes zwischen Mother Brain (der Anführerin der Space Pirates) und Samus, bei dem das letzte Metroid-Baby vernichtet wurde, weil es Samus zu Hilfe kam.Samus gewinnt den Kampf zwar, doch ist sie danach stark geschwächt - sie muss mehrere Tage behandelt werden, bevor sie überhaupt wieder auf die Beine kommt. Doch Samus wäre nicht sie selbst, wenn sie das nicht schaffen würde, und so steht sie schon bald im Trainingsraum der galaktischen Föderation, der zeitgleich das Tutorial des Spieles darstellt.
Nachdem dieses Tutorial beendet wurde, wird Samus, gerade auf einem Flug durch das Weltall, von einem Notruf Signal aufgeschreckt: Baby's Cry, die höchste Alarmstufe, abgesendet von der Raumstation Bottleship. Dort angekommen, sieht Samus genau das, was ihr mittlerweile zum Hals heraus hängen dürfte: die Station ist verlassen, die Systeme abgeschaltet, Samus ist auf sich allein gestellt. Oder doch nicht? Kurz nachdem sie die Station betritt, findet sie ein Trägerschiff der Föderation und stößt bald auf einige bekannte Personen: die selbe Truppe, in der sie einst Mitglied war, zusammen mit ihrem damaligen Vorgesetzten: Adam Malkowich. Dass zwischen ihr und Adam nicht wirklich alles in Ordnung ist, lässt sich schon erahnen, doch schließlich fügt sich Samus ihrem Vorgesetzten, der uns fortan sagt, wohin wir gehen und was wir dort tun sollen.
Die Raumstation, Bottleship, ist dabei in 5 Bereiche unterteilt: Das Hauptdeck, die Arktis, der Lava-Sektor, den Regenwald und noch ein weiterer Sektor, über den nichts verraten wird. Das Schiff ähnelt sehr stark dem aus Metroid Fusion, dem ersten Teil auf dem GBA (2002). Und genau wie dort müssen wir auch durch die einzelnen Sektoren rennen und Ziele erfüllen - was meistens bedeutet, dass wir irgend ein außer Kontrolle geratenes Riesenvieh abmurksen müssen. Der Clou der Station: ein Großteil der Umgebungen besteht aus holografischen Projektionen, was den Wechsel von hochtechnischen Gangabschnitten und verwildertem Urwald rechtfertigt.
Adam sagt "Nein"
Es gibt eine Tradition, die vom ersten Spiel an durchgezogen wurde: wegen irgendwelchen Umständen steht Samus niemals von Anfang an ihr komplettes Repertoire an Waffen und Techniken zur Verfügung, wir müssen uns immer irgendwie neue Möglichkeiten erkämpfen. Other M macht da keine Ausnahme und lässt uns Anfangs nur mit Beam, Raketen und Morphball bestückt durch die Gegend laufen. Der Grund allerdings, weswegen wir auf neue Aktionen erst einmal warten müssen, ist allerdings der, Entschuldigung, bescheuertste der gesamten Serie:Adam, Samus' Vorgesetzter, erlaubt es einfach nicht. Erst zu bestimmten Gelegenheiten gibt er den Ice- oder Plasmabeam frei, selbst auf die Morphball-Bomben müssen wir warten. Auch der Grapple-Beam muss erst von Adam autorisiert werden, und die klassische Power-Bombe, sozusagen Samus' stärkste Waffe, bekommen wir bis kurz vor Spielende nicht freigegeben. Ganz ehrlich, diese Art von Fügung hätte ich persönlich niemals von Samus erwartet, musste sie sich in allen vorherigen Titeln ihre Waffen mühsam zusammensuchen. Jetzt ist sie endlich einmal voll ausgerüstet, und dann funkt ihr ein Spielverderber dazwischen? Schwach.
Zwischenzeitlich gibt es allerdings doch einmal ein paar Erweiterungen, die von Gegnern fallen gelassen werden und die wir dann auch sofort benutzen können. Allerdings ist das nicht die Regel. Aufrüstungen wie die Energie-Tanks oder die Missile-Container gibt es aber nach wie vor im Spiel, allerdings fallen diese nicht so üppig aus, wie vielleicht aus der Prime-Trilogie bekannt. Meistens bekommen wir nur eine oder zwei zusätzliche Missiles, die Energiecontainer bringen uns aber jedes Mal 100 weitere Lebenspunkte, allerdings treten sie nicht so oft auf wie in anderen Spielen. Neu sind Items, welche die Aufladezeit unseres Beams verringern - denn die ist anfangs im Vergleich zu den anderen GC- und Wiititeln recht lang ausgefallen.
Kommen wir nun einmal zu dem, was sicherlich am spannendsten ist, nämlich die neue Ansicht, in der wir kämpfen. Spielerisch gesehen geht Metroid wieder auf seine Wurzeln zu, zum klassischen Jump 'n' Run. Allerdings sollte man sich von der angeblichen 2D-Ansicht nicht täuschen lassen, denn das Spiel ist nicht, wie von vielen erhofft, eine Umsetzung der "alten" Serie für Wii. Nach wie vor können wir uns frei im Raum bewegen, wenn wir die Perspektive von der Seite sehen, können wir immer noch nach vorn und hinten laufen, oft sehen wir Samus aber auch aus der Verfolgerperspektive oder einer sehr Atmosphärischen Over-The-Shoulder Ansicht (ähnlich der aus Dead Space (Original)).Was viele Spieler bestimmt sehr interessiert, ist die Ego-Perspektive, mit der das Spiel von Anfang an beworben wurde. Das Spiel wird normalerweise mit waagerecht gehaltener Wii-Fernbedienung gespielt, doch wenn wir sie auf den Fernseher richten, wechselt das Spiel in die Egoansicht, es sieht auf einmal genau so aus, wie die Prime-Teile. Mit einer kleinen Ausnahme: wir können uns nicht bewegen, höchstens im Kreis drehen und auf und ab gucken. Dieser Modus ist die einzige Möglichkeit, die Raketen abzufeuern, was leider sehr schnell in hektischeshin- und herwechseln zwischen 3rd Person und Egoperspektive ausartet, denn die Gegner sind alles andere als leicht.
Anhänger des Scan-Wahns aus den Prime-Spielen werden übrigens enttäuscht sein. Trotz der Ego-Perspektive und den Scan-Möglichkeiten (einige Dinge müssen wir immer noch einscannen, um Informationen zu erhalten) gibt es nichts mehr, was es in der Ego-Perspektive zu entdecken gibt. Umgebungen können nicht mehr eingescannt werden, Infobildschirme liefern keine lustigen Informationen über gescheiterte Morphball-Experimente der Space Pirates mehr, und die Hilfen über Schwachstellen bei Endgegnern können wir auch einfach vergessen.
Eine Space Opera
Wo das Gameplay klare Schwächen aufzeigt, punktet die Story umso mehr. Fantastische Zwischensequenzen, die gekonnt in die auf den ersten Blick tolle Grafik übergehen, beantworten Fragen aus dem Leben von Samus, die sich einige Spieler bestimmt seit Beginn der Serie stellen. Allerdings kommt dabei ein sehr unschöner Aspekt zu Tage: Samus ist dickköpfig, zickig und neigt zur totalen Überdramatisierung der Lage. Die Dialoge zwischen ihr und den Crewmitgliedern (und Adam), ihre "inneren Monologe" wie es im Deutschunterricht immer so schön hieß, und die Szenen aus ihrer Vergangenheit, wirken sehr aufgesetzt und lassen einen starken Seifenoper-Charakter zurück. Das tut den interessanten Fakten und der sehr dichten Story keinen Abschlag, aber für mich persönlich brach einerseits das Bild, das ich bisher von Samus hatte, zusammen, andererseits hatte ich aber auch sehr oft das Gefühl, mit einer anderen Figur zu spielen, als es eigentlich sein sollte. Vielleicht waren 24 Jahre doch etwas zu Lang, um erst jetzt einen festen Charakter in die Serie und deren Hauptfigur einzubauen?Spielerisch bleibt trotzdem noch ein gutes Spiel, das mehr oder weniger gekonnt alte Elemente mit neuer Grafik mischt und ein recht einzigartiges Spielerlebnis bietet. Gerade die düstere Stimmung in der menschenleeren und scheinbar nicht ganz legalen Station lässt das alte Metroid-Feeling immer wieder aufleben, besonders dann, wenn es in die Over-The-houlder Perspektive geht. Da läuft einem schon einmal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn hinter jeder Ecke ein Monster warten könnte.
Allerdings ging mir beim Spielen ein Eindruck nicht aus dem Kopf: irgendwie wirkt das Spiel wie eine 3D-Umsetzung vom eben genannten Metroid Fusion (welches übrigens chronologisch der Nachfolger zu Other M ist), denn fast alle Gegner, sogar einige Endgegner, kennen wir bereits aus dem GBA-Titel, und an deren Eliminierungsmethode hat sich ebenfalls nichts geändert.
Zu erwähnen bleibt zudem, dass die Entwickler einen neuen Weg eingeschlagen haben, um die Vorräte an Missiles und Energie aufzufüllen. Wenn wir die Wii-FB aufrecht halten und A drücken, wird unser Missile-Vorrat automatisch aufgefüllt. Für den Fall dass wir in den roten Bereich unserer Energie gelangen (die Anzeige blinkt dann), wird zudem unsere Energie noch zu einem gewissen Anteil wieder aufgefüllt. Das klingt im ersten Moment vielleicht sehr leicht, aber gerade in größeren Gefechten fehlt uns einfach die Zeit, um in Ruhe stehen zu bleiben und die Energiereserven wieder aufzufüllen.
Vollständig regeneriert wird allerdings, wie in den anderen Spielen auch, an den sehr fair verteilten Speicherstationen überall im Spiel. Der Schwierigkeitsgrad ist im Allgemeinen recht angenehm, allerdings steigen die Anforderungen gegen Ende hin zu stark an, besonders da die Hinweise durch das Scannen fehlen. Das Zielen in der 3rd Person Perspektive erfolgt dabei Automatisch, bei der Ego-Perspektive müssen wir mit der Fernbedienung zielen.
Technisches Mittelmaß
Sind die Zwischensequenzen optisch beeindruckend, tauchen bei der In-Game Grafik schnell Zweifel auf. Insgesamt sieht Other M recht gut aus, auch das Kantenflimmern wurde stark reduziert, und Ruckler findet man eigentlich gar nicht im Spiel. Allerdings sehen gewisse Dinge wie Lava, Eis und einige Umgebungen längst nicht so gut aus, wie man vom Titel gedacht hätte. Die Animationen der Figuren sind in Ordnung, besonders Samus' Finish-Moves machen einiges her, doch wirken manche von ihnen viel zu schnell und/oder zu hektisch. Wirklich meckern kann man über die Grafik aber nicht, besonders nicht wegen der erstklassigen Zwischensequenzen.Im Bereich Sound wurde allerdings an nichts gespart. Samus hat endlich eine Stimme, und sie kann tatsächlich Sprechen! Auch die Sprecher der anderen Charaktere sind in Ordnung, die Musik ist das, was man von Metroid her kennt. Düstere, ruhige oder hektische Melodien, je nach Lage, untermalen das Spielgeschehen, und der klassische Metroid-Jingle darf natürlich auch nicht fehlen. Dass es dabei keine deutsche Sprachausgabe gibt, finde ich persönlich nicht wirklich schlimm, denn die englische Vertonung verdient einfach nur Bestnoten.
Die Steuerung bringt das Spiel allerdings wieder zurück auf den Boden. Denn obwohl die Idee, den Modus durch das Drehen der Fernbedienung umzuschalten, durchaus gut gemeint war, so geht das Spiel oft in einen hektischen Wechsel von Ego- zu 3rdperspektive und zurück über. Auch dass das Spiel mit waagerecht gehaltener Fernbedienung gespielt wird ist am Anfang durchaus in Ordnung, aber gerade dann wenn es daran geht, schnell zu reagieren oder auszuweichen, wäre vielleicht die Unterstützung des Classic-Controllers oder des Nunchuk besser gewesen, doch die fehlt komplett. Allerdings verzichtet das Spiel komplett auf Schütteleinlagen - danke dafür.
Das Spiel bietet eine ungefähre Spielzeit von ca. 9-10 Stunden, einen Multiplayer gibt es nicht.
Aljoscha Reuther meint...
Nunja, der Versuch, mit Metroid in eine andere Richtung zu gehen, ist nicht vollkommen in die Hose gegangen. Team Ninja hat ein gutes Spiel abgeliefert, und Samus hat nun endlich einen eigenen Charakter und ist nicht nur die mehr oder weniger stumme Hülle, die wir durch die wohl gefährlichsten Bereiche der Galaxie treiben. Allerdings geht ihr Charakter zu sehr von dem Bild ab, dass sich wohl viele Spieler über die Jahre von ihr gebildet haben, und vor allem die stark überspitzten Dialoge mit Seifenoper-Charakter passen nicht wirklich in die Serie. Dennoch ist das Spiel ein Muss für jeden Metroid-Fan, denn Samus' Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind durchaus interessant anzusehen, und gerade die Zwischensequenzen verdienen ein besonderes Lob. Aber das nächste mal bitte wieder Retro - oder Nintendo selbst.
Nunja, der Versuch, mit Metroid in eine andere Richtung zu gehen, ist nicht vollkommen in die Hose gegangen. Team Ninja hat ein gutes Spiel abgeliefert, und Samus hat nun endlich einen eigenen Charakter und ist nicht nur die mehr oder weniger stumme Hülle, die wir durch die wohl gefährlichsten Bereiche der Galaxie treiben. Allerdings geht ihr Charakter zu sehr von dem Bild ab, dass sich wohl viele Spieler über die Jahre von ihr gebildet haben, und vor allem die stark überspitzten Dialoge mit Seifenoper-Charakter passen nicht wirklich in die Serie. Dennoch ist das Spiel ein Muss für jeden Metroid-Fan, denn Samus' Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind durchaus interessant anzusehen, und gerade die Zwischensequenzen verdienen ein besonderes Lob. Aber das nächste mal bitte wieder Retro - oder Nintendo selbst.

GRAFIK
Die Grafik ist in Ordnung, aber kein Meilenstein, einige Objekte sehen hässlich und einige Texturen stark verpixelt aus. Die Grafik der Zwischensequenzen ist allerdings hervorragend.
Die Grafik ist in Ordnung, aber kein Meilenstein, einige Objekte sehen hässlich und einige Texturen stark verpixelt aus. Die Grafik der Zwischensequenzen ist allerdings hervorragend.

SOUND
Samus hat endlich eine Stimme, von der man mehr hört als schmerzvolle Ausdrücke. Die Qualität der englischen Sprecher ist gut, die Musikstücke sind passend, aber manchmal etwas schnell wiederholt.
Samus hat endlich eine Stimme, von der man mehr hört als schmerzvolle Ausdrücke. Die Qualität der englischen Sprecher ist gut, die Musikstücke sind passend, aber manchmal etwas schnell wiederholt.

BEDIENUNG
Der gut gemeinte Wechsel von der Ego- zur Verfolgerperspektive ist interessant, allerdings macht es das Spiel unnötig kompliziert, bis auf das Raketen verschießen und einige Suchspielchen ist die Egoperspektive sinnlos.
Der gut gemeinte Wechsel von der Ego- zur Verfolgerperspektive ist interessant, allerdings macht es das Spiel unnötig kompliziert, bis auf das Raketen verschießen und einige Suchspielchen ist die Egoperspektive sinnlos.

UMFANG
Die Spielzeit beträgt ungefähr 9-10 Stunden - das geht in Ordnung. Nicht in Ordnung ist das Recyclen von (End)Gegnern und teilen des Szenarios aus Metroid Fusion.
Die Spielzeit beträgt ungefähr 9-10 Stunden - das geht in Ordnung. Nicht in Ordnung ist das Recyclen von (End)Gegnern und teilen des Szenarios aus Metroid Fusion.
SPIELSPASS
Gute Ideen rund um Samus, leider schwächelt das Gameplay.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gute Ideen rund um Samus, leider schwächelt das Gameplay.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action
Entwickler
Team Ninja
Publisher
Nintendo
Releasedatum
03.09.2010
USK-Freigabe
TBA
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Action
Entwickler
Team Ninja
Publisher
Nintendo
Releasedatum
03.09.2010
USK-Freigabe
TBA
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