Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 30.03.2010
Objection! – Capcom lässt euch wieder in die Rolle eines Anwalts schlüpfen. Zur Abwechslung ist es dieses Mal nicht der Strafverteidiger Phoenix Wright, der die Wahrheit ans Licht bringen will, sondern einer seiner beruflichen Kontrahenten: Miles Edgeworth. Als sein Büro zum Tatort eines Mordes wird, wird der Ermittler der Staatsanwaltschaft in einige knifflige Fälle verwickelt, die sich nur mit brillanter Logik, überzeugender Rhetorik und guten Englischkenntnissen lösen lassen.
Erkenntnisse und Widersprüche
Da ist man mal einen Monat nicht in seinem Büro und schon liegt dort eine Leiche in der Ecke. So eine Dreistigkeit lässt sich eine Legende der Staatanwaltschaft natürlich nicht bieten, weswegen Miles Edgeworth höchstpersönlich die Ermittlungen in die Hand nimmt, um den Mord in seinem Büro aufzuklären. Damit beginnt ein Kriminal-Adventure, das sich komplett außerhalb des Gerichtsaals abspielt und euch in fünf Fällen direkt an die Tatorte führt. Die Geschichte ist dabei nicht besonders tiefgründig und auch Miles Edgeworth bleibt als Charakter ein bisschen blass, dennoch macht „Ace Attorney Investigons“ aufgrund einer abwechslungsreichen Gameplay-Mischung Spaß.
Der erste Schritt aller Ermittlungen ist immer die genaue Untersuchung des Tatorts. Ob Büro, Lagerhaus oder Flughafenterminal – Miles schaut sich erst einmal alles ganz genau an. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit lassen sich so viele Hinweise und Objekte finden, die ihr dann noch richtig miteinander in Verbindung bringen müsst. So setzt Miles auf Knopfdruck seine berühmte Logik ein, um zwei Hinweise miteinander zu verknüpfen. Verbindet er beispielsweise die Frage nach dem Motiv des Täters mit Fingerabdrücken auf einem Tresor, kommt er schnell zu dem Schluss, dass es sich bei dem Täter wohl um einen Dieb gehandelt hat.
Neben dem Verknüpfen von Hinweisen spielt auch das Aufdecken von Widersprüchen eine sehr wichtige Rolle. Passt irgendetwas am Tatort nicht mit euren gesammelten Hinweisen zusammen, kann Miles daraus neue Schlüsse ziehen, die Geschichte vorantreiben und der Wahrheit ein Stück näher kommen. Wenn aus der mutmaßlichen Tatwaffe nur ein einziger Schuss abgefeuert wurde, es aber zwei Einschusslöcher gibt, muss es unweigerlich noch eine weitere Pistole gegeben haben.
Natürlich können nicht einfach auf gut Glück Hinweise verknüpft oder Widersprüche benannt werden. Macht der Herr Staatsanwalt einen Fehler, sinkt der Wahrheitsmesser am Bildschirmrand ein gutes Stück. Und wenn sich diese Anzeige ganz leert, ist das Spiel vorbei und Miles hat als Ermittler versagt. Das garantiert, dass Anspruch in die Fälle kommt. Der Schwierigkeitsgrad bleibt aber dennoch niedrig. Wer die Tatorte gründlich absucht und bei der Vergabe der Logik von Gott nicht gänzlich übersprungen wurde, wird alle Fälle lösen können, ohne so richtig ins Schwitzen zu geraten. So mancher Fan von Phoenix Wright wird sich schnell einen etwas knackigeren Schwierigkeitsgrad wünschen.
Verhöre in einer Fremdsprache
Nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen sind, nimmt sich der redegewandte Staatsanwalt Verdächtige vor. Diese Verhöre laufen ebenfalls direkt am Tatort ab und bringen Abwechslung in die Ermittlungen. Verdächtige muss Miles nie lange suchen. Entweder befinden sich diese schon am Ort des Geschehens oder kommen mitten in den Untersuchungen angestürmt – um dann meistens selbst jede Menge andere Personen zu beschuldigen. Es gibt auch einige Charaktere, die immer wieder auftauchen. Dazu zählt der befreundete Kriminalbeamte Dick Gumshoe, die selbsternannte Meisterdiebin Kay und der Elite-Agent Shi-Long.
Miles ist niemand der seinem Gesprächspartner einfach so ins Wort fällt, weswegen er die Aussagen der Befragten erst einmal in Ruhe aufnimmt. Anschließend geht er die Aussagen dann noch einmal genau durch. Im Idealfall fällt ihm dabei ein Widerspruch zu gefundenen Hinweisen und Gegenständen auf, mit dem er den Verdächtigen gleich in die Enge treiben kann. Sollten die Aussagen keine neuen Ergebnisse mit sich bringen, muss Miles sie noch einmal hinterfragen oder den Verdächtigen gehörig unter Druck setzen. Hat Miles den Täter vor sich, kann er ihm mit einer Mischung aus belastenden Beweisen, Nachharken und unter Druck setzen früher oder später garantiert ein Geständnis entlocken.
Auch wenn die Verhöre ebenfall einfach zu meistern sind, bieten sie Spannung und machen Spaß. Leider hat sich Capcom aber einen nervigen Fauxpas erlaubt, den ihm so mancher Fan übel nehmen wird. Auf eine Lokalisierung hat der Publisher nämlich verzichtet, sodass deutsche Texte einzig und allein in der Spielanleitung zu finden sind, während Miles nur auf Englisch ermittelt. Bei einigen Spielen mag eine fehlende Lokalisierung nicht besonders schlimm sein - „Ace Attorney Investigations“ gehört aber nicht dazu. Erstens ist das Spiel nämlich sehr textlastig, zweitens sind Vokabeln aus der Rechtssprache nicht unbedingt Schulstoff und drittens ist das genaue Verstehen aller Hinweise und Aussagen die Vorraussetzung für das Lösen der Fälle. Wie will jemand einen Verdächtigen rhetorisch unter Druck setzen, wenn er nicht einmal einwandfrei seine Sprache spricht?
Langwierige Ermittlungen
Fünf Fälle klingen nicht gerade nach einem besonders langen Spiel, doch die Ermittlungen sind überraschend umfangreich, sodass ihr rund 15 Stunden beschäftigt sein werdet, bis alles ans Licht gekommen ist. Dabei werden die Ermittlungen auch nie unnötig in die Strecke gezogen und bleiben durchgehend spannend. Damit bietet Miles Edgeworth’ erster Auftritt als Hauptcharakter einen ordentlichen Umfang, auch wenn es weder zusätzliche Modi gibt, noch Anreize, um die bereits gelösten Fälle noch einmal unter die Lupe zu nehmen. So fesselt das Spiel zwar bis zum Ende, hat darüber hinaus aber nichts zu bieten.
Wie einfach könnte die Untersuchung der Tatorte auf dem Nintendo DS doch von der Hand gehen, wenn ihr nur einen Gegenstand mit dem Stylus berühren bräuchtet, damit Miles ihn unter die Lupe nimmt. Warum die Entwickler auf diese bequeme Bedienung verzichten, deckt der Staatsanwalt leider in keinem der Fälle auf. Deswegen müsst ihr euch einfach damit abfinden, dass das Geschehen auf dem oberen Bildschirm abläuft, während ihr Miles bewegt, indem ihr den Stylus auf dem Touchscreen über eine sogenannte Movement-Schaltfläche führt.
Auf dem Touchscreen befinden sich außerdem einige Buttons, mit denen ihr in der Nähe befindliche Objekte untersucht, Widersprüche benennt, Hinweise zusammenfügt oder Verdächtige unter Druck setzt. Das Ganze funktioniert vor allem bei der Untersuchung nicht ganz ideal, da oft mehrere Objekte nebeneinander liegen, die sich so nicht eindeutig anwählen lassen. Es ist zwar schön, alternativ auch noch eine Steuerung über die Knöpfe geboten zu bekommen, aber auch das ist nicht so bequem, wie es der Nintendo DS bieten könnte.
Technisch werden Miles Ermittlungen gut in Szene gesetzt. Überzeugen können vor allem detaillierten und farbenprächtigen Charaktermodelle, die sich allerdings durch recht triste und unspektakuläre Tatorte bewegen. Die Musik hält sich zwar eher im Hintergrund, trägt mit passenden Klängen aber durchweg ihren Teil zur Krimi-Atmosphäre bei. Sprachausgabe gibt es leider keine – mal abgesehen von dem berühmten „Objection!“, mit dem ihr übrigens auch über das Mikrofon Einspruch erheben könnt.
Sascha Geldermann meint...
Vielleicht sollte ich doch mal über ein Jurastudium nachdenken. Miles Edgeworth hat auf seine brillante Art nämlich viele meiner Vorurteile widerlegt. Jura ist langweilig? Das kann mir nach dieser spannenden Mischung aus Ermitteln und Verhören niemand mehr erzählen! Jura ist schwer? Von wegen: Die fünf Fälle waren mir sogar ein bisschen zu einfach. Nur meine Englischkenntnisse sollte ich vor der Aufnahmeprüfung noch einmal auffrischen – denn die müssen bei „Ace Attorney Investigons“ sehr gut sein, um Verdächtige an die Wand reden zu können.
Vielleicht sollte ich doch mal über ein Jurastudium nachdenken. Miles Edgeworth hat auf seine brillante Art nämlich viele meiner Vorurteile widerlegt. Jura ist langweilig? Das kann mir nach dieser spannenden Mischung aus Ermitteln und Verhören niemand mehr erzählen! Jura ist schwer? Von wegen: Die fünf Fälle waren mir sogar ein bisschen zu einfach. Nur meine Englischkenntnisse sollte ich vor der Aufnahmeprüfung noch einmal auffrischen – denn die müssen bei „Ace Attorney Investigons“ sehr gut sein, um Verdächtige an die Wand reden zu können.

GRAFIK
Detaillierte Charaktermodelle bewegen sich durch sterile Tatorte.
Detaillierte Charaktermodelle bewegen sich durch sterile Tatorte.

SOUND
Die Musik begleitet das Geschehen passend. Die Sprachausgabe ist aber nicht erwähnenswert.
Die Musik begleitet das Geschehen passend. Die Sprachausgabe ist aber nicht erwähnenswert.

BEDIENUNG
Es ist schön zwei Steuerungsoptionen zu haben, insgesamt hätte die Bedienung aber besser gelöst werden können.
Es ist schön zwei Steuerungsoptionen zu haben, insgesamt hätte die Bedienung aber besser gelöst werden können.

UMFANG
Fünf umfangreiche Fälle beschäftigen eine Weile, es gibt aber kaum Modi.
Fünf umfangreiche Fälle beschäftigen eine Weile, es gibt aber kaum Modi.
SPIELSPASS
Abwechslungsreicher Krimi – leider ohne Lokalisierung.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Abwechslungsreicher Krimi – leider ohne Lokalisierung.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel