Samurai Warriors 3
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 10.06.2010
Japan im 16. Jahrhundert: verschiedene Clans bekriegen sich mit ihren Armeen um die Herrschaft auf der großen Insel. Riesige Heere treffen in epischen Schlachten aufeinander, immer dabei die berühmt-berüchtigten Samurai, Elitekämpfer der ersten Schule. Mit Samurai Warriors 3 werfen wir uns selbst in den Kampf und treten als General (oder Generälin) auf riesigen Schlachtfeldern gegen Massen von Gegnern an. Kann der Titel überzeugen, nachdem sein Vorgänger Samurai Warriors: Katana von der Presse geradezu zerrissen wurde?
Zum Angriff!
Die Story des Spieles kann man nicht sehr gut beschreiben. Samurai Warriors 3 besteht aus mehreren Geschichten, die sich um den Siegeszug von verschiedenen Armeen drehen, je nach dem welchen Charakter wir zum Spielen auswählen. Das Grundprinzip bleibt allerdings gleich: auf riesigen Karten kämpfen wir mit verschiedenen anderen Generälen gefühlt ein paar Millionen von Gegnern, immer und immer wieder.Dabei kommt es, für die Kampagne, auf den von uns ausgewählten Samurai an. Der eine ist ein Befreiungskämpfer, der andere möchte das gesamte Land unterdrücken. Insgesamt 10 spielbare Charaktere stellt uns das Spiel von beginn an zur Verfügung, die allesamt andere Eigenschaften haben (ähnlich wie Autos bei einem Rennspiel). Doch die Kampagnen selbst unterscheiden sich kaum, höchstens von den Karten und einigen wenigen Details in der Missionsführung.
Bevor wir jedoch Anfangen können, bekommen wir für jeden der 10 Charaktere erstmal ein kleines Einführungsvideo gezeigt, in dem wir erfahren, wie er/sie in die jeweilige Situation gekommen ist. Danach folgt ein ausführliches Briefing über die Mission, und dann geht es schon los, hinein in die Schlacht.
Und dort fängt die eigentliche Enttäuschung des Spieles an, denn das Missionsdesign, die Charaktere und ihre Präsentation, das Briefing und die vielen Möglichkeiten, die wir haben (zum Beispiel das Aufwerten von Schwertern und Rüstungen) haben eine recht hohe Erwartung aufkommen lassen. Die Ernüchterung erfolgt erst einmal in der Optik, denn die ist höchstens auf Dreamcast-Niveau, verwaschene Texturen und recht niedrige Sichtweite gehen einher mit langweiligem Design und sterilen, leblosen Umgebungen. Ein Großteil des Blickfeldes wird durch diverse Einblendungen, zum Beispiel der Karte, verdeckt, und der etwas zu hohe Kamerawinkel tut dann den Rest, um der Optik ganz klar eine Schlechte Bewertung zu geben.
Weiter geht es dann mit den auf uns einstürmenden Gegnermassen. Dass bei so etwas nicht wirklich eine ausgereifte KI von Nöten ist, sollte verständlich sein, allerdings überspannt Samurai Warriors 3 den Bogen hier erheblich. Hölzerne, schlecht animierte Wackelfabrikate rennen auf uns zu, bleiben vor uns stehen (setzen sich teilweise sogar einfach hin???), und lassen sich brav von uns abmetzeln. Schlimmer noch, wenn ein bestimmtes Ereignis eingetreten ist (wir zum Beispiel einen feindlichen General besiegt haben) treten alle sofort den Rückzug an. Überall auf der Karte sind Bereiche, in die wir als Spieler nicht eintreten können, und genau dorthin fliehen die Holzsoldaten, teilweise mit den selben Animationen bestückt, mit denen sie uns schon angegriffen haben (mit gezücktem Schwert/Keule). Wollen wir ihnen folgen, treffen wir irgendwann auf die Mauer, hinter der die Pappsoldaten in aller Seelenruhe stehen, während wir nur ein hässliches Symbol angezeigt bekommen, dass es hier für uns nicht weiter geht (ein durchgestrichenes, laufendes Männchen).
Unsichtbare Wände sind schon sehr unschön, vor allem in modernen Spielen. Doch was dem ganzen noch die Krone aufsetzt, ist das Missionsdesign. Natürlich haben wir auch eine Armee, die brav hinter uns her rennt und auch ab und an einmal in Aktion tritt und die Feinde ebenfalls Angreift (mehr oder weniger Erfolgreich). Auch in dieser Armee sind neben uns noch einige weitere Generäle, die irgendwo auf den zugegeben riesigen Karten versteckt sind. Aber was ist der Worst-Case bei solchen Spielen, was das Missionsdesign angeht?Meiner Meinung nach ist das ganz einfach: dass die Mission gescheitert ist, wenn ein NPC aus meinem Team stirbt. Man kennt es zu genüge: "Beschütze die Geisel" "Beschütze den Präsidenten" "Beschütze [generischer Spielfigurenname hier]". Leider sind die zu Beschützenden Subjekte meistens mit einer schlechten KI ausgestattet und rennen ohne weiteres direkt ins Feindfeuer, meistens kurz vor Ende des Levels. Figur tot, Mission gescheitert, alles nochmal.
Ähnlich läuft es auch bei Samurai Warriors 3 ab. Auch hier lautet die Niederlagenbedingung zu oft "[Name hier] muss überleben" oder "[Name hier] darf nicht sterben!". Meistens ist dies nicht einmal mit einem Grund belegt, er/sie muss einfach überleben. Das eigentliche Problem ist dabei aber nicht, dass diese Person nicht einfach zu beschützen ist - genau wie alle anderen Figuren (außer uns) im Spiel auch steht sie lieber in der Gegend herum und spielt den friedlichen Freiheitskämpfer, als sich direkt in Gefahr zu begeben. Das Problem hierbei ist vielmehr, dass die zu beschützende Person sehr oft irgendwo auf der Karte ist, wo wir sie nie schnell erreichen können und teilweise von unseren anderen Aufgaben abbrechen müssen, um sie zu beschützen. Wenn es dann doch einmal zum Kampf kommt.
Ein weiteres Problem sind die Namen. Authentisch verleiht das Spiel zwar jeder wichtigen Spielfigur einen japanisch klingenden Namen, allerdings gibt es zu diesem Namen nie ein Gesicht, und dank der Fülle an Namen in jedem Level verliert man immer sehr schnell die Übersicht. Wenn wir also Yasakuza Orishi besiegen müssen, Ramariho Yakazuka dabei nicht sterben darf, Ono Watanabe Probleme beim Kampf mit Kashiro Aku hat und Saikji Sokotaru unsere Unterstützung fordert, könnte es leicht zu Verwirrungen kommen. Und ja, ich weiß dass ich nicht gerade gut bin, wenn es um japanische Namen geht. Die Generalkämpfe im Spiel sind übrigens eine der wenigen Herausforderungen, die dem Spieler entgegenstehen, normale Fußsoldaten sind reines Schwertfutter.
Technoklänge und KO-Counter
Begleitet werden die Kämpfe, die wir manchmal sogar zu Pferd bestreiten können, von trashigem Asia-Techno, was mal gar nicht zum Setting passt. Wer eine Kostprobe haben möchte, kann sich gerne einmal die Hintergrundmusik von alten Beat 'em Up Spielen wie Tekken oder Battle Area Toshinden anhören, es um eine stufe verschlechtern und schon hat er den Soundtrack des Spieles. Billigtechno hat in einem Kampfspiel im feudalen Japan nichts zu suchen! Also wirklich!Aber es ist nicht alles schlecht an Samurai Warriors 3. Die Animationen unserer Kämpfer sind durchaus nett anzusehen, die Steuerung kommt komplett ohne Wii-FB gefuchtel aus und das Spiel strotzt nur so vor Spielmöglichkeiten. Abseits der Kampagne können wir alle bisherigen Karten noch einmal so spielen, es gibt einen guten Online-Multiplayer und es ist noch ein zweites Spiel "im Spiel" integriert. Der Titel nennt sich "Burg Murasame" und basiert auf dem Spiel "Die rätselhafte Burg Murasame", einem Titel von Nintendo, der nie außerhalb von Japan veröffentlicht wurde.
Lustigerweise ist das "Spiel im Spiel" wesentlich fordernder und Spaßiger, als der generelle Spielinhalt, alleine schon deshalb, weil die Story interessanter und die Karten kleiner sind. Vier Burgen, die allesamt von Dämonen befallen sind, sowie die umliegenden Länder müssen gesäubert werden, um eine todbringende Seuche aus dem Land zu fegen. Die namensgebende Burg Murasame ist dabei der Sitz des bösesten der Dämonen, der für die Verseuchung verantwortlich ist. Leider verliert auch dieser Spielmodus recht schnell an Reiz, da auch hier die KI nervt und teilweise ähnliche Missionsvorgaben wie im restlichen Spiel vorhanden sind.
Apropos restliches Spiel, da bleibt noch etwas von der Spielmechanik, dass ich noch nicht ganz erklärt habe. Da ist zum Beispiel der KO-Counter, der wieder etwas vom "Flair" des Spiels weg nimmt. Wir "töten" unsere Gegner nicht, wir schlagen sie nur KO. Unten am Bildschirmrand ist ein Counter, der während einer Schlacht schon einmal gerne über 500 klettert.
Das Andere sind die Zauberkräfte, die unser Kämpfer hat. Neben Schwerthieben können wir noch 3 Zauber beschwören. Zum einen ist dies, dass das Schwert verzaubert wird, was zusätzlichen Schaden verursacht. Der zweite Zauber ist bei jedem Charakter unterschiedlich, manchmal schleudert er eine Blitzkugel um uns herum, manchmal greift er nur verstärkt an. Der dritte Zauber ist wieder bei allen Charakteren gleich, er verlangsamt die Zeit und lässt uns schneller und härter angreifen. Allerdings muss für diesen Zauber eine Leiste (Musou) voll sein, die sich während dem Kampf füllt.
Insgesamt fehlt dem Spiel aber einfach der richtige Dreh, um wirklich Spaß zu machen. Die Missionen sind immer die gleichen, die Spaßkurve sinkt viel zu schnell, was auch noch von der tristen Optik, der nicht vorhandenen KI und der blöden Siegbedingungen ([Name hier] darf nicht sterben) verstärkt wird. Die wenigen Lichtblicke des Titels gehen einfach unter.
Aljoscha Reuther meint...
Am Anfang war Samurai Warriors 3 recht lustig zu Spielen. Massenschlachten, viele Charaktereund riesige Schlachtfelder haben durchaus ihren Reiz gehabt, zudem hat der Menüteil, der richtig gut designt ist, Lust auf mehr gemacht. Nett ist auch, dass jeder Charakter seine eigene Videoeinführung hat. Doch leider endet die Liste der auffallend guten Sachen hier bereits, alles andere wirkt lieblos und langweilig und nicht zuletzt das Missionsdesign verdirbt den letzten Spielspaß, der sich noch über Wasser halten konnte.
Am Anfang war Samurai Warriors 3 recht lustig zu Spielen. Massenschlachten, viele Charaktereund riesige Schlachtfelder haben durchaus ihren Reiz gehabt, zudem hat der Menüteil, der richtig gut designt ist, Lust auf mehr gemacht. Nett ist auch, dass jeder Charakter seine eigene Videoeinführung hat. Doch leider endet die Liste der auffallend guten Sachen hier bereits, alles andere wirkt lieblos und langweilig und nicht zuletzt das Missionsdesign verdirbt den letzten Spielspaß, der sich noch über Wasser halten konnte.

GRAFIK
Es läuft flüssig, die Grafik ist allerdings durchweg "hässlich". Alle Figuren haben einen Stock im A... Popo.
Es läuft flüssig, die Grafik ist allerdings durchweg "hässlich". Alle Figuren haben einen Stock im A... Popo.

SOUND
Warum... warum die Trash-Technoklänge von alten Beat 'em Ups in einem Spiel dass historische, japanische Schlachten beinhaltet?!
Warum... warum die Trash-Technoklänge von alten Beat 'em Ups in einem Spiel dass historische, japanische Schlachten beinhaltet?!

BEDIENUNG
Das Spiel bietet viele Steuerungsprofile und selbst in den Kämpfen wird kein endloses Herumgefuchtel nötig.
Das Spiel bietet viele Steuerungsprofile und selbst in den Kämpfen wird kein endloses Herumgefuchtel nötig.

UMFANG
Neben den Hauptmissionen gibt es noch etliche andere Inhalte, vor allem ein zweites Spiel "im Spiel" verdient durchaus Lob. In der Hauptstory unterscheiden sich allerdings die verschiedenen Stränge kaum voneinander.
Neben den Hauptmissionen gibt es noch etliche andere Inhalte, vor allem ein zweites Spiel "im Spiel" verdient durchaus Lob. In der Hauptstory unterscheiden sich allerdings die verschiedenen Stränge kaum voneinander.
SPIELSPASS
Enttäuschende, hässliche Metzelorgien ohne Sinn und Tiefgang
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Enttäuschende, hässliche Metzelorgien ohne Sinn und Tiefgang
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel