Red Steel 2
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 30.03.2010
Mit Red Steel feierte Ubisoft damals auf der Wii seinen Einzug, und stolperte gleich über die Steuerungshürde, die dem Spiel höhere Wertungen verwehrte. Nun kommt ein neuer Teil heraus, und erneut muss sich Ubisoft einer Herausforderung stellen: Red Steel 2 unterstützt nicht nur das MotionPlus ´Feature, sondern setzt den Controlleraufsatz direkt voraus, um noch realistischer durch das neue Szenario zu metzeln. Hat der Hersteller aus den Fehlern des ersten Teils gelernt oder haben wir erneut ein Fuchtel-Spiel vor uns, von dem wir außer schmerzenden Armen und Handgelenken nichts haben?
Japanischer Flair im Westernlook
Die Wüste. Die Sonne brennt heiß auf unseren Körper, doch das ist unser kleinstes Problem. Denn schon bald hängen wir, an einem Seil gefesselt, an einem Motorrad und werden durch den Wüstensand gezogen, über Steine, Felsen und Kakteen hinweg. Dass dies nicht gerade freundlich gemeint ist, wird spätestens klar, als der Motorradfahrer erneut Gas gibt, als einige herumlungernde Typen sagen, dass wir noch nicht tot sind. Doch durch einen letzten Kraftakt schaffen wir es, dass Motorrad zu Fall zu bringen und zu fliehen. Und wir wollen nur eins... Rache.So könnte man den Einstig in Red Steel 2 beschreiben. Das kleine Städtchen Caldera, mitten im Wüstenstaat Nevada (USA), wird von einer brutalen Gang namens Jackals angegriffen und niedergebrannt. Die Kusagari, eine Art Samurai-Clan, der in der Stadt beheimatet war, wird bei diesem Angriff komplett vernichtet. Komplett – naja, nicht ganz. Denn vor 5 Jahren verbannten die Kusagari einen ihrer Kämpfer, der nun aus dem Exil zurückgekehrt ist, und seine Heimat in Trümmern vorfindet.
Was darauf folgt ist ein abgedrehter Mix aus Egoshooter und Schwert-Action, in einer faszinierenden Welt, die irgendwo zwischen klassischen Western-Abenteuern, asiatischen Tempeln und Hightech liegt.
Das Spiel selbst läuft allerdings recht monoton ab. Nachdem wir uns in der Stadt wiedergefunden haben, mit einer Pistole und einem schlechten Schwert bewaffnet, kontaktiert uns kurze Zeit später ein alter bekannter und bringt uns die Grundzüge des Spieles bei – zumindest was das Schwer angeht. Die Steuerung funktioniert auch ganz gut, das Schwert folgt schnell und präzise unseren Bewegungen, auch wenn nicht immer alles richtig erkannt wird. Insgesamt ist die Steuerung, auch durch das MotionPlus Feature, wesentlich genauer und präziser als beim ersten Teil.
Was allerdings fehlt, ist die klare Abwechslung. Die Straßen von Caldera und den beiden anderen Städten, die wir durchlaufen (eine Geisterstadt und ein versteckter Ort in einem Canyon) sind, für Wüstenverhältnisse, sauber und fast schon steril. Besonders Caldera wirkt dabei kalt und leblos, als ob bereits vor dem Überfall der Jackals keine Menschen hier gelebt hätten.
Die meiste Zeit verbringen wir übrigens mit Herumgelaufe. Die Städte sind recht groß und teilweise stark verwinkelt, sodass wir ab und an einmal durchaus den falschen Weg nehmen. Zum Glück haben wir eine Minikarte, auf der uns ein grüner Pfeil immer schön anzeigt, wo wir uns gerade hinbegeben müssen.
Bis es dann allerdings einmal zum Kampf kommt, müssen wir unter Umständen eine ganze Weile laufen. Wenn wir dann einmal Kämpfen, ist dies immer gegen mehrere Gegner (selten wartet nur ein einziger auf uns), die wir dann auch leider sehr schnell ins Jenseits befördert haben. Gerade am Anfang sind unsere Gegenspieler reines Kanonenfutter und die Kampfsequenzen dauern selten länger als 30 Sekunden. Die einzige Ausnahme bilden die größeren Gegner, die uns mit Doppelschwertern, Gatling-Guns oder Riesenhämmern auf den Pelz rücken. Diese Gegner können wir nur an ihrem Rücken verletzen, weil sie alles was von vorne kommt automatisch abblocken, selbst Schüsse aus einem Maschinengewehr (Johnnygun). Alle anderen Widersacher liegen nach ein paar Schwerthieben oder Pistolenschüssen auf dem Boden und können mit einem Finisher zur Strecke gebracht werden. Zusätzlich bekommen wir während des Spieles noch mehr Techniken beigebracht, wie wir uns entweder verteidigen können, oder noch effektiver angreifen. Manche dieser Techniken sind allerdings Nutzlos, da sie entweder zu kompliziert sind oder einfach nicht gebraucht werden, weil die Gegner vor unserem Katana wie Streichhölzer in die Knie gehen.
Leider bilden die Bosskämpfe, die auch im Spiel vorkommen, ebenfalls keine Ausnahme zu diesen leichten Gegnern. Groß angekündigt, liegen die Schwertmeister meist nach einigen Sekunden auf dem Boden, was auch beim Finalkampf des Spieles zutrifft. Da ist der Gevatter mit der Gatling schwerer zu schaffen und bringt uns garantiert öfters ins Schwitzen.
Im Goldrausch
Um die eben angesprochenen Geheimschläge, sowie neue Waffen und Verbesserungen zu kaufen, benötigen wir Geld. Das bekommen wir zum Beispiel, wenn wir Missionen abschließen. Jede Hauptmission ist mit einem bestimmten Geldbetrag verbunden, den wir bekommen, wenn wir sie erfolgreich abschließen – Logisch. Und das Geld brauchen wir auch, denn zu Anfang besitzen wir gerade einmal eine einfache Pistole, und die anderen drei Waffen kosten mächtig Asche.Eine andere Möglichkeit, an Geld zu kommen, sind die Nebenmissionen, die allerdings immer nur aus Sammelaufgaben bestehen. Zum Beispiel „zerstöre alle Steckbriefe in der Stadt“ oder „aktiviere alle Sendemasten“. Glücklicherweise müssen wir diese Aufgaben allerdings nicht erfüllen, sodass das Zusammensuchen der Steckbriefe nicht das vorankommen in der ca. 15 Spielstunden umfassenden Kampagne aufhält.
Denn selbst wenn wir teilweise viel Geld für die Nebenmissionen bekommen, gibt es doch eine wesentlich einfachere Möglichkeit, in Red Steel 2 an Knete zu gelangen. Denn es ist, wenn man drüber nachdenkt, kein Wunder, warum Caldera von den Banditen angegriffen wurde – die Stadt schwimmt geradezu in Geld. Das Spiel ist regelrecht vollgestopft mit Fässern, Kisten und Munitionsdepots. Alles ist natürlich zerstörbar, und in jedem einzelnen finden wir Geld. Und: sie kommen immer wieder, jedes mal wenn wir den Levelabschnitt wechseln. Für die Finanzierung unserer Ausrüstung und deren Aufwertung ist also gesorgt, wenn man sich denn die Mühe macht, auch alles zu zerstören, was man findet. Wie gesagt, das Spiel ist voll mit Kisten und Fässern, praktisch überall stehen sie herum und füllen teilweise ganze Räume aus.
Die Spielwelt ist übrigens in diesem Teil in Comicgrafik gehalten, die mehr oder weniger stark auf Celshading setzt. Für das ungewöhnliche Setting ist die Grafik eine zusätzliche Unterstützung und sie lässt das Spiel wunderbar flüssig ablaufen. Auch optisch gesehen macht das Spiel einiges her und belohnt uns mit guten Explosionen und flotten Charakteranimationen. Einzig und allein die ein oder andere verwaschene Textur, besonders bei Plakaten und Postern, zieht die Optik etwas herunter, ansonsten sieht das Spiel super aus und läuft wunderbar flüssig.
Ein weiterer Kritikpunkt des Spieles sind allerdings die Nebencharaktere. Es gibt neben uns noch 4 „Gute“ im Spiel: den Sheriff „Steve Judd“, Jian (der Schwertmeister), Tamiko, von der wir unsere Missionen erhalten, und Songan, ein zwielichtiger Krimineller, dem der Profit an erster Stelle steht. Diese Charaktere wirken allerdings lose zusammengewürfelt und tauchen seltsamerweise überall dort auf, wo wir gerade sind. Jian fährt uns zudem das gesamte Spiel über an, wir wären Abschaum, sagt dann aber, dass er froh wäre, dass wir da sind. Generell ist die Handlung eher zweitrangig im Spiel. Die Missionen bestehen aus „geh' da hin, komm zurück. Dann geh' wo anders hin, und komm wieder zurück.“ mit den Obligatorischen „töte den, rette das, finde dieses“ im Nebensatz. Um noch einmal auf die Steuerung einzugehen: Red Steel ist der erste Titel, bei dem ich das MotionPlus richtig bemerkt habe. Die Bewegungserkennung ist schnell und macht das Schwingen des Katanas zu einer leichten und spaßigen Art des Kämpfens – weit ab von den nervenden Schüttelorgien vergleichbarer Spiele. Auch die Bewegung und die Umsetzung der einzelnen Geheimtechniken – ob jetzt sinnvoll oder nicht – macht einiges her und zeigt, dass Ubisoft sich die Kritik des ersten Teiles doch zu Herzen genommen hat. Einen Nachteil hat die Steuerung allerdings doch, denn nach 15 Stunden Schwerterschlagen hat sich ein kräftiger Muskelkater in den Armen und ein stechender Schmerz im Handgelenk eingenistet.
Bleibt noch als letztes der Sound zu erwähnen. Der ist leider höchstens durchschnittlich ausgefallen. Die Hintergrundmusik klingt gut, allerdings herrscht im Spiel des öfteren Stille, bis irgendwann die Western typische Hintergrundmusik einsetzt. Allerdings klingt diese gerade in den Kämpfen sehr gut, wenn sie nicht nach einiger Zeit aufhören würde und wir im stillen weiter mit unseren Feinden ringen. Eher dürftig sind die Sprecher, aber zumindest ist das Spiel komplett in Deutsch gehalten.
Einen Online-Multiplayer oder zumindest eine lokale Variante gibt es leider nicht, dafür ist die Spielzeit von 15 Stunden im Vergleich zu anderen Titeln in Ordnung.
Aljoscha Reuther meint...
Auch wenn ich mehrmals gelangweilt war, hat mich Red Steel 2 doch von der ersten Minute gefesselt und mich sehr gut unterhalten. Gut, die Story und Missionen sind sehr eintönig und auch die Charaktere im Spiel könnten vielleicht besser sein, doch das alles verblasst, wenn ich meine Feinde mit einem gekonnten Schlag mit der Wii-Fernbedienung ins Datennirvana befördere. Leider stören dann doch wieder Dinge wie Langweilige und zu einfache Endkämpfe, die teilweise so kurz sind, dass man an normalen Gegnern länger arbeiten muss. Zusammen mit dem wirklich genial ausgedachten Szenario ist Red Steel 2 aber ganz klar die erhoffte Verbesserung zum Vorgänger, und hoffentlich nimmt sich Ubisoft auch diesmal die Kritik zu Herzen und liefert im 3. Teil dann noch eine bessere Story und eine lebendigere Spielwelt ab.
Auch wenn ich mehrmals gelangweilt war, hat mich Red Steel 2 doch von der ersten Minute gefesselt und mich sehr gut unterhalten. Gut, die Story und Missionen sind sehr eintönig und auch die Charaktere im Spiel könnten vielleicht besser sein, doch das alles verblasst, wenn ich meine Feinde mit einem gekonnten Schlag mit der Wii-Fernbedienung ins Datennirvana befördere. Leider stören dann doch wieder Dinge wie Langweilige und zu einfache Endkämpfe, die teilweise so kurz sind, dass man an normalen Gegnern länger arbeiten muss. Zusammen mit dem wirklich genial ausgedachten Szenario ist Red Steel 2 aber ganz klar die erhoffte Verbesserung zum Vorgänger, und hoffentlich nimmt sich Ubisoft auch diesmal die Kritik zu Herzen und liefert im 3. Teil dann noch eine bessere Story und eine lebendigere Spielwelt ab.

GRAFIK
toller Comic-Look, ruckelfrei, teils aber verwaschene Texturen
toller Comic-Look, ruckelfrei, teils aber verwaschene Texturen

SOUND
gute Hintergrundmusik
gute Hintergrundmusik

BEDIENUNG
super MotionPlus Unterstützung
super MotionPlus Unterstützung

UMFANG
15 Stunden Spielspaß, aber wieder ohne Mehrspieler
15 Stunden Spielspaß, aber wieder ohne Mehrspieler
SPIELSPASS
Fetzige Schwertaction im abgedrehten Western-Setting
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Fetzige Schwertaction im abgedrehten Western-Setting
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel