The Kore Gang
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 31.08.2010
Eine Welt, die im inneren unseres Planeten liegt, 2 Kinder und ein Hund in einem Kampfanzug und ein riesiger Bohrer, der plötzlich mitten in Manhattan auftaucht. Wie passt das zusammen? All das sind die Kernelemente des neuen Jump 'n' Runs The Kore Gang das bereits im Vorfeld von einigen Magazinen als harter Konkurrent für Mario gehandelt wurde. Doch was steckt wirklich hinter dem Spiel mit dem abgedrehten Setting - guter Jump 'n' Run Spaß oder verweichlichter Casual-Mist?
Invasion der Inner-Irdischen
Die größte Gefahr für die Menschheit liegt nicht "irgendwo da draußen", sondern in unserem eigenen Planeten - zumindest wenn es nach den Entwicklern von The Kore Gang geht. Denn der leicht zerstreute Wissenschaftler Dr. Samuelson hat, von seinem Forschungsdrang getrieben, eine Zivilisation im Inneren der Erde gefunden - die Inner-Irdischen. Und natürlich gibt es unter den Bewohnern auch solche, die nach immer mehr Macht gieren - die Krank-Brüder. Die drei Bösewichte nehmen Dr. Samuelson gefangen und zwingen ihn, die Koordinaten für "oben" preiszugeben - um die Erde und ihre Oberfläche komplett zu erobern. Und die drei Brüder beginnen sofort mit der Invasion.Plötzlich wird Manhattan von mehreren Erdbeben erschüttert, gerade dann, als die akrobatische Pixie das Empire State Building besteigen möchte. Durch das Erdbeben verliert sie den Halt und stürzt in die Tiefe - und aus Zufall genau in den Eingang zu Dr. Samuelson's geheimen Labor. Völlig unversehrt kommt sie vor einem großen, seltsamen Anzug zum stehen - den Kore-Suit - und natürlich schlüpft sie sofort hinein. Und schon beginnt das Abenteuer, denn die Aktivierung des Suits ruft Dr. Samuelson auf den Plan, der Pixie die Situation erklärt und sie bittet, ihn zu befreien. Kurzerhand schwingt sich Pixie dann in das nächste Loch, um die hinterhältigen Krank-Brüder aufzuhalten.
Kurze Zeit später treffen wir auf den zweiten Charakter, Madboy, der sich auch gleich dazu entschließt, sich Pixie anzuschließen, und prompt werden wir von einem riesigen Monster verschlungen. Später im Spiel finden wir dann auch den letzten Charakter, Rex, Madboy's Hund.
Das alles klingt am Anfang durchaus verwirrend und wirkt auch auf den ersten Blick etwas komisch, doch schon nach wenigen Minuten wird klar: The Kore Gang ist nicht nur ein weiteres, langweiliges Spiel, dass auf die Wii kommt. Die 30 Missionen führen uns durch allerhand Welten, von den Innereien des eben bereits angesprochenen Monsters, über blühende Wiesen und Felder bis über die Dächer von New York - die Vielfalt an Welten ist einfach nur herrlich und wird nur sehr selten langweilig. Der logische Zusammenhang ist dabei allerdings nicht immer ersichtlich, es wird nicht immer klar, wo wir uns gerade eigentlich befinden, ob die einzelnen Welten nun im Inneren des Krank-Tanks oder in der Welt der Inner-Irdischen zu finden sind. Doch diese Frage verliert sehr schnell an Bedeutung, denn egal wo wir spielen, das Abenteuer der 3 Helden im Kampfanzug macht immer Laune und glänzt mit hervorragendem Humor.
Doch bleiben wir erst einmal bei der Spielweise. Wie schon gesagt, spielen wir mit nur einem Kampfanzug, dem Kore-Suit. Dieser passt sich immer an die Person an, die ihn gerade befehligt. So verwandeln sich seine Hände bei Pixie in Kletterwerkzeuge und der Anzug ermöglicht einen Doppelsprung, um höher und weiter zu springen. Bei Madboy wird er zu einer Kampfmaschine mit großen Fäusten und beim Hund Rex stellt sich der Kore-Suit auf vier Beine, lässt uns schneller laufen, entfernte Gespräche belauschen und Fährten per Geruch aufnehmen. Alle Fähigkeiten werden im Spiel sinnvoll miteinander kombiniert, allerdings ist das Wechseln der Charaktere ab und an etwas nervig, wenn es auf Schnelligkeit ankommt. Denn mit Pixie und Rex ist es nicht möglich, auch nur Ansatzweise zu kämpfen.
Während des Spieles bekommen wir zudem noch Spezialfähigkeiten spendiert, so kann sich Pixie an Ankerpunkten festhalten (um zu schwingen oder weiter zu klettern) oder den Kampfanzug durch elegante Pirouetten über ein gefährliches Gebiet schweben lassen - natürlich Stilecht mit Ballerina-Kleidchen. Madboy bekommt eine Art Wirbelwind-Faust und kann explodierende Geschosse auf unsere Gegner werfen und Rex kann mit seinem Jaulen alle Gegner in der Nähe für kurze Zeit paralysieren. Die Masse an Möglichkeiten bleibt jedoch stets überschaubar und überfordert nur sehr selten, allerdings könnte die Steuerung in manchen Belangen etwas präziser sein. Doch dazu später mehr.
Ooond, Hunter Bunter und Tic von Tac
3 Ungewöhnliche Namen - für 3 ungewöhnliche Wesen. Die 3 Krank-Brüder, die Hauptwidersacher im Spiel, halten für unsere Helden einige Schwierigkeiten bereit. Neben den normalen Gegnern gibt es immer wieder klassische Zwischengegner, bevor wir dann zum letzten, großen Endkampf kommen - und natürlich die Erde retten.Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei recht stetig an, sodass der Einstieg ins Spiel gut von der Hand geht, das Spiel aber auch mit der Zeit immer kniffliger wird. Dennoch bleibt der Schwierigkeitsgrad praktisch bis kurz vor dem großen Ende noch recht lasch, zieht dann aber im letzten Level kräftig an und kann sogar kurzzeitig die Spiellaune verderben. Zudem werden die Speicherpunkte, die beim Spiel immer automatisch vorhanden sind (wir müssen nicht von Hand abspeichern) in den letzten Spielpassagen sehr Rar, und gerade bevor wir zum letzten Bosskampf antreten gibt es keinen, sodass wir eine sehr frustrierende Spielpassage wiederholen müssen, sobald wir die Wii ausgeschaltet bzw. das Spiel beendet haben. Allerdings müssen wir den besagten Abschnitt nicht wiederholen, wenn wir während des Bosskampfes das Zeitliche segnen - wenigstens etwas.
Apropos sterben - dafür gibt es im Spiel mehr als genug Möglichkeiten. Wir können abstürzen, verbrennen, vergiftet, oder einfach im Kampf von einem der zahlreichen Gegner besiegt werden. Sorgen machen brauchen wir uns darum allerdings nicht, denn wir steigen einfach wieder ins Spiel ein, eine limitierte Anzahl von Leben gibt es nicht. Zudem lädt sich der Kore-Suit immer wieder von selbst auf. Seinen Zustand erkennen wir allerdings nur anhand der großen Leuchte auf dem Rücken des Roboters. Leuchtet sie blau oder grün ist alles in Ordnung, bei gelb mussten wir schon einige Treffer einstecken, und bei rot wird es Zeit sich aus dem Kampf zurück zu ziehen und kurz zu warten, bis sich der Anzug wieder aufgeladen hat.
Auf die Geschichte und die Hauptcharaktere sind wir bereits eingegangen, bleiben noch die Nebencharaktere. Diese zeichnen sich, wie auch der Rest des Spieles, durch wunderbare Ideen aus, zum Beispiel das Gegnerdesign oder auch die kleinen Gesangseinlagen, die immer wieder vorkommen. Die Texte sind zwar immer wieder mehr als peinlich, wer allerdings auch nichts gegen die Schnulzenlieder singenden Tiere von Disney hatte, wird auch das überstehen. Zumal die Lieder klar als Teil des Humors gesehen werden können, der sich durch das gesamte Spiel zieht. Gerade die abgedrehten Mitglieder des Wiederstandes (eine Art Freiheitskämpfergruppe der Inner-Irdischen), die uns zur Seite stehen, sind zum Schießen. Sie sehen genau so aus wie die normalen Gegner im Spiel, unterscheiden sich jedoch dadurch, dass sie ein kleines Partyhütchen auf dem Kopf tragen und uns nicht, wie alles andere in der Spielwelt, angreifen.Auch die Dialoge, sowohl zwischen den Insassen des Kampfanzuges und Dr. Samuelson als auch die der Gegner lassen den Spieler garantiert immer wieder Lachen, gerade wenn es um die sehr passenden Synchronstimmen geht.
Spaßiges Hüpfen nach alter Schule
Kommen wir zur Technik, und starten wie immer mit der Grafik. Diese ist keinesfalls schlecht, gerade das Design der Welten und der Gegner spricht eigentlich sehr für den Titel. Doch ein Problem bleibt, denn die Grafik ist, oder eher wirkt sehr altbacken. Der Titel erinnert grafisch sehr stark an den letzten "echten" Rayman-Teil: Rayman 3, der mittlerweile aber auch schon 7 Jahre auf dem Buckel hat. Alle Objekte sind stark verkantet, die Texturen teilweise matschig und großartige Effekte darf man bei The Kore Gang einfach nicht erwarten. Die quietschbunten und wirklich eindrucksvoll designten Spielwelten machen diesen Eindruck zwar sehr schnell wieder Wett, doch gibt es immer wieder einige sehr unschöne Stellen im Spiel, bei denen man sich wirklich fragt "geht das nicht auch auf der Wii besser?"Insgesamt hat das Spiel jedoch keine schlechte Grafik, im Gegenteil. An die Grafikpracht von Super Mario Galaxy (2) kommt sie zwar nicht heran, doch der comicartige Look und die vielen verschiedenen und mit liebe gestalteten Spielwelten lassen gerne darüber hinwegsehen.
Allerdings hat das Spiel eine recht große Schwäche: die Kamera. Im Normalfall arbeitet sie zwar zuverlässig, jedoch bleibt sie des öfteren einmal hängen oder versperrt uns durch einen ungünstigen Winkel die Sicht auf wertvolle Gegenstände oder Wege im Level. Schön sind allerdings die vorgerenderten Zwischensequenzen anzusehen.
Der Sound im Spiel ist dagegen richtig gut gelungen. Ein geradezu perfekter Soundtrack, der dem Spiel das letzte bisschen nötige Atmosphäre verleiht ist ebenso vorhanden wie sehr gute Synchronsprecher. Das gesamte Spiel ist durchvertont, es gibt keine einzige Stelle, an der wir nur ödes Gebrabbel hören und uns durch ellenlange Texte lesen müssen - jeder einzige Dialog, und wenn es nur das Streitgespräch von 2 Gegnern ist - wurde vertont. Die Sprecher geben dabei ihr bestes, um den Humor des Spieles noch zu verstärken, und das mit Erfolg. Einzig und allein die Lippensynchronität hätte etwas mehr beachtet werden können.Die Steuerung ist insgesamt recht Ordentlich, auch wenn sie teilweise etwas genauer sein könnte, gerade wenn es darum geht, mit Madboy die Geschosse zu werfen oder mit Pixie über einen Graben voller Gift zu tänzeln - denn dabei muss man die Wii-Fernbedienung aufrecht halten und im Kreis drehen, und dass führt des öfteren dazu, dass die Bewegung nicht erkannt wird, Pixie abstürzt und stirbt. Generell verzichtet das Spiel aber auf große Schüttelorgien, wie es bei vielen anderen Spielen der Fall ist, was dem Titel durchaus zugute kommt.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass mit The Kore Gang ein sehr gutes, vor allem aber sehr schönes 3D-Jump 'n' Run der alten Schule auf die Wii gekommen ist, dass sich vor keinem anderen Spiel verstecken muss, trotz einiger Schwächen in der Grafik und der Steuerung. Der Humor und die wunderbaren Spielwelten machen dieses Spiel - zurecht - einzigartig.
Aljoscha Reuther meint...
The Kore Gang ist nicht perfekt, und ich wage es zu behaupten, dass es das auch gar nicht will. Und gerade da liegt sein Charme, denn die Entwickler haben sich darauf konzentriert, keine Grafikdemo zu verkaufen, sondern eine tolle Geschichte mit abgedrehtem Humor und tollen Spielwelten zu erschaffen, und das ist ihnen mehr als geglückt. Der Schwierigkeitsgrad ist - bis auf die letzte Mission - durchaus angenehm und im Spiel wird es selten langweilig. Für mich definitiv eines der besten Jump 'n' Runs in diesem Jahr, denn etwas Abwechslung vom perfekten und blank polierten Super Mario Galaxy war einfach einmal bitter nötig!
The Kore Gang ist nicht perfekt, und ich wage es zu behaupten, dass es das auch gar nicht will. Und gerade da liegt sein Charme, denn die Entwickler haben sich darauf konzentriert, keine Grafikdemo zu verkaufen, sondern eine tolle Geschichte mit abgedrehtem Humor und tollen Spielwelten zu erschaffen, und das ist ihnen mehr als geglückt. Der Schwierigkeitsgrad ist - bis auf die letzte Mission - durchaus angenehm und im Spiel wird es selten langweilig. Für mich definitiv eines der besten Jump 'n' Runs in diesem Jahr, denn etwas Abwechslung vom perfekten und blank polierten Super Mario Galaxy war einfach einmal bitter nötig!

GRAFIK
Exzellentes Leveldesign mit viel Liebe zum Detail, allerdings wirkt die Grafik sehr altbacken und es wäre sicherlich mehr drin gewesen.
Exzellentes Leveldesign mit viel Liebe zum Detail, allerdings wirkt die Grafik sehr altbacken und es wäre sicherlich mehr drin gewesen.

SOUND
Ein perfektes Beispiel, wie der Sound in einem Spiel zu sein hat. Hier passt einfach alles, von der superstimmigen Hintergrundmusik bis zu den perfekt ausgewählten Synchronsprechern!
Ein perfektes Beispiel, wie der Sound in einem Spiel zu sein hat. Hier passt einfach alles, von der superstimmigen Hintergrundmusik bis zu den perfekt ausgewählten Synchronsprechern!

BEDIENUNG
Die Bedienung ist solide, könnte aber gerade wenn es um die Bewegungserkennung geht etwas genauer sein. Allerdings wird auf großes Herumgefuchtel verzichtet.
Die Bedienung ist solide, könnte aber gerade wenn es um die Bewegungserkennung geht etwas genauer sein. Allerdings wird auf großes Herumgefuchtel verzichtet.

UMFANG
30 Missionen, die uns durch mehrere Welten führen, sorgen für langen Spielspaß, der immer fordernder wird.
30 Missionen, die uns durch mehrere Welten führen, sorgen für langen Spielspaß, der immer fordernder wird.
SPIELSPASS
Toller Hüpfer mit fantastischem Soundtrack und genialem Humor!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Toller Hüpfer mit fantastischem Soundtrack und genialem Humor!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Jump 'n' Run
Entwickler
SnapDragon, Zoink
Publisher
Pixonauts
Releasedatum
11.08.2010
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Jump 'n' Run
Entwickler
SnapDragon, Zoink
Publisher
Pixonauts
Releasedatum
11.08.2010
USK-Freigabe

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