Endless Ocean 2: Der Ruf des Meeres
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 12.02.2010
Unglaublicher Zeitdruck, Scharen von Gegnern, Aufgaben über Aufgaben – Videospiele können richtig stressig sein. Doch keine Angst vor dem Burnout-Syndrom: Mit „Endless Ocean 2“ schickt Nintendo gestresste Zocker in den verdienten Urlaub. Das Reiseziel ist der Meeresgrund und auf dem Programm stehen entspannende Tauchgänge und gemütliche Erforschungen.
Abenteuer und Entspannung
Im Vergleich zum Erstling setzt „Der Ruf des Meeres“ deutlich mehr auf Abenteuer. Das heißt aber keineswegs, dass „Endless Ocean 2“ viel Spannung oder gar Stress beinhaltet. Viel mehr legt das Spiel einfach mehr Wert auf eine Story als sein Vorgänger. Als tauchbegeisterter Student geht ihr dabei den Legenden nach, die sich um das geheimnisvolle „Lied des Drachen“ ranken. Diese Nachforschungen führen euch rund um die Welt, in die Tiefen des Ägäischen Meeres genauso wie in das eiskalte Wasser des antarktischen Ozeans. Die Geschichte ist nicht besonders tiefgreifend, es ist aber motivierend, nicht planlos durch die sieben Weltmeere zu tauchen, sondern immer ein festes Ziel vor Augen zu haben.
Bei eurem ersten Tauchgang nimmt euch eine virtuelle Partnerin an die Hand, die euch die Grundlagen erklärt. Besonders viel müsst ihr nicht beachten. Ihr orientiert euch anhand der Tiefenanzeige und einem Kompass. Außerdem wird bei euren Tauchgängen automatisch eine Karte gezeichnet. Ansonsten müsst ihr noch die Luftanzeige am Bildschirmrand im Auge behalten. Diese leert sich zum einen mit der Zeit, zum anderen aber auch, wenn ihr von wilden Tieren attackiert werdet. Zerfleischte Taucher und Wasserleichen passen allerdings nicht zum erholsamen Konzept von „Endless Ocean 2“. Stattdessen werdet ihr bei einer leeren Luftanzeige einfach zu eurem Boot zurückgebracht, das euch als Basis dient, von der aus ihr Tauchorte auswählt und den Spielstand sichert.
Bei den Tauchgängen wechselt ihr per Knopfdruck zwischen einer Schulterperspektive und einer Ego-Ansicht. Auf die Steuerung hat das keinen Einfluss. In beiden Fällen ist ein Cursor auf dem Bildschirm die wichtigste Bedienungshilfe. Mit ihm könnt ihr Meeresbewohner fokussieren oder euch drehen, in dem ihr ihn zum Bildschirmrand bewegt. Die Steuerung ist schnell erlernt, aber anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Ihr seid nämlich sehr träge unterwegs, was allerdings bei einem Konzept wie dem von „Endless Ocean 2“ nicht weiter stört. Mit der Zeit gewöhnt ihr euch an die langsamen Bewegungen, zumal schnelle Reflexe eh nie gefordert werden. Irritierend sind nur die gelegentlichen Passagen, bei denen ihr an Land geht. Hier unterscheidet sich die Steuerung nicht von der Bedienung unter Wasser, was etwas fehl am Platz wirkt.
Viele Aufgaben, keine Herausforderungen
Das Lied des Drachen gibt euch einen groben Weg vor, Aufgaben müssen aber nie innerhalb eines bestimmten Zeitlimits erfüllt werden. „Endless Ocean 2“ ist ein virtueller Erholungsurlaub, der euch niemals in Stress versetzt. Die fehlende Spannung wird so manchen Zocker sicherlich langweilen. Doch wer sich auf dieses Spiel einlässt, kann sich seiner Faszination nur schwer entziehen. Die Unterwasserwelt wirkt unheimlich lebendig. Wenn ihr durch Korallengärten taucht umschwärmt von unzähligen Fischen und dabei auf Schätze stößt, geratet ihr schnell in Trance. Und da sind die vielen kleinen unvergessliche Momente, in denen ihr ein Waljunges beim Säugen beobachtet oder einem weißen Hai begegnet. Es ist nicht Spannung von der „Endless Ocean 2“ lebt, sondern gerade Entspannung und die Faszination der Unterwasserwelt.
Auch ohne feste Zielvorgaben, habt ihr eine Menge an Möglichkeiten. Ihr könnt einfach nur das Meer erforschen, Fische füttern und den Boden nach Schätzen absuchen. Es lassen sich aber auch Jobs annehmen. So führt ihr anderen Taucher durch das Meer und zeigt ihnen besondere Plätze, wie Unterwassertempel oder dunkle Höhlen. Oder ihr schießt Fotos von den rund 300 verschiedenen Meeresbewohnern, die dann in einem Magazin veröffentlicht werden. Und es gibt noch viel mehr zu tun, vom Kartenzeichnen bis hin zum Trainieren von Delphinen. Mit einer Pfeife lassen sich trainierte Tiere sogar immer wieder rufen, die euch dann bei euren Tauchgängen begleiten.
Auf eurer Reise durch die Weltmeere hilft euch eine Reihe von Geräten, die ihr nach und nach erhaltet. Unterwasserstifte dienen dazu unter Wasser den Weg zu markieren und erleichtern euch das Leben damit sehr. Für die Schatzsuche ist der Multisensor unverzichtbar. Dieses Werkzeug sendet spezielle elektromagnetische Wellen aus, mit denen sich besondere Objekte orten lassen. Auch der sogenannte Pulsar arbeitet mit elektromagnetischen Impulsen. Allerdings dient dieses Gerät nicht zum Orten von Gegenständen, sondern zum Heilen von verletzten Meeresbewohnern und zum Beruhigen von gefährlichen Tieren. Allerdings wirkt ein aggressiver Hai gefährlicher als er in Wirklichkeit ist. „Endless Ocean 2“ bietet sehr viele Aufgaben, aber keine richtigen Herausforderungen. Das wird einige Zocker sicherlich langweilen, während sich andere über die Entspannung in Reinform freuen.
Gespräche in der Tiefsee
Wenn ihr nicht gerade im Meer unterwegs seid, dann auf der Neunerinsel. Hier nehmt ihr Aufträge an, kauft Items und redet mit anderen Charakteren. Außerdem dürft ihr ein eigenes Riff bepflanzen, was je nach Flora auch eine bestimmte Fauna anzieht. Und auch ein Aquarium gibt es wieder, das ihr nach eigenem Belieben mit gefangenen Tieren füllen dürft. Auch wieder dabei ist der Online-Modus. Während ihr lokal höchstens virtuelle Begleiter mit zum Meeresgrund nehmt, ladet ihr über die Wi-Fi Connection einfach einen Freund zum Tauchen ein. Das Ganze unterstützt dieses Mal sogar Wii Speak, sodass anregenden Unterhaltungen unter Wasser nichts mehr im Wege steht.
Während Wii Speak erstmals unterstützt wird, haben die Entwickler ein interessantes Feature gestrichen, das den Vorgänger noch sehr bereichert hatte: Es ist nicht mehr möglich, eigene Lieder über die SD-Karte abzuspielen. Zumindest kann aber die vorgegebene Musik mit ruhigen Klängen überzeugen und zur Entspannung beitragen. Auch wenn es seltsam ist, dass die Musik immer sanft dahinfließt – egal ob ihr durch einen Korallengarten schwimmt oder von einem Buckelwal angegriffen werdet. Um einiges schlimmer ist allerdings die fehlende Sprachausgabe. Die Charaktere bewegen an Land zwar die Lippen, bleiben aber stumm. Und auch der Funkkontakt bei Tauchgängen beschränkt sich auf reinen Text. Das wirkt einfach nur rückständig und trübt die ansonsten stimmige Unterwasser-Atmosphäre unnötig.
Bei der Grafik fallen nur die etwas unsauberen Modelle der Taucher negativ auf. Abgesehen davon haben die Entwickler aber eine faszinierende und lebendige Unterwasserwelt erschaffen. Ihr erforscht die unterschiedlichsten Schauplätze, an denen sich Meeresbewohner tummeln, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch realistisch bewegen und verhalten. Und nicht zuletzt das gelungene Spiel mit dem Licht sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre unter Wasser. Das macht es euch besonders leicht, den Urlaub auf dem Meeresgrund zu genießen.
Sascha Geldermann meint...
„Endless Ocean 2“ hat es mir nicht schwer gemacht, einfach mal abzuschalten und mich im virtuellen Meer treiben zu lassen. Die Unterwasserwelt ist faszinierend und viele Entdeckungen werden mir lange in Erinnerung bleiben. Vor richtige Herausforderungen stellte mich das offene Spielprinzip zwar nicht, die hatte ich aber auch nicht erwartet. Das Besondere an diesem Tauchgang ist ja schließlich, dass er statt Spannung pure Entspannung bietet.
„Endless Ocean 2“ hat es mir nicht schwer gemacht, einfach mal abzuschalten und mich im virtuellen Meer treiben zu lassen. Die Unterwasserwelt ist faszinierend und viele Entdeckungen werden mir lange in Erinnerung bleiben. Vor richtige Herausforderungen stellte mich das offene Spielprinzip zwar nicht, die hatte ich aber auch nicht erwartet. Das Besondere an diesem Tauchgang ist ja schließlich, dass er statt Spannung pure Entspannung bietet.

GRAFIK
Die Unterwasserwelt sieht fantastisch aus - was man über die unsauberen Charaktermodelle nicht sagen kann.
Die Unterwasserwelt sieht fantastisch aus - was man über die unsauberen Charaktermodelle nicht sagen kann.

SOUND
Die sanfte Musik passt zum Tauchgeschehen, aber wieso gibt es keine Sprachausgabe?
Die sanfte Musik passt zum Tauchgeschehen, aber wieso gibt es keine Sprachausgabe?

BEDIENUNG
Die Steuerung ist zugänglich aber sehr träge.
Die Steuerung ist zugänglich aber sehr träge.

UMFANG
Viele Aufgaben und Online-Tauchgänge halten bei Laune. Leider könnt ihr dabei nicht mehr wie beim Vorgänger eigene Musik hören.
Viele Aufgaben und Online-Tauchgänge halten bei Laune. Leider könnt ihr dabei nicht mehr wie beim Vorgänger eigene Musik hören.
SPIELSPASS
Entspannender Urlaub auf dem Meeresgrund.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Entspannender Urlaub auf dem Meeresgrund.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel