Harvest Moon: Baum der Stille
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 19.03.2010
Harvest Moon, eine Serie die ihren Anfang bereits zu Zeiten des SNES hatte und sich immer noch größter Beliebtheit erfreut. Das Leben auf einer Farm, die tägliche Arbeit, ohne Pause für seinen Lebensunterhalt zu schuften, treibt vielen Spielern immer wieder die Freude in die Augen – Never change a winning Team. Diese Strategie behält die Serie auch diesmal bei und schickt mit dem „Baum der Stille“ eine weitere Variante des Farmerlebens auf die Wii – diesmal sogar als Exklusivtitel. Doch kann eine weitere Neuverpackung des Spieles erneut überzeugen?
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist...
...ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist. So ein altes Bauernsprichwort, mit hohem Wahrheitsgehalt. Ähnlich kann man die Harvest Moon Serie beschreiben, die wie eben schon erwähnt ihrer Tradition bis ins Detail treu bleibt und nur selten einige wenige Änderungen einfließen lässt. Den Fans gefällt es und sie stürzen sich jedes mal aufs Neue in das Leben als Landwirt.Der Wii-Exklusive Ableger „Baum der Stille“ reiht sich perfekt in die Serie ein: als unbekümmerter Neuling reisen wir (diesmal per Schiff) in eine entfernte Stadt, in der uns eine rosige Zukunft versprochen wird. In der Stadt angekommen (und nach kurzer Seekrankheit genesen) empfängt uns direkt der Bürgermeister, fragt uns wer wir sind, sagt uns wo wir sind und was wir wohl zu tun haben: uns in der gesamten Stadt bekannt machen und uns von jedem einzelnen Bewohner vollreden lassen. Danach dann eine kurze Einweisung (diesmal als Arbeiter auf einer bereits vorhandenen Farm) und dann auf unsere Farm. Dann noch 1-2 Tage immer wieder Ratschläge bekommen... und dann läuft das Spiel. Ächtz. In dieser Zeit sind bereits um die 3-4 Spielstunden vergangen.
Ach ja, man darf den spirituellen Teil nicht vergessen. Denn bis auf wenige Ausnahmen gibt es im Harvest Moon immer noch eine Nebengeschichte, die vom Farmeralltag abweicht: in diesem Fall bittet uns die Erntegöttin, so gut auf der Farm zu arbeiten, dass der Baum der Stille (daher der Spieltitel) wieder blühen kann. Heißt im Klartext: Ackern bis der Arzt kommt. Felder bestellen, Ernten, Tiere füttern, aufziehen und pflegen, Ställe bauen und und und. Die Möglichkeiten sind, wie aus der Serie bekannt, sehr vielfältig und das Spiel nimmt kein Ende. Seit einiger Zeit ist auch das Heiraten und Kinderkriegen ein fester Bestandteil des Spielgeschehens. Dazu müssen wir unsere geliebte aus der Stadt umgarnen und dafür sorgen, dass sie sich in uns verliebt. Mit etwas Glück findet dann eine grandiose Hochzeit statt und schon liegen wir in festen Händen. Und wer die daraus entstehenden Kinder richtig erzieht, bekommt sogar später tatkräftige Hilfe auf seiner Farm.
Apropos Farm, die können wir auch diesmal an verschiedenen Stellen „wählen“: zum Beispiel an der See, wo wir zwar viel Platz, aber nicht ganz so fruchtbare Erde haben, oder in der Nähe der Stadt, wo allerdings der Platz stark eingeschränkt ist. Die Wahl bleibt im Endeffekt dem Spieler überlassen, genau so wie die Wahl unseres Geschlechtes.
Natürlich ist da Gameplay wieder äußerst dialoglastig, die Dorfbewohner schwafeln uns immer und immer wieder zu, zu jeder Gelegenheit reden sie mit uns und lassen uns dann nicht einmal das Gespräch abbrechen. Wer zur falschen Zeit den falschen Knopf drückt kann teilweise in Minutenlange Gespräche verwickelt werden – wenn man denn auch mitliest.
Auf der anderen Seite garantiert auch dieses Harvest Moon einen tage- wenn nicht sogar wochenlangen Spielspaß. Da das Spiel, nachdem das Tutorial abgeschlossen ist, praktisch nie endet, gibt es auch nicht wirklich ein Ziel. Klar, wir können den Baum der Stille wieder erwecken, eine Familie gründen und alle Erweiterungen und Zusätze für unser Haus kaufen, doch selbst dann gibt es kein Ende. Fans der Serie erwartet also wieder ein an Umfang und Spielzeit riesengroßes Paket, das man in anderen Spielen praktisch vergeblich sucht.
Was der Bauer nicht kennt...
...frisst er nicht. Wieder ein Sprichwort, und es passt wieder wie die Faust aufs Auge. Denn wie schon gesagt, die Serie bleibt sich selbst treu, wie ein Rentnerehepaar. Die Welt von Harvest Moon wirkt praktisch wie aus einem Guss und das Bewirtschaften der Farm macht einen Riesen Spaß – wenn man Zeit hat. Technisch wirkt der neue Teil allerdings etwas zu Konservativ. Die Grafik ist zwar recht hübsch, allerdings sehr altbacken und unspektakulär. Ähnlich wie in „Magical Melody“, dem letzten Teil für die Wii, eigentlich ein Gamecube-Port, haben wir eine feste Kameraperspektive (zumindest lies sich die Kamera nicht einstellen), allerdings wurde diesmal zum Glück auf Winzfiguren mit Riesenköpfen verzichtet. Unsere Spielfiguren, wie alle anderen auch, haben eine normale und Proportional nur leicht veränderte Form und auch die Häuser wurden leicht angepasst. Insgesamt ist etwas mehr Vegetation und Detailverliebtheit im Spiel zu finden, doch die Grafik reicht auch damit nur ins untere Mittelfeld. Beim Sound sieht's genau so aus, bis auf die Musik und ein paar Geräusche gibt es nicht viel, was aus den Lautsprechern kommt. Sprachausgabe wäre vielleicht zu viel des Guten gewesen, aber ein paar Geräusche mehr wären doch wohl drin gewesen, oder?Auch die Steuerung fällt absolut in das Standardraster der Serie. Alles klappt zwar ganz gut, allerdings fehlen die charakteristischen Funktionen der Wii Fernbedienung, und wenn sie vorhanden sind, wirken sie aufgesetzt, fast so, als wollte das Spiel daran erinnern, dass man doch an der Wii spielt, und nicht an einer anderen Konsole. Daraus resultieren dann leider auch einige Unannehmlichkeiten, zum Beispiel ist das Zielen mit der Steuerung eine reine Fuckelarbeit, die etwas Übung erfordert. Apropos Übung, Neueinsteiger werden es schwer haben, sich in der Serie zurecht zu finden. Baum der Stille ist in sich zwar ein guter Ableger der Serie und lässt diverse andere Vertreter hinter sich, allerdings wird trotz übermäßigem Gerede vieles nicht auf Anhieb klar und viele Spieler werden eine lange Zeit im Dunkeln tappen, bis sie sich ins Spielgeschehen eingefunden haben. Aber auch das ist ja nichts neues.
Aljoscha Reuther meint...
Harvest Moon zeigt, dass man mit einer recht simplen Idee eine Serie über Jahre hinweg erfolgreich machen kann. Jeder neue Teil behält das Spielprinzip bei, jeder neue Ableger bringt Änderungen auf der Mikroebene mit, die es den Fans aber jedes Mal schwer macht, an den Regalen vorbei zu gehen. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt auch Baum der Stille, allerdings wurde mir beim Spielen das ein oder andere Mal schon sehr langweilig und ich habe mich gefragt, wo denn einmal die Neuerungen bleiben. Ansonsten ist es wie immer: viel gerede, viel Spielzeit, und, wenn man sich drauf einlässt, wochenlanger Spielspaß auf dem Virtuellen Bauernhof. Aber es ist wie es ist, das gleiche Spiel, immer wieder in neuer Verpackung. So langsam müsste doch einmal etwas frischer Wind von der See in Richtung des Bauernhofes wehen.
Harvest Moon zeigt, dass man mit einer recht simplen Idee eine Serie über Jahre hinweg erfolgreich machen kann. Jeder neue Teil behält das Spielprinzip bei, jeder neue Ableger bringt Änderungen auf der Mikroebene mit, die es den Fans aber jedes Mal schwer macht, an den Regalen vorbei zu gehen. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt auch Baum der Stille, allerdings wurde mir beim Spielen das ein oder andere Mal schon sehr langweilig und ich habe mich gefragt, wo denn einmal die Neuerungen bleiben. Ansonsten ist es wie immer: viel gerede, viel Spielzeit, und, wenn man sich drauf einlässt, wochenlanger Spielspaß auf dem Virtuellen Bauernhof. Aber es ist wie es ist, das gleiche Spiel, immer wieder in neuer Verpackung. So langsam müsste doch einmal etwas frischer Wind von der See in Richtung des Bauernhofes wehen.

GRAFIK
etwas detailreicher, aber dennoch stark veraltet
etwas detailreicher, aber dennoch stark veraltet

SOUND
was man hört klingt gut, wenn man denn irgendwann einmal etwas hört
was man hört klingt gut, wenn man denn irgendwann einmal etwas hört

BEDIENUNG
grundsolide Steuerung, die Features der Wii-Fernbedienung wirken allerdings reingepresst
grundsolide Steuerung, die Features der Wii-Fernbedienung wirken allerdings reingepresst

UMFANG
umfangreich wie eh und je
umfangreich wie eh und je
SPIELSPASS
Neuer Ableger der Serie ohne große Neuerungen
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Neuer Ableger der Serie ohne große Neuerungen
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel